Klaus der Geiger

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Klaus der Geiger 2008

Klaus der Geiger (* 20. Januar 1940 in Dippoldiswalde als Klaus Christian von Wrochem) ist ein im linksalternativen Spektrum der Neuen sozialen Bewegungen politisch engagierter Musiker und Liedermacher. Er gilt als einer der bekanntesten Straßenmusiker Deutschlands.

Leben[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der aus großbürgerlichem Haus stammende von Wrochem begann 1960 ein Violinstudium bei Max Rostal an der Musikhochschule in Köln. Zu dieser Zeit verdiente er sich sein Geld als Aushilfsgeiger in verschiedenen Sinfonieorchestern und als Mitarbeiter des WDR. Zudem versuchte er sich als moderner Komponist. Acht Jahre später wurde er von der Universität ausgeschlossen, erhielt aber ein Komponisten-Stipendium für ein Studium in Buffalo und San Diego in den USA. Dort studierte er unter anderem bei Pauline Oliveros Komposition der Avantgarde.

Während seines zweijährigen Auslandsaufenthaltes kam von Wrochem auch mit der Hippiebewegung in Kontakt. 1965 heiratete er, kehrte 1970 nach Deutschland zurück und zog in eine Kommune ein. Von da an nannte er sich in der Öffentlichkeit Klaus der Geiger.

Wirken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klaus der Geiger mit Begleitern auf dem TFF.Rudolstadt, 2009

Von den ersten Protesten u. a. mit Wolfgang Niedecken in der Kölner Südstadt zur Erhaltung der stillgelegten Schokoladenfabrik Stollwerck als alternativen sozialen Treffpunkt über die Blockade der Zufahrtswege zu den Pershing-Silos in Mutlangen bis heute war und ist von Wrochem häufig auf links-politischen Demonstrationen gegen Umweltverschmutzung, Krieg, Rassismus, Obrigkeitsdenken und Castortransporte etc. zu hören. Geige und Latzhose sind seine Markenzeichen. Seine Musik ist eine Mischung aus Jazz, Rock, Folk und Klassik. Mit großer Deutlichkeit in seinen oft ad hoc zu aktuellen Anlässen produzierten Texten versucht er auch zu provozieren. Außerdem tritt er ab und zu in den Fußgängerzonen Kölns auf. Besonders in den sozialen Bewegungen und Auseinandersetzungen in Köln stellt Klaus der Geiger eine feste Größe dar. Bundesweit ist er vor allem innerhalb der anarchistischen und der Graswurzelbewegung prominent.

Von Wrochem setzt sich in seinen Texten und Aktionen immer wieder für Völkerverständigung ein. So bereiste er im Jahr 2000 Weißrussland für eine Konzert- und Straßenmusiktour mit der Formation Rukiwerch, bestehend aus Tom Fronza und Sascha Loss. Höhepunkt war ein spontanes, aber illegales Ständchen vor dem Palast des weißrussischen Präsidenten Lukaschenko („Eisgekühlter Lukaschenko, Lukaschenko eisgekühlt …“). Bereits 1998 war Klaus der Geiger von einer Gruppe junger sozial engagierter Menschen nach Japan eingeladen, wo er und die Gruppe und vor Ort Engagierte auf die Probleme der zahlreichen Obdachlosen in Tokio und anderen japanischen Städten aufmerksam machten.[1]

Als Straßenmusikant beim Bardentreffen 2014

Klaus von Wrochem nimmt oft mit verschiedenen Formationen an Konzerten teil und ist zudem musikpädagogisch aktiv. Neben der Leitung des Orchesters des Kunstsalons gibt er Unterrichtskurse in Improvisation. Er wirkte auch an Projekten im Bereich von Crossover- und Kammermusik mit, so etwa in Weimar im Rahmen der Feierlichkeiten zur Kulturhauptstadt Europas des Jahres 1999.

Im Jahr 2011 erhielt er beim Folk-Festival TFF.Rudolstadt die „Ehren RUTH“ (deutscher Weltmusik-Preis) für sein Lebenswerk.[2] Die 2011 veröffentlichte CD Von allen Seiten erhielt im selben Jahr den Preis der Deutschen Schallplattenkritik.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der von Klaus auch gerne benutzte Rundbogen (Streichinstrument)

Bücher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Klaus der Geiger und die Kölner Straßenmusiker: Du, Krone der Schöpfung … Kölner Volksblatt, Köln (ohne Jahr)
  • Klaus der Geiger: Deutschlands bekanntester Straßenmusiker erzählt. Mit einem Vorwort von Günter Wallraff. Kiepenheuer und Witsch, Köln 1996, ISBN 3-462-02512-0
  • Der Straßenmusiker. Interview mit Klaus von Wrochem, in: Ralf Noltensmeier: Geiger von Beruf. Gesprächsweise Einblicke in die Vielfalt geigerischer Profession Götzelmann, Kiel 1999, ISBN 3-9805016-7-1
  • Lust auch auf die Anarchie. Ein Interview mit Klaus dem Geiger. In: Bernd Drücke (Hrsg.): ja! Anarchismus. Gelebte Utopie im 21. Jahrhundert, Interviews und Gespräche. Karin Kramer Verlag, Berlin 2006, ISBN 3-87956-307-1, S. 44 ff.
  • Klaus der Geiger: Wir kennen alle das Paradies. Mit einem Vorwort von Wolfgang Niedecken. Geistkirch-Verlag, Saarbrücken/Landau 2009, ISBN 978-3-938889-75-6

Diskographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1972: Wir sagen Ja zum SSK (Eigenverlag)
  • 1973: Arbeit macht frei (Bluff-records)
  • 1975: Klaus und Toni (Trikont)
  • 1978: Ab dafür (Trikont)
  • 1979: Es ist Krieg (Trikont)
  • 1986: Mutter Erde (Trikont)
  • 1986: Und die Herren haben nix wie die Macht (Good Year)
  • 1988: Nein, nein, wir woll'n nicht eure Welt (Eigenverlag)
  • 1994: Klaus der Geiger und die Kölner Straßenmusiker (mic-Musik)
  • 1996: Kölner Klagemauer (Verlag Schmidt von Schwindt)
  • 1997: Maximum Terzett (Eigenverlag)
  • 1997: Rumpelstielz?, CD (Typoo)
  • 1998: KdG (Eigenverlag)
  • 2001: Ruki Werch (Eigenverlag)
  • 2002: Jetzt ävver ran mit dem Kabarettisten Jürgen Becker, (Wortart, ISBN 3-7857-1303-7)
  • 2002: KdG (2) Eigenverlag )
  • 2003: Schallplatte (Eigenverlag)
  • 2005: Wer sich nicht wehrt (Eigenverlag)
  • o.J.: Drei Geiger unter Euch (Eigenverlag), CDs und DVDs aus den Jahren 2007, 2008, 2009
  • 2007: 10 Jahre Kölner KunstSalon-Orchester, CD und DVD (Eigenverlag)
  • 2011: Von allen Seiten, CD (Westpark (Indigo))

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klaus der Geiger – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus der Geiger: Wir kennen alle das Paradies, Geiskirch-Verlag, Saarbrücken 3. Auflage 2009, S. 136, ISBN 978-3-938889-75-6
  2. Jurybegründung (RUTH 2011)