Klas Ewert Everwyn

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Klas Ewert Everwyn (Pseudonyme: Roland Berry, Nicolas Nicolin; * 10. März 1930 in Köln) ist ein deutscher Schriftsteller.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klas Ewert Everwyn ist der Sohn eines Bäckers. Er besuchte Schulen in Köln und Glatz. 1944/45 wurde er als Fronthelfer eingesetzt. Nach Kriegsende war er Hilfsarbeiter in der Landwirtschaft im oberbergischen Bladersbach. 1949 schloss er die Mittlere Reife ab; anschließend war er bis 1953 Angestellter bei der Polizei und von 1953 bis 1955 Regierungsangestellter in Düsseldorf. Von 1956 bis 1971 war er städtischer Beamter in Neuss; während dieser Zeit leitete er zehn Jahre lang das Sportamt. Ein Studium an der Verwaltungshochschule in Düsseldorf schloss er 1958 mit dem Grad eines Diplom-Verwaltungswirtes ab. Von 1972 bis 1980 stand Everwyn als Beamter im Dienst des Landes Nordrhein-Westfalen.

Seit 1981 lebt er als freier Schriftsteller in Monheim am Rhein. Klas Ewert Everwyn ist Verfasser von erzählenden Werken und Hörspielen. Er ist Vertreter einer sozialkritischen, engagierten Literatur und gehörte in den 1960er Jahren zum Umkreis der Gruppe 61 und später des Werkkreises Literatur der Arbeitswelt. In zahlreichen seiner Bücher ist er Schilderer des dörflichen und kleinstädtischen Lebens der ihm aus der Jugendzeit vertrauten oberbergischen Region um Waldbröl. Seit den 1980er Jahren schrieb er vermehrt Bücher für Jugendliche über historische Themen, unter anderem über den sogenannten Knüppelrussenaufstand, darunter über den Waldbröler Freiheitskämpfer Paul von Bettenhagen; auch Everwyns persönliche Erfahrungen während seiner Jugend im Dritten Reich wurden von ihm literarisch verarbeitet.

Die größte Aufmerksamkeit erzielte sein Buch "Der Dormagener Störfall von 1996", in dem es um einen fiktiven Unfall bei den Bayer-Werken mit katastrophalen Ausmaßen ging. Everwyns Buch war eigentlich eine Auftragsarbeit für den Dormagener Literaturpreis "Federkiel". Seine Schilderungen eines möglichen Chemie-GAUs in Dormagen und Umgebung führte jedoch zu Protesten. Unter Anderem weigerte sich die Stadt Everwyns Roman zu publizieren. Mittels Unterstützern aus den Reihen der Dormagener Jungsozialisten und der Bürgergruppe "Dormagener Verlagsinitiative" gab der Autor sein Werk im Selbstverlag heraus. Im Verlauf der kommenden Jahre überzog der Bayer-Konzern den Autor mit etlichen Verleumdungsklagen. Er erreichte unter anderem, dass die ersten Auflagen des "Störfalls" nur mit Schwärzungen von etlichen Textpassagen erscheinen durften.[1]

Klas Ewert Everwyn ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und seit 1969 des Verbandes Deutscher Schriftsteller. Er erhielt unter anderem folgende Auszeichnungen:

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Die Jagd ohne Gnade, Wien [u. a.] 1955 (unter dem Namen Roland Berry)
  • Die Leute vom Kral, Hamburg 1961
  • Die Hinterlassenschaft, Hamburg 1962
  • Griet oder Wie weit ist Polen von Holland entfernt, Krefeld 1967
  • Platzverweis, Recklinghausen 1969
  • Die Entscheidung des Lehrlings Werner Blom, Baden-Baden 1972
  • Stadtansichten, Krefeld 1977
  • Fußball ist unser Leben, Würzburg 1978
  • Die Stadtväter, Hamburg 1980
  • Achtung Baustelle, Baden-Baden 1982
  • Land unter bleiernem Himmel, Zürich [u. a.] 1983
  • Der Dormagener Störfall von 1996, Dormagen 1983
  • Opa und ich und die Nutscheider Schummelgeschichte, Stuttgart 1984
  • Für fremde Kaiser und kein Vaterland, Würzburg 1985
  • Der kleine Tambour und der große Krieg, Stuttgart 1987
  • Sterben kann ich überall, Köln 1988
  • Jetzt wird alles besser, Würzburg 1989
  • Schuß durch die Mütze, Dortmund 1990 (unter dem Namen Nicolas Nicolin)
  • Der Räuber-Paul, Würzburg 1991
  • Gefundenes Fressen, Köln 1994[2]
  • Damals, da war richtig was los, Unkel/Rhein 1996
  • Die Kölner Südstadt und ich, Sankt Augustin 1996
  • Der Dormagener Störfall. Eine Legende. Schmetterling, Stuttgart 1997, ISBN 3-89657-410-8. (Unwesentlich veränderte Neuausgabe des gleichnamigen Buches von 1983)
  • Der Tag, an dem Drinhausen seine Frau einsperrte, Linz am Rhein 2000
  • Deutzer Blut, Bad Honnef 2004
  • Der Fischer von Hamm und die Herzogsfehde, Düsseldorf 2005
  • Das Geheimnis der Nicolini, Düsseldorf 2005
  • Schicksal eines Geschichtenerzählers, Düsseldorf 2005

Herausgeberschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Nahaufnahmen, Düsseldorf 1981

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oda Hensel: Klas Ewert Everwyn, ein kritischer Regionalist?, Marburg 1993

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Freier Lauf, "Der Spiegel" vom 4. April 1983
  2. http://www.wdr5.de/sendungen/landundleute/klas-ewert-everwyn-100.html

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]