Kizzuwatna

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Lage von Kizzuwatna

Kizzuwatna war ein Königreich im südöstlichen Anatolien im 15. Jahrhundert v. Chr. Seine Hauptstadt war Kummanni. Die Bevölkerung bestand hauptsächlich aus Hurritern und Luwiern.

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kizzuwatna entspricht in etwa dem späteren Ebenen Kilikien. Das Land grenzte im Süden ans Mittelmeer. Im Westen bildete die Stadt Lamiya (am Fluss Limonlu Çayı, dem antiken Lamos) den äußersten Grenzpunkt zu Ḫatti. Vom Meer verlief die Grenze nordwärts bis Illubru, dann weiter in nordöstlicher Richtung bis an den Fluss Šamri (Seyhan, den antiken Saros) und weiter durch den Taurus.

Die Hauptstadt war Adaniya (heute Adana), wichtigste Kultstätte waren Kummanni (vermutlich Sirkeli Höyük) und Lawazantiya (vermutlich Tatarli Höyük), das unweit von Kummanni lag. Tarša (Tarsus) war ebenfalls eine wichtige Stadt. Die am Meer gelegene Stadt Izzya lag wohl beim antiken Issos am Golf von İskenderun.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vertrag zwischen Pilliya von Kizzuwatna und Idrimi von Alalaḫ.

Im 16. Jh. v. Chr. wurde das Gebiet des späteren Landes Kizzuwatna von den Hethitern unterworfen. Um 1500 v. Chr. löste sich Kizzuwatna von Ḫatti und der hethitische König Telipinu anerkannte in einem Vertrag mit König Išputaḫšu das Land Kizzuwatna, das hier zum ersten Mal erwähnt wird, als unabhängigen Staat. Išputaḫšu nennt sich auf einem Siegel, das in Tarsos gefunden wurde, Großkönig von Kizzuwatna und gibt als seinen Vater Pariyawatra an. Ob dieser bereits König war, ist unbekannt. Sein Nachfolger Eḫeya erneuerte mit dem Hethiterkönig Taḫurwaili den Staatsvertrag zwischen Kizzuwatna und Ḫatti. Auch sein Nachfolger Paddatiššu erneuerte diesen Vertrag, der Name des hethitischen Königs ist aber nicht erhalten. Von diesen drei Königen sind keine Taten bekannt.

Pilliya schloss mit dem hethitischen König Zidanta II. einen Friedensvertrag. Einen anderen Vertrag schloss er mit Idrimi von Alalaḫ/Mukiš (ca. 1475–1450 v. Chr.), der ein Vasall von König Paratarna I. von Mittani war. Möglicherweise ist er identisch mit dem Priester Palliya.[1] Dieser vollzog am Quellheiligtum von Lawazantiya ein Ritual an den Wettergott von Kizzuwatna. Wohl unter Pilliya wurde Kizzuwatna Vasall von Mittani.

Die zeitlich Einordnung von Talzu ist ungewiss. Er wird in einer Verfügung des hethitischen Königs Šuppiluliuma I. genannt, als Erneuerer des Kultes für die Göttin Išḫara zu einem früheren Zeitpunkt.

Šunaššura, der letzte König von Kizzuwatna, lag in einem Streit mit Niqmepa von Alalaḫ, so dass König Sauštatar von Mittani vermittelnd zwischen seinen beiden Vasallen einschreiten musste. Dem hethitischen König Tudḫaliya I. gelang es, dass Šunaššura sich von Mittani lossagte und mit ihm einen Vertrag unter gleichen Staaten schloss, de facto aber Kizzuwatna von Ḫatti abhängig machte. Möglicherweise gab es vor ihm einen früheren König namens Šunaššura.

Spätestens seit Tudḫaliya I. wurden hethitische Prinzen mit dem Titel „Priester“ als Verwalter über die Provinz Kizzuwatna eingesetzt. Bekannt sind Kantuzzili und später Telipinu, ein Sohn von Šuppiluliuma I.

Unter Muršili II. (1339–1306), dem Sohn von Šuppiluliuma, rebellierte Kizzuwatna, wie auch Mitanni und Arzawa, erfolglos gegen Ḫatti. In seinem neunten Regierungsjahr zelebrierte Muršili im Tempel vom Kummani die Rituale, die auszuführen bereits sein Vater gelobt hatte. Unter König Muwattalli II. (1306–1282 v. Chr.) war Kizzuwatna definitiv wieder unter hethitischer Kontrolle. Dieser König ließ ein Relief von sich am Sirkeli Höyük anbringen.

In assyrischer Zeit waren größere Landschaftsteile als Qu'e bekannt. Es wurde durch Salmanassar III. erstmals erobert und durch Salmanasser V. endgültig dem Assyrischen Reich einverleibt.

Liste der Könige von Kizzuwatna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Chronologie der Könige von Kizzuwatna ist nicht völlig geklärt, da sie an Synchronismen mit den ebenfalls schlecht belegten hethitischen Königen des mittleren Reiches hängt.

