Klaatu

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Dieser Artikel behandelt die Musikgruppe Klaatu. Für die Filmfigur, siehe Der Tag, an dem die Erde stillstand.
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Klaatu
Allgemeine Informationen
Herkunft Kanada
Genre(s) Progressive Rock
Gründung 1973
Auflösung 1982
Website www.klaatutheband.com/
Gründungsmitglieder
Terry Draper
Dee Long
E-Bass, Gesang
John Woloschuk

Klaatu war eine kanadische Progressive Rock-Gruppe, die von 1975 bis 1981 aktiv war. Sie wurde von den drei Musikern John Woloschuk, Dee Long und Terry Draper in Toronto gegründet. Aufsehen erregte die Band zunächst vor allem durch das Gerücht, es handele sich bei Klaatu um eine heimliche Wiedervereinigung der Beatles. Die Verkaufszahlen des ersten Albums waren dementsprechend. In den sechs Jahren ihres Bestehens veröffentlichte die Gruppe fünf Alben. Die wahre Identität der Musiker wurde erst 1980, mit Erscheinen ihres vierten Albums, bekannt gegeben.

Das Beatles-Gerücht[Bearbeiten]

Als Klaatu 1976 ihr erstes Album 3:47 EST veröffentlichten, kamen Gerüchte auf, es handele sich um ein geheimes Projekt der Beatles. Als Anhaltspunkte für die Theorie dienten angebliche Ähnlichkeiten zu deren Sound – besonders auffällig beim Titel Sub-Rosa Subway. Die Stimme des Sängers John Woloschuk erinnerte zudem an Paul McCartney. Das Fehlen jeglicher Informationen zu den Musikern auf dem LP-Cover nährte die Spekulationen (zur Freude der Plattenfirma) zusätzlich.

Trotzdem wäre die Veröffentlichung wohl untergegangen, wenn nicht der US-amerikanische Journalist Steve Smith in einer in Providence (Rhode Island) erscheinenden Zeitung die Meinung vertreten hätte, bei Klaatu handele es sich um die Beatles. Er stellte hierbei die These auf, Klaatu seien entweder die Beatles selbst oder die Beatles und befreundete Musiker. In den folgenden Tagen verbreitete sich diese Meldung weltweit. Selbsternannte Beatlesforscher suchten ähnlich wie sieben Jahre zuvor bei der „Paul is dead“-Episode nach möglichen Indizien.

Diese fanden sich bald. Die Gruppe hatte sich nach der Hauptfigur aus dem Science-Fiction-Spielfilm Der Tag, an dem die Erde stillstand benannt. Bereits zwei Jahre zuvor hatte Ex-Beatle Ringo Starr auf dem Cover seines Albums Goodnight Vienna eine Szene aus genau diesem Film aufgegriffen und war selbst als „Klaatu“ abgebildet. Das wurde als Hinweis angesehen, die Beatles würden sich hinter dem vermeintlichen Pseudonym verbergen.

Auf der Vorderseite des Covers von 3:47 EST ist eine strahlende Sonne zu sehen, die als Anspielung auf die Beatles-Stücke Good Day Sunshine oder Here Comes the Sun verstanden werden kann. Die Rückseite hingegen zeigt mit einer Nachtszene und dem Mond das Gegenstück dazu, so dass man dies als einen Verweis auf Good Night vom sogenannten Weißen Album interpretieren könnte.

Die Texte auf der Innenhülle zitieren in den Liedern Sir Bodsworth Rugglesby III mit „The End“ und Little "Neutrino mit „Good Night“ eindeutig zwei Titel aus der späten Schaffensphase der Beatles. Ian Ballon führte in Ausgabe Nr. 13 des Fanzines „Beatles Unlimited“ 150 Beweise für die Beatles-Theorie an. Darunter war die Behauptung, bei der LP 3:47 EST handele es sich um das "verschollene" Album Hot As Sun, dessen Existenz auf einer fiktiven Geschichte aus dem Rolling Stone beruhte. Spielt man die Platte rückwärts ab, glaubten „Beatologen“ im Lied Sub-Rosa Subway die geheime Botschaft „It’s Us, it’s the Beeeeeeeatles“ zu hören. Zudem sahen einige in diesem Song sowie in Doctor Marvello Anspielungen auf die LP Red Rose Speedway von Paul McCartneys Wings oder das Lied Dr. Robert vom Beatles-Album Revolver. Hinzu kam, dass die Platte bei Capitol Records, dem US-amerikanischen Label der Beatles, erschienen war.

