Klappholttal

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Als Klappholttal (friesisch (frasch): Klapholtdääl, dänisch: Klapholtdal) bezeichnete man ursprünglich ein Dünental nördlich von Kampen auf der Nordsee-Insel Sylt. Heute befindet sich dort die gleichnamige „Akademie am Meer“, das so genannte „Nordseeheim Klappholttal“. Der Name Klappholttal stammt aus dem Friesischen und bedeutet wörtlich übersetzt „Klappholz‑Tal“. Klappholz ist das durch Wind und Wetter „zusammengeklappte“, krumm wachsende, teilweise als Dickicht imponierende Nadel-Unterholz. Es ist ausgesprochen malerisch und bietet künstlerischen Bestrebungen reichen Gegenstand. In der Nähe befindet sich auch das „Kasseler Lager“, das Jugendseeheim des Landkreises Kassel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Bebauung: Bereits 1908 ist beim „H.P. Klappholttal“ (Haltepunkt der Inselbahn) ein Schuppen notiert (ebenso im etwas südlicher liegenden eigentlichen Klappholttal).[1]

Während des Ersten Weltkrieges entstanden in den Sylter Küstendünen mehrere abgelegene Stellungen und Lager des deutschen Militärs. Eines davon war das „Lager Klappholttal“. Dieses Lager diente Soldaten der Inselwache als Quartier.

In der unmittelbaren Nachkriegszeit entstand im Jahr 1919 in den verlassenen, jedoch relativ gut erhaltenen Baracken unter der Leitung des Kampener Arztes Knud Ahlborn das sogenannte „Freideutsche Lager Klappholttal auf Sylt“. Hieraus entwickelte sich die heutige Bildungs- und Erholungsstätte. Bis zum Bau einer Straße 1970 war das Lager ausschließlich zu Fuß auf Dünenpfaden oder durch die 1907 errichtete Nordbahn der Sylter Inselbahn, und seit 1958 über einen befestigten Fußweg zu erreichen.

Von 1971 bis 1998 leitete Manfred Wedemeyer die Volkshochschule Klappholttal, seit 1976 Akademie am Meer benannt. Der gegenwärtige Leiter ist M.A. Hartmut Schiller.[2]

Heute befinden sich in dem 7,5 Hektar umfassenden Dünengebiet zahlreiche kleinere in die Landschaft eingepasste Häuser, die der Unterbringung der Gäste oder als Veranstaltungsräume dienen. Die Einrichtung umfasst neben der Akademie am Meer, einer der ältesten Volkshochschulen in Schleswig-Holstein, ein Schullandheim, sowie ein Eltern-Kind-Kurheim. Träger der Institution ist heute der gemeinnützige Verein „Nordseeheim Klappholttal e.V.“.

Im Rahmen der Feierlichkeiten anlässlich des 90-jährigen Bestehens erhielt Klappholttal Würdigung in „Klappholttalia“, einer Komposition des Bratschisten und Komponisten Gunter Pretzel. Das Opus in vier Sätzen stellt musikalisch die Emotionen der Klappholttal-Besucher von Anreise bis Abreise dar und beinhaltet im vierten Satz einen mehrstimmigen Chorsatz, die eigentliche Ode „Klappholttalia“. Die Uraufführung erfolgte im August 2009 vor Ort durch das Debussy-Trio München.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den Dünen bei Klappholttal wurde in den Jahren zwischen 1893 und 1914 der Versuch unternommen, eine Wanderdüne mit Bergkiefern aufzuforsten und so den Sandflug zu verhindern. War dieser Versuch auch nicht von großem Erfolg gekrönt, so sind jedoch bis heute Reste dieser Bepflanzung erhalten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Michael Andritzky und Kai J. Friedrich (Hrsg.): Klappholttal / Sylt 1919 - 1989: Geschichte und Geschichten; Kontinuität im Wandel. Anabas-Verlag, Gießen 1989. ISBN 3-87038-145-0
  • Andersen, Erich R.: Volkshochschule im Dünensand. Pro Business, Berlin 2009

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klappholttal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Königl. Preuss. Landes-Aufnahme 1878. Aufgenommen: Top. Dunker. Herausgegeben 1880, Einzelne Nachträge 1908: Kreis Tondern, Regierungs-Bez, Schleswig, Bl. 92: Kampen. Insel Sylt.
  2. http://www.akademie-am-meer.de/pdf/Presse.pdf, abgerufen am 9. Oktober 2011

Koordinaten: 54° 59′ 30,8″ N, 8° 21′ 29,2″ O