Klein-Winternheim

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Klein-Winternheim zur Zeit der Obstblüte
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Klein-Winternheim
Klein-Winternheim
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Klein-Winternheim hervorgehoben
Koordinaten: 49° 56′ N, 8° 13′ O
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Mainz-Bingen
Verbandsgemeinde: Nieder-Olm
Höhe: 160 m ü. NHN
Fläche: 5,51 km2
Einwohner: 3602 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 654 Einwohner je km2
Postleitzahl: 55270
Vorwahl: 06136
Kfz-Kennzeichen: MZ, BIN
Gemeindeschlüssel: 07 3 39 032
Gemeindegliederung: 2 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Pariser Straße 110
55268 Nieder-Olm
Webpräsenz: www.klein-winternheim.de
Ortsbürgermeisterin: Ute Granold (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Klein-Winternheim im Landkreis Mainz-Bingen
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Über dieses Bild

Klein-Winternheim ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Mainz-Bingen in Rheinland-Pfalz. Der Weinort gehört der Verbandsgemeinde Nieder-Olm an.

Geographische Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Luftaufnahme des Ortes (2015)

„Kommt man von Mainz her und überschreitet den Höhenrücken, der, in leichtem Bogen nach Süden weisend, Rheingraben und Selztal trennt, blickt man in die weite rheinhessische Hügellandschaft. Genau hier liegt Klein-Winternheim, angelehnt an den südlichen und südwestlichen Talhang des Höhenrückens, am Zugang eines Seitentälchens, durch das der Haibach der Selz zufließt ...“[2]

Klein-Winternheim liegt sieben Kilometer südlich vom Stadtzentrum der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt Mainz in Rheinhessen und grenzt unmittelbar an die Mainzer Stadtteile Lerchenberg und Marienborn. Westlich grenzt Klein-Winternheim an Ober-Olm, knapp zwei Kilometer südlich liegt die Stadt Nieder-Olm. Zur Gemeinde gehört auch der Wohnplatz „Haus Schreiber“.[3]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mainzer Urkundenbuch I (1100)

Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes Klein-Winternheim findet sich als Eintrag vom 26. April 1100 im ältesten erhaltenen Mainzer Domnekrolog.[4] Der Eintrag lautet: Hu(m)b(er)t(us) l(aicus) .V. sol(idos) d(e) Wint(er)heim et Richolfus mo(m)b(er)t(us) s(ancti) Alb(ani) (Humbert, Laie, fünf Schillinge aus Winternheim und Richolf, Mönch von St. Alban).

Klein-Winternheim ist jedoch wesentlich älter, das belegen Bodenfunde aus dem Jungtertiär so wie Keramiken aus der mittleren Bronzezeit (Hügelgräberbronzezeit), Schlangenfibeln aus der Hallstattzeit und latenezeitliche Siedlungskeramiken, die ebenfalls in der Gemarkung gefunden wurden. Von einer auch danach durchgehenden Besiedlung des Ortes zeugen keltische und römische Fundstücke so wie Gegenstände aus der Zeit der Franken und der Merowinger.

„Reste von Fundamentmauern und zahlreiche Fundstücke in der Flur Villkeller belegen, dass römische Familien hier gesiedelt und Heiligtümer unterhalten haben. Als besonders bemerkenswerte Funde gelten ein Brunnenstein des Mars Leucetius/Loucetius und eine kleine Metalltafel für die Göttin Nemetona von Konsul Vejento und seiner Frau Attica aus der Zeit des ersten nachchristlichen Jahrhunderts.“[5]

„Das fränkische Dorf lag etwa an der gleichen Stelle wie das heutige, der Name bedeutet "Heim des Wintaro" (althochdeutsch: einer, der sich wendet - gegen Feinde?)“ [6]

Im 12. Jahrhundert war der Ort im Besitz des von Aschaffenburg aus verwalteten Mainzer Oberstifts; in der ältesten im Original erhaltenen Urkunde von (Ende Juni) 1191 tauscht Erzbischof Konrad I. von Wittelsbach das Dorf Obernau (Oberenheim) bei Aschaffenburg zusammen mit Weingütern aus Hörstein gegen Winternheim.[7] Klein-Winternheim kam zum Erzstift Mainz, dem es bis zur Säkularisation angehörte. In einem Verzeichnis von 1590 besaß Klein-Winternheim 45 Herdstellen (Häuser/Höfe). 1785 lebten in Klein-Winternheim 372 Personen in 86 Häusern, davon 63 Ehemänner und 63 Ehefrauen, 5 Witwer, 20 Witwen, 97 Söhne, 118 Töchter und 6 Beisassen.[8] Im Juni 1796 besetzten französische Truppen den Ort, sie plünderten die Ställe und brannten Häuser nieder. 1816 kam Klein-Winternheim zum Kreis Alzey, in der Provinz Rheinhessen, im Großherzogtum Hessen, das 1918 zum Volksstaat Hessen wurde. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Klein-Winternheim innerhalb der französischen Besatzungszone Teil des damals neu gebildeten Landes Rheinland-Pfalz.

Rathausplatz mit Blick auf das alte und das neue Rathaus

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Gemeinderat in Klein-Winternheim besteht aus 20 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 25. Mai 2014 in einer personalisierten Verhältniswahl gewählt wurden, und der ehrenamtlichen Ortsbürgermeisterin als Vorsitzender. Dieses Amt übt seit 1990 die frühere Bundestagsabgeordnete Ute Granold aus.