Die einzelnen Mitglieder der Beatles schwiegen zu den Gerüchten. Klaatu profitierten stark von der Aufregung um das Album. Allein in den USA über wurden über 300.000 Exemplare verkauft. Dies reichte für elf Wochen und Platz 32 als Höchstnotierung in den Billboard Charts. Die gleichzeitig erschienene Single Sub-Rosa Subway hielt sich sechs Wochen in der Hitparade, konnte jedoch nur Platz 62 erreichen.

Im September 1977 erschien mit Hope das zweite Album der Gruppe. Es war als Konzeptalbum angelegt, das die faschistische Diktatur auf einem fremden Planeten schilderte. Von der Grundstruktur war es weitaus düsterer und beklemmender angelegt als die Vorgängerplatte. Sie erinnerte „Beatleskenner“ aufgrund seiner breit angelegten Struktur an die Beatles-Meisterwerke Sgt. Pepper’s Lonely Hearts Club Band und Abbey Road. Neben einem künstlerisch hochwertigen Artwork – kennzeichnend für alle Produkte von Klaatu – fanden sich auch wieder die Texte auf dem Innencover. Von näheren Angaben zur Gruppe oder den Komponisten wurde wie beim Debütalbum abgesehen. Dafür wurde in einer Werbung für Hope geschickt auf den Mythos um die Band angespielt: „Klaatu is an English Band from Birmingham, England. Klaatu is four well known musicians attempting to wrap their collaborative work together in a cloak of secrecy“.

Wieder waren viele der Meinung, dass die Musiker sich eindeutig nach den Beatles anhören würden. Insbesondere die Stimme erinnerte bei einigen Stücken frappierend an Paul McCartney. Vielleicht, weil das Interesse nachließ, vielleicht auch, weil die Musik anspruchsvoller als das Debütalbum der Gruppe war, blieb Hope nur sieben Wochen in den Top 100 mit einem Platz 83 als Höchstplatzierung.

Im August 1978 erschien mit Sir Army Suit die dritte Langspielplatte der Gruppe. Noch immer wurde auf die Angabe zu Musikern, Produzenten und Komponisten verzichtet. Der australische Autor John Squire sah in seinem Werk Under Assumed Name, das in kleiner Auflage im Eigenverlag erschien, im Titel eine Anspielung auf den Film How I Won the War aus dem Jahr 1966, in dem John Lennon eine Nebenrolle übernommen hatte. Darin sagt Lennons Charakter Gripweed den Satz: „Could Sir Army Suit be a reference to this film?“

Weitere Hinweise auf die Beatles sah Squire darin, dass George Harrison das erste Mal gemeinsam mit den Beatles in der „Salvation Army Hall“ in Liverpool gespielt hatte und die Beatles in den Filmen Hi-Hi-Hilfe! und Magical Mystery Tour Armeekleidung trugen.

Die Spekulationen um eine Wiedervereinigung der Beatles waren nach ihrer Hochphase Mitte der siebziger Jahre nun völlig zum Erliegen gekommen. Nur wenige beteiligten sich noch an den Diskussionen über Klaatu, die sich ihrerseits über das Artwork nun erstmals der Öffentlichkeit präsentierten: Unter den Personen, die auf der Cover-Rückseite eine Menschengruppe anführen, befinden sich (namentlich noch nicht genannt) John Woloschuk, Terry Draper und Dee Long, dahinter eine Frau mit Kopftuch, die sich bei näherem Betrachten als Königin Elisabeth II. entpuppt.

Erst auf ihrem vierten, im Juni 1980 erschienenen Album Endangered Species gaben die Bandmitglieder ihre Identität preis. Auf dieser Platte, in der es inhaltlich um den Erhalt einer bedrohten Umwelt geht, richteten sie eine von ihnen namentlich unterzeichnete Botschaft an ihre Fans, in der sie diese aufforderten, sich aktiv für den Schutz der Natur einzusetzen. Das Rätsel um die Musiker war damit gelöst. Endangered Species erreichte ebenso wie das Vorgängeralbum keine Hitparadenplatzierung in den Top 100.

