Kleinbahn Gommern–Pretzien

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Gommern–Pretzien
Strecke der Kleinbahn Gommern–Pretzien
99 4301 in Gommern
Streckenlänge: 12 km
Spurweite: 750 mm (Schmalspur)

Die Kleinbahn Gommern–Pretzien wurde am 15. März 1886 als Werksbahn von mehreren Steinbruchbesitzern die Genossenschaft Gommern-Pretziener Kleinbahn E.G.m.u.H. gegründet. Sie sollte nur der Beförderung von Steinen aus den Quarzit-Brüchen der Gegend um Gommern zum Elbehafen in Pretzien dienen. Daher wechselten Trassen und Umfang des Netzes häufig, das mit allen Verzweigungen maximal zwölf Kilometer umfasste.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gommern-Pretziener Eisenbahn, wie sie genannt wurde, erhielt 1888 die Genehmigung zum Betrieb einer Lorenbahn in der Spurweite 600 Millimetern, die von Strafgefangenen bewegt wurde.

Nachdem die Gleise auf 750 mm Spurweite umgespurt worden waren, wurde am 5. Dezember 1890 der Dampfbetrieb auf der Strecke von den Steinbrüchen bei Gommern, Plötzky und Pretzien zur Alten Elbe am Pretziener Wehr eingeführt. Seit dem 26. Juni 1900 gab es einen 2,4 Kilometer langen Anschluss an den Staatsbahnhof Gommern.

Nachdem das Kraftwerk Pretzien die Bahn übernommen hatte, lautete die Firma ab 14. Mai 1908 Kleinbahn und Kraftwerk Pretzien GmbH. Diese erhielt am 12. Oktober 1911 die Konzession als nebenbahnähnliche Kleinbahn, jedoch fand danach kein öffentlicher Verkehr statt.

1914 hatte die Strecke vom Staatsbahnhof Gommern zu den Steinbrüchen sowie zur Alten Elbe am Pretziener Wehr mit Abzweigung nach dem Galgenfeld, dem Neuland und nach Dannigkow eine Gesamtlänge von 5,8 km. Die Stammstrecke war nach den Statistiken für 1928 und 1939 auf 4,2 Kilometer, davon 0,9 Kilometer zweigleisig, geschrumpft. Der Betrieb war wegen der Wirtschaftskrise stark zurückgegangen und konnte sich bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nicht erholen. Immerhin waren 1939 acht Dampfloks und 280 Güterwagen vorhanden.

Nach kriegsbedingter Unterbrechung kam die Bahn zur Jahreswende 1945/46 wieder in Gang und wurde 1946 unter staatliche Verwaltung gestellt. Am 1. Oktober 1947 gehörte sie einer Firma Kleinbahn und Kraftwerk Dümling & Ballerstedt, die seit 1949 Ballerstedt Transport KG Pretzien (Elbe) hieß. Sie beförderte mehr und mehr Kies anstelle von Sand und wurde 1972 in den volkseigenen Betrieb VEB Welsleben, ab 1. Januar 1975 den VEB Sandgruben Pretzien (Elbe) eingegliedert.

Am 31. Dezember 1976 wurde die Bahn endgültig stillgelegt und danach abgebaut.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Dampflokomotiven
Bezeichnung Achsformel Hersteller, Baujahr Anmerkung
Nr. 1–3 B n2t Hagans 1890
BISMARCK, ROON, MOLTKE B n2t Krauss 1889–1900
BLÜCHER, KAISER B n2t Henschel 1902, 1912 Typ Monta
Nr. 4–6 B n2t O&K 1921–1925
Nr. 7–9 B n2t Henschel 1925–1935 Typ Monta
ohne Bezeichnung B n2t LKM 1951
99 4301 C n2t O&K 1920 KJI Nr. 23, 1965 von der Deutschen Reichsbahn gekauft
Diesellokomotiven
Bezeichnung Leistung Achsformel Hersteller, Baujahr Anmerkung
schwarz 75 PS Bo Klöckner-Humboldt-Deutz 1944 DR Kö 6004, 1967 gekauft
dunkelgrün 40 PS Bo Jung 1961 Typ ZL 114
blau 30 PS Bo ČKD 1961
gelb 30 PS Bo Škoda 1965
braun 30 PS Bo LKM 1959 Typ NS 2 h
grün 60 PS Bo LKM 1950

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • List, Röper, Zieglgänsberger: Archiv deutscher Klein- und Privatbahnen – Sachsen-Anhalt. Stuttgart 1998
  • Klaus Kieper, Reiner Preuß: DDR-Schmalspurbahnarchiv. 2. Auflage. transpress Verlag, 1982, ISBN 978-3-613-71405-2 (Nachdruck 2011).