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Kirchschletten

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Kirchschletten
Koordinaten: 50° 1′ N, 10° 59′ OKoordinaten: 50° 0′ 51″ N, 10° 58′ 37″ O
Höhe: 302 (294–313) m ü. NHN
Fläche: 2,31 km²[1]
Einwohner: 99 (31. Dez. 2025)[2]
Bevölkerungsdichte: 43 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Juli 1972
Postleitzahl: 96199
Vorwahl: 09547
Luftaufnahme (2021)
Luftaufnahme (2021)
St. Johannes der Täufer

Kirchschletten (bambergisch: Kärchschliädn) ist ein Gemeindeteil des Marktes Zapfendorf im Landkreis Bamberg (Oberfranken, Bayern).[3] Die Gemarkung Kirchschletten hat eine Fläche von 2,312 km². Sie ist in 270 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 8563 m² haben.[1][4]

Das Pfarrdorf liegt auf freier Flur an der Aspach, einem linken Zufluss des Mains. Die Kreisstraße BA 6 führt nach Oberoberndorf (1 km östlich) bzw. nach Roth (1,7 km südlich). Die Kreisstraße BA 47 führt die Bundesautobahn 73 unterquerend nach Zapfendorf (3 km westlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße verbindet mit Reuthlos (1 km nordwestlich).[5] Durch den Ort verläuft der Fränkische Marienweg.

Die Umgebung war bereits in der vorchristlichen Zeit besiedelt, wie zahlreiche Funde belegen.

Kirchschletten wurde im Jahre 1125 erstmals urkundlich erwähnt. Jedoch dürfte der Ort schon im 8. Jahrhundert bestanden und gegen Ende des 8. Jahrhunderts eine gewisse regionale Bedeutung gehabt haben. Mit großer Wahrscheinlichkeit befand sich in Kirchschletten eine der 14 Slawenkirchen, die im Rahmen der Slawenmission Kaiser Karls des Großen errichtet wurden. Einer der Gründe für diese Annahme ist das Johannespatrozinium und die Gründung des Ortes durch die Slawen. Der Name Kirchschletten, 1124 Sleten und 1125 Sletin genannt, ist wohl slawischer Herkunft. Schletten (tschechisch Sletina) bedeutet salziges Wasser, Sauerwasser, Sumpf, Moorgrund. Der Talgrund des Aspachtals war in der Vergangenheit sehr sumpfig und ist heute noch sehr quellenreich.

Der Gutshof von Kirchschletten wurde 1143 erstmals urkundlich erwähnt. Er gehörte bis zur Säkularisation den Fürstbischöfen von Bamberg.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts bestand Kirchschletten aus 31 Anwesen. Das Hochgericht übte das bambergische Centamt Memmelsdorf aus. Die Dorf- und Gemeindeherrschaft hatten die Freiherren Karg von Bebenburg. Grundherren waren

  • die Freiherren Karg von Bebenburg: 1 Schloss, 6 Sölden, 5 Gütlein, 2 Tropfhäuslein – 1 Hof mit Hofhäuslein, 2 Sölden;
  • das Kloster Michelsberg: 1 Häuslein;
  • die Bamberger Patrizier Zollner vom Brand: 1 Hof, 5 Sölden, 1 Sölde mit Wirtshaus, 1 Söldengütlein, 1 Haus mit Stadel;
  • die Gemeinde: 1 Hirtenhäuslein, 1 Tropfhäuslein.[6]

Im Jahre 1802 kam Kirchschletten an das Kurfürstentum Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Kirchschletten dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Oberoberndorf zugewiesen. 1818 entstand die Ruralgemeinde Kirchschletten. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Scheßlitz zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Scheßlitz (1919 in Finanzamt Scheßlitz umbenannt, ab 1928 Finanzamt Bamberg-Land). Ab 1862 war das neu gebildete Bezirksamt Bamberg I für die Verwaltung zuständig, mit dessen Auflösung im Jahr 1929 ist es das Bezirksamt Bamberg (1939 in Landkreis Bamberg umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Scheßlitz (1880 in Amtsgericht Scheßlitz umbenannt, 1932 aufgelöst, seitdem Amtsgericht Bamberg).[7] Die Gemeinde hatte 1964 eine Fläche von 2,353 km².[8]

