Klaus Mylius

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Klaus Mylius (2018)

Klaus Albert Robert Curt Mylius (* 24. August 1930 in Berlin) ist ein deutscher Indologe. Er war bis 1990 Professor für Sanskritistik und Indische Altertumskunde an der Universität Leipzig, danach war er Lehrbeauftragter an den Universitäten in Bayreuth und Frankfurt am Main.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Mylius erlebte als Kind in Berlin die Bombenangriffe der Alliierten, durch die seine Familie Mylius dreimal ihre Wohnung verlor.[1] Im Kriegsjahr 1945 wurde der Jugendliche nach Siegersleben (Magdeburger Börde) evakuiert. Danach war er bis 1948 als Landarbeiter und Zeitungsträger tätig. Von 1946 bis 1948 absolvierte er eine kaufmännische Lehre im Warenvertrieb Siegersleben. Von 1948 bis 1952 übernahm er Funktionen innerhalb der SED, FDJ und DSF. Anschließend leitete Mylius bis 1953 in Halle (Saale) die Zentralschule für Filmvorführer des Staatlichen Komitees für Filmwesen. Von 1953 bis 1955 war er als Dozent an der Volkshochschule der Stadt Halle (Saale) tätig.

1954 konnte Klaus Mylius eine Sonderreifeprüfung an der damaligen Arbeiter- und Bauernfakultät (ABF) der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) ablegen. Von 1954 bis 1958 studierte er Geographie am Institut für Geografie (Direktor: Rudolf Käubler) und von 1957 bis 1961 Indologie am Institut für Indologie (Direktor: Karl Ammer) der Universität Halle. Hier wurde Mylius 1962 zum Dr. rer. nat. in Geographie mit der Dissertation zum Thema Ökonomische Geographie Pakistans promoviert (Gutachter: Rudolf Käubler und Karl Ammer). 1964 folgte seine zweite Promotion zum Dr. phil. in Indologie zum Thema Die gesellschaftlichen Zustände Indiens nach dem Śatapatha-Brāhmana (Gutachter: Karl Ammer).

An der Karl-Marx-Universität Leipzig habilitierte sich Mylius 1968 mit einer Arbeit zum Thema Indien in mittelvedischer Zeit nach den Sanskrit-Quellen dargestellt (Gutachter: Karl Ammer, Rigobert Günther und Walter Markov).

Von 1970 bis 1976 war er an der Universität Leipzig als Hochschuldozent für Sanskritphilologie in der Sektion Afrika- und Nahostwissenschaften tätig (Sektionsdirektor: Gert Kück). 1976 wurde er hier außerordentlicher Professor für Sanskrit und Indische Altertumskunde und leitete weiterhin die Fachgruppe Altorientalistik. Außerdem war er hier zeitweilig Parteigruppenorganisator (PO) seiner Parteigruppe in der SED.[2] Als Inoffizieller Mitarbeiter war Mylius auch für das Ministerium für Staatssicherheit tätig.[3] Als die Bibliothekarin Gudrun Goeseke nach einem bedeutenden Fund zur jüdischen Gemeinde in Halle seiner Ehefrau Schwierigkeiten machte, schlug er den DDR-Behörden vor, sie mal eine Weile „ins Kitchen“ zu stecken.[4]

Nach der Wiedervereinigung Deutschlands übernahm der in Leipzig emeritierte Mylius als apl. Professor einen Lehrauftrag von 1990 bis 1994 an der Universität Bayreuth, Institut für Religionswissenschaft (Direktor: Ulrich Berner). Seit 1996 ist er Lehrbeauftragter für Sanskrit zunächst am Institut für Philosophie (Direktor: Wilhelm K. Essler), danach am Institut für Empirische Sprachwissenschaft (Direktor: Jost Gippert) der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main.[5]

Klaus Mylius gilt als international anerkannter Indologe, der sein spezielles Fachgebiet Sanskrit und Indische Altertumskunde vertritt.[6] Er realisiert und veröffentlicht bis in die Gegenwart (2018) hierzu neue Buchprojekte.[7]

In erster Ehe war er mit Karin Mylius verheiratet, die 1986 verstorben ist. Aus dieser Ehe stammen ein Sohn und eine Tochter. Mylius ist seit 1989 erneut verheiratet. Er lebt in Gottenheim bei Freiburg i. B.[8]

Mitgliedschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auszeichnungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Mylius ist Träger von Auszeichnungen des American Biographical Institute (ABI), darunter Fellow of the American Biographical Institute (F.A.B.I.), der American Medal of Honor des ABI und des International Peace Prizes. United Cultural Convention of the United States of America und American Biographical Institute haben dieselbe Postadresse.

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Mylius hat mehr als 25 eigene Buchpublikationen vorgelegt und ist weiterhin an nahezu 50 Büchern beteiligt, die jeweils mehrere, teilweise bis zu 5 Auflagen erreichten. Hinzu kommen etwa 450 wissenschaftliche Artikel und Rezensionen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Lars Göhler (Hrsg.): Indische Kultur im Kontext – Rituale, Texte und Ideen aus Indien und der Welt. Festschrift für Klaus Mylius zum 75. Geburtstag. Harrassowitz, Wiesbaden 2005, ISBN 978-3-447-05207-8.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ein Zeitzeuge berichtet von 1945 (Memento vom 7. Mai 2016 im Internet Archive) (PDF; 21 kB), Vortrag über die Luftangriffe in Berlin von Klaus Mylius. In: Rebland-Kurier, 30. April 2003.
  2. Laudatio auf Gudrun Goeseke gehalten von Heidi Bohley anlässlich der Verleihung des Emil-L.-Fackenheim-Preises am 15. November 2007 in Halle
  3. Steffen Könau: Ungewöhnliche Biografie. In: Mitteldeutsche Zeitung vom 23. Mai 2016 (abgerufen am 5. Oktober 2016).
  4. Die Retterin des Archivs der jüdischen Gemeinde vor den Stasi-Verstrickungen: Zusatzschild an der Gudrun-Goeseke-Straße erinnert an die Namensgeberin – Du bist Halle. Abgerufen am 25. Oktober 2021 (deutsch).
  5. Goethe-Universität — Empirische Sprachwissenschaft. Abgerufen am 26. Oktober 2021.
  6. Wahrer Kenner des indischen Altertums. Badische Zeitung, 24. August 2005.
  7. Die Ideen für neue Projekte gehen dem Jubilar nicht aus. Badische Zeitung, 24. August 2015.
  8. Badische Zeitung: "Sanskrit ist auch heute für Indien unverzichtbar" - Gottenheim - Badische Zeitung. Abgerufen am 26. Oktober 2021.
  9. Klaus Mylius, Prof. Dr. phil., Dr. rer. nat., Website der Sächsischen Akademie der Wissenschaften zu Leipzig, abgerufen am 15. April 2016.
  10. Ewiges Mitgliederverzeichnis der Leibniz-Sozietät, Website der Leibniz-Sozietät, abgerufen am 15. April 2016.
  11. Einzelansicht: Prof. Dr. phil. habil. Klaus Mylius, Website der Berliner Wissenschaftlichen Gesellschaft, abgerufen am 15. April 2016.
  12. Pressemitteilung der DIG zur Jahreshauptversammlung in Baden-Baden vom November 2000. In: Mitteilungsblatt der Deutsch-Indischen Gesellschaft, 3/2000.
  13. Jochen Reinert, Brückenbauer und andere. Abgerufen am 26. Oktober 2021.
  14. Friedenspreis für Klaus Mylius / UCC zeichnet Professor aus (Memento vom 22. Oktober 2007 im Internet Archive) (PDF; 67 kB).
  15. Badische Zeitung, 6. September 2007.