Könige von Kizzuwatna
und ihre bezeugten Zeitgenossen
 König von Ḫatti   König von Kizzuwatna   König von Mittani 
Telipinu Išputaḫšu Kirta
Taḫurwaili
Ḫantili II.
Eḫeya Šuttarna I.
  Paddatiššu  
Zidanta II. Pilliya Paratarna I.
  Talzu  
Tudḫaliya I. Šunaššura Sauštatar

Religion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die meisten Götter von Kizzuwatna entstammen dem hurritischen Pantheon. Teššup, Sohn Kumarbis, war der Wettergott, der manchmal auch als König von Kummani bezeichnet wird. Ḫepat war seine Gemahlin und Šarruma ihr Sohn. Des Weiteren gab es die Eidgöttin Išḫara und die Mondgöttin Nikkal sowie die Liebes- und Kriegsgöttin Šawuška. Dann weiter Muwanuš, in dessen Namen Steinsäulen errichtet wurden, sowie der Sonnengott Šimige. Ein Feuergott (DGIBIL) unbekannten Namens und der Wettergott von Manuziya, der besonders im ḫišuwa-Fest verehrt wurde, sowie der Wettergott von Ḫulašša. In Lawazantiya wurde eine Trias von Teššup, Ḫepat und Šawuška verehrt. Außerdem die Götter der Berge und der Flüsse von Kizzuwatna und die Götter von Kizzuwatna.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Albrecht Goetze: Kizzuwatna and the Problem of Hittite Geography (= Yale Oriental Series. Researches 22, ZDB-ID 1055415-4). Yale University Press u. a., New Haven CT 1940 (Neuauflage. Ams Press, New York NY 1980, ISBN 0-404-60322-X).
  • James G. Macqueen: The Hittites and their contemporaries in Asia Minor (= Ancient Peoples and Places. Bd. 83, ZDB-ID 418077-x). Thames and Hudson, London 1975.
  • Jacques Freu: Luwiya, Géographie historique des provinces méridionales de l'empire hittite: Kizzuwatna, Arzawa, Lukka, Milawatta. In: Centre de recherches comparatives sur les langues de la Méditerranée ancienne. Document. Bd. 6, Nr. 2, 1980, ZDB-ID 2028669-7, S. 177–352.
  • Hans Martin Kümmel: Kizzuwatna. In: Reallexikon der Assyriologie und Vorderasiatischen Archäologie. Band 5: Ia... – Kizzuwatna. de Gruyter, Berlin u. a. 1980, ISBN 3-11-007192-4, S. 627–631.
  • Paolo Desideri, Anna Margherita Jasink: Cilicia. Dall'età di Kizzuwatna alla conquista macedone (= Università degli Studi di Torino, Fondo di Studi Parini-Chirio. Storia. Bd. 1). Le Lettere, Torino 1990, ISBN 88-7166-012-9.
  • Jacques Freu: De l'indépendance à l'annexion: le Kizzuwatna et le Hatti aux XVIe et XVe siècles avant notre ère. In: Éric Jean, Ali M. Dinçol, Serra Durugönül (Hrsg.): La Cilicie. Espaces et pouvoirs locaux (2e millénaire av. J.-C. – 4e siècle ap. J.-C.). = Kilikia. Mekânlar ve yerel Güçler (M.Ö. 2. binyıl – M.S. 4. Yüzyıl) (= Varia Anatolica. Bd. 13). Institut français d'études anatoliennes d'Istanbul u. a., Beyoglu-Istanbul u. a. 2001, ISBN 2-906053-64-3, S. 13–36.
  • Rita Strauss: Reinigungrituale aus Kizzuwatna. Ein Betrag zur Erforschung hethitisher Ritualtradition und Kulturgeschichte. de Gruyter, Berlin u. a. 2006, ISBN 3-11-017975-X (Zugleich: Berlin, Freie Universität, Dissertation, 2003: Hethitische Techniken der Katharsis am Beispiel der Rituale aus Kizzuwatna.).
  • Mirko Novák: Kizzuwatna, Ḥiyawa, Quwe – Ein Abriss der Kulturgeschichte des Ebenen Kilikien, in J. Becker / R. Hempelmann / E. Rehm (Hrsg.): Kulturlandschaft Syrien – Zentrum und Peripherie.Festschrift für Jan-Waalke Meyer, Alter Orient und Altes Testament371 (Münster 2010), 397–425
  • Massimo Forlanini: How to infer Ancient Roads and Intineraries from heterogenous Hittite Texts: The Case of the Cilician (Kizzuwatnean) Road System, KASKAL 10, 2013, 1–34.
  • Mirko Novák und Susanne Rutishauser: Tutḫaliya, Šunaššura und die Grenze zwischen Ḫatti und Kizzuwatna, in: C. Mittermayer, S. Ecklin (Hrsg.): Altorientalische Studien zu Ehren von Pascal Attinger, Orbis Biblicus et Orientalis 256, Academic Press, Fribourg/Göttingen 2012, 259–269.
  • Mirko Novák und Susanne Rutishauser: Kizzuwatna: Archaeology. In: M. Weeden und L.Z. Ullmann (Hrsg.): Hittite Landscape and Geography. Handbuch der Orientalistik I,121, Brill, Leiden 2017, 134–145.
  • Ekin Kozal und Mirko Novák: Facing Muwattalli.

Some Thoughts on the Visibility and Function of the Rock Reliefs at Sirkeli Höyük, Cilicia, in: E. Kozal, M. Akar, Y. Heffron, Ç. Çilingiroğlu, T.E. Şerifoğlu, C. Çakırlar, S. Ünlüsoy und E. Jean (Hrsg.): Questions, Approaches, and Dialogues in the Eastern Mediterranean Archaeology Studies in Honor of Marie-Henriette and Charles Gates, Alter Orient und Altes Testament, Ugarit-Verlag, Münster 2017, 371–388.

  • Ekin Kozal und Mirko Novák: Alalakh and Kizzuwatna. Some Thoughts on the Synchronization, in: Ç. Maner, A. Gilbert, M. Horowitz (Hrsg.): Overturning Certainties in Near Eastern Archaeology, A Festschrift in Honor of K. Aslıhan Yener for her 40 years of Field Archaeology in the Eastern Mediterranean, Brill, Leiden 2017, 296–317.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Volkert Haas: Geschichte der hethitischen Religion; in HdO 1,15 (1994). ISBN 978-90-04-09799-5. S. 581