Klaus Schwab

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Klaus Schwab auf dem Weltwirtschaftsforum (2008)
Dankesrede von Klaus Schwab anlässlich der Verleihung des Reinhard-Mohn-Preises (2016)
Schwab während des Young Global Leaders Annual Summit 2019

Klaus Martin Schwab (* 30. März 1938 in Ravensburg) ist ein deutscher Wirtschaftswissenschaftler. Er ist Gründer und geschäftsführender Vorsitzender des Weltwirtschaftsforums und anderer Stiftungen.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus Schwab wurde am 30. März 1938 im oberschwäbischen Ravensburg geboren. Seine Mutter stammte aus Zürich. Sein Vater, Eugen, hatte ebenfalls schweizerische Wurzeln und wurde 1899 in Roggwil BE geboren. Schwabs Großmutter väterlicherseits war Schweizerin, sein Großvater väterlicherseits stammte aus Karlsruhe, weshalb Klaus Schwabs Vater das Bürgerrecht des damaligen Großherzogtums Baden erhielt und in Karlsruhe aufwuchs.
Anfang der 1930er Jahre siedelten sich Schwabs Eltern in der Schweiz an. Mit der Ernennung Adolf Hitlers zum Reichskanzler suchte Jacob Schmidheiny einen Fachmann mit deutsch-schweizerischen Wurzeln für die Leitung seiner Turbinenfabrik und Schwabs Vater wurde kaufmännischer Direktor des Zürcher Maschinenbauers Escher Wyss AG. Deshalb zog die Familie zurück nach Deutschland, ins oberschwäbische Ravensburg. Hier kam Klaus Schwab gut ein Jahr vor Ausbruch des Zweiten Weltkrieges zur Welt. Als deutsch-schweizerische Familie waren die Schwabs privilegiert und durften z. B. in den Ferien in die Schweiz reisen. Die Familie zog zurück in die Schweiz, wo Schwab die 1. und 2. Klasse der Primarschule in Au ZH, einem Ortsteil von Wädenswil, besuchte. Später zog die Familie erneut nach Deutschland.[1] Schwab besuchte bis zum Abitur 1957 das Spohn-Gymnasium in Ravensburg.[2]

Er studierte Maschinenbau an der ETH Zürich und wurde dort 1965 zum Doktor der technischen Wissenschaften (Dr. sc. techn.) promoviert.

An der Universität Freiburg studierte er bis 1963 Betriebswirtschaftslehre und wurde dort 1967 zum Doktor der Wirtschaftswissenschaften (Dr. rer. pol.) promoviert. 1966/1967 absolvierte er ein akademisches Jahr an der Harvard Business School, das er mit einem Master of Public Administration (MPA) beendete. Zurück in Europa wurde er bei Escher Wyss tätig, wo er im Vorstand bis 1970 die Integration in die Sulzer AG in Winterthur zu verantworten hatte.

1971 veröffentlichte er das Buch Moderne Unternehmensführung im Maschinenbau, in dem er erklärt, dass Unternehmen, um langfristig erfolgreich zu sein, nicht nur die Interessen der Aktionäre, sondern aller Interessenten (Stakeholder) bedienen müssten. Im selben Jahr wurde er für das Fach Business Policy als Professor an die Universität Genf berufen, wo er bis 2002 tätig war.

1998 gründete Schwab mit seiner Frau Hilde Schwab die gemeinnützige Schwab Foundation for Social Entrepreneurship, 2004 gründete er mit seinem Preisgeld von einer Million US-Dollar für den renommierten Dan-David-Preis die Stiftung The Forum of Young Global Leaders.

Schwab ist Mitglied von Aufsichtsräten und Verwaltungsräten mehrerer internationaler Unternehmen. Er erhielt zahlreiche Orden und Auszeichnungen und ist Ehrendoktor mehrerer Universitäten. Zudem gehört er dem Lenkungsausschuss (Steering Committee) der Bilderberg-Konferenzen an.

2020 brachte er sein Wirtschaftsplanungsprojekt mit dem Titel The Great Reset mit Thierry Malleret in Buchform heraus. Great Reset ist zugleich der Name eines im Mai 2020 unterbreiteten Vorschlags des Weltwirtschaftsforums für eine Wirtschaftsplanung zum nachhaltigen Wiederaufbau der Wirtschaft nach der Covid-19-Pandemie und der damit einhergehenden Wirtschaftskrise 2020–2021.

