Kleidermode zur Zeit Ludwigs XIV.

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Ludwig XIV. von Frankreich; 1701
Voltaire im Justaucorps; 1718

In der Zeit Ludwigs XIV. erlangte nach dem Dreißigjährigen Krieg ab etwa 1670, Frankreich die Vorherrschaft in Europa. Es wurde führend in Wissenschaft und Kunst, und auch hinsichtlich Sitte und Mode war der Hof in Versailles für fast alle Länder tonangebend.

Anfänglich überwogen bei den Frauen bauschige Röcke, freie Schultern, weite Ärmel und flatternde Locken. Männer trugen über offenem Wams einen faltigen Rock mit Umhang, während die Beinkleider die Form der Rockhose, der sogenannten Rheingrafenhose annahmen. In der Folgezeit wurde die Mode zunehmend pathetischer. Hauptmerkmal dieser Entwicklung war die mächtige Allongeperücke der Männer. Auch die Bekleidung wurde zunehmend steifer. Die Herren trugen jetzt einen knielangen, in der Taille eng anliegenden, meist kragenlosen Rock (Justaucorps) mit breiten Ärmelaufschlägen und pattierten Seitentaschen; außerdem das gebundene Halstuch mit kurzen Enden, die unterhalb des Kniegelenks gebundene Hose, den dreifach aufgeschlagenen, federbesetzten Hut, sowie die Schuhe mit unten sich verjüngendem Absatz, Schnalle und Lasche.

Die elegante Dame trug in dieser Zeit das Manteau, ein Oberkleid, das sich rückseitig bauschte und als Schleppe herabfiel. Als Stoffe kamen zum Beispiel schwere Gold- und Silberbrokate in Mode. Tiefe Ausschnitte ließen die Taille nach unten rutschen. Damit das Dekolleté frei blieb, strebte im Gegensatz dazu die Frisur, von Bändern gehalten, aufwärts. Diese sogenannte Fontange war das weibliche Gegenstück zur Allongeperücke der Herren. Sie wurde der Herzogin von Fontanges, einer Mätresse Ludwigs XIV., zugeschrieben und hielt sich bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts.

In der Zeit nach Ludwig XIV. veränderten sich die Frisuren; die Etatsperücke wich seit etwa 1730 dem Haarbeutel oder seit etwa 1750 dem Zopf. Von den Seitenteilen der Allongeperücke blieben nur zwei Locken übrig; über der Stirn wurde das Haar in einer schön geschwungenen Linie zurückgestrichen, das Hinterhaar in den Haarbeutel gesteckt.

Bei den Männern hielt sich der lange Rock mit seinen großen Aufschlägen, Taschen und Patten, ebenso die Schnallenschuhe bis in die Zeit Ludwigs XV.; der Mantel existierte bei den Vornehmen nicht mehr. Das Wams war von oben bis zur Mitte der Brust offen, um das Jabot, den Spitzenbesatz des Hemdes an Hals und Brust sichtbar werden zu lassen; die Hose war eng und wurde unterm Knie über den Strümpfen geschnallt. Der Hut, der des Puders wegen unter dem Arme getragen werden musste, wurde jetzt zum Dreispitz und erhielt statt der Federn einen Bortenbesatz am Rand. Bei den Frauen kam der Reifrock wieder auf, dazu die Schnürbrust und die horizontal ausgeschnittene, elegant am Rücken herabfallende Contouche (Robe). Die Frisur wurde niedriger, mit Federn oder Schleifen geziert; hinten fiel eine lange Ringellocke auf die Schulter hinab. Dieses Kostüm erhielt sich als Galatracht bis zum Ende des Jahrhunderts, doch verschwand seit 1760 der Haarbeutel und der Zopf wurde kürzer.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Bert Bilzer: Meister malen Mode. Georg Westermann Verlag, Braunschweig 1961, DNB 450468380, S. 40.