Kleinstaat

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Als Kleinstaat bezeichnet man einen Staat, dessen Staatsgebiet und/oder Bevölkerungszahl im Vergleich mit anderen Staaten als klein empfunden wird und der deshalb ein im internationalen Vergleich sehr geringes wirtschaftliches oder militärisches Gewicht besitzt.[1]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Begriff entstammt der Umgangssprache. Er wurde zunächst verwendet, um die politische Einflusslosigkeit oder Abhängigkeit eines Staates gegenüber einer benachbarten Großmacht herauszustellen. Häufig stellt das eine Kritik oder Diskriminierung dar (vgl. Kleinstaaterei in Deutschland). Daher gilt Kleinstaat auch als Synonym zu Zwergstaat.[2] Die Bedeutung ist jedoch regional nicht einheitlich und unterliegt einem Wandel.

In der Schweiz gehört der Begriff des Kleinstaates zum nationalen Selbstverständnis. In diesem Zusammenhang wird er meist positiv mit äußerer Neutralität, Behaglichkeit, Übersichtlichkeit und einer bürgernahen, direkten Demokratie assoziiert.[3]

Der deutsche Staatsrechtslehrer Karl Heinrich Friauf stellte fest, dass im Verfassungsraum „wesentliche Entwicklungen gerade in kleineren Staaten ihren Anfang“ nehmen können.[4]

Ob ein Staat als Kleinstaat, Mittelstaat oder Großmacht anzusehen ist, kann nicht immer eindeutig entschieden werden. Das Ergebnis hängt häufig davon ab, mit welchen anderen Staaten er gerade verglichen wird. Im Völkerrecht spielt das aber auch keine wesentliche Rolle. Nach dem Prinzip der Staatengleichheit, wie es in der Charta der Vereinten Nationen[5] festgeschrieben ist, haben Kleinstaaten die gleichen Rechte wie ihre größeren Nachbarn.

Vor- und Nachteile von Kleinstaaten aus ökonomischer Sicht[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als ökonomischer Vorteil von Kleinstaaten gelte die flache Verwaltungsstruktur und gute lokale Koordination der öffentlichen Verwaltung. Außerdem wird oft betont, dass die Wirtschaft von Kleinstaaten nicht die gesamte Breite der Wirtschaftszweige abdecken könnten und sich diese daher spezialisieren müssten. Diese Spezialisierung soll zu einer hohen Integration in die Weltwirtschaft führen, was von einigen Ökonomen als Vorteil angesehen wird. Nachteilig sei, dass diese hohe Spezialisierung und Weltmarktabhängigkeit zu hoher Anfälligkeit durch weltwirtschaftliche Schocks führen könne.[6]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Geser: Kleinstaaten im internationalen System. In: Kölner Zeitschrift für Soziologie und Sozialpsychologie 44 (1992) 627–654

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl. Lexikon der Bundeszentrale für politische Bildung: Kleinstaat.
  2. Vgl. Duden – Deutsches Universalwörterbuch, 6., überarbeitete und erweiterte Auflage, 2006 – Begriff: „Zwergstaat“.
  3. Siehe z. B. Tages-Anzeiger vom 27. November 2007, Das neue Wohlbehagen im Kleinstaat.
  4. Der Staatshaushaltsplan im Spannungsfeld zwischen Parlament und Regierung, Band 1 (1968), S. 14.
  5. Siehe deutsche Fassung unter UNRIC.org – Art. 2 Ziff. 1 SVN.
  6. Hans-Heinrich Bass: Forschungsprojekt Ökonomische Kleinstaatenforschung, Forschungsbericht 2010/11, S. 23 bis 24