Kirchseeon

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen des Marktes Kirchseeon
Kirchseeon
Deutschlandkarte, Position des Marktes Kirchseeon hervorgehoben
Koordinaten: 48° 4′ N, 11° 53′ O
Basisdaten
Bundesland: Bayern
Regierungsbezirk: Oberbayern
Landkreis: Ebersberg
Höhe: 564 m ü. NHN
Fläche: 17,91 km2
Einwohner: 10.544 (31. Dez. 2017)[1]
Bevölkerungsdichte: 589 Einwohner je km2
Postleitzahl: 85614
Vorwahl: 08091
Kfz-Kennzeichen: EBE
Gemeindeschlüssel: 09 1 75 124
Adresse der
Marktverwaltung:
Rathausstr. 1
85614 Kirchseeon
Webpräsenz: www.kirchseeon.de
Bürgermeister: Udo Ockel (CSU)
Lage des Marktes Kirchseeon im Landkreis Ebersberg
PlieningPoingVaterstettenZornedingOberpframmernEgmatingMarkt SchwabenForstinningAnzingAnzinger ForstEbersberger Forst (gemeindefreies Gebiet)Eglhartinger ForstHohenlindenSteinhöringFrauenneuhartingEmmering (Landkreis Ebersberg)AßlingBaiern (Landkreis Ebersberg)GlonnKirchseeonEbersbergGrafing bei MünchenMoosachBruck (Oberbayern)Landkreis ErdingLandkreis Mühldorf am InnLandkreis RosenheimMünchenMünchenLandkreis MünchenLandkreis RosenheimKarte
Über dieses Bild
Vorlage:Infobox Gemeinde in Deutschland/Wartung/Markt

Kirchseeon ist ein Markt im oberbayerischen Landkreis Ebersberg.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kirchseeon liegt in der Region München im Alpenvorland in einer eiszeitlichen Moränenlandschaft am Südrand des Ebersberger Forstes rund 26 km östlich der Landeshauptstadt München, 7 km nordwestlich von Grafing, 31 km südlich von Erding und 7 km von der Kreisstadt Ebersberg entfernt. Eine gute Verkehrsanbindung ist durch die Bundesstraße 304 und die Bahnstrecke München−Rosenheim gewährleistet. Zum Flughafen München sind es etwa 46 km und zur A 99 (Anschlussstelle Haar) 12 km.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Markt Kirchseeon besteht aus folgenden Gemeindeteilen:[2]

  • Buch
  • Diana
  • Eglharting
  • Forstseeon
  • Ilching
  • Kirchseeon
  • Neukirchen
  • Osterseeon
  • Riedering

Nachbargemeinden[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Pfarrkirche St. Joseph

Die heutige Bundesstraße 304 folgt der Route der alten Salzstraße, die von Salzburg und Bad Reichenhall über Wasserburg Richtung München und weiter nach Augsburg führte.

Buch ist der älteste Ortsteil der Gemeinde Kirchseeon, der schon 809 erstmals urkundlich erwähnt wurde. 842 wird ein Ort namens Sevun erstmals urkundlich erwähnt. Der Name Chirichsewe erscheint erstmals im 14. Jahrhundert. Kloster Ebersberg unterhielt in Kirchseeon bis zur Säkularisation ein kleines Nebenkloster. Das heutige Zentrum Kirchseeons entstand 1868, als die Eisenbahn von München nach Rosenheim gebaut wurde und im dichten Wald zwischen den Dörfern Kirchseeon und Eglharting eine Fabrik zur Herstellung der benötigten Schwellen errichtet wurde. die Eisenbahnlinie wurde 1871 eröffnet. Ab 1892 war die Linie zweigleisig. Die neue Siedlung Kirchseeon-Bahnhof entwickelte sich rasch. Als nach 1889 ein Großteil der umliegenden ausgedehnten Waldungen dem Fraß des Nonnenschmetterlings zum Opfer fiel und nicht nur das Schwellenwerk erweitert, sondern noch mehrere Privatsägen erbaut wurden, überflügelte die Einwohnerzahl die der anderen Ortsteile.[3] Sie stieg in Kirchseeon von 139 im Jahre 1880 auf 600 im Jahre 1896. Die Arbeiter, die damals noch ihr Werkzeug selbst mitbringen mussten, kamen unter anderem aus der Schweiz, Kärnten und dem Bayerischen Wald. In der 1818 entstandenen Gemeinde Eglharting, zu der Kirchseeon damals gehörte, wehrte man sich gegen dessen Zuzug. EIin einer Abstimmung forderten 37 der 40 stimmberechtigten Bürger, dass man Kirchseeon von Egelharting abspalte.[4]

Am 28. März 1939 wurde stattdessen die Gemeinde von Eglharting in Kirchseeon umbenannt.[3] Ortsteile waren auch noch die Dörfer Buch und Kirchseeon-Dorf sowie die Weiler Forst- und Osterseeon, Neukirch, Ilching und Riedering. Gleichzeitig erfolgte kirchlicherseits die Erhebung zu einer Pfarrkuratie. Die neoromanische Pfarrkirche St. Joseph (Arbeiterpatron) wurde äußerlich stark an die Münchner Basilika St. Benno angelehnt. Nach der Zerstörung im Zweiten Weltkrieg, bedingt durch die Nähe zu den Schwellenwerken, erfolgte anschließend eine sehr vereinfachte Erneuerung. 1959 wurde der Ort zum Markt erhoben. Da auch die Einwohnerzahl von Eglharting stark angestiegen war, wurde im Januar 1973 die „Erlöserkirche“ in Eglharting geweiht. 1974 wurde ein neues Rathaus fertiggestellt.

