Kleinwalsertal

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Kleinwalsertal
Das Kleinwalsertal vom Gipfel des Widdersteins aus gesehen

Das Kleinwalsertal vom Gipfel des Widdersteins aus gesehen

Lage Vorarlberg, Österreich
Gebirge Allgäuer Alpen
Geographische Lage 47° 20′ 34″ N, 10° 10′ 3″ O47.34277810.16751215Koordinaten: 47° 20′ 34″ N, 10° 10′ 3″ O
Kleinwalsertal (Vorarlberg)
Kleinwalsertal
Höhe 1086 m bis 1215 m ü. A.
Gewässer Breitach

Das Kleinwalsertal (auch: Kleines Walsertal) ist ein Tal im österreichischen Bundesland Vorarlberg. Es umfasst die Gemeinde Mittelberg und ist Teil des Bezirks Bregenz. Aufgrund der geographischen Lage in den Allgäuer Alpen mit seiner alpinen Geländestruktur hat das Kleinwalsertal keine direkte Verkehrsverbindung zum übrigen Vorarlberger Land. Das Tal ist nur von der Nachbargemeinde Oberstdorf in Bayern aus auf einer Straße zu erreichen. Es handelt sich damit für Deutschland um eine sogenannte funktionale Enklave oder auch Pene-Enklave (vgl. auch Jungholz).

Der Name des Tals kommt von den Walsern, die im 13. Jahrhundert aus dem Wallis hierher zogen (siehe auch Großwalsertal).

Geografie[Bearbeiten]

Lage und Berglandschaft[Bearbeiten]

Das Kleinwalsertal ist ein hochgelegenes V-Tal (Kerbtal) in den Allgäuer Alpen und befindet sich im Osten von Vorarlberg. Die Breitach zieht sich durch das gesamte Tal und wird von einigen Seitenbächen gespeist, die aus den Seitentälern des Kleinwalsertals stammen.

Das Kleinwalsertal wird fast vollständig von hohen Bergen umschlossen. Diese gehören zu den Allgäuer Alpen, die ein Teil der nördlichen Ostalpen sind. Deren höchste Erhebung ist der Große Widderstein (2533 m). Von ihnen wird das Kleinwalsertal gegenüber dem übrigen Staatsgebiet Österreichs abgeschnitten. Eine Verkehrsverbindung besteht lediglich zum auf bayerischer Seite liegenden Oberstdorf (Enklave). Aus dieser geographischen Sonderstellung ergaben und ergeben sich eine Reihe von Besonderheiten, siehe Geschichte und Wirtschaft.

Weitere Berge sind der Hohe Ifen (2230 m), die Kanzelwand (2058 m), das Fellhorn (2038 m) und das Walmendinger Horn (1990 m).

Gliederung[Bearbeiten]

Das Kleinwalsertal umfasst die Gemeinde Mittelberg und die drei Orte Mittelberg, Hirschegg und Riezlern. Der amtliche Name dieser Gesamtgemeinde lautet Mittelberg nach dem zuerst besiedelten Ort. Auf einer Fläche von 96,82 Quadratkilometern leben 5034 Einwohner, das ergibt eine Bevölkerungsdichte von knapp 52 Einwohnern je Quadratkilometer (Stand: 30. Juni 2010).

Das Kleinwalsertal, auch Breitachtal, nach der Breitach, hat folgende Seitentäler und Bäche:

Seitental Seitenbach Länge des Baches in km Ortschaft
Turatal Turabach 3,1 Baad in Mittelberg
Derratal Derrabach 2,7 Baad in Mittelberg
Bärgunttal Bärguntbach 1,5 Baad in Mittelberg
Lüchlebach - Baad in Mittelberg
Gemsteltal Gemstelbach - Mittelberg
Wildental Wildenbach 1,9 Mittelberg
Zwerenbach 2,0 Riezlern
Schwarzwassertal Schwarzwasserbach 6,2 Hirschegg
Schmiedebach 2,3 Riezlern
Gatterbach Riezlern
Hörnlebach Riezlern
Buchenbach Riezlern

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kleinwalsertal wurde im Jahre 1270 von den Walsern besiedelt, einer Volksgruppe, die aus der Schweiz zuwanderte. Diese alemannische Herkunft unterscheidet die Bewohner sprachlich noch heute von den Bewohnern der umliegenden Gemeinden. Ihr Dialekt wird dem Höchstalemannischen zugeordnet, während man im Allgäu einen niederalemannischen Dialekt und im restlichen Vorarlberg einen hochalemannischen Dialekt (Vorarlbergerisch) spricht.

