Kleinbahn Wesel–Rees–Emmerich

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Wesel–Emmerich
Streckenlänge: 39,82 km
Spurweite: 1435 mm (Normalspur)
Stromsystem: 750 Volt =
   
39,82 Emmerich Steintor
   
39,00 Emmerich Fischerort
   
38,00 Emmerich Bahnhof
   
Übergang zur Bahnstrecke Oberhausen–Arnhem
   
37,00 Emmerich Wagenhalle
   
33,80 Vrasselt
   
31,50 Praest Haus May
   
Stadtgrenze Emmerich/Rees
   
28,50 Bienen
   
26,50 Speldrop
   
23,60 Rees
   
0 nach Empel
   
22,80 Reesereyland
   
Bergswick
   
21,50 Wolfersom
   
20,20 Deckershof
   
18,20 Haffen Weiche
   
17,80 Haffen
   
17,50 Haffen Molkerei
   
16,70 Mehr Weiche
   
15,50 Overkamp Weiche
   
14,70 Overkamp Bettenhof
   
Stadtgrenze Rees/Wesel
   
13,70 Vahnum
   
12,20 Vissel
   
Vissel Trafo
   
11,00 Geldermann
   
9,60 Bislich Mühlenfeld
   
Leckerfeld
   
Hegmann
   
8,00 Mars
   
Lenders
   
Rosenallee
   
Diersfordt Kockshof
   
4,10 Flüren Waldschänke
   
3,50 Flüren
   
Wesel Feldmark
   
Wesel Ziegelei
   
0,00 Wesel Breiter Weg
   
Bahnstrecke Haltern–Venlo
   
Wesel Reeser Landstraße
   
Wesel Großer Markt
   
Wesel Mathenakreuz (ex Rathaus, exex Mathenakirche)
   
Wesel Berliner Tor, Postamt
   
Wesel Bahnhof
   
Übergang zur Bahnstrecke Oberhausen–Arnhem

Die Kleinbahn Wesel–Rees–Emmerich ist eine ehemalige Eisenbahn im Landkreis Rees, die die Kreisstadt Wesel mit den Städten Rees und Emmerich verband.[1] Sie verkehrte vom 6. November 1914 bis zum 31. Dezember 1966 auf überwiegend eigenem Bahnkörper. Die Strecke verlief in Wesel zunächst zwei Kilometer neben der heutigen Bundesstraße 8 auf einem separaten Bahnkörper und führte dann entlang der Dämme des Rheins von Ort zu Ort, um in Rees (heute: Rauhe Straße / Weseler Landstraße) wieder auf die heutige Bundesstraße 8 zu stoßen.

Die Züge verkehrten montags bis samstags zwischen 6:00 und 21:00 Uhr im Stundentakt, an Sonntagen jede halbe Stunde. Für die gesamte Strecke benötigten sie rund eine Stunde und fünfzig Minuten. In Rees bestand seit dem 28. Februar 1915 Anschluss an die Kleinbahn Rees–Empel.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Straßenbahn- und Kleinbahnnetz zwischen Nimwegen und Wesel (ca. 1949)
Der Duewag-Großraumwagen 8 der Kleinbahn Wesel-Rees-Emmerich lief ab 1967 als 437, ab 1968 dann als 436 bei den SSB und kam 1991 zur Electrische Museumtramlijn Amsterdam, 1991

Bereits 1908 beschloss der Landkreis Rees, eine Bahnverbindung zwischen Wesel und Emmerich über Rees zu erstellen, und zwar aufgrund eines Gutachtens aus dem Jahr 1909 als elektrisch betriebene regelspurige Kleinbahn. In Wesel sollte eine Verknüpfung mit der Staatsbahn nach Bocholt, Münster, Oberhausen und Venlo, in Emmerich mit der von der Klever Straßenbahn GmbH betriebenen Rheinfähre nach Kleve und mit der am 4. Juni 1903 eröffneten niederländischen Kleinbahn Straßenbahn Zutphen–Emmerich hergestellt werden. Am 23. Juli 1910 beschloss der Kreistag des Landkreises Rees den Bau dieser Kleinbahn. Mit dem Bau und Betrieb beauftragt wurde das RWE. Noch im gleichen Jahr begann eine Tochtergesellschaft des RWE, die Rheinisch-Westfälische Straßen- und Kleinbahnen GmbH, mit den Bauarbeiten. Sie erhielt am 5. August 1912 die Konzession für den Abschnitt zwischen Wesel und Rees und am 29. April 1916 für den Abschnitt zwischen Rees und Emmerich.

Schon am 6. November 1914[2] konnte die Strecke Wesel–Rees in Betrieb genommen werden. In Wesel konnte sie allerdings bis 1951 nicht, wie ursprünglich geplant, durch das Stadtzentrum bis zum Staatsbahnhof geführt werden, weil die Preußischen Staatseisenbahnen die Plan-Kreuzung der als strategisch bedeutend eingestuften Staatsbahnstrecke nach Venlo versagte. Durch den Ausbruch des Ersten Weltkrieges verzögerte sich die Fertigstellung des Abschnitts zwischen Rees und Emmerich. Wegen der in diesem Abschnitt noch fehlenden Oberleitungen startete am 6. November 1914 der Betrieb zunächst mit einer Dampflokomotive. Im November 1919 wurde der erste Teil des zweiten Abschnitts bis Vrasselt elektrifiziert. Der letzte Teil bis Emmerich folgte am 3. Mai 1921, so dass von diesem Tag an die insgesamt 39,82 Kilometer lange Strecke elektrisch befahren werden konnte.