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wahlbeteiligung: 53,7 %
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30
20
10
0
40,3 %
29,4 %
17,4 %
12,8 %

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kommunalwahl vom 16. März 2014 führte zu folgender Sitzverteilung im Gemeinderat von Kirchseeon:[6]

Partei / Liste CSU SPD FW Grüne Gesamt
Sitze 8 6 3 3 20

Zusätzlich gehört dem Gemeinderat der Erste Bürgermeister an.

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Bürgermeister von Kirchseeon ist seit 2002 Udo Ockel. Er wurde bei der Kommunalwahl von 2014 mit 52,3 % der gültigen Stimmen erneut im Amt bestätigt.

Wappen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Wappenbeschreibung lautet: In Grün zwischen zwei bewurzelten goldenen Nadelbäumen ein silberner Nonnenschmetterling.

Siedlungsstruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach dem Zweiten Weltkrieg sind durch die einsetzende Bebauung vor allem mit einzelstehenden Häusern die bis dahin isolierten Ortsteile Eglharting, Kirchseeon und Kirchseeon-Dorf entlang der Bundesstraße 304 (München-Wasserburg) zu einem Markt mit einem Ortskern in Kirchseeon-Bahnhof und einem Unterkern in Eglharting verschmolzen. In beiden Zentren finden sich Supermärkte, im Ortsteil Kirchseeon findet sich eine Vielzahl kleinerer und mittlerer Geschäfte.

Entlang der B 304 und der viergleisigen Bahnlinie sind die Grundstücke Verkehrslärm ausgesetzt, im Gegensatz dazu sind die Randgebiete sehr ruhig.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bildungseinrichtungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • In Kirchseeon und den Ortsteilen gibt es fünf Kindergärten und zwei Horte.
  • Des Weiteren gibt es eine Volksschule mit jeweils einem Gebäude im Ortsteil Kirchseeon und Eglharting.
  • Das Gymnasium wurde am 16. September 2008 eröffnet.
  • Die Zentrale des Berufsförderungswerks München mit Internatsgebäude befindet sich in Kirchseeon.
  • Ein Berufsbildungswerk gibt es im Ortsteil Kirchseeon-Dorf

Feuerwehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Kirchseeon verfügt über vier Freiwillige Feuerwehren: FF Kirchseeon Markt, FF Kirchseeon-Dorf, FF Eglharting und FF Buch.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Straßenverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Durch die Gemeinde Kirchseeon führt die Bundesstraße 304.

Eisenbahn[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Empfangsgebäude des Bahnhofs Kirchseeon

Durch die Gemeinde Kirchseeon verläuft südlich der Ortsmitte die Bahnstrecke München–Rosenheim. Die Bahnstrecke wurde am 15. Oktober 1871 eröffnet, gleichzeitig ging der Bahnhof Kirchseeon in Betrieb.[7] Aufgrund der wichtigen Bedeutung als Fernverkehrslinie in Richtung Süden und Südosten wurde die Bahnstrecke nach Rosenheim schon 1892 zweigleisig ausgebaut. 1897 wurde das östliche Vorortbahnnetz der Stadt München ausgebaut, dabei wurde der ebenfalls im Gemeindegebiet liegende Haltepunkt Eglharting, der am 1. Mai 1897 eröffnet wurde, eingerichtet. Südlich des Bahnhofs Kirchseeon befand sich außerdem ein Schwellenwerk, welches von 1869 bis 1958 in Betrieb war.[8] Im Jahr 1927 folgte die Elektrifizierung der Strecke, der Bahnhof Kirchseeon war trotz der zahlreichen Schnellzüge auf der Strecke nur durch einfache Personenzüge an München und Grafing angeschlossen.[9] Seit der Inbetriebnahme des Münchner S-Bahn-Netzes besteht von Kirchseeon aus ein 40-Minuten-Takt, seit dem 4-gleisigen Ausbau ein 20-Minuten-Takt nach München. Die Halte der Regionalverkehrszüge von München nach Rosenheim wurden jedoch ab 1972 aufgegeben. Heute besitzt der Bahnhof neben einem Empfangsgebäude den Hausbahnsteig und einen Seitenbahnsteig für den S-Bahn-Verkehr.[8][10]

Der Bahnhof Kirchseeon wird heute im 20-Minuten-Takt von Zügen der S-Bahn-Linie S6, die von Tutzing über Starnberg, München, Vaterstetten, Zorneding, Kirchseeon, Grafing nach Ebersberg führt (Stand Dezember 2017), bedient. In der Hauptverkehrszeit wird der Takt durch einzelne Fahrten der S-Bahn-Linie S4 von Geltendorf über Buchenau, Fürstenfeldbruck, München, Zorneding und Kirchseeon nach Grafing Bahnhof und Ebersberg verstärkt.