Steinzeitfunde[Bearbeiten]

Das Kleinwalsertal wurde schon in der Steinzeit bewohnt. Davon zeugen von Detlef Willand geführte Ausgrabungen am Gottesacker, bei denen unter anderem Schaber, Pfeilspitzen und Feuerstellen aus der Jungsteinzeit zu Tage kamen. Teile dieser Funde können in der Bergschau im Veranstaltungszentrum Walserhaus in Hirschegg besichtigt werden.

Am Widderstein und am Bärenkopf wurden zudem nach den umfangreichen Prospektionsarbeiten des Geoarchäologen Alexander Binsteiner Radiolaritabbaustellen entdeckt. Vermutlich wurde in diesen steinzeitlichen Bergwerken mit Hirschgeweihhacken oder faustgroßen Hämmern das wertvolle Gestein abgetragen. Es wird noch untersucht, inwieweit die Steine weit über die Grenzen des Kleinwalsertals gehandelt wurden.[1]

Mittelalter[Bearbeiten]

  • 1059: Die älteste urkundliche Erwähnung des Gebiets des Kleinwalsertals ist auf den 5. Februar 1059 datiert. Mit dieser Urkunde schenkte König Heinrich IV. dem Bischof Heinrich II. von Augsburg ein Gebiet, das an das heutige Kleinwalsertal grenzte. In dieser Urkunde wird auch zum ersten Mal der größte Bach, welcher durch das Tal fließt, mit seinem bis heute fast gleich gebliebenen Namen „praitahe“ (Breitach) und der höchste Berg des Tals mit „widerostein“ (Widderstein) erwähnt.
  • 1270–1300: Die ersten Bewohner des Kleinwalsertals kamen um etwa 1270 aus dem Oberwallis. Politische und wirtschaftliche Gründe veranlassten sie dazu, ihre Heimat zu verlassen. Fünf Walliser Familien unter der Führung von Hans Wüstner kamen damals über den Hochalppass in das noch unbewohnte Breitachtal. Das Tal gehörte zum Zeitpunkt der Einwanderung der ersten Walser dem Freiherrn von Rettenberg (Röthenberg). Den Walsern wurde die Rodung und Ansiedelung in dem zuvor nur zur Jagd benutzten Gebiet gestattet. Sie mussten lediglich einen Laib Käse pro Familie und Jahr an den Freiherrn abgeben. Erste urkundlich erwähnte Namen des Kleinwalsertals sind das Breitachtal, Mittelberg und das Tal zu den Wüstner. Anfangs bildete die Siedlung Mittelberg mit anderen Siedlungen, wie Lech, Zug, Warth und Krumbach die Kolonie Tannberg.
  • 1350/51: Nach dem Tod des letzten männlichen Erben der Rettenberg kam das Tal in den Besitz von Adelheit von Waldburg, welche das Breitachtal 1351 an die Gebrüder von Heimenhofen verkaufte.
  • 1451–1453: Die Walser nahmen Graf Ulrich von Werdenberg-Sargans und Hans von Rechberg, welche wegen einer unbekannten Streitigkeit auf den Tannberg kamen, gefangen und misshandelten sie. Herzog Sigmunds von Tirol Ersuchen um Entlassung der beiden wurde jedoch abgelehnt. Später wurde Ulrich von Werdenberg freigelassen, Hans von Rechberg blieb allerdings gefangen. Daraufhin befreite Herzog Sigmund Hans von Rechberg mit Waffengewalt und eroberte dabei die komplette Tannberger Kolonie. Die Tannberger verloren dabei all ihre Rechte, wie es aus einer Ergebungsurkunde vom 11. März 1453 hervorgeht. Die Tannberger und Mittelberger unterstanden nun dem Habsburger Herzog Sigmund und gehörten somit von diesem Tag an zu Österreich. Die Tannberger und Mittelberger wurden dem Gericht von Bregenz zugeteilt. Dieses für die Mittelberger Geschichte sehr bedeutende Ereignis führte auch zur ersten urkundlich auffindbaren Erwähnung über die Existenz der Walser im Kleinwalsertal.
  • 1460: Der bisherige Besitzer des Breitachtals, Jörg von Heimenhofen in Fischen, ließ sich nach langen Verhandlungen am 28. Oktober 1460 auf einen Vergleich ein. Darin verzichtete er auf Tannberg und Mittelberg mit all seinen Rechten und begab sich in den Dienst des Herzogs. Dafür erhielt er als Entschädigung 1000 rheinische Gulden in bar.
  • 1500: Die Walser erlangten wieder die Patronatsrechte, die zuvor der römisch-deutsche König und Erzherzog Maximilian ausübte. Damit hatten die Walser alle Rechte wieder erlangt, die sie 1453 verloren hatten.
  • 1563: Unter Kaiser Ferdinand I. (1521–1564; Enkel Maximilians I. und Bruder Karls V.) erhielten die Walser ihr eigenes Gericht am 1. April 1563. Die Mittelberger unterstanden somit nicht mehr dem Gericht Tannberg.

