Klášterec nad Ohří

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Klášterec nad Ohří
Wappen von Klášterec nad Ohří
Klášterec nad Ohří (Tschechien)
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Basisdaten
Staat: Tschechien
Region: Ústecký kraj
Bezirk: Chomutov
Fläche: 5379,9503[1] ha
Geographische Lage: 50° 23′ N, 13° 10′ OKoordinaten: 50° 23′ 25″ N, 13° 10′ 19″ O
Höhe: 320 m n.m.
Einwohner: 14.730 (1. Jan. 2016)[2]
Postleitzahl: 431 51
Kfz-Kennzeichen: U
Verkehr
Bahnanschluss: Chomutov–Cheb
Struktur
Status: Stadt
Ortsteile: 12
Verwaltung
Bürgermeister: Štefan Drozd
Adresse: nám. Dr. Eduarda Beneše 85
431 51 Klášterec nad Ohří 1
Gemeindenummer: 563129
Website: www.muklasterec.cz
Lage von Klášterec nad Ohří im Bezirk Chomutov
Karte

Klášterec nad Ohří (deutsch Klösterle an der Eger) ist eine Stadt in Tschechien. Sie liegt im Tal der Eger zwischen dem Erzgebirge und dem Duppauer Gebirge und gehört dem Okres Chomutov an.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick zum Rathaus
Brunnenhaus der Eugenienquelle

Im 12. Jahrhundert warben Angehörige aus dem Haus der Přemysliden durch Lokatoren deutsche Siedler in die nahezu unbewohnte Grenzregion. Den Siedlern wurden Privilegien gewährt und die Eigentümer der Grundherrschaften versprachen sich wirtschaftlichen Nutzen durch deren Leistungen. 1352 wurde der Ort erstmals schriftlich erwähnt. Zum damaligen Zeitpunkt errichtete der Benediktinerorden vom Kloster Postelberg aus eine Propstei, die noch im 13. Jahrhundert aufgelöst wurde. Nach Beendigung des Sächsischen Bruderkrieges wurde Apel Vitzthum der Ältere zu Roßla 1452 des Landes verwiesen und fand in Böhmen 1453 als Rat des dortigen Königs eine neue Lebensbasis und erwarb auch die Grundherrschaften Klösterle und die Neuschönburg.

Die Familie Thun und Hohenstein konnte als Folge der veränderten politischen Lage nach der Schlacht am Weißen Berg im Dreißigjährigen Krieg im Jahre 1621 Schloss Klösterle sowie weitere Ländereien erwerben und sie behielt diese bis Mitte des 20. Jahrhunderts bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945. Letzter Besitzer von Schloss Klösterle war Matthias Graf von Thun-Hohenstein.[3] Unter ihrer Herrschaft wurde die Barockkirche „Der allerheiligsten Dreifaltigkeit“ erbaut, das Schloss im neugotischen Stil umgebaut und der Schlosspark als Englischer Landschaftsgarten mit einer Sala terrena fertiggestellt.

Nach der Gründung der ersten Porzellanmanufakturen in Böhmen 1792 in Schlaggenwald und 1794 durch Johann Nikolaus Weber (1734–1801), Oberforstmeister und Oberdirektor der Graf Thun´schen Herrschaft in Klösterle an der Eger [4] gewann die Stadt an wirtschaftlicher Bedeutung. Die Fabrik wurde von Christian Nonne (1733–1813), Gründer der Porzellanfabrik Gießhübel bei Luditz, gepachtet und stellte so schönes Porzellan, dekoriert u.a. von dem Porzellanmaler Anton Nabichl (* um 1840) [5], her, dass es in der ganzen Habsburgermonarchie bekannt wurde. Der Sohn des Johann Nikolaus Weber, Josef Weber, am 3. Februar 1855 in Klösterle geboren, übernahm von der Stadtgemeinde den Sauerbrunn in Pacht und sorgte dafür, dass der „Klösterle Sauerbrunn“ auf den Märkten bekannt wurde, erwarb den „Weberschaner Sauerbrunn“ und die „Bitterwasserquelle Pullna“ und begann aus Klösterle einen Kurort zu machen.