Im Zweiten Weltkrieg wurde die Bahn bei den Bombenangriffen auf die Stadt Emmerich am 7. Oktober 1944, auf die Stadt Rees am 23. Oktober 1944 und bei einer weiteren Bombardierung am 24. Februar 1945 stark beschädigt. Danach wurde der Betrieb, der bis dahin auf der gesamten Strecke noch hatte aufrechterhalten werden können, eingestellt.

Auf dem Abschnitt zwischen Rees und Emmerich wurde er nicht wieder aufgenommen. Am 13. Juli 1950 beschloss der Landkreis Rees, die Bahn zwischen Wesel und Rees wieder in Betrieb zu nehmen. Die Gleise und alle Oberleitungsmasten zwischen Rees und Emmerich wurden abgebaut und zur Instandsetzung des südlichen Streckenabschnitts verwendet. Am 9. Juni 1951, nach über sechs Jahren, wurde die Kleinbahn Wesel–Rees mit einer Länge von 25,8 Kilometern wieder in Betrieb genommen. Weil die im Krieg zerstörte Eisenbahnbrücke Wesel nicht wieder aufgebaut wurde, erlaubte die Deutsche Bundesbahn nunmehr auch eine niveaugleiche Kreuzung ihrer Strecke, wodurch die Kleinbahn – ähnlich einer Straßenbahn durch die Weseler Innenstadt verlaufend – um zwei Kilometer bis zum Weseler Bahnhof verlängert werden konnte.[3][1][4]

Einstellung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 28. Februar 1964 beschloss der Kreistag des Landkreises Rees in Wesel aufgrund der sich zunehmend verschlechternden Auslastung der Bahn, diese einzustellen. Am 30. April 1966 kündigte man den noch bis 1976 laufenden Pachtvertrag mit dem RWE und zahlte diesem 1,1 Millionen D-Mark Entschädigung. Die letzte Bahn zwischen Rees und Wesel verkehrte daraufhin am 30. April 1966. Der Gütertransport zwischen Rees und Empel endete am 31. Dezember 1966. Die Strecke wurde abgebaut, der Bahnkörper wird heute abschnittsweise als Radweg genutzt. Das Depot ging in den Besitz der Kreis Reeser Verkehrsgesellschaft mbH und deren Rechtsnachfolgerin, der NIAG über und wurde für Omnibusse verwendet.

Fahrzeuge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1914 waren sieben zweiachsige Triebwagen und sieben zweiachsige Beiwagen von der Waggonfabrik Uerdingen geliefert worden, 1920 kamen noch drei gleichartige Triebwagen und zwei Beiwagen hinzu. Für den Güterverkehr waren 1913 bzw. 1916 drei zweiachsige Lokomotiven von AEG geliefert worden. Mangels Bedarf wurden sie zunächst an die Kleinbahn Siegburg–Zündorf abgegeben, zur Aufnahme des Verkehrs nach Emmerich kamen 1919 zwei gleichartige Lokomotiven von dort zurück. Da der Fahrzeugpark im Krieg fast vollständig zerstört wurde, begann der Betrieb 1951 mit vier Aufbauwagen von der Waggonfabrik Uerdingen und zwei Beiwagen von der Straßenbahn Opladen–Ohligs. 1960 wurden zwei vierachsige Duewag-Großraumwagen beschafft. Diese wurden nach Betriebseinstellung an die Stadtwerke Bonn verkauft.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Paul Höpfner: Eisenbahnen – Ihre Geschichte am Niederrhein. Mercator, Duisburg 1986, ISBN 3-87463-132-X.
  • Dieter Roos: Kleinbahnen im Raum Emmerich. Selbstverlag, Emmerich 1987.
  • Irmgard Hantsche: Die Entwicklung des Eisenbahnnetzes am unteren Niederrhein bis zum Ersten Weltkrieg. In: Jürgen Becks, Martin Wilhelm Roelen (Hrsg.): Eisenbahnen am Niederrhein. Stadt Wesel, Wesel 2005, ISBN 3-924380-75-9, S. 21–53.
  • Dieter Höltge: Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland, Band 9 Niederrhein ohne Duisburg. EK-Verlag, Freiburg i. Br. 2004, ISBN 3-88255-390-1.
  • Evert Heusinkveld: Die Kleinbahnen Rees - Empel und Wesel - Rees - Emmerich. Nordhorn 2013, ISBN 978-3-933613-89-9.
  • Jörg Petzold, Axel Reuther: Kleinbahnjubiläen 2014. In: Die Museums-Eisenbahn. 1/2014, S. 22–24.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Eintrag von Claus Weber zu Kleinbahn Wesel-Rees-Emmerich, 1914–1945 in der Datenbank „KuLaDig“ (Kultur.Landschaft.Digital.) des Landschaftsverbands Rheinland (2013), abgerufen am 15. Februar 2017.
  2. Nach Jörg Petzold, Axel Reuther: Kleinbahnjubiläen 2014. In: Die Museums-Eisenbahn. 1/2014, S. 22: schon am 25. Mai 1914.
  3. Martin Wilhelm Roelen: Die wirtschaftliche Entwicklung des Niederrheins im Zeitalter der Eisenbahn. In: Jürgen Becks, Martin Wilhelm Roelen (Hrsg.): Eisenbahnen am Niederrhein. Wesel 2005, ISBN 3-924380-75-9.
  4. Eintrag von Claus Weber zu Kleinbahn Wesel-Rees, 1951–1966 in der Datenbank „KuLaDig“ (Kultur.Landschaft.Digital.) des Landschaftsverbands Rheinland (2013), abgerufen am 15. Februar 2017.