Kleiner Eisvogel

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Kleiner Eisvogel
Kleiner Eisvogel (Limenitis camilla)

Kleiner Eisvogel (Limenitis camilla)

Systematik
Klasse: Insekten (Insecta)
Ordnung: Schmetterlinge (Lepidoptera)
Familie: Edelfalter (Nymphalidae)
Unterfamilie: Eisvögel (Limenitidinae)
Gattung: Limenitis
Art: Kleiner Eisvogel
Wissenschaftlicher Name
Limenitis camilla
(Linnaeus, 1764)
Flügelunterseite
Jungraupe des Kleinen Eisvogels mit Kotrippe an Roter Heckenkirsche (Lonicera xylosteum)
Hibernarium: In der Taschenöffnung sind Dornen der Raupe des Kleinen Eisvogels erkennbar
Raupe des Kleinen Eisvogels

Der Kleine Eisvogel (Limenitis camilla) ist ein Schmetterling (Tagfalter) aus der Familie der Edelfalter (Nymphalidae).

Merkmale[Bearbeiten]

Die Falter erreichen eine Flügelspannweite von 45 bis 52 Millimetern. Ihre Flügeloberseiten sind schwarzbraun gefärbt und tragen eine breite Binde aus weißen Flecken, die bei geöffneten Flügeln etwa einen nach vorne geöffneten Halbkreis über die beiden Flügelpaare bilden. Auf den Vorderflügeln ist die Binde anders als auf den Hinterflügeln etwas unregelmäßig geformt. Ein paar kleinere weiße Flecken finden sich auch zwischen der Binde und dem Flügelaußenrand. Zwischen der Binde und dem Außenrand beider Flügelpaare verlaufen zwei Reihen mit kleinen, unscheinbaren dunklen Flecken. Diese Flecken sind auf den Flügelunterseiten gut erkennbar, da diese anstatt eine dunkle, eine schwarzorange Grundfarbe haben. Die weiße Binde der Oberseite, die fein schwarz gesäumt ist, ist dominierend. Am Außenrand und auch am Flügelansatz finden sich weitere weiße Bereiche, an die manchmal dunkle Flecken angrenzen. Der Körper der Falter ist auf der Unterseite weiß bis blaugrau, auf der Oberseite dunkel gefärbt. Lediglich die Hinterleibsspitze kann angrenzend an die weiße Binde weißlich angestäubt sein. Die Männchen haben eine etwas spitzer zulaufende Flügelform, und ihre weiße Binde ist auch etwas schmäler.

Die Raupen werden etwa 27 Millimeter lang. Sie sind grün gefärbt, an der Seite tragen sie eine helle Linie. Ihre Kopfkapsel ist dunkelbraun und bestachelt. Der Körper ist mit zwei Reihen unterschiedlich langen, braunen und verästelten Dornen versehen.[1][2]

Ähnliche Arten[Bearbeiten]

Vorkommen[Bearbeiten]

Die Tiere kommen in Europa und Asien, östlich bis nach Japan vor, fehlen aber im Mittelmeergebiet, auf der Iberischen Halbinsel und nördlich von Dänemark. Es handelt sich um die am weitesten verbreitete Art der Gattung Limenitis. Sie lebt in feuchten Wäldern, insbesondere in Auwäldern und im Bergland.[3]

Lebensweise[Bearbeiten]

Die Falter saugen nur selten an Blüten sondern in erster Linie an feuchten Bodenstellen, Tierkot und an Honigtau von Blattläusen. Sie fliegen anders als der Große Eisvogel sehr dicht über dem Boden und sind vor allem auf engen, schattigen und mit dichtem Laub überdachten Waldwegen in kleinen Gruppen auf- und abfliegend zu finden.[3]

Nahrung der Raupen[Bearbeiten]

Die Raupen ernähren sich vor allem von Roter Heckenkirsche (Lonicera xylosteum), seltener auch von anderen Heckenkirschen, Gewöhnlicher Schneebeere (Symphoricarpos albus) und Wald-Geißblatt (Lonicera periclymenum).[4] Die Kleinen Eisvögel benötigen schattige, an luftfeuchten Orten stehende Pflanzen, die zudem in der Nähe der Flugorte der Falter wachsen.[1]

