Klaviersonate Nr. 7 (Beethoven)

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Ludwig van Beethovens Sonate Nr. 7 D-Dur op. 10 Nr. 3 entstand in den Jahren 1796 bis 1798 und ist – wie die beiden anderen Werke dieser Opuszahl – der Gräfin Anna Margarete von Browne gewidmet. Sie ist das längste und gewichtigste Werk der drei Sonaten op. 10. Ihre Aufführungsdauer beträgt etwa 25 Minuten.

Aufbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erster Satz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Presto; D-Dur; alla breve; Sonatensatzform; 344 Takte

Exposition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Exposition lässt sich in vier Teile einteilen: Hauptthema, Übergangsthema, Seitenthema und Schlussgruppe. Das Hauptthema wird durch ein Vier-Noten-Motiv eingeleitet, welches an späteren Stellen im Satz häufig wiederkehrt. Das Übergangsthema steht in h-moll und spielt im weiteren Verlauf des Satzes keine Rolle. Das Seitenthema in A-Dur lässt wieder das Vier-Noten-Motiv des Anfangs durchscheinen; die Begleitung erinnert zudem an das Hauptthema des Finales. Auch dieses Thema erscheint nur kurz und leitet in eine Episode ein, die das Vier-Noten-Motiv sequenziert und in zahlreichen Veränderungen auftreten lässt. Die Schlussgruppe lässt eine stark veränderte Variante des Hauptthemas erklingen; die Exposition endet mit dem zehnmaligen Erscheinen des Vier-Noten-Motivs. Sie umfasst 124 Takte.

Durchführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Durchführung verarbeitet nur das Hauptthema, allerdings in einer weiteren Variante. Über Albertischen Bässen wird das Thema durch die Tonarten B-Dur, g-moll und Es-Dur bis nach A-Dur gejagt wird, das sich als Dominante von D-Dur herausstellt. Die Durchführung ist relativ kunstlos gearbeitet und umfasst nur 59 Takte.

Reprise und Coda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reprise beginnt, wie auch op. 10 Nr. 1 und 2, mit einer Verkürzung des Hauptthemas. Übergangs- und Seitenthema verlaufen fast wie in der Exposition; die Schlussgruppe wendet sich am Ende nach G-Dur. Hier setzt im pianissimo die Coda ein, die nur das Vier-Noten-Motiv behandelt. Fast die ganze Coda soll piano bis pianissimo gespielt werden; dadurch bekommt die Schlusssteigerung ab Takt 333 eine umso größere Wirkung. Die Reprise umfasst 115 Takte, die Coda 46 Takte.

Zweiter Satz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Largo e mesto; d-moll; 6/8-Takt; freie Sonatensatzform; 87 Takte

Exposition[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Largo in freier Sonatensatzform besitzt drei Themen, von denen das erste fast den ganzen Satz durchzieht. Das erste, choralartige Thema schreitet in Achteln; hier wird der verminderte Septakkord besonders häufig eingesetzt. Das zweite Thema hat den Charakter eines Gesangs und führt nach a-moll, wo das dritte Thema erklingt, welches von Vorhalten durchsetzt ist und auch oft den verminderten Septakkord verwendet.

Durchführung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Wie im ersten Satz, behandelt die Durchführung nur das erste Thema. Sie setzt in F-Dur ein, wendet sich jedoch bald über verminderte Septakkorde nach g-moll und von dort aus nach A-Dur als Dominante von d-moll.

Reprise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Reprise bringt die drei Themen in gleicher Aufstellung wie die Exposition. Das erste Thema wendet sich diesmal über den Neapolitanischen Sextakkord nach es-moll und später nach g-moll, was einen unheimlichen Charakter birgt, der in der Coda noch weiter ausgeführt werden soll.

Coda[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Coda ist der gewichtigste Teil des Satzes und dessen Höhepunkt. Sie beginnt mit dem ersten Thema, das sich aus der Tiefe und im pianissimo immer weiter auftürmt, bis zum fortissimo. Die Harmonien dieser Episode sind stark chromatisch geprägt und weisen schon auf den chromatischen Stil Wagners und Mahlers voraus. Ein Motiv aus der Durchführung führt zurück ins pianissimo, in dem das Thema verklingt.

Dritter Satz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Menuetto. Allegretto; D-Dur; 3/4-Takt; Dreiteilige Menuett-Form; 68 Takte

Der dritte Satz ist ungewöhnlicherweise kein Scherzo, sondern ein Menuett, wie Haydn und Mozart es immer nannten. Die Form ist Menuett - Trio - Menuett (Wiederholung); das Trio steht in G-Dur.

Vierter Satz[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rondo. Allegro; D-Dur; 4/4-Takt; Rondo-Form; 113 Takte

Das Rondo ist nach dem Schema ABACA Coda gearbeitet. A ist das Hauptthema, B und C die Seitenthemen. Das Hauptthema hat mit vielen Pausen und Fermaten den Charakter einer Improvisation. Das erste Seitenthema steht zunächst in A-Dur und hat eher einen episodenhaften Charakter, zumal es nur für 9 Takte auftritt. Danach erklingt das Hauptthema in verkürzter Gestalt; ein dramatischer B-Dur-Akkord leitet zum zweiten Seitenthema über; welches mit vielen Modulationen den Charakter einer Durchführung hat. Zudem erinnert die harmonische Reihenfolge B-g-Es auch an die Durchführung des ersten Satzes. Ein chromatischer Abgang in d-moll führt wieder zum Hauptthema, das diesmal verlängert auftritt. Die Coda variiert das Hauptthema; den Schluss machen chromatisch auf- und absteigende Passagen im durchgehenden piano. Dieser Satz zeigt, wie sehr sich Beethoven von der Tradition des „fröhlichen Kehraus“ entfernt hat; der Satz zeigt eine geheimnisvolle, ja fast mystische Stimmung.

Charakter und Deutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Charakter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das op. 10 ist, wie auch andere Beethoven-Trilogien wie das op. 2 oder op. 59, auf die Reihenfolge These - Antithese - Synthese angelegt. Der erste Satz hat mit seinen durchgehenden Achtelläufen, die dem Hörer im schnellen Tempo wie Sechzehntelläufe vorkommen müssten, einen vorantreibenden und energischen Charakter. Die restlichen Sätze sind alle in einer eher zustandsmäßigen Stimmung gehalten: Der zweite Satz atmet unheimliche und unheilvolle Stimmung, der dritte Satz ist eher verhalten gestimmt und der vierte Satz zeigt, wie oben erwähnt, eine geheimnisvolle und mystische Stimmung. So scheint die „Aktivität“ der Musik von Satz zu Satz abzunehmen.

Deutung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beethoven sagte vom zweiten Satz, er habe ihn komponiert, nachdem er Goethes „Egmont“ gelesen hatte; er sollte den Tod Klärchens darstellen. Forscher hingegen meinen, dass die düstere Stimmung in Demselben eine Vorahnung von Beethovens kommender Taubheit darstellen könnte.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Siegfried Mauser, Beethovens Klaviersonaten, Ein musikalischer Werkführer, 2. Auflage, München 2008

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]