World Economic Forum (WEF)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1971 gründete er die gemeinnützige Stiftung European Management Conference, die 1987 in Weltwirtschaftsforum (World Economic Forum, WEF) umbenannt wurde. Sie bringt jedes Jahr Führungspersönlichkeiten aus der internationalen Wirtschaft im Schweizer Ort Davos zusammen, ursprünglich, um moderne Managementkonzepte zu diskutieren. Seit 1994 nehmen auch Politiker an dem Treffen teil. Klaus Schwab baute die Stiftung über die Jahre zu einer global agierenden Kommunikationsplattform für wirtschaftliche und politische Eliten und intellektuelle Vordenker aus.

Das jährlich in Davos stattfindende Treffen gilt Globalisierungskritikern als Symbol für die Machtausübung einer neoliberalen Elite über die Köpfe von Betroffenen hinweg und wurde wiederholt zum Ziel von Protestaktionen. Im Jahre 2012 hat Schwab selbst das Thema Kapitalismuskritik auf die Tagesordnung gesetzt.[3]

Das Weltwirtschaftsforum organisiert darüber hinaus regionale Konferenzen weltweit und publiziert Reports. Der erste war 1979 der Global Competitiveness Report, den das Weltwirtschaftsforum seitdem jährlich herausgibt. Er berichtet über die Wettbewerbsfähigkeit der betriebswirtschaftlichen Praxis in aller Welt.

Die vierte industrielle Revolution[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Januar 2016 machte Schwab den Titel seines neuen Buches Die vierte industrielle Revolution zum Motto des Weltwirtschaftsforums in Davos. Alle teilnehmenden Wirtschafts- und Politikgrößen bekamen Schwabs Gedanken in Buchform ausgehändigt, flankiert von einem gleichlautenden Videoclip und einer zehnminütigen Doku auf Youtube. Darin klärt er über seine Mission auf, legt die Herausforderungen der digitalen Vernetzung dar, welchen Einfluss er von den technischen Umwälzungen auf unser individuelles Leben und die Menschheit erwartet, was er unter der Vierten Industriellen Revolution versteht und warum er der Meinung ist, dass diese dringend politisch eingehegt werden müsse. Schwab glaubt, die Verschmelzung unserer physischen, digitalen und biologischen Identitäten werde die neuen Technologien auch in den bisher privaten Raum unseres Geistes eindringen lassen, unsere Gedanken lesen und unser Verhalten beeinflussen. Bereits 2020/21 beruhe ein Großteil der COVID-19-Pandemiebekämpfung auf Technologien der Vierten Industriellen Revolution, etwa die genetische Sequenzierung, die Biotechnologie zur Impfstoffentwicklung (mRNA- und Vektorplattformen) oder die Apps und Software zur Kontaktverfolgung (Massenüberwachung). Schwab prognostiziert, dass bis 2025 implantierbare Handys auf den Markt kommen, synthetische Organe, wie Lebern, im 3D-Druck produziert und transplantiert werden und die ersten Konzerne durch Künstliche Intelligenz geführt werden.[4][5][6][7][8] Schwab gilt als Befürworter des Transhumanismus.[9][10]

Familie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Schwabs älterer Halbbruder und sein jüngerer Bruder sind Schweizer, während er einer der ganz wenigen in der Familie ohne Schweizer Bürgerrecht ist. Schwabs Großmutter väterlicherseits ist Schweizerin, und der Vater seines Vaters stammt aus Karlsruhe, weshalb Eugen Schwab das Bürgerrecht des damaligen Großherzogtums Baden erhielt und später deutscher Staatsbürger war. 1950 versuchte Eugen Schwab von Deutschland aus Schweizer zu werden, wozu er einen Antrag auf Anwendung einer Sonderbestimmung im Staatsbürgerrecht stellte, der zu einem Verfahren bis zum Bundesgericht der Eidgenossenschaft führte. Die Richter lehnten den Antrag ab und forderten Schwabs Vater auf den Weg über das normale, kompliziertere Einbürgerungsverfahren zu gehen. Dieses Fiasko sei der Grund, warum Klaus Schwab nie den Schweizer Pass beantragt hat.[2]

Schwab ist seit 1971 mit der Schaffhauserin Hilde Schwab verheiratet. Das Ehepaar lebt seit über 60 Jahren in der Schweiz und hat zwei erwachsene Kinder, Nicole Schwab, Mitbegründerin des Gender Equality Project im Jahr 2009, und Olivier Schwab, der mit einer Chinesin verheiratet ist und das WEF-Büro in Peking leitet.[11][12]

Im September 2019 regte der Bundespräsident der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Ueli Maurer, im Bundesrat an, dem seit 60 Jahren in der Schweiz lebenden Klaus Schwab, gestützt auf das kantonale Bürgerrechtsgesetz, das Schweizer Bürgerrecht und den Schweizer Pass zu verleihen. Obschon Schwab Schweizer Eltern hat, lehnte die Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga das Gesuch ab. Nach Medienberichten geschah dies auch aus politischen Gründen, weil Schwabs Weltwirtschaftsgipfel (WEF) in ihrer Partei (SP) verpönt sei. Auch das Bundesamt für Justiz aus dem Departement von Karin Keller-Sutter (FDP) lehnte die Bürgerrechtsvergabe ab.[13]