Die Sitzverteilung im Gemeinderat:[9]

Wahl SPD CDU FDP FWG GAL Gesamt
2012 6 9 5 20 Sitze
2009 6 8 1 3 2 20 Sitze
2004 4 9 1 4 2 20 Sitze
  • FWG = Freie Wählergruppe in der Verbandsgemeinde Nieder-Olm
  • GAL = Grün-Alternative Liste Nieder-Olm e.V.

Gemeindepartnerschaften[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Partnerschaft besteht mit der französischen Gemeinde Muizon. Seit 1990 sind enge Kontakte mit der thüringischen Gemeinde Elxleben (Landkreis Sömmerda) vorhanden.

Wirtschaft und Infrastruktur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Katholische Kirche St. Andreas

Die Wirtschaft der Gemeinde wurde lange durch Wein- und Obstbau dominiert. Die Nähe zur Landeshauptstadt Mainz lockte jedoch auch zahlreiche Gewerbebetriebe auf das Gemeindegebiet. So kann der technische Zustand von Automobilen durch die Gesellschaft für Technische Überwachung zertifiziert werden.

Schankanlagenservice wird angeboten und für die Winzer gibt es ein großes Fachgeschäft für Kellereibedarf mit einzigartiger Expertise (über 50 Jahre) im Umgang mit Schwefeldioxid. Als einziger deutscher Anbieter deckt er das komplette Spektrum von dem eigentlichen Produkt über Behälter, Zubehör, Leitungskomponenten bis zu Dosiereinrichtungen ab.

Verkehr[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde liegt in unmittelbarer Nähe zur Bundesautobahn 63 mit der Anschlussstelle Klein-Winternheim (3).

Der Bahnhof Klein Winternheim-Ober Olm der Deutschen Bahn befindet sich am nordwestlichen Ortsrand und liegt an der Bahnstrecke Alzey–Mainz. Das Bahnhofsgebäude brannte am 12. Juni 1985 kurz nach einer Renovierung vollständig ab[10] und wurde seither nicht durch ein neues Gebäude ersetzt. Der eingleisige Haltepunkt bedient sowohl Klein-Winternheim als auch die Nachbargemeinde Ober-Olm.

Von Mainz aus wird Klein-Winternheim von der Omnibusverkehr Rhein-Nahe-Regionalbuslinie 652 (sie verkehrt aus Richtung Nieder-Olm über die Autobahn direkt in die Mainzer Innenstadt) sowie den MVG-Linien 54 (sie verkehrt über Ober-Olm, Mainz-Lerchenberg und Mainz Universität) und 66 (sie verkehrt aus Richtung Nieder-Olm über Ober-Olm nach Mainz-Lerchenberg) angeschlossen.

Natur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Naturdenkmal "Linden am Bahnhof in Klein-Winternheim"
Ausgleichsfläche „Am Wingertsweg“

Vom Bahnhof Klein-Winternheims zieht sich eine eindrucksvolle Reihe von Linden Richtung Ortsmitte, die qua Rechtsverordnung 1989 als schützenswertes Naturdenkmal gekennzeichnet wurde. Es seien Bäume, „deren besonderer Schutz wegen ihres Alters, ihres Schönheit, ihres Größe und des das Ortsbild von Klein-Winternheim prägenden Charakters erforderlich ist.“ [11]

In Nähe des Dorfes findet sich die Ausgleichsfläche „Am Wingertsweg“, die 2008 von Freiwilligen und der Lokalen Agenda des Ortes mit zwei Dutzend Bäumen und circa 650 Büschen bepflanzt wurde. [12] Für die Renaturierung bekam die Lokale Agenda mehrere Auszeichnungen, u.a. den Umweltschutzpreis des Landkreises Mainz-Bingen (2009). [13]

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klein-Winternheim – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Anzahl der Einwohner in den Kommunen am 31. Dezember 2015 (Hilfe dazu).
  2. Ortsgeschichte Klein-Winternheim
  3. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Amtliches Verzeichnis der Gemeinden und Gemeindeteile 2010, S. 106 (PDF; 2,3 MB)
  4. Mainzer Urkundenbuch I (Handschrift fol. 15, Edition S. 59)
  5. Regionalgeschichte.net: Zur Geschichte von Klein-Winternheim
  6. Ortsgeschichte Klein-Winternheim
  7. U 3424 Stadt- und Stiftsarchiv Aschaffenburg
  8. Gemeinderechnung 1785 im Mainzer Stadtarchiv In: 900 Jahre Klein-Winternheim. S. 135/136.
  9. Der Landeswahlleiter Rheinland-Pfalz: Kommunalwahl 2014, Stadt- und Gemeinderatswahlen
  10. Freiwillige Feuerwehr Klein-Winternheim
  11. Rechtsverordnung über das Naturdenkmal „Linden am Bahnhof Klein-Winternheim“
  12. Rückzugsgebiet für Rehe und Hasen
  13. Auszeichnungen der Lokalen Agenda Klein-Winternheim
  14. André und Benedikt Bugner - Erfolge. In: bugner-bugner.de. Abgerufen am 22. März 2016.