In der Stadt wird bis heute Porzellan unter der Marke „THUN“, in Anlehnung an die Gründerfamilie Thun-Hohenstein, produziert.

Eine der Nachfolgestaaten Österreich-Ungarns nach dem Ersten Weltkrieg, 1914–1918, war die Tschechoslowakei. Sie beanspruchte die deutschsprachigen Gebiete Böhmens, Mährens und Schlesiens für sich, obwohl deren Bewohner für einen Verbleib bei Deutschösterreich (später Österreich) plädierten. Der Vertrag von Saint Germain [6] entschied zugunsten der Tschechoslowakei. Damit fiel Klösterle an der Eger an den neuen Staat.

Bevölkerungsentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Volkszählung Einwohner

gesamt

Nationalität
Jahr Deutsche Tschechen Andere
1921 [7] 2.452 2.403 (98 %)
1930 [8] 2.226 41 (2 %)
1939 2500
Vertreibung der deutschsprachigen Einwohner

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ihr Vermögen durch das Beneš-Dekret 108 konfisziert und sie wurden aus ihrer angestammten Heimat vertrieben. Seitens der Tschechischen Republik erfolgte keine Abgeltung für das eingezogene Vermögen. Die Eisenbahntransporte der Heimatvertriebenen gingen über dem Bahnhof Cheb nach Bayern.[9]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Schlosspark
Brunnenhaus der Eugenienquelle
  • Schloss Klösterle mit Sala terrena und Schlosspark sowie Porzellanmuseum
  • Dreifaltigkeitskirche von Carlo Lurago mit Thunscher Grabkapelle
  • zahlreiche Heiligen-Skulpturen an der Dreifaltigkeitskirche
  • Marktplatz mit rekonstruierten Bürgerhäusern, Brunnen und Dreifaltigkeitssäule
  • Wallfahrtskirche „Maria Trost“ und Friedhofskapelle am Friedhof von Johann Christoph Kosch (um 1760)
  • Kurbad Eugenie (Lázně Evženie) mit Kuranlagen und drei Mineralquellen mit hohem Lithium-Gehalt:
    • Quelle Eugenie aus 12 m Tiefe
    • Quelle Klášterec aus 120 m Tiefe
    • Stadtquelle aus 90 m Tiefe
  • Sauerbrunnen von 1898 - am Weg nach Rašovice (Roschwitz) nahe der Eger

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stadt Klášterec nad Ohří besteht aus den Ortsteilen Ciboušov (Ziebisch), Hradiště (Radis), Klášterec nad Ohří (Klösterle an der Eger), Klášterecká Jeseň (Geßeln), Lestkov (Leskau), Mikulovice (Niklasdorf), Miřetice u Klášterce nad Ohří (Meretitz), Rašovice (Roschwitz), Suchý Důl (Dörnthal), Šumná (Schönburg), Útočiště (Zuflucht) und Vernéřov (Wernsdorf)[10]. Grundsiedlungseinheiten sind Ciboušov, Holubí vrch, Horní Miřetice (Obermeretitz), Hradiště, K Ciboušovu, Klášterec nad Ohří-střed, Klášterecká Jeseň, Kunov (Kunau), Vysoké (Haadorf, untergegangen ca. 1963), Lestkov, Mikulovice, Nad Útočištěm, Nový Vernéřov (Neuwernsdorf), Pavlov (Ahrendorf), Petlérská-východ, Petlérská-západ, Pod Šumnou, Pod vyhlídkou, Potočná (Schönbach), Rašovice, Staré Miřetice, Suchý Důl, Šumná, U Kláštereckého potoka, U Ohře, U třešňovky, Útočiště, Velká Lesná (Großspinnelsdorf), Vernéřov und Za starou porcelánkou.[11]