Entwicklung der Band[Bearbeiten]

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Die Ursprünge von Klaatu reichen bis zum Ende der sechziger Jahre zurück. Die kanadischen Musiker Terry Draper, John Woloschuk und Dee Long begegneten sich anlässlich eines Konzertes in Toronto zum ersten Mal. Alle drei Musiker spielten in unterschiedlichen Bands und arbeiteten 1971 zum ersten Mal gemeinsam unter dem Namen „Mudcow“. Diese Zusammenarbeit dauerte jedoch nur etwa ein Jahr. Als die Band, zu der noch der Musiker Jamie Bridgman gehörte, auseinanderbrach, entwickelte sich langsam aber sicher das Projekt „Klaatu“. Terry Brown arbeitete tagsüber in einem Studio in Toronto und nutzte nachts die Räumlichkeiten für Aufnahmen mit Klaatu.

Als erstes Stück nahm die Band den Song Anus of Uranus auf. Zusammen mit dem Titel Sub Rosa Subway veröffentlichte die Gruppe ihn 1973 als erste Single in Kanada. Einen nennenswerten Erfolg konnte weder diese noch die folgende Dr. Marvello / For You Girl erzielen. Erst California Jam konnte bei einigen Radiostationen kleinere Erfolge verbuchen. Dadurch wurde die amerikanische Capitol Records auf die Band aufmerksam. Für die erste LP 3:47 EST griff man auf einige Stücke aus der Frühzeit der Gruppe zurück, so dass die Produktionszeit im Grunde von Januar 1973 bis Januar 1976 reicht. Während der Aufnahmen zu ihrer zweiten Platte Hope (ab Juni 1976), tauchte das Beatles-Gerücht auf. Klaatu waren von einem Tag auf den anderen über die Grenzen Kanadas hinaus bekannt. Selbst deutsche Teenagermagazine wie die Bravo, Pop oder der Musikexpress berichteten über das Ereignis: Klaatu profitierten von der Veröffentlichung in entscheidendem Maße, nicht nur finanziell sondern auch künstlerisch. Nun war Geld vorhanden, um Hope noch einmal zu überarbeiten. Ein ganzes Jahr, von Juni 1976 bis Juni 1977, konnte sich die Gruppe nun den Aufnahmen widmen. Kurz nach der Fertigstellung des Tonträgers veröffentlichte das Duo Carpenters eine Coverversion des Songs Calling Occupants of Interplanetary Craft vom ersten Klaatu-Album. Ihre Version konnte sich 9 Wochen in den englischen Charts halten und den neunten Platz erreichen. In den USA hingegen kam der Titel nur bis auf Position 32, verblieb jedoch 14 Wochen in den Charts.

Obwohl die Musik großen Anklang bei den Kritikern fand, konnte sich die Band auf dem internationalen Markt nicht behaupten. Der krampfhafte Versuch für das kommende Album Sir Army Suit, welches im August 1978 erschien, unbedingt mehrere potentielle Single-Hits zu schreiben, führte zu einem Qualitätsverlust, obwohl die Band von August 1977 bis Mai 1978 ununterbrochen im Studio war. Die Arbeiten wurden jedoch von Spannungen mit dem Produzenten Terry Brown überschattet. Anstelle des Angebots, die Geschichte von Hope zu verfilmen, entschied sich die Band, ein Video zum Titel A Routine Day zu produzieren. Klaatu verabschiedete sich mit dieser Platte vom Progressive Rock und vollzog den Wechsel hin zur Popmusik. Insbesondere Dear Christine entwickelte sich mit der Zeit zu einem Ohrwurm, ging jedoch 1978 in der Discowelle unter.

Nach dem Misserfolg von Sir Army Suit wollte die Plattenfirma mehr Einfluss auf die Produktion gewinnen. für das nächste Album Endangered Species wurden ein anderer Produzent, Christopher Bond, und weitere Studiomusiker engagiert. Im Vergleich zu früheren Sessions gestaltete sich die Produktionsphase von September 1979 bis Dezember 1979 geradezu bescheiden. Klaatu konnten ihre Ideen nur noch teilweise umsetzen. Während die Aufnahmen mit den Overdubs der Studiomusiker erweitert wurden, geriet Terry Draper geradezu in die Rolle eines Zuschauers, der auf seiner eigenen Platte nicht mehr spielen durfte. Im Juni 1980 erschien die LP, ohne jedoch einen bleibenden Eindruck beim Publikum zu hinterlassen.