Am 1. Juli 1972 wurde die Gemeinde Kirchschletten im Zuge der Gebietsreform in Bayern nach Zapfendorf eingemeindet.[9][10]

In Kirchschletten gibt es 12 Baudenkmäler:[11]

  • Haus Nr. 2, 5, 6: Wohnstallhäuser
  • Haus Nr. 4: Bauernhaus mit Stall und Scheune
  • Haus Nr. 10, 18: Bauernhäuser
  • Haus Nr. 13: Wohnteil eines Bauernhauses
  • Haus Nr. 26: Pfarrhof
  • Haus Nr. 27: Ehemalige Schule
  • Haus Nr. 28: katholische Pfarrkirche St. Johannes der Täufer mit Friedhofsmauer
  • Haus Nr. 30: Abtei Maria Frieden mit Ziehbrunnen
  • Bildstock
ehemaliges Baudenkmal
  • Haus Nr. 14: Fachwerkstadel

Bodendenkmäler

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In der Gemarkung Kirchschletten gibt es zwei Bodendenkmäler.[11]

Einwohnerentwicklung

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Jahr 1818 1840 1852 1855 1861 1867 1871 1875 1880 1885 1890 1895 1900
Einwohner 143 172 154 154 169 164 163 162 172 177 164 167 160
Häuser[12] 34 30 30 29 28
Quelle [7] [13] [13] [13] [14] [15] [16] [17] [18] [19] [20] [13] [21]
Jahr 1905 1910 1919 1925 1933 1939 1946 1950 1952 1961 1970 1987 2024
Einwohner 158 160 167 149 133 136 175 172 149 146 123 114
Häuser[12] 28 24 25 25
Quelle [13] [22] [13] [23] [24] [24] [24] [25] [24] [8] [26] [27] [2]

Kirchschletten ist römisch-katholisch geprägt und Sitz der Pfarrei St. Johannes der Täufer.[6][8]

In Kirchschletten bestehen folgende Vereine:

Commons: Kirchschletten – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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  1. a b Gemarkung Kirchschletten (092202). In: geoindex.io. Geoindex Aktiengesellschaft, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  2. a b Zahlen, Daten, Fakten > Einwohnerentwicklung. In: zapfendorf.de. Abgerufen am 21. Dezember 2025.
  3. Markt Zapfendorf, Liste der amtlichen Gemeindeteile/Ortsteile im BayernPortal des Bayerischen Staatsministerium für Digitales, abgerufen am 25. Dezember 2024.
  4. Webkarte. ALKIS®-Verwaltungsgrenzen - Gemarkungen. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 9. Dezember 2025.
  5. Ortskarte 1:10.000. Darstellung mit Schummerung. In: BayernAtlas. LDBV, abgerufen am 21. Dezember 2025 (Entfernungsangaben entsprechen gemessener Luftlinie).
  6. a b H. Weiß: Bamberg, S. 135f.
  7. a b H. Weiß: Bamberg, S. 250.
  8. a b c Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand am 1. Oktober 1964 mit statistischen Angaben aus der Volkszählung 1961. Heft 260 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1964, DNB 453660959, OCLC 230947413, Abschnitt II, Sp. 646 (Digitalisat).
  9. Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 575.
  10. Zapfendorf > Politische Einteilung. In: wiki.genealogy.net. Verein für Computergenealogie, abgerufen am 21. Dezember 2025.
  11. a b Denkmalliste für Zapfendorf (PDF) beim Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege
  12. a b Es sind nur bewohnte Häuser angegeben. 1818 und von 1871 bis 1987 werden diese als Wohngebäude bezeichnet.
  13. a b c d e f Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, OCLC 311071516, S. 136, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  14. Joseph Heyberger, Chr. Schmitt, v. Wachter: Topographisch-statistisches Handbuch des Königreichs Bayern nebst alphabetischem Ortslexikon. In: K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Bavaria. Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern. Band 5. Literarisch-artistische Anstalt der J. G. Cotta’schen Buchhandlung, München 1867, OCLC 457951812, Sp. 832, urn:nbn:de:bvb:12-bsb10374496-4 (Digitalisat).
  15. Kgl. statistisches Bureau (Hrsg.): Verzeichniß der Gemeinden des Königreichs Bayern nach dem Stande der Bevölkerung im Dezember 1867. XXI. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. Ackermann, München 1869, S. 127 (Digitalisat).
  16. Kgl. Statistisches Bureau (Hrsg.): Vollständiges Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Kreisen, Verwaltungsdistrikten, Gerichts-Sprengeln und Gemeinden unter Beifügung der Pfarrei-, Schul- und Postzugehörigkeit … mit einem alphabetischen General-Ortsregister enthaltend die Bevölkerung nach dem Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1875. Adolf Ackermann, München 1877, OCLC 183234026, 2. Abschnitt (Einwohnerzahlen vom 1. Dezember 1871, Viehzahlen von 1873), Sp. 1002, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00052489-4 (Digitalisat).
  17. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Hergestellt auf Grund der neuen Organisation der Regierungsbezirke, Bezirksämter und Gerichtsbezirke. Nachtrag zum Heft 36 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1879, OCLC 992516308, S. 48 (Digitalisat).
  18. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern. Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dezember 1880. Heft 35 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1882, OCLC 460588127, S. 139 (Digitalisat).
  19. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichniss des Königreichs Bayern. Nach Regierungsbezirken, Verwaltungsdistrikten, … sodann mit einem alphabetischen Ortsregister unter Beifügung der Eigenschaft und des zuständigen Verwaltungsdistriktes für jede Ortschaft. LIV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1888, OCLC 1367926131, Abschnitt III, Sp. 949 (Digitalisat).
  20. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichniss für das Königreich Bayern : Ergebnisse der Volkszählung vom 1. Dez. 1890. Heft 58 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1892, OCLC 162230561, S. 139 (Digitalisat).
  21. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis des Königreichs Bayern, mit alphabetischem Ortsregister. LXV. Heft der Beiträge zur Statistik des Königreichs Bayern. München 1904, DNB 361988931, OCLC 556534974, Abschnitt II, Sp. 993 (Digitalisat).
  22. K. Bayer. Statistisches Bureau (Hrsg.): Gemeinde-Verzeichnis für das Königreich Bayern Nach der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und dem Gebietsstand vom 1. Juli 1911. Heft 84 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1911, OCLC 162230664, S. 139 (Digitalisat).
  23. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Ortschaften-Verzeichnis für den Freistaat Bayern nach der Volkszählung vom 16. Juni 1925 und dem Gebietsstand vom 1. Januar 1928. Heft 109 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1928, DNB 361988923, OCLC 215857246, Abschnitt II, Sp. 1014 (Digitalisat).
  24. a b c d Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Historisches Gemeindeverzeichnis : Die Einwohnerzahlen der Gemeinden Bayerns in der Zeit von 1840 bis 1952 (= Beiträge zur Statistik Bayerns. Heft 192). München 1954, DNB 451478568, OCLC 311071516, S. 134, urn:nbn:de:bvb:12-bsb00066439-3 (Digitalisat).
  25. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern – Bearbeitet auf Grund der Volkszählung vom 13. September 1950. Heft 169 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1952, DNB 453660975, OCLC 183218794, Abschnitt II, Sp. 877 (Digitalisat).
  26. Bayerisches Statistisches Landesamt (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern. Heft 335 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München 1973, DNB 740801384, OCLC 220710116, S. 147 (Digitalisat).
  27. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung (Hrsg.): Amtliches Ortsverzeichnis für Bayern, Gebietsstand: 25. Mai 1987. Heft 450 der Beiträge zur Statistik Bayerns. München November 1991, DNB 94240937X, OCLC 231287364, S. 292 (Digitalisat).