Kit Armstrong

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Kit Armstrong, 2014

Kit Armstrong (* 5. März 1992 in Los Angeles, Kalifornien) ist ein US-amerikanischer Pianist, Organist und Komponist.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Seine Mutter ist eine aus Taiwan stammende Investmentbankerin. Seinen Vater, einen Engländer, lernte er nie kennen. Mit neun Monaten begann er zu sprechen, wenig später zu zählen und zu rechnen. Armstrong begann mit fünf Jahren Klavier zu spielen und zu komponieren, mit acht Jahren gab er sein Konzertdebüt, mit zehn Jahren trug er in der Late Show with David Letterman seine erste Komposition vor. Neben der Grundschule besuchte der Hochbegabte parallel die Highschool. Als jüngster Student, der jemals an der Chapman University of California aufgenommen wurde, studierte er Komposition und Physik[1] und wechselte mit neun Jahren an die Utah State University, um Musik, Mathematik, Biologie und Physik zu belegen.[2] Ab 2003 studierte er Klavier bei Claude Frank und Eleanor Sokoloff am Curtis Institute of Music[3] und zugleich Mathematik und Chemie an der University of Pennsylvania.[2] Er schloss sein Musikstudium an der Royal Academy of Music in London mit Auszeichnung ab[4] und gewann 2006 den internationalen Wettbewerb Kissinger Klavierolymp.

Armstrong wurde zusätzlich seit seinem 13. Lebensjahr von Alfred Brendel unterrichtet.[5] Brendel bezeichnete den jungen Musiker 2008 als „Wunderkind“ und „größte musikalische Begabung, der ich in meinem ganzen Leben begegnet bin“.[6] Der junge Musiker entzog sich allerdings der daraufhin einsetzenden „Vermarktungsmaschinerie“ weitestgehend und beendete sein Studium der Mathematik am Imperial College London.[7][8] Parallel dazu gab er Konzerte „solo und als Kammermusiker; nicht in den ganz großen Sälen, sondern an handverlesenen, feinen Orten“.[9]

Armstrong erwarb im Februar 2012 in Hirson, Frankreich, die Kirche Sainte-Thérèse-de-l’Enfant-Jésus und gründete 2013 die gemeinnützige Stiftung Les Amis de Kit Armstrong : Société Sainte-Thérèse, die über die Sommermonate Konzerte in der Kirche veranstaltet.[10][11]

Im Jahr 2013 veröffentlichte das Musiklabel Sony Classical Armstrongs Debütalbum Bach-Ligeti-Armstrong. Auf der CD präsentiert er 12 Choralvorspiele für Orgel von Johann Sebastian Bach in eigener Transkription für Klavier, seine selbst komponierte Hommage Fantasy on B-A-C-H und eine Auswahl aus Musica ricercata von György Ligeti.[12] Armstrongs Fantasy on B-A-C-H ist von den Choralbearbeitungen aus Bachs Orgelbüchlein inspiriert. Ihm sei es wichtig gewesen, bestimmte Eigenschaften dieser Stücke wie einen präzise definierten Charakter, eine Einheitlichkeit in Textur und Klangfarbe, sowie Variationen um ein Melodiethema herum, welches selbst in seiner originalen Gestalt beibehalten werde, für seine Hommage an Bach aufzugreifen.[13]

Das Repertoire des Künstlers, der seit 2013 an allen großen Konzerthäusern der Welt konzertiert und mit renommierten Orchestern auftritt, besteht aus Werken von Bach, Bartók, Beethoven, Brahms, Chopin, Debussy, Haydn, Liszt, Mozart, Mendelssohn, Ravel und Schumann. Darunter befinden sich das gesamte Wohltemperierte Klavier Band 1 von Johann Sebastian Bach, sämtliche Sonaten von Wolfgang Amadeus Mozart und einige Beethoven-Sonaten.