Capitol Records hatte aufgrund der beiden Misserfolge das Interesse an der Band zunächst verloren. Im Frühjahr 1981 gingen die Verantwortlichen der Firma jedoch wieder auf die Musiker zu und boten ihnen einen neuen Vertrag an. Die Band erlangte hierbei ihre künstlerische Freiheit zurück, verpflichtete sich jedoch im Gegenzug dazu, nicht mehr in der Anonymität zu bleiben und auf Tournee zu gehen. Nachdem das neue Werk Magentalane im Oktober 1981 erschienen war, spielten Klaatu vom 10. bis 24. November mit großem Erfolg im Vorprogramm von Prism. Magentalane war weitaus besser als die beiden Vorgängeralben, konnte jedoch ebenfalls nicht an die Erfolge von 3:47 EST und Hope anknüpfen. Auf der Innenhülle waren nun zum ersten Mal jene drei Musiker abgebildet, die hinter Klaatu steckten und so gar keine Ähnlichkeit zu den Beatles aufwiesen. Allerdings wurde John Woloschuk als der Sänger mit der "Paul McCartney-Stimme" identifiziert. Da die Platte nur noch in Kanada erschien, wurde jenseits der Landesgrenzen kaum jemand auf das letzte Werk der Band aufmerksam.

Dee Long verließ die Gruppe zu Beginn des Jahres 1982. Nach einer weiteren Tournee mit Sessionmusikern lösten Draper und Woloschuk die Band noch im selben Jahr auf. Capitol Records veröffentlichte zur Tournee 1982 noch den Sampler „Klaasic Klaatu“, der 1993 in erweiterter Version als CD „Peaks“ herausgebracht wurde.

1988 kam es zu einer Wiedervereinigung der Band. Ausgerechnet dort, wo die Geschichte der Beatles ihren Anfang nahm, sollte die Geschichte von Klaatu enden, nämlich in Deutschland, genauer gesagt im deutschen Tatort, der beliebten Krimiserie der ARD. Im Laufe der Zeit hatten die Bandmitglieder einiges an Schulden angehäuft. Da muss ihnen das Angebot wohl gerade recht gekommen sein, für die Folge Tödlicher Treff des SDR aus dem Jahr 1988 einen neuen Song, Woman, aufzunehmen. Der Titel erschien in insgesamt drei Fassungen (Single, Maxi, Single-CD), kurioserweise bei Polydor, jenem Label, auf dem die Beatles gemeinsam mit Tony Sheridan ihre ersten professionellen Stücke eingespielt hatten.

Woman besitzt keine Übereinstimmung mit den gleichnamigen Kompositionen von Paul McCartney und John Lennon. Der Titel hatte auch keinen Erfolg in der deutschen Hitparade, so dass Klaatu sich erneut auflösten. Außer zum Klaatu Kon 2005 – World Contact Day kam die Band nie wieder zusammen.

Terry Draper verabschiedete sich vorläufig von der Musik und arbeitete wieder in seinem Beruf als Dachdecker, John Woloschuk blieb in der Musikindustrie und Dee Long arbeitete in George Martins Air Studio als Engineer u. a. mit Paul McCartney zusammen.

Zwar waren Klaatu nicht die Beatles und kein Beatle hat jemals eine Note auf einer Klaatu-LP gespielt. Trotzdem ist die Musik von Klaatu als vielseitig, interessant und von der Musik der Beatles stark beeinflusst zu betrachten.

Diskografie[Bearbeiten]

Alben[Bearbeiten]

  • 3:47 EST (1976)
  • Hope (1977)
  • Sir Army Suit (1978)
  • Endangered Species (1980)
  • Magentalane (1981)

Raritäten[Bearbeiten]

  • Sun Set: 1973–1981 (2005)
  • Raarities (2005)
  • Solology (2009)

Greatest Hits Collections[Bearbeiten]

  • Klaasic Klaatu (1982)
  • Peaks (1993)

Tribute Album[Bearbeiten]

  • Around the Universe in 80 Minutes

Weblinks[Bearbeiten]