Das Gemeindegebiet gliedert sich in die Katastralbezirke Hradiště u Vernéřova, Klášterec nad Ohří, Klášterecká Jeseň, Kunov, Lestkov u Klášterce nad Ohří, Mikulovice u Vernéřova, Miřetice u Klášterce nad Ohří, Pavlov u Vernéřova, Potočná u Vernéřova, Rašovice u Klášterce nad Ohří, Suchý Důl u Klášterce nad Ohří, Velká Lesná und Vernéřov.[12]

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Söhne und Töchter der Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Personen mit Bezug zur Stadt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Brokoff (1652–1718), Schnitzer und Bildhauer, lebte 1685–1687 auf Einladung von Oswald von Thun im Ort und erstellte allegorische Skulpturen (Trition-Skulptur im Schloss, Vier Jahreszeiten, Büste der drei Türken)
  • Carl Immanuel Löscher (1750–1813), Konstrukteur und der Erfinder der Mammutpumpe, war bis 1793 Bergmeister beim Gräflich Thunschen Bergamt
  • Karl Venier (1812–1876), Pionier der böhmischen Porzellanindustrie und Erfinder eines Porzellanbrennofen mit Gasfeuerung, starb hier

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Konrad Badenheuer: Die Sudetendeutschen. Eine Volksgruppe in Europa. Sudetendeutscher Rat, München 2007, ISBN 978-3-00-021603-9.
  • Jan Šícha, Eva Habel, Peter Liebald, Gudrun Heissig: Odsun. Die Vertreibung der Sudetendeutschen. Dokumentation zu Ursachen, Planung und Realisierung einer „ethnischen Säuberung“ in der Mitte Europas 1945/46. Sudetendeutsches Archiv, München 1995, ISBN 3-930626-08-X.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klášterec nad Ohří – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. http://www.uir.cz/obec/563129/Klasterec-nad-Ohri
  2. Český statistický úřad – Die Einwohnerzahlen der tschechischen Gemeinden vom 1. Januar 2016 (PDF; 371 KiB)
  3. Hans-Ulrich Engel: Bürgen und Schlösser in Böhmen. Nach alten Vorlagen, Frankfurt am Main, 2. Auflage 1978, S. 123
  4. Josef Weinmann: Egerländer Biografisches Lexikon mit ausgewählten Personen aus dem ehemaligen Reg.-Bez.Eger, Band 2, Bayreuth 1987, S.293
  5. Waltraud Neuwirth: Porzellanmaler-Lexikon, Bd. 1, 1977
  6. Fritz Fellner: Der Vertrag von Saint-Germain, in: Österreich 1918–1938. Geschichte der Ersten Republik, 2 Bde. (hg. von Erika Weinzierl und Kurt Skalnik) (Graz 1983), S. 85–106
  7. Ernst Pfohl: Ortslexikon Sudetenland.Helmut Preußler Verlag-Nürnberg.1987. Seite 244. ISBN 3-925362-47-9
  8. Rudolf Hemmerle: Sudetenland Lexikon Band 4, Seite 240. Adam Kraft Verlag, 1985. ISBN 3-8083-1163-0.
  9. Statistischer Informationsdienst des Staatskommissars für das Flüchtlingswesen in Bayern, bearbeitet von Dr. Martin Kornrumpf in München zum amtlichen Zahlenmaterial zum Flüchtlingsproblem in Bayern; Alfred Bohmann: Das Sudetendeutschtum in Zahlen. Handbuch über den Bestand und die Entwicklung der sudetendeutschen Volksgruppe in den Jahren von 1910 bis 1950. Die kulturellen, soziologischer und wirtschaftlichen Verhältnisse im Spiegel der Statistik, München 1950, S. 253 ff.
  10. http://www.uir.cz/casti-obce-obec/563129/Obec-Klasterec-nad-Ohri
  11. http://www.uir.cz/zsj-obec/563129/Obec-Klasterec-nad-Ohri
  12. http://www.uir.cz/katastralni-uzemi-obec/563129/Obec-Klasterec-nad-Ohri