Kleinkraftrad

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Garelli Kleinkraftrad
Ein Klassiker aus den 70er Jahren, Zündapp KS50 Mokick.
Kreidler Mustang Kleinkraftrad
Piaggio Ape Kastenwagen

Ein Kleinkraftrad – auch Mokick, Moped oder − nicht in der Schweiz – Mofa – ist ein motorisiertes Zweirad oder Dreirad mit einem maximalen Hubraum von 50 cm³ oder bis zu 4 kW Motorleistung und einer durch die Bauart bedingten Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 45 km/h.

Diese Klassifizierung gilt in Deutschland seit der Einführung des EU-Führerscheins. Der heutige amtlicher Begriff in Deutschland ist: «Zweirädriges bzw. dreirädriges Kleinkraftrad nach EG-Fahrzeugklasse L1e und L2e».

In der Schweiz werden Mopeds ebenso wie die auf 45 km/h abgeriegelten Roller mit 50 cm³ - abgegrenzt von Motorrädern und Mofas - als eigene Fahrzeugkategorie angesehen, für das die Fahrberechtigung der Klasse F für „Motorfahrzeuge, ausgenommen Motorräder, mit einer Höchstgeschwindigkeit bis 45 km/h“ absolviert werden muss. Der Begriff „Kleinkraftrad“ ist dort ungeläufig, weswegen dieser Artikel die Sicht in Deutschland beschreibt.

Allgemeines[Bearbeiten]

Das „Kleinkraftrad“ ist die Umschreibung mehrerer unterschiedlicher Klassen und Bauweisen für motorisierte Zweiräder mit Beschränkungen bei Hubraum, Leistung und Höchstgeschwindigkeit. Die rechtliche Definition und die Verwendung des Begriffs an sich unterlag im Laufe der Zeit einigen Veränderungen.

In die Klasse der Kleinkrafträder fallen trotz veränderter heutiger Limits historisch zulassungsrechtlich auch die vor (und kurz nach) der EU-Führerscheinreform 1998/1999 in Verkehr gebrachten Kleinkrafträder mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von 50 km/h. Gemäß dem Einigungsvertrag zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Deutschen Demokratische Republik gelten auch „Kleinkrafträder gemäß den Vorschriften der DDR“[1] als Kleinkrafträder, wenn sie bis zum 28. Februar 1992 erstmals in den Verkehr gekommen sind.[2] Neben dem üblichen Antrieb mit Benzinmotor gibt es auch einige Modelle mit Elektroantrieb. Das meistgebaute deutsche Kleinkraftrad ist das Simson S50/51, das 1975-1989 mehr als 1,6 Millionen mal hergestellt wurde. [3]

Bauformen[Bearbeiten]

Aufgrund der preisgünstigeren Konstruktion und Fertigung sowie des besseren Images waren viele Kleinkrafträder bis auf spezielle Limitierungen praktisch identisch. Oft wurde durch simple Änderungen eine Begrenzung auf 45 km/h (oder andere zulassungsrechtliche Limits) erreicht. Praktisch alle Hersteller von Kleinkrafträdern boten dies als Mofas mit zusätzlicher Limitierung (Deutschland: 25 km/h) an. (So zum Beispiel: die Hercules Prima, welche in der Mokick-Version Hercules Optima heißt.) Dieses Baukastensystem machte es vielen Jugendlichen leicht, ihr Mofa illegal zu entdrosseln.

Es gab mehrere verschiedene Bauformen von Kleinkrafträdern:

  • Fahrrad mit Hilfsmotor
  • Das Mofa (aus den Begriffen „Motor“ und „Fahrrad“ zusammengefügt) oder auch Moped (aus „Motor“ und „Pedale“) wurde über die Pedale angetreten und ist einsitzig. Das Faltmoped ist dabei eine spezielle, transportable Bauform des Mopeds; führender Hersteller war die Firma Di Blasi in Italien.
  • Das Mokick – (aus „Motor“ und „Kickstarter“ zusammengefügt) hat die gleiche bauliche Form wie die größeren Motorräder und wurde anfangs per Kickstarter (erstmals bei Jawa 50 verwendet), später auch elektrisch mit Anlasser gestartet und kann auch zweisitzig sein.
  • Der ein- oder zweisitzige Motorroller – mit freiem vorderen Durchstieg und aufrechter Sitzhaltung war vor allem für Frauen gedacht. Gestartet wurde per Kickstarter oder bequem mit elektrischem Anlasser.

Führerschein[Bearbeiten]

In Deutschland ist zum Führen eines Kleinkraftrades ein Führerschein der Klasse AM (EU-Führerschein) erforderlich, der grundsätzlich ab einem Alter von 16 Jahren erworben werden kann. Durch die Dritte Verordnung über Ausnahmen von den Vorschriften der Fahrerlaubnis-Verordnung wurde im Rahmen eines Modellversuchs in den Bundesländern Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen das Mindestalter auf 15 Jahre gesenkt. Der Erwerb der Führerscheinklassen A1, A2, A, B oder T schließt u. a. die Klasse AM mit ein. Vor dem 19. Januar 2013 hieß die entsprechende Führerscheinklasse M. In in Österreich kann der Mopedausweis mit 15 Jahren erworben werden.

Geschichte und jeweilige Definition des Kleinkraftrades[Bearbeiten]

Moped von Laurin & Klement (heute Škoda); um 1900

Vorkriegszeit[Bearbeiten]

Bereits in den 1930er Jahren hatten, meist auf Basis des 98 cm³ großen Sachs-Motors oder des konkurrierenden ILO-Motors, sehr viele Firmen den Einstieg in den Motorradmarkt gesucht und eigene Fahrzeuge konstruiert, die man damals als Motorfahrrad oder auch Leichtmotorrad bezeichnete. Der Begriff „MoFa“ entstand in dieser Zeit und meinte ursprünglich diese Klasse von Fahrzeugen. Die Leistung lag bei etwa 2-3 PS und die Höchstgeschwindigkeit bei 40 bis 50 km/h, bei einigen Spitzenmodellen der Kleinkrafträder sogar über 70 km/h. Der Aufbau dieser Fahrzeuge war größtenteils noch sehr nah am Fahrrad. Eine „98er“ war damals die billigste Möglichkeit, sich der einsetzenden Massenmotorisierung anzuschließen.

Durch den Fortschritt im Motorenbau gingen einige Motorradhersteller kurz vor dem Krieg dazu über, MoFas mit kleineren Hubräumen, üblicherweise etwa 60 cm³ bei aber gleicher Leistung, anzubieten. Diese Entwicklung wurde zunächst aber vom Zweiten Weltkrieg beendet.

1945–1953[Bearbeiten]

Durch einen Beschluss des Alliierten Rates war es den deutschen Herstellern zunächst nicht erlaubt, Fahrzeuge mit einem Hubraum von mehr als 40 cm³ anzubieten. Ein Fahrzeugtyp aus dieser Zeit ist beispielsweise die Victoria FM 38.

1953–1957[Bearbeiten]

Am 1. Januar 1953 wurde erstmals das „Fahrrad mit Hilfsmotor“ gesetzlich definiert als Zweirad mit maximal 50 cm³ Hubraum und maximal 33 kg Gewicht. Des Weiteren wurden Tretkurbelradius und eine Mindestgröße der Räder festgelegt. Um nicht auf der wenig verkaufsfördernden Bezeichnung „Hilfsmotor“ festzusitzen, wurde unter den Herstellern 1953 (es durften aber auch Privatpersonen teilnehmen) ein Wettbewerb um einen neuen Namen für diese Fahrzeugklasse ausgeschrieben. Auf der IFMA 1953 wurde der Gewinnername dann vorgestellt: der Begriff Moped, zusammengefügt aus den Wörtern „Motorrad“ und „Pedale“, war geboren (Einsender des Vorschlages war die Firma ILO). Die Begriffe „Mofa“ und „Moped“ waren zu dieser Zeit also praktisch identisch.

Um ein Moped fahren zu dürfen, konnte man entweder ab dem Alter von 16 Jahren den entsprechenden Führerschein machen oder man bekam diesen automatisch beim Ablegen der PKW-Führerscheinprüfung mit dazu.

1957–1960[Bearbeiten]

Zum 1. Januar 1957 wurde die Gewichtsbegrenzung aufgehoben. Die Hersteller konnten ihre Fahrzeuge dieser Klasse also von nun an als vollwertiges Motorrad der kleinsten Hubraumklasse vermarkten – die Kleinkrafträder waren geboren. Die Begriffe „Moped“, „Mofa“ und „Kleinkraftrad“ bezeichneten daher in dieser Zeit den gleichen Fahrzeugtyp.

Erwähnenswert ist zudem, dass der Markt der Kleinkrafträder Ende der 1950er Jahre nicht unter den gleichen starken Absatzrückgängen litt, wie der allgemeine Motorradmarkt. Grund hierfür ist, dass die Zielgruppe der 16- bis 17-jährigen Jugendlichen keine Wahl zwischen einem Kleinkraftrad und einem anderen Fahrzeug hatte. Auf diese Weise fungierte diese Fahrzeugklasse aber als Rettungsanker für viele stark angeschlagene deutsche Motorradhersteller.

1960–1980[Bearbeiten]

Das nun nicht mehr limitierte Gewicht der Kleinkrafträder führte zunächst zu einem wahren Wettstreit in der Motorleistung. Diese nahm Ende der 1950er Jahre derart rasant zu, dass der Gesetzgeber reagieren musste; zum 1. August 1960 wurde daher die Klasse der Kleinkrafträder aufgeteilt in:

  • Die Klasse der Kleinkrafträder mit höchstens 50 cm³ Hubraum und keiner weiteren Begrenzung.
  • Die Klasse der Mokicks mit maximal 50 cm³ Hubraum und 40 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Für beide Klassen fielen ab nun auch die Reglementierungen zum Raddurchmesser und Tretkurbelradius weg. Damit wurde der Weg frei, wirklich motorradähnliche Kleinkrafträder zu bauen. Da der Begriff „Moped“ für ab nun pedallose Kleinkrafträder mit 40 km/h Beschränkung nicht mehr passend war, wurde der Begriff „Mokick“ (für „Motorrad“ mit „Kickstarter“) aus der Taufe gehoben.

Die damalige Führerscheinklasse 3 (Kfz bis 7,5 t) beinhaltete sowohl die Klasse 5 (Moped/Mokick bis 40 km/h Höchstgeschwindigkeit) als auch die Klasse 4 (Kleinkrafträder bis 50 cm³ und max. 6,25 PS ohne Geschwindigkeitsbeschränkung). PKW-Fahrer mussten also für diese Fahrzeuge keinen extra Führerschein machen. Wenn der Führerschein Klasse 3 oder 4 vor dem 1. Dezember 1954 gemacht wurde, durften sogar Motorräder bis 250 cm³ gefahren werden.

Zu diesem Zeitpunkt bezeichnete also ein „Mofa“ eher ein Fahrzeug älterer Bauart (siehe: Vorkriegs- und unmittelbare Nachkriegszeit), Mopeds und Mokicks waren Fahrzeuge derselben Klasse, wurden aber vom Aufbau her unterschieden, Kleinkrafträder dagegen definierten eine eigene Klasse. Erst am 1. April 1965 wurde darüber hinaus die Klasse der Mofas geschaffen; ab hier bezeichnete ein Mofa also wieder eine eigenständige Fahrzeugart.

Nach dem großen Zusammenbruch des Motorradmarktes 1957 war diese Klasse das letzte Refugium der großen deutschen Zweiradwerke Zündapp, Hercules, Kreidler und Maico, die hier allerdings zusammen eine marktbeherrschende Stellung innehatten. Dieses Oligopol gründete sich auf äußerst hochwertige Fahrzeuge und darauf, dass es in den Ländern der konkurrierenden Motorradhersteller keine vergleichbare Klasse, und damit kaum auf dem deutschen Markt konkurrierende Kleinkrafträder gab. Durch das Oligopol wurde eine Marktabsprache der so genannten „großen Drei“ (Zündapp, Hercules, Kreidler) möglich, welche die Leistungsangabe der Kleinkrafträder auf 3,9 kW (5,3 PS, ca. 80 km/h), und später auf 4,6 kW (6,25 PS, rund 85 km/h) festschrieb. Die tatsächlichen Leistungswerte der Motoren bewegten sich Ende der 1970er Jahre allerdings bereits jenseits von 6 kW (über 8 PS).

Der Wettbewerb beschränkte sich damit vor allem darauf, die Fahrzeuge höherwertig auszustatten. Dies war auch im Sinne des Marktes, da in den 1970er Jahren die Kosten der Versicherungsprämien für diese Klasse explodierten und sich somit der Käuferkreis ohnehin auf die eher wohlhabenden Familien konzentrierte. Die rasante Verteuerung, begründet in vehement gestiegenen Unfallzahlen, ging einher mit der unzureichenden Ausbildung der jugendlichen Fahrer und der immer schneller werdenden Kleinkrafträder. Dies und der Umstand, dass die hohen Literleistungen mit extrem hohen Drehzahlen von über 11.000/min und entsprechendem Lärm erkauft wurden, trugen zum Ende der KKR-Klasse bei. Daran änderten auch die Bemühungen der Hersteller, allen voran Zündapp, nichts mehr, die Motoren mit Wasserkühlung und damit einhergehender Geräuschdämmung auszustatten. Viele Irrglauben über den Zweitaktmotor entspringen noch dieser Zeit, da viele Leute durch die hochdrehenden Zweitaktmotoren in den KKR glaubten, Zweitakter wären prinzipiell lauter und bräuchten höhere Drehzahlen.

Diese Klasse der Kleinkrafträder alten Rechts gelten heute als gesuchte Raritäten und zahlreiche Vereine und Interessengemeinschaften widmen sich diesem Hobby.

1980er Jahre[Bearbeiten]

Am 1. April 1980 trat in der Bundesrepublik Deutschland eine Gesetzänderung in Kraft, die die alte Klasse der KKR in die neue Klasse der Leichtkrafträder (LKR, nach § 72 zu § 18 Abs. 2 Nr. 4a StVZO) überführte. Der Begriff „Kleinkraftrad“ hingegen ging nahtlos auf die bislang darunter liegende Klasse der Mokicks über.

Die Folgen:

  • Die Tatsache, dass die deutschen Hersteller damit ihren Hauptmarkt verloren, war hauptursächlich für den nun folgenden Konkurs von Kreidler (1982), Zündapp (1984) und Maico (1987); Hercules überlebte, hatte aber in der neuen Klasse der Leichtkrafträder gegen die japanische Konkurrenz, die einfach den Hubraum ihrer 125er auf 80 cm³ und die Höchstgeschwindigkeit auf 80 km/h zu reduzieren brauchte, keine Chance und hat heute unter dem Namen „Sachs“ einen verschwindend kleinen Marktanteil.
  • Mit dem Verschwinden sportlicher Kleinkrafträder aus dem öffentlichen Verkehr wurde auch die 50-cm³-Klasse der Motorradweltmeisterschaften aufgelöst.
  • Ebenfalls ist diese Gesetzänderung mitunter dafür verantwortlich, dass die Bedeutungen der Wörter „Kleinkraftrad“ und „Mokick“ bis heute im allgemeinen Sprachgebrauch recht verwaschen sind, denn was nach 1980 ein Kleinkraftrad war, war vor 1980 ein Mokick, während „Mokick“ und „Kleinkraftrad“ seitdem weitgehend identisch benutzt werden.
  • Der Markt für Kleinkrafträder fristete im folgenden ein Schattendasein, da Jugendliche eher den Führerschein für Leichtkrafträder erwarben. Mokicks wurden am ehesten von Autofahrern erworben, die mit dem PKW-Führerschein auch in den Genuss des Kleinkraftrad-Führerscheins kamen. Dies trug dazu bei, dass Mokicks in den Augen der Jugendlichen bald als „out“ galten.

1986 schließlich wurde in der nun so genannten Klasse der Kleinkrafträder deren Geschwindigkeitsbegrenzung auf 50 km/h angehoben.

1990er Jahre[Bearbeiten]

Intensive Nutzung in Thailand
Motorroller 45 km/h (Yamaha Aerox)

Anfang der 1990er änderte sich der Markt wieder, als vor allem koreanische und taiwanische Billighersteller begannen, den Weltmarkt mit billigen, aber äußerst modisch und modern gestalteten, aerodynamisch aussehenden Motorrollern zu überschwemmen. Die Versicherungsprämien waren zuletzt stark gesunken und der extrem niedrige Kaufpreis dieser Roller sorgte für einen regelrechten „Boom“ unter Jugendlichen. Diese Generation kannte auch nicht mehr die Ursprünge des Rollers und seinen Ruf als „Frauenfahrzeug“, womit seinem Markterfolg nichts mehr im Weg stand.

Im Gegenteil kehrte sich nun das Spektrum der Vorurteile um: von nun an galten Mokicks, von denen auch viele ältere noch aus den 70er und 80er Jahren das Straßenbild bevölkerten, als unmodern. Dass Mokicks durch ihre größeren Räder und Federwege und geringeren ungefederten Massen prinzipiell die bessere Alternative sind, interessierte angesichts der modernen Aufmachung als „Cityflitzer“ und „Scooter“ kaum jemanden.

Hersteller wie Simson (Suhl), die noch viele Mokickmodelle im Programm hatten, fristeten ein Schattendasein und konnten ihre Modelle trotz der besseren technischen Daten nur in geringen Stückzahlen verkaufen.

Die Situation in der DDR[Bearbeiten]

DDR-Mokick 60 km/h (Simson S51)

In der DDR waren Kleinkrafträder ebenfalls auf 50 cm³ Hubraum beschränkt, allerdings wurde hier für sie ab Mitte 1963 eine zulässige Höchstgeschwindigkeit von 60 km/h veranschlagt. Da auf Autobahnen in der DDR eine bauartbedingte Höchstgeschwindigkeit von mehr als 50 km/h vorgeschrieben war, durften diese auch von Kleinkrafträdern befahren werden. Die im Einigungsvertrag festgehaltene Besitzstandswahrung ist auch der Grund, wieso vor dem 1. März 1992 in den Verkehr gekommene Kleinkrafträder des ehemaligen ostdeutschen Herstellers Simson auch mit der heutigen Führerscheinklasse AM gefahren werden dürfen.[4] Heute dürfen in Deutschland Autobahnen und Kraftfahrstraßen nur von Kraftfahrzeugen mit einer bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit von mehr als 60 km/Std. befahren werden, so dass den Simson-Kleinkrafträdern die Autobahn verwehrt ist (§ 18 StVO).

Die Fahrerlaubnis zum Führen eines Mokicks konnte bereits im Alter von 15 Jahren erworben werden.

1966 erschien auch in der DDR ein „offenes“ KKR, der Simson Sperber. Ausstattung und Leistungsspitze fielen nüchterner aus als bei den westlichen Fahrzeugen der Zeit. Die spitz ausgelegte Motorcharakteristik verlangte jedoch auch hier nach hohen Drehzahlen. Als Besonderheit des Sperbers ist die aufwändige Ansaug- und Auspuffgeräuschdämpung zu erwähnen, die sonst in der KKR-Klasse nicht üblich war. Wegen der Spitze von 75 km/h musste man auch zu DDR-Zeiten im Besitz eines Motorradführerscheins sein und ein amtliches Kennzeichen beschaffen, um mit dem Sperber fahren zu dürfen. Diese ungünstigen Bedingungen hatten erheblichen Anteil daran, dass sich der Sperber nicht nur im Export, sondern auch im Inland eher mäßig verkaufen ließ. 1972 wurde die Produktion zugunsten der Mokick-Fertigung gestoppt, womit die kurze Ära der offenen 50er in der DDR endete.

Die Situation heute[Bearbeiten]

Am 1. Januar 2002 trat im Rahmen der Europäisierung wiederum eine Gesetzänderung in Kraft, welche die Höchstgeschwindigkeit der Kleinkrafträder auf nunmehr 45 km/h reduzierte.

Prinzipiell sind zwei Bauformen des Kleinkraftrades heute noch im Markt anzutreffen:

  • Die motorradähnliche Mokickbauform
  • Die Rollerbauform

Waren es in den 90er Jahren vor allem koreanische und taiwanische Produzenten, so überfluten heute Werke der Volksrepublik China den Markt mit Billigrollern, die vor allem in Baumärkten, Elektroläden und anderen KfZ-fremden Großmärkten angeboten werden.

