Kleines Zweiblatt

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Kleines Zweiblatt
Heartleaf Twayblade (3816689446).jpg

Kleines Zweiblatt (Listera cordata)

Systematik
Ordnung: Spargelartige (Asparagales)
Familie: Orchideen (Orchidaceae)
Unterfamilie: Epidendroideae
Tribus: Neottieae
Gattung: Zweiblatt (Listera)
Art: Kleines Zweiblatt
Wissenschaftlicher Name
Listera cordata
(L.) R.Br.

Das Kleine Zweiblatt (Listera cordata), auch Herz-Zweiblatt genannt, ist eine Pflanzenart aus der Gattung Zweiblatt (Listera) innerhalb der Familie der Orchideen (Orchidaceae).

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Illustration aus Atlas der Alpenflora

Das Kleine Zweiblatt ist eine sehr zierliche, ausdauernde krautige Pflanze und erreicht Wuchshöhen von 7 bis 20 Zentimetern. An seinem Stängel stehen zwei gegenständige Laubblätter. Die einfache, glänzende Blattspreite ist bei einer Länge von 1 bis 3 Zentimetern dreieckig herzförmig.

Die Blütezeit erstreckt sich von Mai bis August. Sechs bis zehn Blüten sind zu einer lockeren Traube zusammengefasst. Die außen grünlichen Blüten besitzen rötliche innere Perigonblätter. Die ebenfalls rötliche Lippe ist mit spitzen Zipfeln tief zweispaltig, am Lippengrund stehen zwei spitze Zähne. Die Blüten sind weit geöffnet.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n = 34, 36, 38, 40 oder 42.[1]

Ökologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Beim Kleinen Zweiblatt handelt es sich um einen Rhizom-Geophyten. Es stellt als eine Schattenpflanze und saprophytischer Mullwurzler hohe Ansprüche an die Luftfeuchtigkeit.

Das Kleine Zweiblatt wird von Insekten, hauptsächlich Zwei- und Hautflügler bestäubt. Selbstbestäubung kommt eher selten vor. Die Samen werden über den Wind ausgebreitet. Unterirdische Ausläufer stellen die vegetative Vermehrung sicher.

Vorkommen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kleine Zweiblatt ist ein zirkumpolares, eurosibirisch- nordamerikanische Florenelement. Sein Verbreitungsgebiet gehört zu den nördlichen Ausläufern eines europäischen Alpenareals, das von den Pyrenäen über die Alpen, Karpaten, den Balkan, Bulgarien, nördlichen Griechenland, nordöstlichen Türkei bis zum Kaukasusraum reicht.

Es besiedelt in Mitteleuropa vor allem Fichten- und Kiefernwälder, und es geht dort auch an Standorte mit Bewuchs von Torfmoos. Es gedeiht ferner in Nadelholzbeständen am Rand von Hochmooren. Im Tiefland kommt es in Mitteleuropa nur vereinzelt vor. Selbst in Silikat-Mittelgebirgen und auf entkalkten Flächen der Kalk-Mittelgebirge sowie in entsprechenden Gebieten der Alpen fehlt es weithin. Es steigt in den Alpen bis zur Waldgrenze auf. In den Allgäuer Alpen steigt es in Bayern auf dem Gottesackerplateau nahe der ehemaligen Gottesacker-Alpe bis zu 1930 Meter über Meereshöhe auf.[2] Nach Baumann und Künkele hat die Art in den Alpenländern folgende Höhengrenzen: Deutschland 20–2000 Meter, Frankreich 600–2300 Meter, Schweiz 440–2100 Meter, Liechtenstein 1490–1900 Meter, Österreich 500–1900 Meter, Italien 900–2040 Meter, Slowenien 680–1900 Meter.[3] In Europa hat sie die Grenzen von 10–2300 Meter, in den Vereinigten Staaten steigt sie bis 3500 Meter Meereshöhe auf.[3]

Auch an Standorten, wo es selten vorkommt, trifft man es zuweilen in kleinen, eher individuenarmen und mäßig dichten Beständen an. Das Kleine Zweiblatt gedeiht am besten auf zumindest oberflächlich sauren und kalkarmen Böden, die rohhumusreich und nährstoffarm sein sollten. Es wächst in verschiedenen Pflanzengesellschaften der Klasse Vaccinio-Piceetea.

Gefährdung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kleine Zweiblatt gilt zentral-europaweit als ungefährdet. Nach der Bundesartenschutzverordnung ist es besonders geschützt. In Deutschland steht es auf Platz 3+ der Roten Liste.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Henning Haeupler, Thomas Muer: Bildatlas der Farn- und Blütenpflanzen Deutschlands. 2. Auflage. Eugen Ulmer, Stuttgart 2007, ISBN 978-3-8001-4990-2.
  • Ruprecht Düll, Herfried Kutzelnigg: Taschenlexikon der Pflanzen Deutschlands und angrenzender Länder. Die häufigsten mitteleuropäischen Arten im Porträt. 7., korr. u. erw. Auflage. Quelle & Meyer, Wiebelsheim 2011, ISBN 978-3-494-01424-1.
  • Oskar Sebald, Siegmund Seybold, Georg Philippi, Arno Wörz (Hrsg.): Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. Band 8: Spezieller Teil (Spermatophyta, Unterklassen Commelinidae Teil 2, Arecidae, Liliidae Teil 2): Juncaceae bis Orchidaceae. Eugen Ulmer, Stut tgart 1998, ISBN 3-8001-3359-8.
  • Dietmar Aichele, Heinz-Werner Schwegler: Die Blütenpflanzen Mitteleuropas. 2. Auflage. Band 5: Schwanenblumengewächse bis Wasserlinsengewächse. Franckh-Kosmos, Stuttgart 2000, ISBN 3-440-08048-X.
  • Eckehart J. Jäger (Hrsg.): Exkursionsflora von Deutschland. Gefäßpflanzen: Grundband. Begründet von Werner Rothmaler. 20., neu bearbeitete und erweiterte Auflage. Spektrum Akademischer Verlag, Heidelberg 2011, ISBN 978-3-8274-1606-3

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Erich Oberdorfer: Pflanzensoziologische Exkursionsflora für Deutschland und angrenzende Gebiete. 8. Auflage. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 2001, ISBN 3-8001-3131-5. Seite 273.
  2. Erhard Dörr, Wolfgang Lippert: Flora des Allgäus und seiner Umgebung. Band 1, Seite 393. IHW-Verlag, Eching bei München, 2001. ISBN 3-930167-50-6
  3. a b Helmut Baumann, Siegfried Künkele: "Orchidaceae". In Oskar Sebald u. a.: Die Farn- und Blütenpflanzen Baden-Württembergs. 1. Auflage Band 8, Seite 328. Verlag Eugen Ulmer, Stuttgart 1998. ISBN 3-8001-3359-8

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]