Klützer Winkel

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Der Klützer Winkel nordöstlich der Stepenitz

Der Klützer Winkel oder Klützer Ort ist ein Teil des Landkreises Nordwestmecklenburg in Mecklenburg-Vorpommern.

Geografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Blick von der Steilküste Großklützhöved

Es handelt sich um den an der Ostsee gelegenen westlichen Teil des Kreisgebietes zwischen den Hansestädten Lübeck (Priwall) und Wismar, nördlich der Stadt Grevesmühlen, mit dem Zentrum Klütz. Die hügelige Landschaft im Klützer Winkel ist von der letzten Eiszeit geprägt. Die höchsten Erhebungen sind der Hohe Schönberg mit 89 m ü. NN und der Heideberg. Man könnte den Klützer Winkel auch als Halbinsel zwischen Lübecker Bucht und Wismarer Bucht bezeichnen, denn von einer Linie zwischen dem Dassower See und der Wohlenberger Wiek reicht das Gebiet bis zu zehn Kilometer nach Norden. Die Gegend ist reich an touristischen Attraktionen wie der Ostseesteilküste, dem Badeort Boltenhagen, der Kleinstadt Klütz mit ihrem Schloss Bothmer sowie verschiedenen anderen Schlössern wie beispielsweise im Kalkhorster Ortsteil das sogenannte Schlossgut Groß Schwansee oder Schloss Johannstorf bei Dassow.

Klützer Wald[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Klützer Ort war im Mittelalter fast vollständig bewaldet. Das Klützer Waldgebiet (lat. Clutse nemus) wird in seiner Ausdehnung heute noch durch die wendischen Ortsnamen der Halbinsel beschrieben. Der Kaiser Barbarossa sicherte der aufstrebenden Hansestadt Lübeck in dem Barbarossa-Privileg des Jahres 1188 die Holznutzung dieses Waldgebietes für Bauholz wie Feuerungsholz zu, soweit es für eigenen Lübecker Bedarf benötigt wurde, also nicht als Handelsware.[1] Dieses Privileg wurde den Lübeckern 1202 von König Waldemar II. von Dänemark als Schutzherrn der Stadt bestätigt. Hintergrund war jeweils, dass durch die Rodung des Klützer Waldes im Klützer Winkel landwirtschaftliche Siedlungsfläche gewonnen werden sollte, um das Abgabenaufkommen über den Zehnten zu erhöhen. Dies wird auch durch einen Vertrag vom 8. Juli 1222 zwischen dem Ratzeburger Bischof Heinrich I. und dem mecklenburgischen Fürsten Heinrich Borwin I. bestätigt.[2] Die Ausdehnung des ehemaligen Waldgebietes ist daher auch an den im Zuge der Rodung entstandenen neuen deutschen Siedlungsnamen zu erkennen, die meist auf -hagen enden. So entstanden im Bereich des ehemaligen Klützer Waldes die vier Parochien oder Kirchspiele Damshagen[3], Elmenhorst[4], Kalkhorst[5] und Klütz[6], die allesamt auch im Ratzeburger Zehntregister des Jahres 1230 erwähnt sind, weil der Klützer Winkel bis zur Reformation zum Bistum Ratzeburg gehörte und vom Kloster Rehna aus für dieses verwaltet wurde. Die hohe Bodenbonität führte zu einer fast vollständigen Entwaldung des Klützer Winkels. Letztes verbliebenes und mit Abstand größtes geschlossenes Waldgebiet des Klützer Winkels ist östlich von Kalkhorst der Lenorenwald, der sich mit seinen überwiegend moorigen und feuchten Standorten nicht für die Umwandlung in landwirtschaftliche Nutzfläche eignete. Er liegt südlich des Hohen Schönbergs auf Klütz zu und ist bekannt für zwei recht ungewöhnliche Bäume: völlig artfremd stehen zwei große nordamerikanische Mammutbäume im Forst und stellen neben Hünengräbern und wendischen Burgwällen so etwas wie ein Wahrzeichen dar. Der Lenorenwald ist heute Landschaftsschutzgebiet, davon sind 546 Hektar als FFH-Gebiet ausgewiesen.

