Klaus Hornung

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Klaus Hornung (* 26. Juni 1927 in Heilbronn) ist ein rechtsextremer deutscher Politikwissenschaftler und Publizist.[1]

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hornung wuchs in Heilbronn auf und besuchte dort die Schule. 1944 wurde er zum Reichsarbeitsdienst eingezogen. Ab Dezember 1944 nahm Hornung als Wehrmachtssoldat am Zweiten Weltkrieg teil. Hornung kam 1945 kurze Zeit in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Im Sommer 1946 machte er in Heilbronn Abitur. Anschließend studierte er Geschichte, Politik, Anglistik und Germanistik in Tübingen und München. 1955 promovierte er mit der Arbeit Der Jungdeutsche Orden: Ein Beitrag zur Geschichte des „Neuen Nationalismus“ in Deutschland 1919–1933 zum Dr. phil. bei Hans Rothfels. Nach seiner Tätigkeit im Schuldienst und in der Landeszentrale für politische Bildung Baden-Württemberg wurde er 1962 Dozent für Politikwissenschaft an der Pädagogischen Hochschule Reutlingen, wo er bis zu deren Auflösung 1987 tätig blieb. 1974 folgte die Habilitation in Freiburg mit Staat und Armee: Studien zur Befehls- und Kommandogewalt und zum politisch-militärischen Verhältnis in der BRD. 1980 hatte er im Rahmen eines DAAD-Programms eine Gastdozentur an der Universität Kairo inne.

Von 1987 bis zu seiner Emeritierung 1992 war er Professor für Politikwissenschaft an der Universität Stuttgart-Hohenheim. Am 31. März 1987 wurde ihm das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.[2]

Politische Karriere[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hornung ist seit 1962 Mitglied der CDU. In den 1960er Jahren war er Beirat der Deutschland-Stiftung. 1980 war er Mitbegründer der Konservativen Aktion. 1987 wurde Hornung Präsidiumsmitglied des Studienzentrums Weikersheim, 2001–2003 war er deren Präsident. Zudem gehörte er dem politischen Beirat der Konrad-Adenauer-Stiftung an. Im Juni 1988 wurde er Vorsitzender der Studiengesellschaft für Zeitprobleme in Bonn, einer umstrittenen Einrichtung der „Psychologischen Verteidigung“ (PSV), die nach einigen Skandalen im Oktober 1990 aufgelöst wurde.[3] 1990 wurde Hornung Vorsitzender der Bürgeraktion Gesamtdeutschland. Er ist Kuratoriumsmitglied der Internationalen Gesellschaft für Menschenrechte.

Politisches Denken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hornung, Schüler von Theodor Eschenburg und Hans Rothfels, vertritt eine Totalitarismustheorie in der Tradition von Ernst Nolte. Hornung wandte sich zunächst vor allem militärhistorischen und militärstrategischen Fragestellungen zu. Im Laufe der 1970er Jahre befasste er sich auch mit dem Marxismus und gab für die Hanns-Seidel-Stiftung lange das Politisch-Pädagogische Handlexikon heraus. In den 1980er und 1990er Jahren setzte er sich verstärkt mit den Diktaturen und totalitären Erscheinungsformen des 20. Jahrhunderts auseinander und verfasste auch Texte über Kreisauer Kreis, Generaloberst Ludwig Beck und den Widerstand gegen Adolf Hitler.

In zahlreichen Artikeln setzt er dabei Hitler, Stalin, Lenin etc. miteinander gleich. Gegen „die 68er“, von denen seiner Ansicht nach „die mögliche Wiederkehr des unheilvollen Nationalsozialismus heraufbeschworen wurde, mit dem eigentümlichen Ergebnis eines linksfaschistischen Antifaschismus tritt er in Medien der Konservativen und Neuen Rechten wie Mut, Criticón, Deutschland-Magazin und Junge Freiheit auf. Außerdem trat er bei der Staats- und Wirtschaftspolitischen Gesellschaft als Referent auf. Als Ziele formuliert er einen „autoritären Konsens“, der aus einer „intakten Symbiose von Volk, Nation, Militär und Demokratie“[4] entstehen müsse. 1995 nannte er die in der Öffentlichkeit diskutierte mögliche extremistische und neonazistische Gefahr in Deutschland eine „Erfindung linker Publizisten“.[5] Die "politische Klasse" Deutschlands sollte dem "Weckruf" der "Alternative für Deutschland" folgen und "ihre Politik bedingungsloser europäischer Integration und Unterwerfung unter die amerikanisch dominierten Finanzmärkte" beenden, schrieb er im Oktober 2014.[6]