Armstrong hat Werke verschiedenster Gattungen komponiert. Darunter befinden sich Klaviersonaten, Werke für Violine und andere Instrumente sowie eine Sinfonie mit dem Titel Celebration, die vom Pacific Symphony Orchestra uraufgeführt wurde. Er möchte dieses Werk heute nicht mehr aufgeführt sehen, weil es die Möglichkeiten eines Orchesters nicht ausreize.

Armstrong tritt regelmäßig mit dem Geiger Andrej Bielow und dem Cellisten Adrian Brendel als Klaviertrio auf.[14] 2016 war Armstrong Artiste étoile beim Würzburger Mozartfest. Anlässlich der Alfred Brendel-Hommage im Frühjahr 2017 gastierte er mit den Wiener Philharmonikern unter Herbert Blomstedt mit Beethovens Klavierkonzert Nr. 3 c-Moll, op. 37 in Berlin, München und Wien.[15] Im November 2017 führte Armstrong sein 2015 komponiertes Konzert für Hammerklavier und Streicher mit dem Barock-Ensemble Akademie für Alte Musik Berlin im Prinzregententheater auf.[16][17]

Armstrong konzertiert seit 2016 auch als Organist.[18] Im April 2018 debütiert er an der Karl-Schuke-Orgel in der Berliner Philharmonie.[19] Er lebt in Hirson in der Kirche Sainte-Thérèse-de-l’Enfant-Jésus.[20]

Die Kompositionen Armstrongs werden vom Leipziger Musikverlag Edition Peters verlegt.

