Kleiner Wiesenknopf

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Kleiner Wiesenknopf
Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor)

Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor)

Systematik
Eurosiden I
Ordnung: Rosenartige (Rosales)
Familie: Rosengewächse (Rosaceae)
Unterfamilie: Rosoideae
Gattung: Wiesenknopf (Sanguisorba)
Art: Kleiner Wiesenknopf
Wissenschaftlicher Name
Sanguisorba minor
Scop.

Der Kleine Wiesenknopf (Sanguisorba minor), auch Pimpinelle oder Pimpernell genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Wiesenknopf (Sanguisorba) innerhalb der Familie der Rosengewächse (Rosaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gefiederte Laubblätter
Illustration
Blütenstand
Fruchtstände und Früchte
Laubblätter mit Guttationstropfen

Vegetative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kleine Wiesenknopf ist eine ausdauernde krautige Pflanze, die Wuchshöhen von 20 bis 100 Zentimetern erreicht. Der Stängel ist aufrecht mit rosettig angeordneten Laubblättern. Die unpaarig gefiederten Laubblätter besitzen drei bis zwölf Paare Fiederblätter. Die Blättchen sind bei einer Länge von 0,5 bis 2 Zentimetern eiförmig bis elliptisch und tragen jederseits drei bis neun Zähne.

Generative Merkmale[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blüten stehen in kugeligen köpfchenförmigen Blütenständen von 1 bis 3 Zentimeter Durchmesser. Sie besitzen einen grünen (bis rötlichen) Kelch. An den Köpfchen stehen oben die weiblichen Blüten mit roten pinselförmigen Narben, darunter zwittrige Blüten und zuunterst die zuletzt reifenden männlichen Blüten mit lang gestielten, hängenden Staubbeuteln.

Der Fruchtbecher (Cupula) ist netzrunzelig oder mit grob gezähnten Netzleisten.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kleine Wiesenknopf ist eine ausdauernde, oft wintergrüne Halbrosettenpflanze. Vegetative Vermehrung erfolgt durch unterirdische Ausläufer (Rhizome). Er ist ein Rohbodenpionier mit VA-Mykorrhiza.

Der Kleine Wiesenknopf ist windblütig, dies stellt bei den Rosengewächsen eine Ausnahme dar. Die vorweiblichen Blüten gehören dem „Langstaubfädigen Typ“ an. Die Anordnung und die Reihenfolge der Reifung fördert die Fremdbestäubung der Blüten. Bienen sammeln den Pollen, so dass auch Insektenbestäubung vorliegt. Blütezeit ist von Mai bis August.

Die Früchte sind kleine Nüsse, die vom Blütenbecher fest umschlossen sind, der so als Flug- und Schwimmapparat für die Früchte dient. Die Ausbreitung der Früchte erfolgt als Ballonflieger und als Regenschwemmlinge; evtl. ist auch mit Wasserhaft- und Zufallsverbreitung zu rechnen. Fruchtreife ist von Juli bis Oktober. Die Früchte sind Wintersteher.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Gesamtverbreitungsgebiet reicht im Norden bis Skandinavien, im Süden schließt es Nordafrika ein und im Osten Südwestasien bis nach Afghanistan. Der Kleine Wiesenknopf ist als submediterranes Florenelement[1] schwerpunktmäßig in Südeuropa sowie Teilen Mitteleuropas heimisch. Besiedelt werden Höhenstufen vom Tiefland bis in mittlere Gebirgslagen (in den Alpen bis in Höhenlagen von 1220 Metern). Nach Dörr und Lippert kommt er aber z. B. am Nagelskopf bei Steeg (Tirol) in einer Höhenlage von 1400 Metern vor.[2]

Der Kleine Wiesenknopf wächst auf sonnigen, oft lückigen Mager- und Halbtrockenrasen, bevorzugt trockenen, meist kalkhaltigen, lockeren Lehmboden, ist etwas wärmeliebend und ein Magerkeitszeiger. Er ist eine Charakterart der Klassen Festuco-Brometea und kommt meist in Mesobromion-Gesellschaften vor.[1]

Systematik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kleine Wiesenknopf wurde 1753 von Carl von Linné in Species Plantarum[3] unter dem Namen Poterium sanguisorba erstveröffentlicht und ist die Typus-Art der Gattung Poterium.[4] Giovanni Antonio Scopoli stellte ihn 1771 in die Gattung Sanguisorba und benannte ihn Sanguisorba minor Scop., weil Gattungsname und Epithet nach dem Internationalen Code der Nomenklatur für Algen, Pilze und Pflanzen nicht identisch sein dürfen. Nach molekularphylogenetischen Erkenntnissen wird die Gattung Poterium von Sanguisorba getrennt und mit Bencomia Webb & Berthel., Marcetella Svent., Dendriopoterium Svent. und Sarcopoterium Spach zusammengefasst.[5]

Es werden zwei Unterarten unterschieden:

