Kleestadt

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Kleestadt
Wappen der früheren Gemeinde Kleestadt
Koordinaten: 49° 54′ 7″ N, 8° 57′ 11″ O
Höhe: 175 m ü. NHN
Fläche: 6,54 km²[1]
Einwohner: 1480 (Dez. 2016)[2]
Bevölkerungsdichte: 226 Einwohner/km²
Eingemeindung: 1. Januar 1977
Postleitzahl: 64823
Vorwahl: 06078
Karte
Lage von Kleestadt in Groß-Umstadt
Torhaus (ehem. Rathaus)
Kirche und Torhaus
Alter Brückenstein über den Kleestädter Bach oberhalb des Friedhofes

Kleestadt (im lokalen Dialekt: Kläscht)[3] ist ein Stadtteil von Groß-Umstadt im südhessischen Landkreis Darmstadt-Dieburg am nördlichen Rand des Odenwaldes.

Geografische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kleestadt liegt als Haufendorf auf einer Höhe von 175 m ü. NHN, 4 km nordöstlich des Stadtkerns von Groß-Umstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Territorialgeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die älteste Erwähnung des Dorfes datiert um 1222. Es gehörte ursprünglich zur „Zent Umstadt“ und dem Kloster Fulda, wurde zusammen mit anderen Dörfern der Umgebung 1374 an die Herrschaft Hanau verpfändet und gehörte, nachdem die Kurpfalz in dieses Pfandgeschäft mit eingestiegen war, ab 1427 zum Kondominat Umstadt. Bei einem Vergleich zwischen der Landgrafschaft Hessen, der Kurpfalz und der Grafschaft Hanau-Lichtenberg gelangte der Ort schließlich 1521 insgesamt an Hanau und wurde dort dem Amt Babenhausen zugeschlagen.[4] Grundbesitzer im Dorf sind unter anderen die Familien derer von Eppstein und die Propstei Neuenberg des Klosters Fulda.

Mitte des 16. Jahrhunderts führt Graf Philipp IV. von Hanau-Lichtenberg die Reformation ein.

Nach dem Tod des letzten Hanauer Grafen, Johann Reinhard III., 1736, erbte Landgraf Friedrich I. von Hessen-Kassel aufgrund eines Erbvertrages aus dem Jahr 1643 die Grafschaft Hanau-Münzenberg, aufgrund der Intestaterbfolge fiel die Grafschaft Hanau-Lichtenberg an den Sohn der einzigen Tochter von Johann Reinhard III., Landgraf Ludwig IX. von Hessen-Darmstadt. Umstritten zwischen den beiden Erben war die Zugehörigkeit des Amtes Babenhausen und seiner Dörfer zu Hanau-Münzenberg oder zu Hanau-Lichtenberg. Es kam fast zu einer kriegerischen Auseinandersetzung, als Hessen-Kassel mit schon sorgsam in Hanau stationiertem Militär den größten Teil des Amtes Babenhausen besetzte, auch Kleestadt. Die Auseinandersetzung konnte erst nach einem langjährigen Rechtsstreit vor den höchsten Reichsgerichten 1771 mit einem Vergleich beendet werden, dem so genannten Partifikationsrezess. Kleestadt wurde darin Hessen-Kassel zugesprochen.

1807 kam das Amt Babenhausen mit Kleestadt unter französische Verwaltung. 1811 wurde Kleestadt dem Großherzogtum Hessen zugeschlagen. Nachfolgend gehörte es dann zu folgenden übergeordneten Verwaltungseinheiten:[1]

Gebietsreform[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Zuge der Gebietsreform in Hessen wurden zum 1. Januar 1977 Groß-Umstadt und die Gemeinden Dorndiel, Heubach, Kleestadt, Klein-Umstadt, Richen und Semd durch das Landesgesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt zur neuen Stadt Groß-Umstadt zusammengeschlossen.[5][6]

Historische Namensformen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In den historischen Dokumenten ist der Ort im Laufe der Jahrhunderte unter wechselnden Ortsnamen belegt:[1]

  • Cletstat (um 1222)
  • Cletestat (um 1250)
  • Clettestat (um 1250)
  • Clestad (1274)
  • Cletstad (um 1290)
  • Clepstat (1319)
  • Clestad (1346)
  • Cletstadt (1432)
  • Cletstat (1482)
  • Kletstat (1495)
  • Cloestadt (1516)
  • Cletstat (1544)
  • Clettstadt (1554)
  • Clesstatt (1616)
  • Kleestadt (17. Jahrhundert)

Einwohnerentwicklung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dokumentierte Einwohnerzahlen sind:[1]

  • 1961: 675 evangelische, 145 katholische Einwohner
Kleestadt: Einwohnerzahlen von 1829 bis 2016
Jahr  Einwohner
1829
  
556
1834
  
580
1840
  
582
1846
  
578
1852
  
549
1858
  
533
1864
  
554
1871
  
545
1875
  
546
1885
  
536
1895
  
493
1905
  
501
1910
  
518
1925
  
543
1939
  
547
1946
  
718
1950
  
774
1956
  
790
1961
  
841
1967
  
984
1970
  
1.059
2005
  
1.547
2016
  
1.480
Datenquelle: Histo­risches Ge­mein­de­ver­zeich­nis für Hessen: Die Be­völ­ke­rung der Ge­mei­nden 1834 bis 1967. Wies­baden: Hes­sisches Statis­tisches Lan­des­amt, 1968.
Weitere Quellen: [1]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kulturdenkmäler[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Liste der Kulturdenkmäler in Kleestadt