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Diskografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Filme (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Set the Piano Stool on Fire. Dokumentarfilm 2011, 76:00 Min. Regie: Mark Kidel, Produktion: Artificial Eye. Uraufführung am 4. Juni 2011 auf dem Curzon Soho Late Night Film Festival, Großbritannien. DVD Veröffentlichung am 11. Juli 2011. Inhaltsangabe bei The Arts Desk.
  • Kit Armstrong live from the Concertgebouw Amsterdam performs Bachs Goldberg-Variationen and its predecessors. Konzertfilm 2017, 126 Min. Produktion: Naxos Deutschland. DVD Veröffentlichung am 28. Juli 2017. Byrd: Hugh Aston’s Ground; Sweelinck: Mein junges Leben hat ein End SwWV 324 und Erbarm dich mein, o Herre Gott SwWV 303; Bull: Walsingham (Musica Britannica, Vol.19, No.85); Bach: Goldberg-Variationen. Aufnahme am 13. März 2016.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kit Armstrong – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Claus Spahn: Der Junge, der auf Eiswürfeln schlief. Die Zeit, 26. Februar 2009; abgerufen am 31. März 2012.
  2. a b Tim Smith: Kit Armstrong is a notable pianist at age 13. The Baltimore Sun, 10. Juni 2005; abgerufen am 17. Januar 2016 (englisch).
  3. Allan Kozinn: MUSIC FESTIVAL REVIEW; Masters of the Keyboard, Courtesy of a 12-Year-Old. The New York Times, 16. Juli 2004; abgerufen am 8. November 2008 (englisch).
  4. Kit Armstrong. »Hör auf zu lachen, wir proben«. Fono Forum, ; abgerufen am 17. Januar 2016.
  5. Ljubiša Tošić: Alfred Brendel: „Ich bin nie ein Optimist gewesen“. Der Standard, 3. Januar 2016; abgerufen am 17. Januar 2016.
  6. Tobias Haberl: „Dieser Junge ist die ungewöhnlichste Begabung, der ich je begegnet bin.“ Süddeutsche Zeitung Magazin, ; abgerufen am 17. Januar 2016.
  7. Monika Willer: Pianist Kit Armstrong will kein Wunderkind sein. Westfalenpost, 2. April 2014; abgerufen am 17. Januar 2016.
  8. Christoph Forsthoff: Interview Kit Armstrong. „Ich bin einfach ein neugieriger Mensch“. Concerti; abgerufen am 17. Januar 2016.
  9. Carolin Pirich: Pianist Kit Armstrong: Warten tut gut. Die Zeit, 2. Oktober 2013; abgerufen am 17. Januar 2016.
  10. Dominique Langard: Le pianiste surdoué Kit Armstrong achète une église pour donner son 1er concert. France Télévisions, 5. März 2014; abgerufen am 19. November 2017 (französisch).
  11. Georg Predota: The Sorcerer’s Apprentice He set the Piano Stool on Fire! Alfred Brendel and Kit Armstrong. Interlude, 19. Juli 2017; abgerufen am 19. November 2017 (englisch).
  12. Bach, Ligeti, Armstrong. Badische Zeitung, 14. November 2013; abgerufen am 20. November 2017.
  13. Kit Armstrong talks about his Fantasy on B-A-C-H - Interview with musical examples. In: YouTube. C. Bechstein Pianofortefabrik, 26. September 2013; abgerufen am 7. Oktober 2013.
  14. Frank Armbruster: Kit Armstrong, Andrej Bielow & Adrian Brendel. Concerti; abgerufen am 19. November 2017.
  15. Felix Stephan: Gipfeltreffen der Klassik-Urgesteine im Konzerthaus. Wiener Philharmoniker auf Jubiläumstour in Berlin. Berliner Morgenpost, 6. Mai 2017; abgerufen am 19. November 2017.
  16. Ursula Adamski-Störmer: Interview mit dem Pianisten Kit Armstrong: Mozart, Origami und eine eigene Kirche. BR-Klassik, 4. Juni 2016; abgerufen am 19. November 2017.
  17. Michael Stallknecht: Laptop und Hammerklavier. Süddeutsche Zeitung, 14. November 2017; abgerufen am 19. November 2017.
  18. Martin Möller: Debütkonzert: Pianist Kit Armstrong spielt an der Orgel in der Trierer Konstantin-Basilika. Trierischer Volksfreund, 8. August 2016; abgerufen am 19. November 2017.
  19. Kit Armstrong – Das Berliner Orgeldebüt. Berliner Philharmonie; abgerufen am 19. November 2017.
  20. Hartmut Welscher: Kit Armstrong. Ein gewisses Satellitengefühl. (Interview). VAN – Ein Webmagazin für klassische Musik, 3. September 2015; abgerufen am 19. November 2017.
  21. Sprachbegabt. Zürcher Kammerorchester, Paul Meyer und Kit Armstrong. FAZ vom 10. November 2010, S. 40.
  22. The ASCAP Foundation Names Winners of the 2002 Morton Gould Young Composer Awards. American Society of Composers, Authors and Publishers, 2. Februar 2002; abgerufen am 19. November 2017 (englisch).
  23. The ASCAP Foundation Names Winners of the 2003 Morton Gould Young Composer Awards. American Society of Composers, Authors and Publishers, 24. April 2003; abgerufen am 19. November 2017 (englisch).
  24. The ASCAP Foundation Names Winners of the 2004 Morton Gould Young Composer Awards. American Society of Composers, Authors and Publishers, 12. April 2004; abgerufen am 19. November 2017 (englisch).
  25. The ASCAP Foundation Names Winners of the 2005 Morton Gould Young Composer Awards. American Society of Composers, Authors and Publishers, 26. Mai 2005; abgerufen am 19. November 2017 (englisch).
  26. The ASCAP Foundation Names Recipients of the 2007 Morton Gould Young Composer Awards. American Society of Composers, Authors and Publishers, 12. April 2007; abgerufen am 19. November 2017 (englisch).
  27. The ASCAP Foundation Charlotte V. Bergen Scholarship. American Society of Composers, Authors and Publishers; abgerufen am 19. November 2017 (englisch).
  28. The ASCAP Foundation Names Recipients of the 2011 Morton Gould Young Composer Awards. American Society of Composers, Authors and Publishers, 4. April 2011; abgerufen am 19. November 2017 (englisch).
  29. Bestenliste 4-2017. Preis der deutschen Schallplattenkritik, 15. November 2017; abgerufen am 29. Oktober 2017.
  30. Konrad Bockemühl: Kit Armstrong. Großer Auftritt im Nachbarland. Kieler Nachrichten, 30. November 2017; abgerufen am 30. November 2017.