Klaus Herbers

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche

Klaus Herbers (* 5. Januar 1951 in Wuppertal-Elberfeld) ist ein deutscher Historiker für Mittelalterliche Geschichte.

Klaus Herbers studierte von 1969 bis 1975 die Fächer Geschichte und Romanische Philologie in Köln, Poitiers und an der Universität des Saarlandes. 1975 legte er das Erste Staatsexamen für das Lehramt an Gymnasien ab. 1975 wurde er Assistent an der Technischen Universität Berlin. Herbers wurde 1980 mit einer von Harald Zimmermann und Ernst Pitz betreuten Arbeit über den Jakobuskult des 12. Jahrhunderts promoviert. Nach einer Tätigkeit im Referendariatsdienst von 1980 bis 1982 war Herbers von 1983 bis 1998 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Akademie der Wissenschaften Mainz zur Bearbeitung der Regesta Imperii in Tübingen. Seit 1987 ist er Vorsitzender des Wissenschaftlichen Beirates der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft. Er habilitierte sich 1994 an der Universität Tübingen mit einer Arbeit zur Papstgeschichte im 9. Jahrhundert. Im Sommersemester 1996 hatte er eine Lehrstuhlvertretung an der Humboldt-Universität Berlin. Seit 1998 lehrt er als Professor für Mittelalterliche Geschichte und Historische Hilfswissenschaften an der Universität Erlangen-Nürnberg. 2008 war er Gastprofessor an der École pratique des hautes études in Paris, 2014 Fellow am Kulturwissenschaftlichen Kolleg der Universität Konstanz.

Seine Arbeitsschwerpunkte sind die Hagiographie (insbesondere der Jakobuskult), das Pilgerwesen und Pilgerberichte, die iberische Halbinsel im Mittelalter und die Papstgeschichte der Karolingerzeit. Herbers gehört in Deutschland zu den wenigen Kennern des spanischen Mittelalters. In seiner Berliner Dissertation befasste er sich mit dem Liber Sancti Jacobi und den Jakobskult im 12. Jahrhundert. Für ein breiteres Publikum verfasste er ein Buch über den Jakobsweg. Herbers veröffentlichte eine Geschichte Spaniens von der Westgotenzeit bis zum Ende des Mittelalters.

Ein weiterer großer Arbeitsschwerpunkt ist die Geschichte des Papsttums. Herbers gilt auch international als einer der ausgewiesensten Kenner der Papstgeschichte des frühen und hohen Mittelalters. In seiner Tübinger Habilitationsschrift befasste er sich mit Papst Leo IV. Nach jahrzehntelanger Forschung legte er 2012 eine Darstellung über die Geschichte des Papsttums im Mittelalter vor. Seine Darstellung besteht aus elf Kapiteln und verfolgt die Geschichte des Papsttums vom 5. bis ins 16. Jahrhundert, von Leo I. (440–461) bis zu Leo X. (1513–1521). In seinem Fazit betont Herbers die Anpassungsfähigkeit des Papsttums als ein Kennzeichen über seine ganze Geschichte hinweg. Die Geschichte des Papsttums deutet er als eine „Geschichte der Anverwandlung und Tranformation“.[1] Herbers bearbeitete auch die Papstregesten der Karolingerzeit im Rahmen der Regesta Imperii.

Herbers ist seit 2012 korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen und seit 2013 ordentliches Mitglied der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz[2]. Seit 2004 hat er als Sekretär die wissenschaftliche Leitung der Pius-Stiftung für Papsturkundenforschung inne. Seit 2010 war er stellvertretender Vorsitzender und seit November 2013 ist er Vorsitzender der Deutschen Kommission für die Bearbeitung der Regesta Imperii e.V. bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. Im Jahr 2009 übernahm er die stellvertretende Leitung des Internationalen Kollegs für Geisteswissenschaftliche Forschung (IKGF) „Schicksal, Freiheit und Prognose. Bewältigungsstrategien in Ostasien und Europa“, angesiedelt an der Universität Erlangen-Nürnberg. Seit 2010 ist er als Nachfolger von Helmut Neuhaus Herausgeber der Zeitschrift Archiv für Kulturgeschichte. Seit 2012 war er Vizepräsident der Deutschen St. Jakobus-Gesellschaft und seit 2016 ist er ihr Präsident. Seit 2014 gehört er auch der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica an.