Städte und Gemeinden im Klützer Winkel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • De Lütt Kaffeebrenner: Eine Schmalspurbahn, welche zwischen den Orten Klütz und Reppenhagen fährt. Früher beförderte die Bahn, mit einer Spurbreite von 600 mm, Getreide zur Herstellung von Malzkaffee. Heute ist sie eine beliebte Touristenattraktion, welche in den Monaten April bis Oktober fährt.
  • Erlebnis- und Tigerpark in Dassow: Neben dem Bestaunen von großen und kleinen Tigern, haben Kinder die Möglichkeit im Mitmachzirkus mitzuwirken. Gerne kann auch beim Tigertraining zugeschaut werden. Der Park ist von April bis Oktober geöffnet.
  • Miniaturenpark in Kalkhorst: Zu besichtigen gibt es hier Schlösser, Kirchen, Land- und Stadtbauten in Mini-Format. Die detailgenauen Modelle können zwischen April und Oktober besichtigt werden.
  • Uwe-Johnson-Haus in Klütz: Hier befindet sich die Dauerausstellung des Schriftstellers Uwe Johnson. Außerdem ist in diesem Gebäude die Bibliothek und die Stadtinformation zu finden.
  • Schmetterlingsgarten: In einer gläsernen Flughalle mit tropischer Vegetation leben über 100 Arten Tag- und Nachtfalter. Geöffnet von April bis Oktober.[7]
  • Steinzeitdorf Kussow: Die Lebensweise der Jungsteinzeit lässt sich hier an originalgetreuen Hausmodellen und Feuerstellen nachempfinden. Außerdem werden Töpferkurse und Kurse im Weben angeboten.
  • Hünengräber im Everstorfer Forst: Entlang eines archäologischen Pfades wird über die 15 Großsteingräber im Everstorfer Forst bei Grevesmühlen informiert.
  • Keramik und Galerie in Everstorf: In der alten Büdnerei befindet sich das Atelier und die Keramikwerkstatt des Künstler-Ehepaars Hukal. Hier finden Ausstellungen, Buchlesungen und kleine Musikveranstaltungen statt.
  • Kurioses Muschel-Museum: Es wird auch Schmunzel-Museum genannt, da die vielen Muscheln und Ausstellungsstücke teils Fantasiebezeichnungen bekommen haben, die sehr amüsant sind. Zu besichtigen ist es zwischen April und Oktober.
  • Park des Schlosses in Kalkhorst
  • Altes Feuerwehrhaus in Damshagen: Außenstelle des Gesundheitshotels Gutshaus Stellshagen. Es gibt Biogemüse, vegetarische Speisen und selbstgebackenen Kuchen.
  • Hofladen in Steinbeck

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Carl Griewank: Verzeichnis der im Klützer Ort vorkommenden selteneren Pflanzen Mecklenburgs, 1847
  • Carl Griewank: Einige Bemerkungen über die noch vorhandenen Waldungen auf dem Klützer Orte, 1851
  • Friedrich Schlie: Die Kunst- und Geschichts-Denkmäler des Grossherzogthums Mecklenburg-Schwerin. II. Band: Die Amtsgerichtsbezirke Wismar, Grevesmühlen, Rehna, Gadebusch und Schwerin. Schwerin 1898, Neudruck Schwerin 1992, ISBN 3-910179-06-1

Belege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Schlie, S. 361
  2. MUB, 143, 173, 284.
  3. Schlie, S. 357 ff.; Ursprünglich, so auch im Ratzeburger Zehntregister Thomashagen
  4. Schlie, S. 375 ff.
  5. Schlie, S. 379 ff.
  6. Schlie, S. 361 ff.
  7. Schmetterlingspark Klütz. Abgerufen im 7. Dezember 2015.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 53° 57′ N, 11° 7′ O