Kleinpösna

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Kleinpösna von Südsüdwest
Kleinpösna auf einer Karte von 1850

Der Ort Kleinpösna ist ein Stadtteil von Leipzig. Er kam über die Eingemeindung von Engelsdorf, zu dem er vorher gehörte, nach Leipzig und bildet nun in der administrativen Gliederung von Leipzig zusammen mit Althen und Hirschfeld den Ortsteil Althen-Kleinpösna.

Lage und Ortstypik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bevölkerungsentwicklung
Jahr Einwohner[1]
1551 23 Höfe 
1764 24 Höfe 
1834 167 
1871 215 
1890 266 
1910 295 
1925 263 
1939 267 
1946 357 
1950 342 
1964 269 
1990 363 
1997 427[2]

Kleinpösna liegt im Osten Leipzigs etwa 12 Kilometer vom Leipziger Stadtzentrum entfernt. Die umgebenden Orte sind von Norden im Uhrzeigersinn Hirschfeld, Albrechtshain, Seifertshain, Holzhausen, Baalsdorf und Engelsdorf.

Kleinpösna ist dörflich geprägt und bis auf die Ostseite, wo sich aus dem Kiesabbau entstandene Wasserflächen erstrecken, von Feldfluren umgeben. Der alte Ortskern ist ein aus Bauernhöfen gebildetes Straßenangerdorf, dem sich nach Süden um 1900 einige Einzelhäuser anschlossen. Östlich des Ortskerns befinden sich aus der DDR-Zeit große Stallanlagen. Nach 1990 entstanden in Kleinpösna die drei neuen Eigenheimkomplexe Am Pösgraben, Am Feldrain und Pfaffenweg. Diese sind auch der Grund, warum die Bevölkerungszahl von Kleinpösna nach 1990 bedeutend zugenommen hat.

Der Ort wird von Süden nach Norden vom Pösgraben durchflossen.

500 Meter nördlich des Ortseingangs befindet sich die Auffahrt Kleinpösna der Autobahn A14. Über die Linie 73 der LVB hat Kleinpösna stündliche Busverbindung in die Leipziger Innenstadt.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das aus einer altwendischen Siedlung hervorgegangene Dorf wird erstmals 1295 als Pessene im Urkundenbuch des Hochstifts Merseburg genannt.[3] Der Ortsname weist auf die Lage der Siedlung am wasserführenden Pösgraben hin. Als Besitzer der Ortschaft werden im 14. Jahrhundert die Ritter von Bünau und Nickel von Draschwitz genannt. Sie verkauften ihren Grundbesitz 1391 an das Leipziger Augustiner-Chorherrenstift. Nach dessen Säkularisation (1544) schenkte Kurfürst Moritz das Dorf der Universität Leipzig. Kleinpösna gehörte damit zu den sogenannten Universitätsdörfern. Die Bevölkerung musste Zinsleistungen an die Universität erbringen und mit ihren Fuhrwerken Scheitholz aus dem der Universität gehörenden Oberholz nach Leipzig fahren. Kleinpösna erlitt während der Völkerschlacht am 16. Oktober 1813 erhebliche Schäden. Zunächst wurde das Dorf von französischen Truppen besetzt. Anschließend unternahm das Korps unter MacDonald von Kleinpösna aus einen erfolglosen Angriff gegen die in Seifertshain gelegenen österreichischen Truppen. Außerdem führten russische Truppen unter Bennigsen von hier aus einen Angriff gegen Holzhausen.

Die Sächsische Landgemeindeordnung von 1838 eröffnete auch Kleinpösna die Möglichkeit der Unabhängigkeit. 1844 wurden die Leistungen an die Universität eingestellt und 1855 erstmals ein Gemeinderat gewählt. Kleinpösna lag bis 1856 im kursächsischen bzw. königlich-sächsischen Kreisamt Leipzig.[4] Ab 1856 gehörte der Ort zum Gerichtsamt Brandis und ab 1875 zur Amtshauptmannschaft Grimma.[5]

Kleinpösna besaß bereits vor 1295 eine Kapelle, die nach dem Dreißigjährigen Krieg erneuert wurde. Die heutige Dorfkirche wurde nach Plänen von Albert Geutebrück im neugotischen Stil erbaut und am 28. November 1852 eingeweiht. Die Weihung als Marienkirche erfolgte 1892. 1893 wurde die Windmühle abgebrochen, Anfang der 1960er Jahre der Dorfteich am Anger verfüllt.