Schriften (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Monografien

  • Geschichte der Päpste in Mittelalter und Renaissance (= Reclams Universal-Bibliothek. Nr. 19275). Reclam, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-15-019275-7.
  • Geschichte des Papsttums im Mittelalter. WBG – Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2012, ISBN 978-3-534-23170-6.
  • mit Max Kerner: Die Päpstin Johanna. Biographie einer Legende. Böhlau, Köln u. a. 2010, ISBN 978-3-412-20469-3.
  • Jakobus – der Heilige Europas. Geschichte und Kultur der Pilgerfahrten nach Santiago de Compostela. Patmos, Düsseldorf 2007, ISBN 978-3-491-35012-0.
  • Geschichte Spaniens im Mittelalter. Vom Westgotenreich bis zum Ende des 15. Jahrhunderts. Kohlhammer, Stuttgart 2006, ISBN 3-17-018871-2.
  • Jakobsweg. Geschichte und Kultur einer Pilgerfahrt (= Beck'sche Reihe 2394 C. H. Beck Wissen). Beck, München 2006, ISBN 3-406-53594-1.
  • mit Norbert Ohler, Bernhard Schimmelpfennig, Bernhard Schneider und Peter Thorau: Pilgerwege im Mittelalter. Herausgegeben in Zusammenarbeit mit DAMALS – das Magazin für Geschichte und Kultur. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-18760-1.
  • mit Helmut Neuhaus: Das Heilige Römische Reich. Schauplätze einer tausendjährigen Geschichte (843–1806). Böhlau, Köln u. a. 2005, ISBN 3-412-23405-2.
  • Leo IV. und das Papsttum in der Mitte des 9. Jahrhunderts. Möglichkeiten und Grenzen päpstlicher Herrschaft in der späten Karolingerzeit (= Päpste und Papsttum. Bd. 27). Hiersemann, Stuttgart 1996, ISBN 3-7772-9601-5 (Zugleich: Tübingen, Universität, Habilitations-Schrift, 1993).
  • Der Jakobuskult des 12. Jahrhunderts und der „Liber Sancti Jacobi“. Studien über das Verhältnis zwischen Religion und Gesellschaft im hohen Mittelalter (= Historische Forschungen. Bd. 7). Steiner, Wiesbaden 1984, ISBN 3-515-03875-2 (Zugleich überarbeitete Fassung: Berlin, Technische Universität, Dissertation, 1980).