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kapelle bestand in Kleestadt vor 1482, an der ab diesem Jahr auch ein Kleriker tätig war. Das Patrozinium der Kapelle lag bei Maria. Die Kapelle war bis 1560 eine Filialkirche von Groß-Umstadt und wurde dann zu einer eigenen Pfarrei. Kirchliche Mittelbehörde war das Archidiakonat St. Peter und Alexander in Aschaffenburg, Landkapitel Montat. Das Patronatsrecht lag bei den Grafen von Hanau-Lichtenberg, die hier Mitte des 16. Jahrhunderts die Reformation einführten. Kleestadt wurde lutherisch.

Regelmäßige Veranstaltungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • August: Kerb[7]
  • alljähriges Dorffest
Panorama der Untermainebene von den letzten Odenwald Ausläufern (Binselberg) auf Klein-Umstädter Gemarkung mit zentralen Blick auf Kleestadt und in die östliche Dieburger Bucht (Gersprenzniederung) bis zur Skyline von Frankfurt, begrenzt am Horizont vom Taunus

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Barbara Demandt: Die mittelalterliche Kirchenorganisation in Hessen südlich des Mains = Schriften des Hessischen Landesamtes für geschichtliche Landeskunde 29 (1966), S. 123.
  • Max Herchenröder: Die Kunstdenkmäler des Landkreises Dieburg. 1940, S. 169ff.
  • Wilhelm Müller: Hessisches Ortsnamenbuch. Band 1: Starkenburg. 1937, S. 383ff.
  • Hans Georg Ruppel (Bearb.): Historisches Ortsverzeichnis für das Gebiet des ehem. Großherzogtums und Volksstaats Hessen mit Nachweis der Kreis- und Gerichtszugehörigkeit von 1820 bis zu den Veränderungen im Zuge der kommunalen Gebietsreform = Darmstädter Archivschriften 2. 1976, S. 126.
  • Regina Schäfer: Die Herren von Eppstein. Herrschaftsausübung, Verwaltung und Besitz eines Hochadelsgeschlechts im Spätmittelalter. Wiesbaden: Historische Komm. für Nassau, 2000, S. S. 372–374, 378–379. ISBN 3-930221-08-X.
  • Dagmar Söder: Kulturdenkmäler in Hessen. Kreis Offenbach = Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. 1987, S. 257ff.
  • Paul Wagner: Die Eppsteinschen Lehnsverzeichnisse und Zinsregister des 13. Jahrhunderts nach dem eppsteinischen Lehenbuche. Mit Beiträgen zur ältesten Geschichte des Hauses Eppstein = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Nassau 8. Wiesbaden 1927, S. 28f.
  • Literatur über Kleestadt in der Hessischen Bibliographie
  • Suche nach Kleestadt im Archivportal-D der Deutschen Digitalen Bibliothek

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kleestadt – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c d e Kleestadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. (Stand: 23. März 2018). In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).
  2. Stadt Groß-umstadt:Stadtteile, abgerufen im November 2017.
  3. Darmstädter Echo, Montag, 22. August 2016, S. 22
  4. So: Willi Alter (Hrsg.): Pfalzatlas. Textband I. Speyer: Pfälzische Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften 1964, S. 426: Oberamt Umstadt (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive), Karte 2k (Memento vom 29. Oktober 2013 im Internet Archive) und Uta Löwenstein: Grafschaft Hanau. In: Ritter, Grafen und Fürsten – weltliche Herrschaften im hessischen Raum ca. 900-1806 = Handbuch der hessischen Geschichte 3 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Hessen 63. Marburg 2014. ISBN 978-3-942225-17-5, S. 196–230 (205); anders: Kleestadt, Landkreis Darmstadt-Dieburg. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).: 1402 verpfänden Gottfried und Eberhard von Eppstein das Dorf Kleestadt für 1000 Gulden. 1425 verkauft Gottfried von Eppstein das Dorf mit Zustimmung seines Bruders Eberhard für 3000 Gulden Reinhard von Hanau, wovon 1000 Gulden Konrad Krieg erhalten soll.1432 gehört Kleestadt zum Burg Breuberg. 1521 wird Kleestadt der Herrschaft Babenhausen [gemeint ist: Amt Babenhausen] einverleibt.
  5. K.-H. Gerstenmeier: Hessen. Gemeinden und Landkreise nach der Gebietsreform. Eine Dokumentation. Melsungen 1977, S. 231.
  6. Der Hessische Minister des Inneren: Gesetz zur Neugliederung der Landkreise Darmstadt und Dieburg und der Stadt Darmstadt (GVBl. II 330–334) vom 26. Juli 1974. In: Gesetz- und Verordnungsblatt für das Land Hessen. 1974 Nr. 22, S. 318, § 14 (Online beim Informationssystem des Hessischen Landtags [PDF; 1,5 MB]).
  7. Darmstädter Echo, Montag, 22. August 2016, S. 22