Klaus Gietinger

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Klaus Gietinger (2009)

Klaus Gietinger (* 1955 in Lindenberg im Allgäu) ist ein deutscher Buchautor, Drehbuchautor, Filmregisseur und Sozialwissenschaftler.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gietinger absolvierte ein Studium der Sozialwissenschaft an der Georg-August-Universität Göttingen mit dem Abschluss Diplom-Sozialwirt.

Nach Abitur und Zivildienst überzeugte er seine Freunde Leo Hiemer, Georg Veit und Fritz Günthner, bei Splatterversionen von Kinoklassikern mitzuwirken (so ‚Tarzan sieht rot‘ und ‚Der Meineidbauer‘, der 1977 beim Fest der jungen Filmer in Werl den ersten Preis gewann). Schließlich schlossen sich die Vier zur Westallgäuer Filmproduktion (WAF) zusammen.

Ein langer Spielfilm über den Allgäuer Bauernkrieg entstand (Lond it luck <lasst nicht locker>, 1979), der auf einer Tour durchs Allgäu Tausende von Zuschauern in Mehrzweckhallen und Hinterzimmer lockte, aber auch zu heftigen Diskussionen über die Nachwirkungen auf heutige Zustände führte.

Es folgten zwei radikale Kleine Fernsehspiele fürs ZDF (Land der Räuber und Gendarmen, 1982 und Schwestern, 1983, zusammen mit Susanne Lob).

1984 entstand zusammen mit Leo Hiemer sein bekanntester Film Daheim sterben die Leut’, der, obwohl in westallgäuerischem Dialekt gedreht, mit Untertiteln versehen in der gesamten Republik ein Erfolg wurde und in seiner Heimatregion als „Kultfilm“ gilt. Nach 30 Jahren (2015) und kompletter Digitalisierung sorgte der Film wieder für Schlangen vor den Kinos im Allgäu.

Er führte bei mehreren Folgen der Fernsehreihe Tatort Regie, für die er, wie auch bei diversen anderen Filmen, das Drehbuch selbst verfasste.

Gietinger hat als Eisenbahnfan seit langem kein Auto mehr und nimmt seine Termine meist per Bahn wahr. Die Sanierungspläne und Stilllegungen der Deutschen Bahn betrachtet er auch in seinem Film Heinrich der Säger kritisch.

Er recherchierte zu den Hintergründen der Ermordung von Rosa Luxemburg. Seine These ist dabei, dass dieser politische Mord, wie auch der an Karl Liebknecht, mit Billigung des Oberbefehlshabers Gustav Noske (SPD) erfolgte. Gietinger stützt sich dabei auf Aussagen von Waldemar Pabst. In weiteren politischen Texten arbeitete er das Thema des Aufstands und der Niederschlagung des Kronstädter Matrosenaufstands durch die russischen Bolschewiki auf. Sein Buch Totalschaden. Das Autohasserbuch führte zu diversen Auftritten in Talkshows. Sein Buch 99 Crashes erzählt vom Unfalltod berühmter Persönlichkeiten und ist eine Absage an diverse Verschwörungstheorien.

2008–2012 arbeitete er mit dem Drehbuchautor und Regisseur Bernd Fischerauer zusammen. Es entstanden zehn historische Fernsehspiele für BR alpha, produziert von der Tellux-Film München.

Außerdem führt Gietinger seit 10 Jahren auch Regie bei zahlreichen Folgen der Kinderserie Löwenzahn (ZDF).

2016 war die TV-Premiere seines langen Dokumentarfilms über Hitlers Mein Kampf (mit Douglas Wolfsperger, Produktion Tellux/ARD-Alpha).

Sein 2017 ausgestrahlter Film „Wie starb Benno Ohnesorg“ veranlasste den Berliner Justizsenator Dirk Behrendt zu der Aussage im TAZ-Interview, dass die darin aufgeführten Beweise als schlüssig anzusehen sind, dass die Erschießung von Benno Ohnesorg am 2. Juni 1967 Mord war.[1]

Gietinger schrieb auch in den Tageszeitungen Der Westallgäuer, Frankfurter Rundschau, junge Welt, Neues Deutschland, sowie für Lunapark 21, Welt am Sonntag und Die Zeit.