Nahrung der Falter[Bearbeiten]

Die Falter findet man gelegentlich saugend an feuchter Erde oder Pferdeäpfeln. Menschlicher Schweiß wird ebenfalls genutzt. Darüber hinaus werden verschiedene, weiß blühende Blütenstände von Doldenblütlern, Zwerg-Holunder (Sambucus ebulus), Schafgarbe (Achillea), Liguster (Ligustrum) und auch violette Blüten von verschiedenen Disteln und Witwenblumen (Knautia) als Nektarpflanzen genutzt.[4]

Flug- und Raupenzeiten[Bearbeiten]

Die Tiere fliegen in einer Generationen von Mitte Juni bis Mitte August. Die Raupen findet man ab August und nach der Überwinterung bis Anfang Juni.[5]

Entwicklung[Bearbeiten]

Die Weibchen legen ihre grünen, stark beborsteten Eier einzeln oberseits, wie unterseits meist an der Blattspitze der Futterpflanzen ab. Auf einem Strauch finden sich aber meist mehrere Eier, diese sind in der Regel nahe am Boden in den schattigen Bereichen zu finden. Die daraus schlüpfenden Raupen fressen zunächst die Blattspitze beidseits der Mittelrippe ab und sitzen in Fresspausen auf dieser. Diese Rippe wird durch Kot sogar verlängert und wird Kotrippe genannt. Am Ende des Sommers baut die junge Raupe nach der zweiten Häutung aus einem Blatt und Seide eine Tüte, das sogenannte Hibernarium, in dem die Überwinterung stattfindet. Im Winter kann man diese Tüten leicht am ansonsten kahlen Strauch erkennen. Die Anfangs etwa acht Millimeter messende Raupe schrumpft durch Austrocknen über den Winter auf eine Länge von etwa drei Millimetern. Im Frühjahr werden bereits die ersten austreibenden Knospen gefressen. Sie entwickeln sich schnell, bis sie etwa Ende Mai bis Anfang Juni verpuppungsreif sind. Die Verpuppung erfolgt auf der Blattunterseite in einer grünen Stürzpuppe. Die Puppe trägt auf der Kopfseite zwei charakteristische stummelförmige Fortsätze und ist mit mehreren metallischen Flecken gemustert. Am Rücken befindet sich ein weiterer Auswuchs, dieser und der Rand des Hinterleibs sind dunkel rotbraun gefärbt.[3][1] Nach etwa 14 Tagen schlüpft der Falter.[2]

Gefährdung und Schutz[Bearbeiten]

Quellen[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. a b c Heiko Bellmann: Der Neue Kosmos Schmetterlingsführer, Schmetterlinge, Raupen und Futterpflanzen, S. 188, Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co, Stuttgart 2003, ISBN 3-440-09330-1
  2. a b David J. Carter, Brian Hargreaves: Raupen und Schmetterlinge Europas und ihre Futterpflanzen. Blackwell Wissenschaftsverlag 1987, ISBN 3-8263-8139-4
  3. a b c Hans-Josef Weidemann: Tagfalter: beobachten, bestimmen, S. 384ff, Naturbuch-Verlag Augsburg 1995, ISBN 3-89440-115-X
  4. a b Günter Ebert (Hrsg.): Die Schmetterlinge Baden-Württembergs. Band 1, Tagfalter I (Ritterfalter (Papilionidae), Weißlinge (Pieridae), Edelfalter (Nymphalidae)), Ulmer Verlag Stuttgart 1993. ISBN 3-8001-3451-9
  5. Manfred Koch: Wir bestimmen. Schmetterlinge. Band 1. Tagfalter Deutschlands, S. 88f, Neumann Verlag Radebeul 4. Auflage 1966
  6. Bundesamt für Naturschutz (Hrsg.): Rote Liste gefährdeter Tiere Deutschlands. Landwirtschaftsverlag, Münster 1998, ISBN 978-3-89624-110-8

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kleiner Eisvogel – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien