Klärgrube

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Schematische Darstellung einer Klärgrube; 1: Schachtdeckel, 2: Schaumschicht an der Oberfläche, 3: Zulauf, 4: Sediment.

Die Klärgrube (auch Faulgrube, Faultank, Abortgrube, Versitzgrube, durchflossener Faulbehälter, Faulbecken für Abwasser, Faulbecken) ist im Gegensatz zur Jauche- oder Güllegrube eine Grube zur behelfsmäßigen Reinigung kleiner Abwassermengen für einzelne, nicht an die öffentliche Kanalisation angeschlossene Häuser. Sie ist die älteste sowie baulich einfachste Form der Abwasserbehandlung. Seit 2015 ist ihr Betrieb in Deutschland aus Gründen des Umweltschutzes verboten.

Eine Sonderform der Klärgrube ist die Sickergrube.

Bau und Funktion[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Klärgrube funktioniert nach dem Prinzip der Ablagerung. Demnach besteht sie aus einer Grube mit einem Behälter, in dem die wasserfremden Bestandteile des Abwassers, die schwerer sind, im stehenden Wasser durch ihr Eigengewicht nach unten sinken und sich am Boden als Klärschlamm ablagern (Sedimentation). Das überstehende Wasser wird dabei entweder regelmäßig von einem Saugwagen abgesaugt, in ein Gewässer abgeleitet oder in den Erdboden versickert.

Aufwändigere Klärgruben bestehen aus drei Kammern. In solch einer modernen Drei-Kammer-Klärgrube wird das Abwasser anaerob zersetzt. Daher finden sich dort keine Kot- und Klopapierreste; diese Gruben können in ihrer Reinigungsleistung fast mit Kleinkläranlagen mithalten, abgesehen vom Nitratgehalt des geklärten Abwassers.

Wirksamkeit der Abwasserreinigung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Abwasser wird durch die Ablagerung (Sedimentation) zwar geklärt, viele schädliche Stoffe bleiben aber im Wasser. Problematisch ist vor allem der durch Fäulnisprozesse entstandene, im Wasser gelöste Stickstoff. Auch die Bakterien, die durch die Zersetzungsprozesse des organischen Materials eine starke Vermehrung erfahren, werden durch Ablagerung nicht ausgefiltert. Gerade Bakterien und Stickstoff stellen aber eine hohe Belastung für die Gewässer und den Boden dar, wenn sie in hohem Maß eingeleitet werden. Das als Abfluss dienende Gewässer oder der Boden zur Versickerung werden dadurch hoch belastet.

Die modernen Drei-Kammer-Klärgruben waren etwas effektiver als die älteren Einkammergruben, die meist nur einen Überlauf besaßen. Eine gründliche und ausreichend umweltfreundliche Reinigung war aber auch mit diesen Klärgruben nicht zu erreichen.

Verbreitung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Vor 1990 war in vielen ostdeutschen Kleinstädten die Klärgrube eine häufige Form der Abwasserbehandlung. Nach der deutschen Wiedervereinigung wurde der Anschluss möglichst aller Grundstücke an die öffentliche Kanalisation angestrebt, da die öffentlichen Kläranlagen eine gründlichere Abwasserreinigung ermöglichen. Klärgruben fanden sich bis zur Jahrtausendwende daher nur noch bei Gebäuden außerhalb von Ortschaften, wo der Bau eines Anschlusses an die öffentliche Kanalisation zu aufwändig gewesen oder aus topographischen Gründen nicht möglich war.

Seit 2001 forcierte die EU wegen der katastrophalen Zustände vieler europäischer Flüsse und Seen den Gewässerschutz. Es sollten keine Abwässer mehr in Flüsse und Seen geleitet werden, die zu starken Veränderungen des Wassergleichgewichts und zur massiven Bedrohung der natürlichen Flora und Fauna im Gewässer führen. Im Jahr 2015 trat schließlich das Betriebsverbot von Klärgruben in Kraft.

Zulässig sind in Deutschland seitdem nur noch sogenannte abflusslose Abwassersammelgruben. Wenn eine Klärgrube also über keinen Abfluss verfügt und von einem Entsorgungsunternehmen das gesammelte Abwasser in regelmäßigen Abständen ausgepumpt und zum Klärwerk transportiert wird, sind solche Sammelgruben zulässig. Aus Gründen der kostspieligen Entsorgung, die nur von besonderen Unternehmen mit entsprechender Genehmigung durchgeführt werden dürfen, rüsten viele Hauseigentümer jedoch um auf eine moderne Kleinkläranlage oder Pflanzenkläranlage. Sammelgruben müssen regelmäßig auf ihre Dichtigkeit geprüft werden, damit kein Abwasser im Erdboden versickern kann.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]