  • Sanguisorba minor L. subsp. minor hat vierkantige, aber ungeflügelte Fruchtkelche mit netznervigen Seitenflächen. Diese Unterart ist in Mitteleuropa weit verbreitet. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28.[6]
  • Sanguisorba minor subsp. balearica (Bourg. ex Nyman) Muñoz Garm. & C.Navarro (Syn.: Sanguisorba minor subsp. muricata (Spach) Briq., Sanguisorba minor subsp. polygama (Waldst. & Kit.) Cout.), die vier Kanten des Fruchtkelches sind geflügelt; die Seitenflächen haben grob gezähnte Netzleisten und dazwischen grubige Vertiefungen. Diese mediterran und submediterran verbreitete Unterart taucht in Mitteleuropa vor allem in Rasenansaaten auf. Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 28 oder 56.[6]
  • Sanguisorba verrucosa (Link ex G.Don) Ces. (Syn.: Sanguisorba minor subsp. verrucosa (Link ex G.Don) Holmboe) wird meist als eigene Art angesehen.[7][8]

Verwendung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Blätter und Blüten haben einen leicht gurkenähnlichen Geschmack, beide können in kalten Getränken und auch in Salaten Verwendung finden. Auch sind sie zum Würzen von Marinaden, Saucen sowie Geflügel- und Fischgerichten zu benutzen.

Der Kleine Wiesenknopf ist als Pimpinelle ein Bestandteil der Frankfurter Grünen Soße sowie der Kasseler und mittelhessischen Rezeptur. Er gehört zu den Kräutern einer klassischen Bauerngartenbepflanzung und dient auch heute noch als Zierpflanze.

Auch die Verwendung als Viehfutter ist üblich, zumal der Kleine Wiesenknopf häufig im Heu zu finden ist.

Volksnamen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kleine Wiesenknopf ist auch unter den Namen Blutstillerin, Blutströpfchen, Braunelle, Drachenblut, Falsche Bibernelle, Herrgottsworte, Körbelskraut, Költeltskraut, Rote Bibernelle, Sperberkraut, Wiesenbibernelle, Wurmkraut, Becherblume, Kleine Bibernelle, Welsche Bibernelle, Gartenbibernelle, Kleines Blutkraut, Megenkraut, Nagelkraut, Pimpinelle oder Pimpernelle bekannt.

Vor allem die Bezeichnungen „Bibernelle“, „Pimpinelle“ oder „Pimpernelle“ werden im Markt- und im Lebensmittelhandel häufig gebraucht, können aber zu Verwechslung mit „gleichnamigen“ Doldenblütlern der Gattung Bibernellen (Pimpinella) führen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 3: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklasse Rosidae): Droseraceae bis Fabaceae. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 1992, ISBN 3-8001-3314-8.
  • Avril Rodway: Kräuter und Gewürze. Die nützlichsten Pflanzen der Natur - Kultur und Verwendung. Tessloff, Hamburg 1980, ISBN 3-7886-9910-8.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korrigierte und erweiterte Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. Unter Mitarbeit von Angelika Schwabe und Theo Müller. 8., stark überarbeitete und ergänzte Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart (Hohenheim) 2001, ISBN 3-8001-3131-5, S. 547.
  2. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 2, Seite 62. IHW-Verlag, Eching bei München, 2004. ISBN 3-930167-61-1
  3. Carl von Linné: Species Plantarum. Band 2, Lars Salvius, Stockholm 1753, S. 994 (Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.biodiversitylibrary.org%2Fopenurl%3Fpid%3Dtitle%3A669%26volume%3D2%26issue%3D%26spage%3D994%26date%3D1753~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D).
  4. Poterium bei Tropicos.org. Missouri Botanical Garden, St. Louis, abgerufen am 10. August 2014.
  5. D. Potter, T. Eriksson, R. C. Evans, S. Oh, J. E. E. Smedmark, D. R. Morgan, M. Kerr, K. R. Robertson, M. Arsenault, T. A. Dickinson, C. S. Campbell: Phylogeny and classification of Rosaceae. Plant Systematics and Evolution, Band 266, Nr. 1–2, 2007, S. 5–43, doi:10.1007/s00606-007-0539-9.
  6. a b Gertrud Dahlgren: Sanguisorba. In: Hildemar Scholz (Hrsg.): Illustrierte Flora von Mitteleuropa. Begründet von Gustav Hegi. 2. völlig neubearbeitete und erweiterte Auflage. Band IV Teil 2B: Spermatophyta: Angiospermae: Dicotyledones 2 (3) (Rosaceae, 2. Teil). Blackwell, Berlin/Wien u. a. 1995, ISBN 3-8263-2533-8, S. 8–13.
  7. Eckehart J. Jäger, Klaus Werner (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Begründet von Werner Rothmaler. 10., bearbeitete Auflage. Band 4: Gefäßpflanzen: Kritischer Band. Elsevier, Spektrum Akademischer Verlag, München/Heidelberg 2005, ISBN 3-8274-1496-2.
  8. Carmen Navarro, Félix Muñoz Garmendia: Sanguisorba L. In: Santiago Castroviejo, Félix Muñoz Garmendia, Carmen Navarro (Hrsg.): Flora Ibérica. Plantas vasculares de la Península Ibérica e Islas Baleares. Vol. VI. Rosaceae. Real Jardín Botánico, C.S.I.C., Madrid 1998, ISBN 84-00-06221-3, S. 375–388 (PDF-Datei; 306 kB).

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kleiner Wiesenknopf (Sanguisorba minor) – Album mit Bildern, Videos und Audiodateien