Ehrungen (Auswahl)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Veröffentlichungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Der längerfristige Exportkredit als betriebswirtschaftliches Problem des Maschinenbaues (untersucht am Beispiel der Bundesrepublik Deutschland), Offenbach 1965 (zugleich Dissertation der ETH Zürich)
  • Der Exportkredit. Hinweise für den deutschen Exporteur, Frankfurt am Main 1966
  • Öffentliche Investitionen und wirtschaftliches Wachstum, Ravensburg 1966 (zugleich Dissertation der Universität Freiburg)
  • Moderne Unternehmensführung im Maschinenbau (mit Hein Kroos), Frankfurt 1971
  • Chancenmanagement, Düsseldorf 1976
  • Overcoming indifference. Ten key challenges in today's changing world. A survey of ideas and proposals for action on the threshold of the twenty-first century (Herausgeberschaft), New York 1995
  • The Fourth Industrial Revolution, 2016 (book on demand). dt.: Die Vierte Industrielle Revolution. Aus dem Englischen von Petra Pyka und Thorsten Schmidt, Pantheon Verlag, München 2016. ISBN 978-3-570-55345-9.
  • mit Thierry Malleret: COVID-19: The Great Reset. Lightning Source, ISBN 978-2-940631-12-4.
  • mit Thierry Malleret: COVID-19: Der große Umbruch. Forum Publishing, Genf 2020, ISBN 978-2940631193.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Joachim Dorfs, Claus Larass: „Ich sehe mich fast als Künstler“. Der Davos-Gründer Klaus Schwab. In: Bernd Ziesemer (Hrsg.): Pioniere der deutschen Wirtschaft. Campus, Frankfurt am Main 2006, ISBN 3-593-38121-4, S. 113–124.
  • Klaus Schwab im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar).

Film[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Klaus Schwab – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelbelege[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Patrik Müller, Andreas Maurer: Ein unmögliches Geschenk: Weshalb die Einbürgerung von WEF-Gründer Klaus Schwab scheitern wird. Aargauer Zeitung, 20. August 2019.
  2. a b Jürgen Dunsch: Gastgeber der Mächtigen: Klaus Schwab und das Weltwirtschaftsforum in Davos. FinanzBuch Verlag 2016. S. 26f.
  3. Carsten Knop: Vertrauensverlust und Kapitalismuskritik FAZ, 28. Januar 2012
  4. [Vera Linß https://www.deutschlandfunkkultur.de/klaus-schwab-die-vierte-industrielle-revolution-der.950.de.html?dram:article_id=361268 Klaus Schwab: „Die Vierte Industrielle Revolution“Der Sprengstoff der Digitalisierung.] Deutschlandradio 27. Juli 2016.
  5. Sandra Pfister: Die Schattenseiten der industriellen Revolution. Deutschland, 11. Juli 2016.
  6. Klaus Schwab: Die Vierte Industrielle Revolution., aus dem Englischen übersetzt von Petra Pyka und Thorsten Schmidt. Pantheon Verlag 2016.
  7. Reinhard Löser: Digitale Umwälzung. Spektrum.de 2016.
  8. Coronavirus and the transhuman future. Faculty of Religion and Theology, Vrije Universiteit Amsterdam. 13. Januar 2021.
  9. Sisman-Ugur, Serap, Kurubacak, Gulsun: Handbook of Research on Learning in the Age of Transhumanism. S. 82–83. 2019. ISBN 978-1522584315.
  10. Entretien avec Darius Rochebin à la Radio télévision suisse, émission « Pardonnez-moi », en 2016.
  11. https://www.bilan.ch/economie/les_20_femmes_qui_font_la_suisse
  12. https://www.handelszeitung.ch/politik/klaus-schwab-und-das-schweizer-burgerrecht-ein-berner-irrlauf
  13. Stefan Barmettler: Klaus Schwab und das Schweizer Bürgerrecht: Ein Berner Irrlauf. Schweizerische Handelszeitung online, 14. November 2019.
  14. Aufstellung aller durch den Bundespräsidenten verliehenen Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich ab 1952 (PDF; 6,9 MB)
  15. WEF-Gründer Klaus Schwab erhält keinen Schweizer Pass. Handelszeitung, 12. November 2019.
  16. 改革开放40年,获“中国改革友谊奖章”的十个外国友人是谁_澎湃国际_澎湃新闻-The Paper. Abgerufen am 18. Dezember 2018.