Nach der neuen Fahrzeugzulassungsverordnung, kurz FZV, gibt es mittlerweile auch dreirädrige und vierrädrige Kleinkrafträder. Als dreirädrige Kleinkrafträder gelten beispielsweise die Ape von Piaggio, vierrädrige sind so genannte Quads oder auch Microcars. Die Merkmale sind: nicht mehr als 50 cm³, nicht mehr als 4 kW Leistung und bauartliche Höchstgeschwindigkeit von nicht mehr als 45 km/h.

Die Versicherungskennzeichen für Mofas und Kleinkrafträder (auch Roller) haben immer eine Gültigkeit von einem Jahr (jeweils 1. März bis 28./29. Februar). Damit die Gültigkeit von Kennzeichen direkt erkannt werden kann, gibt es jedes Jahr auf dem Kennzeichen eine andere Schriftfarbe. Am 19. Januar 2013 wurden die nationalen (Deutschland) Führerscheinklassen M (Kleinkrafträder) und S (sog. Microcars, Quads u. a.) zur neuen harmonisierten EU-Führerscheinklasse AM zusammengeführt.[5][6]

Aktuelle Hersteller[Bearbeiten]

Hier gelistet sind Hersteller von Kleinkrafträdern in klassischer Mokickbauform. Eine Auflistung der Hersteller von Motorrollern findet sich im entsprechenden Artikel.

  • Betamotor hat das Mokick "RR 50" im Programm.
  • Aprilia hat das Mokick „RS 50“ und „RX 50“ im Programm.
  • Gilera hat das Mokick „DNA“ im Programm.
  • Peugeot hat das Moped „Vogue“ im Programm.
  • CPI Motor Company hat das Mokick „GTR“ im Programm.
  • Sachs bietet die „MadAss“ an, die auch als Leichtkraftrad erhältlich ist.
  • Skyteam hat das Mokick "Cobra 50", das Fahrgestell entspricht der 125-cm³-Cobra.
  • Rieju aus Spanien hat z. B. die sportlichen RS2 Varianten und die Enduro/Supermotos SMX, MRX, RRX, MRT im Angebot.
  • Keeway aus China bietet neben dem Rollerprogramm ebenfalls einige Mokickmodelle an.
  • Derbi aus Spanien bietet neben einigen Rollermodellen eine beträchtliche Auswahl an Leichtkrafträdern in 50 cm³ und 125 cm³ an, die auch in der 125er Klasse der Motorrad-Weltmeisterschaft Rennen fahren.
  • Elmoto aus Deutschland, das ELMOTO HR2 ist ein 45 kg leichtes KKR mit Elektro-Radnabenantrieb und Lithium-Batterie
  • Die österreichische Marke Generic bietet unter dem Namen "Trigger" eine Reihe Schaltmokicks mit 6-Gang-Fußschaltung im Stile klassischer Enduros an.
  • Yamasaki ist ein Hersteller aus China der zahlreiche Varianten von 50cm³-Mokick´s anbietet.

Darüber hinaus bietet Di Blasi immer noch sein Faltmoped als Elektro- und 50 cm³ Variante an.

Siehe auch[Bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten]

  • Frank O. Hrachowy: Kleinkrafträder in Deutschland: Die ungedrosselten 50er der Klasse 4. Kleine Vennekate, Lemgo 2006, ISBN 978-3-935517-26-3.

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Mopeds – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Gemäß der Anlage 2 zur 3. Durchführungsbestimmung zur StVZO (der DDR) vom 28. Mai 1982 (GBl. I Nr. 27 S. 499) galten als Kleinkrafträder „Motorräder, Motorroller und Mopeds mit einem Hubraum bis 50 cm3 und einer Höchstgeschwindigkeit bis 60 km/h“.
  2. Einigungsvertrag, Anlage I Kapitel XI Sachgebiet B Abschnitt III
  3. Schrader-Motor-Chronik Schwalbe & Co Simson Kleinkrafträder und -roller 1955-1991, 2. Auflage 2000, S.93-94
  4. Fahrerlaubnisverordnung § 76 FeV, Nr. 8 + § 6 Abs. 1, Grunert & Tjardes Verkehrsportal.de GbR
  5. Neue grüne Kennzeichen für Kleinkrafträder, www.bezahlbar-versichert.de
  6. Autokennzeichen Deutschland & International, www.kfz-auskunft.de