Kleinhirnsyndrom

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Als Kleinhirnsyndrom wird ein Symptomkomplex von klinisch fassbaren Symptomen bezeichnet, die bei einer Schädigung des Kleinhirns oft gemeinsam auftreten.

Je nach Ausmaß und Lokalisation der Schädigung unterscheiden sich die Kleinhirnsyndrome im Einzelfall, da das Kleinhirn sehr unterschiedliche Aufgaben übernimmt. Unter Umständen erlaubt allein die Analyse des Beschwerdebildes eine Eingrenzung der geschädigten Region (topische Diagnostik).

Klinische Zeichen[Bearbeiten]

Alle Symptome lassen sich auf zwei Grundstörungen zurückführen: die zerebelläre Ataxie und die Muskelhypotonie.[1] Weitere Beeinträchtigungen in Motorik und Koordination sind Schwäche der Stützmuskulatur des Rumpfes, Nystagmus und koordinative Beeinträchtigung der Sprache (verwaschene oder skandierende Sprache).

Zudem sind Störungen bei schnell alternierenden Bewegungen (Dysdiadochokinese), bei Zielbewegungen (Dysmetrie und Intentionstremor) und im Zusammenspiel verschiedener Muskelgruppen (Asynergie) zu beobachten. Nystagmus, Intentionstremor und skandierende Sprache werden als Charcot-Trias zusammengefasst (nach Jean-Martin Charcot).

Werner Hacke (2010) zählt folgende häufige Kleinsyndrome auf:[2]

Bezeichnung Lokalisation Symptome
Syndrom der oberen Kleinhirnarterie A. cerebelli sup. ipsilateral: Hemiataxie, Horner-Syndrom Dissoziierte; kontralateral: Sensibilitätsstörung
Syndrom der unteren vorderen Kleinhirnarterie A. cerebelli inf. ant. ipsilateral (variabel): Hemiataxie, N-VIII-Ausfall, NVII-Parese, Nystagmus, Opsoklonus
Syndrom der hinteren unteren Kleinhirnarterie A. cerebelli inf. post. ipsilateral: Hemiataxie, Dysmetrie, Lateropulsion, Dysdiadochokinese, Nystagmus, Heiserkeit, Dysphagie; kontralateral: Dissoziierte Sensibilitätsstörung

Literatur[Bearbeiten]

  • Peter Berlit: Basiswissen Neurologie. Springer, 2007, 5. überarb. und erw. Auflage. ISBN 978-3540331100. 14.7.2 Kleinhirnsyndrome S. 232/233.
  • Walter Gehlen, Heinz-Walter Delank: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2010, 12. vollständig überarbeitete Auflage. ISBN 978-3131297723. 13.2.5 Kleinhirnsyndrome S. 174–176.

Weblinks[Bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Walter Gehlen, Heinz-Walter Delank: Neurologie. Thieme, Stuttgart 2010; Auflage: 12., vollständig überarbeitete Auflage. ISBN 978-3131297723. S. 174–176
  2. Werner Hacke: Neurologie. Springer, 2010, 13. Auflage. ISBN 978-3642123818. S. 190.