Herausgeberschaften

  • mit Gordon Blennemann: Vom Blutzeugen zum Glaubenszeugen? Formen und Vorstellungen des christlichen Martyriums im Wandel (= Beiträge zur Hagiographie. Bd. 14). Steiner, Stuttgart 2014, ISBN 978-3-515-10715-0.
  • mit Matthias Maser, Michele C. Ferrari und Hartmut Bobzin: Von Mozarabern zu Mozarabismen. Zur Vielfalt kultureller Ordnungen auf der mittelalterlichen Iberischen Halbinsel (= Spanische Forschungen der Görresgesellschaft. Bd. 41). Aschendorff, Münster 2014, ISBN 978-3-402-14867-9.
  • mit Jochen Johrendt: Das Papsttum und das vielgestaltige Italien. Hundert Jahre Italia Pontificia (= Abhandlungen der Akademie der Wissenschaften zu Göttingen. Neue Folge Bd. 5). de Gruyter, Berlin u.a. 2009, ISBN 978-3-11-021467-3.
  • mit Wilfried Hartmann: Die Faszination der Papstgeschichte. Neue Zugänge zum frühen und hohen Mittelalter (= Forschungen zur Kaiser- und Papstgeschichte des Mittelalters. Bd. 28). Böhlau, Köln u. a. 2008, ISBN 978-3-412-20220-0.
  • mit Enno Bünz: Der Jakobuskult in Sachsen (= Jakobus-Studien. Bd. 17). Narr, Tübingen 2007, ISBN 978-3-8233-6332-3.
  • Die oberdeutschen Reichsstädte und ihre Heiligenkulte. Traditionen und Ausprägungen zwischen Stadt, Ritterorden und Reich (= Jakobus-Studien. Bd. 16). Narr, Tübingen 2005, ISBN 3-8233-6192-9.
  • mit Lenka Jiroušková und Bernhard Vogel: Mirakelberichte des Frühen und Hohen Mittelalters. = Miracula medii aevi usque ad saeculum XII (= Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters. Freiherr-vom-Stein-Gedächtnisausgabe. Bd. 43). Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 2005, ISBN 3-534-16475-X (Text deutsch und lateinisch).
  • mit Nikolas Jaspert: „Das kommt mir spanisch vor“. Eigenes und Fremdes in den deutsch-spanischen Beziehungen des späten Mittelalters (= Geschichte und Kultur der Iberischen Welt. Bd. 1). Lit, Münster 2004, ISBN 3-8258-8004-4.
  • Jakobus und Karl der Große. Von Einhards Karlsvita zum Pseudo-Turpin (= Jakobus-Studien. Bd. 14). Narr, Tübingen 2003, ISBN 3-8233-6018-3.
  • mit Dieter R. Bauer: Der Jakobuskult in Ostmitteleuropa. Austausch – Einflüsse – Wirkungen (= Jakobus-Studien. Bd. 12). Narr, Tübingen 2003, ISBN 3-8233-4012-3.
  • Europa an der Wende vom 11. zum 12. Jahrhundert. Beiträge zu Ehren von Werner Goez. Steiner, Stuttgart 2001, ISBN 3-515-07752-9.
  • Stadt und Pilger. Soziale Gemeinschaften und Heiligenkult (= Jakobus-Studien. Bd. 10). Narr, Tübingen 1999, ISBN 3-8233-4010-7.

Quellenwerke

  • Die Regesten des Kaiserreiches unter den Karolingern 751–918 (987). Band 4: Papstregesten 800–911. Teil 2: 844–872. Lieferung 2: 858–867 (Nikolaus I.) (= Johann Friedrich Böhmer: Regesta Imperii. 1). Böhlau, Wien u. a. 2012, ISBN 978-3-412-20813-4.
  • Die Regesten des Kaiserreiches unter den Karolingern 751–918 (926/962). Band 4: Papstregesten 800–911. Teil 2: 844–872. Lieferung 1: 844–858 (= Johann Friedrich Böhmer: Regesta Imperii. 1). Böhlau, Köln u. a. 1999, ISBN 3-412-03198-4.
  • Deutsche Jakobspilger und ihre Berichte (= Jakobus-Studien. Bd. 1). Narr, Tübingen 1988, ISBN 3-8233-4000-X.

Aufsatzsammlungen

  • Pilger, Päpste, Heilige. Ausgewählte Aufsätze zur europäischen Geschichte des Mittelalters. (Klaus Herbers zum 60. Geburtstag). Herausgegeben von Gordon Blennemann, Wiebke Deimann, Matthias Maser und Christofer Zwanzig. Narr, Tübingen 2011, ISBN 978-3-8233-6616-4.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Claudia Alraum, Andreas Holndonner, Hans-Christian Lehner, Cornelia Scherer, Thorsten Schlauwitz, Veronika Unger (Hrsg.): Zwischen Rom und Santiago. Festschrift für Klaus Herbers zum 65. Geburtstag. Beiträge seiner Freunde und Weggefährten, dargereicht von seinen Schülerinnen und Schülern. Winkler, Bochum 2016, ISBN 978-3-89911-239-9.[3]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Herbers: Geschichte des Papsttums im Mittelalter. Darmstadt 2012, S. 300.
  2. Mitgliedseintrag von Klaus Herbers bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz
  3. Besprechung der Festschrift durch Hannes Obermair auf The Medieval Review (Indiana University) vom 12. April 2017, abgerufen am 3. Mai 2017