Seit 1877 besaß Kleinpösna eine eigene Schule, die ab 1925 auch von Schülern des benachbarten Hirschfeld besucht wurde. Erst im 20. Jahrhundert wurde Kleinpösna an das Gasnetz (1908), an die Elektroüberlandleitung (1924) und an das Leipziger Wassernetz (1933) angeschlossen.

Der Pösgraben stellte und stellt den Ort mit seinen Hochwässern immer wieder vor Probleme. Nach starken Regenfällen oder plötzlichem Tauwetter trat er häufig über die Ufer trat und überschwemmte den Ortskern, so geschehen zum Beispiel 1854, 1886, 1924, 1926, 1940, 1942, 1947, 1954, 1982 und 2002. Bereits 1854 erfolgte eine Regulierung des Wasserlaufes innerhalb des Ortes. Auch Reinigungen des Gewässerlaufs konnten die Hochwassergefährdung nicht beseitigen. Südlich des Ortes wurde ein Flutwehr errichtet, das im Hochwasserfall bei geschlossenem Schütz Wassermengen über den sonst trockenliegenden Kleinpösnaer Umflutgraben in den Zauchgraben ableitet, der sie der Parthe zuführt.

Ab Anfang der 1950er Jahre erfolgte auch in Kleinpösna die schrittweise Kollektivierung der landwirtschaftlichen Betriebe. 1966 wurde die LPG in die Baalsdorfer LPG integriert. Heute existiert in Kleinpösna ein genossenschaftlich organisierter Rinderzuchtbetrieb.

Mit der Wiederaufnahme des im Zweiten Weltkrieg unterbrochenen Autobahnbaus entstand am nördlichen Ortsrand eine Kiesgrube, deren Betrieb nach 1990 bedeutend intensiviert wurde. Die dadurch entstandenen Wasserflächen sind bereits heute ein beliebtes Naherholungsziel und sollen zukünftig noch stärker für den Tourismus erschlossen werden.

Am 1. Oktober 1973 wurden Kleinpösna und Hirschfeld zusammengeschlossen. Am 1. Januar 1994 wurde Kleinpösna-Hirschfeld nach Engelsdorf eingemeindet und fiel mit diesem zusammen am 1. Januar 1999 an Leipzig.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Digitales Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen, aufgerufen am 27. August 2012
  2. Kleinpösna – Eine historische und städtebauliche Studie. PROLEIPZIG 2004
  3. Paul Fridolin Kehr (Bearb.): Urkundenbuch des Hochstifts Merseburg, 1. Teil (962–1357), Halle, 1899 (= Geschichtsquellen der Provinz Sachsen und angrenzender Gebiete, 36), S. 464.
  4. Karlheinz Blaschke, Uwe Ulrich Jäschke: Kursächsischer Ämteratlas. Leipzig 2009, ISBN 978-3-937386-14-0; S. 60 f.
  5. Die Amtshauptmannschaft Grimma im Gemeindeverzeichnis 1900

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Katharina Junghans/Harald Kirschner/Thomas Nabert: Kleinpösna. Eine historische und städtebauliche Studie. Pro Leipzig, Leipzig 2004
  • Stadt Leipzig, Ortschaftsrat Engelsdorf (Hrsg.): Dorfgeschichten aus dem Leipziger Osten: Althen, Baalsdorf, Engelsdorf, Hirschfeld, Kleinpösna, Sommerfeld. Band 1. Pro Leipzig, Leipzig 2000, ISBN 3-9806474-8-X
  • Stadt Leipzig, Ortschaftsrat Engelsdorf (Hrsg.): Dorfgeschichten aus dem Leipziger Osten: Althen, Baalsdorf, Engelsdorf, Hirschfeld, Kleinpösna, Sommerfeld. Band 2. Pro Leipzig, Leipzig 2002, ISBN 3-9807201-7-9
  • Cornelius Gurlitt: Kleinpösna. In: Beschreibende Darstellung der älteren Bau- und Kunstdenkmäler des Königreichs Sachsen. 19. Heft: Amtshauptmannschaft Grimma (1. Hälfte). C. C. Meinhold, Dresden 1897, S. 143.
  • Kleinpösna. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 4. Band. Schumann, Zwickau 1817, S. 657.
  • Kleinpösna. In: August Schumann: Vollständiges Staats-, Post- und Zeitungslexikon von Sachsen. 17. Band. Schumann, Zwickau 1830, S. 360.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kleinpösna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Kleinpösna im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Koordinaten: 51° 19′ N, 12° 31′ O