Positionen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Anfang der 1980er Jahre vom Verfassungsschutz als rechtsextrem eingestufte Zeitschrift Mut führte in den 1980ern Hornung im Impressum als „ständigen Mitarbeiter“ auf.[3] 1987 war er Referent für die CAUSA Deutschland e.V.[7] Eine Rezension des Buches von Manfred Ritter „Sturm auf Europa – Eine Zeitbombe tickt“[8] wurde – angeblich ohne Kenntnis und Zustimmung von Hornung – als Publikation des rechtsextremen „Schutzbundes für das deutsche Volk“ veröffentlicht und, angeblich erneut ohne Kenntnis und Zustimmung von Hornung, in der rechtsextremen Zeitschrift Nation und Europa nachgedruckt.[9]

Der Berliner Politikwissenschaftler Hajo Funke behauptete 2002, dass Hornung „seit zwanzig Jahren eine zentrale Mittlerrolle zu den extremen Rechten“ einnähme. Es gäbe „kaum eine rechtsextreme Kulturvereinigung in Deutschland“, „mit der Klaus Hornung nicht kooperiert hätte“[10].

In seinem Werk „Das totalitäre Zeitalter, Bilanz des 20. Jahrhunderts“, findet sich eine strikte Ablehnung und Bekämpfung des Nationalsozialismus wie des Kommunismus.

In einem Artikel über Politische Bildung geht Hornung davon aus, dass angesichts ökologischer Grenzen und Glaubwürdigkeitsverlust der Politik das Paradigma von Emanzipation und Selbstverwirklichung in den Hintergrund trete. Stattdessen werde die Frage des gesellschaftlichen Zusammenhalts virulent. Deshalb plädiert Hornung dafür, dass der Politikunterricht Schüler zur Auseinandersetzung auch mit den historischen Dimensionen des Politischen, mit demokratiephilosophischen Texten und Kritik am Materialismus anrege. Hornung setzt vor allem auf Bürgertugenden - andere politische Maßnahmen wie Besteuerung, Begrenzung von Vermögen oder Einkommen nennt er nicht. [11]

Hornung gehörte 2010 zu den Erstunterzeichnern der Aktion Linkstrend stoppen gegen die Aufgabe von christlich-konservativen und marktwirtschaftlichen Positionen bei der CDU.

Schriften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der Jungdeutsche Orden (1958)
  • Totalitäre Herrschaft im 20. Jahrhundert (1980)
  • Die totalitäre Herrschaft. Texte und Literatur (in: Politik und Soziologie 3)
  • Mut zur Wende (1985)
  • Das totalitäre Zeitalter. Bilanz des 20. Jahrhunderts (1993) ISBN 3-548-33203-X
  • Der faszinierende Irrtum. Karl Marx und die Folgen (1978) ISBN 3-451-07645-4
  • Wege aus den Sackgassen. Erfahrung der Geschichte - Verteidigung der Freiheit (2002) ISBN 3-9807644-1-9
  • Alternativen zu Hitler: Wilhelm Groener - Soldat und Politiker (2007) ISBN 978-3902475411
  • Freiheit oder Despotismus: Die Erfahrung des 20. Jahrhunderts (2015) ISBN 978-3873364950

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Filbinger, Heinz Karst (Hg.): Identität und Zukunft der Deutschen. Klaus Hornung zum 65. Geburtstag. Europäisches Forum (Band 8). Lang, Frankfurt am Main, Berlin, Bern, New York, Paris und Wien 1992, 412 S., ISBN 3-631-44939-9
  • Klaus Hornung. In: Kürschners Deutscher Gelehrten-Kalender 2003. 19. Ausgabe. Band I: A – J. Bio-bibliographisches Verzeichnis deutschsprachiger Wissenschaftler der Gegenwart. K. G. Saur, München 2003, ISBN 3-598-23607-7, S. 1397
  • Klaus Hornung: Vernunft im Zeitalter der Extreme. Die konservative Position. VTR, Nürnberg 2012, ISBN 978-3-941750-85-2.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. CDU nah an rechts von Veit Medik, Heide Platen und Georg Löwisch, TAZ 21. April 2007 „Hornung ist eindeutig dem rechtsextremen Spektrum zuzuordnen“, sagte der Politologe Richard Stöss von der FU Berlin...
  2. Bundespräsidialamt
  3. a b Der Spiegel Nr. 20, 1989, Wir müssen an Mütter und Bräute ran, S. 47.
  4. Epoche, III/2000
  5. Der Spiegel Nr. 22 vom 28. Mai 2001, S. 20.
  6. K. Hornung, Weckruf der AfD (Leserbrief), in: FAZ, 31. Oktober 2014, S. 15.
  7. Zeitschrift Forum für geistige Führung Nr. 3, 1988, S. 37.
  8. Hornung, Klaus: Sturm auf Europa – Eine Zeitbombe tickt, In: Criticón (1990)118, März/April. S. 85–87.
  9. Deutscher Bundestag: Drucksache 13/1459 vom 19. Mai 1995.
  10. Wolfram Wette, Filbinger - eine deutsche Karriere, 2006, S.139
  11. Hornung, K. (1996). Was hält unsere Gesellschaft zusammen? In Schiele, S. & Schneider, H. Reicht der Beutelsbacher Konsens? (S. 128–142). Schwalbach: Wochenschau.