Öffentlicher Nahverkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Kirchseeon liegt im Verbundgebiet des Münchner Verkehrs- und Tarifverbunds (MVV). Die Gemeinde ist nur an eine Buslinie des Verkehrsverbunds angeschlossen. Diese trägt die Liniennummer 442 und beginnt in Ebersberg. Die Buslinie verbindet von Ebersberg aus die nördlichen Ortsteile von Kirchseeon. Neben dem Bahnhof Kirchseeon wird der Haltepunkt in Eglharting bedient, von dort führt die Buslinie weiter nach Buch.

Kultur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bauwerke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Denkmalgeschütztes Gebäude der Eisenbahnersiedlung

Entlang der Koloniestraße in Kirchseeon befindet sich die Eisenbahnersiedlung, auch Schwellenfabrikarbeitersiedlung genannt, die zwischen 1905 und 1906 errichtet wurde und aus sieben einzeln stehenden Mehrfamilienhäusern besteht. Die Wohnungsbewohner der Siedlung erhielten jeder einen Anteil Garten zur Selbstversorgung. Die Eisenbahnersiedlung steht seit 2013 unter Denkmalschutz. Der Straßenname geht auf die „Kolonisten“ zurück, Holzfäller-Familien, die um 1800 aus dem Bayerischen Wald kommend in Kirchseeon angesiedelt wurden.[11][12]

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Josefi-Markt (Letzter Sonntag im März)
  • Walpurgisnacht der Kirchseeoner Hexen (30. April)
  • Maifeiertag am 1. Mai mit jährlichem Aufstellen eines Maibaums in einem der Ortsteile
  • Weinfest Buch der SG Edelweiß Buch (Juni)
  • Bürgerfest des Marktes Kirchseeon (erster Samstag im Juli)
  • Kathrein-Markt (Letztes Wochenende im November)
  • Perchtenlauf (An den Wochenenden im Dezember)
  • Heimatmuseum von Oktober bis März, jeweils 2. Sonntag des Monats von 14 bis 16 Uhr
  • Frühjahrs- und Vorweihnachtliches Konzert (April bzw. Dezember) des Männerchores Markt Kirchseeon

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gregor Ebner (1892–1974), ärztlicher Leiter der SS-Organisation Lebensborn, die für „Arisierung“ und Verschleppung von Kindern aus den besetzten osteuropäischen Ländern verantwortlich war.
  • Sepp Viellechner (* 1935), Volksmusiksänger
  • Ludwig Waldleitner (1913–1998), Filmproduzent
  • Hans Reupold, Günther Lohmeier, Texter und Komponisten (Schariwari)
  • Ursula Bittner, von 1990 bis 2002 1. Bürgermeisterin des Marktes Kirchseeon; seit 2003 Bezirksrätin und seit 2008 stellvertretende Präsidentin des Bezirkstags Oberbayern
  • Michael Winter (* 1976), Teilnehmer der Olympischen Sommerspiele 2008 in Peking
  • Sebastian Anneser (1939–2018), römisch-katholischer Prälat und Domkapitular im Erzbistum München und Freising (in Kirchseeon lebend)

Sehenswertes[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kirchseeon – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bayerisches Landesamt für Statistik – Tabelle 12411-001: Fortschreibung des Bevölkerungsstandes: Bevölkerung: Gemeinden, Stichtage (letzten 6) vom 13. September 2018 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Markt Kirchseeon in der Ortsdatenbank der Bayerischen Landesbibliothek Online. Bayerische Staatsbibliothek, abgerufen am 2017
  3. a b Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C. H. Beck, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 454.
  4. Johanna Feckl: Die Weichen im Wald gestellt, Süddeutsche Zeitung, 16. Mai 2018
  5. Kommunalwahlen in Bayern. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung.
  6. Bayerisches Landesamt für Statistik und Datenverarbeitung
  7. Bufe Siegfried: Hauptbahn München–Salzburg. Bufe-Fachbuchverlag, Egglham 1995, ISBN 3-922138-57-8.
  8. a b Reinhard Pospischil, Ernst Rudolph: S-Bahn München. Alba, Düsseldorf 1997, ISBN 3-87094-358-0.
  9. Armin Franzke, Josef Mauerer: 1860-2010: 150 Jahre Bahnstrecke Rosenheim – Salzburg. PB Service, München 2010, ISBN 978-3-9812639-2-3, S. 27 f.
  10. Siegfried Bufe: Hauptbahn München–Salzburg, Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1995, ISBN 3-922138-57-8.
  11. Denkmalschutz: Licht, Luft und Gartenanteil. In: Merkur-Online vom 27. August 2013
  12. Corinna Erhard: Die Eisenbahnersiedlung (Reihe: Unsere Denkmäler). In: Münchner Merkur, 20. September 2013, S. 12