Filmografie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Regie
  • 1979: Lond it luck (Allgäuer Mundart, übersetzt: „Lasst nicht locker“)
  • 1982: Land der Räuber und Gendarmen (auch Drehbuch)
  • 1982: Schwestern (ZDF-Fernsehspiel)
  • 1984: Daheim sterben die Leut’ (in Westallgäuer Mundart) (auch Drehbuch)
  • 1987: Schön war die Zeit (auch Drehbuch)
  • 1987: Die Enkel von Annaberg (auch Drehbuch)
  • 1993–1995: Schwarz greift ein (Fernsehserie)
  • 1995: Der Fischerkrieg (auch Drehbuch)
  • 1996: Singles (Fernsehserie)
  • 1997: Die Rollmöpse (Zeichentrickfilm)
  • 1998: TatortGefährliche Zeugin (TV-Reihe) (auch Drehbuch)
  • 1998: Tatort – Der Tod fährt Achterbahn (TV-Reihe) (auch Drehbuch)
  • 1998: SAR – Rettungsflieger (Fernsehserie)
  • 1999: Tatort – Mord am Fluss (TV-Reihe)
  • 2000: Heirate mir!
  • 2000: Heinrich der Säger (auch Drehbuch)
  • 2000: Tatort – Unschuldig (TV-Reihe) (auch Drehbuch)
  • 2003: Fliege kehrt zurück (TV)
  • 2004: Fliege hat Angst (TV)
  • 2004: Tatort – Janus (TV-Reihe)
  • 2005: Rotkäppchen (TV)
  • 2005: Die Reblaus
  • 2007–2016: Löwenzahn, über 40 Folgen
  • 2013: Eugen Bolz Dokumentarfilm
  • 2016: Mein Kampf – Programm eines Massenmörders (langer Dokumentarfilm, TV, ARD-alpha/BR)
  • 2017: Wie starb Benno Ohnesorg? - Der 2. Juni 1967, Dokumentarfilm, zus. mit Margot Overath und Uwe Soukup, RBB.[2]
  • 2018: Lenchen Demuth und Karl Marx, Dokudrama über die berühmteste Haushälterin der Welt, SR.
Drehbuch
  • 1992: Probefahrt ins Paradies
  • 2001: Heirate mir!
  • 2009: Hitler vor Gericht
  • 2010: Der Staat ist für den Menschen da
  • 2010: Gewaltfrieden I und II
  • 2010: Die Konterrevolution
  • 2011: Die Machtergreifung
  • 2011: Der Weg zur Macht
  • 2011: Europas letzter Sommer
  • 2012: Die Reichsgründung
  • 2012: Die nervöse Großmacht
  • 2016: Revoluzzer
  • 2016: Mein Kampf
  • 2017: Wie starb Benno Ohnesorg
  • 2018: Lenchen Demuth und Karl Marx

Publikationen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sachbücher:

Fiktionale Literatur:

Zeitungs- oder Zeitschriftentexte:.

  • Der Tod hat einen Motor. In: Die Zeit, 13. Januar 2003.
  • Doppelmord nach Plan. Vor 85 Jahren wurden Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht mit Billigung der SPD-Führung ermordet. In: Junge Welt, 15. Januar 2004.

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hessischer Filmpreis für das Drehbuch zu Die Rollmöpse
  • Nominierung Deutscher Filmpreis/Bester Spielfilm 1986 für Daheim sterben die Leut'
  • Spezialpreis der Jury des A-Filmfestivals in Gijón für Schön war die Zeit (Spanien 1989)
  • Umweltpreis für Mobil ohne Auto 1993
  • Westallgäuer Kulturpreis (2007 zusammen mit Leo Hiemer)
  • Umweltpreis Karlsbad (Tschechien) für Löwenzahn -Durstig in Bärstadt (2009)
  • Kulturpreis der Stadt Lindenberg/Allgäu (2013)
  • Deutscher Hörfilmpreis der Jury für Löwenzahn - Geld, der schlaue Tausch (2017)
  • Der Film Wie starb Benno Ohnesorg ist für den Grimmepreis 2018 nominiert

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klaus Gietinger – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. TAZ-Interview, (abgerufen am 21. Juni 2017)
  2. programm.ard.de abgefragt 6. Juni 2017
  3. Jens Becker: Rezension zu Klaus Gietinger: Der Konterrevolutionär. Waldemar Pabst - eine deutsche Karriere. Hamburg 2009 , in: H-Soz-Kult, 11.08.2009.[1]