Nach 1800[Bearbeiten]

  • 1806: Infolge der napoleonischen Kriege erlosch das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, und durch den Pressburger Frieden wurde Vorarlberg, einschließlich Mittelberg, dem Königreich Bayern zugeschlagen. Von diesem Zeitpunkt an hatte Mittelberg unter einer enormen steuerlichen Abgabenlast zu leiden.
  • 1810: Das Mittelberger Gericht wurde abgeschafft. Neuer Gerichtssitz war das Landgericht Bezau im Bregenzerwald.
  • 1814: Am 7. Juli 1814 wurde Vorarlberg wieder in das Habsburger Kaisertum Österreich eingegliedert. Im Tal wurde dieser Staatenwechsel unter anderem mit einem Bergfeuer und brennenden Fässern, die unter allgemeinem Jubel der Bevölkerung von den Bergen gerollt wurden, gefeiert.
Mittelberg, um 1900
  • Durch die Konsolidierung des Königreiches Bayern und der k.u.k.-Monarchie Österreich-Ungarn sowie die Errichtung von Zollschranken wurde das Wirtschaftsleben der Walser sehr stark erschwert. Wegen fehlender Straßenverbindungen zum übrigen österreichischen Staatsgebiet wurde der Warenaustausch fast unmöglich gemacht. Die Hauptgeschäfte, mit landwirtschaftlichen Produkten wie Vieh, Käse und Butter gemacht, waren bis dahin nach Bayern ausgeführt und dort verzollt worden. Ab 1878 verschärfte Bayern seine bisherigen Zollbeschränkungen und untersagte den Walser Landwirten den Viehverkauf im benachbarten Allgäu, obgleich dies seit Jahrhunderten üblich gewesen war. Die Landwirte waren nun gezwungen, ihr Vieh über Berge und Pässe zu den Vorarlberger Märkten zu treiben. Da das Zurücktreiben des Viehs zu aufwändig und unwirtschaftlich war, verkauften die Landwirte ihre Tiere zu aktuell gebotenen Preisen, die auch sehr ungünstig sein konnten. Fast das gesamte 19. Jahrhundert kämpften die Walser Bürger für eine Sonderwirtschaftszone, und 1891 erreichten sie dieses Ziel. Die Gemeinde Mittelberg erhielt den lange ersehnten Status eines Zollausschlussgebiets.[2] Damit war der freie Warenverkehr mit Deutschland wieder für landwirtschaftliche Produkte und andere wichtige Handelsgüter möglich. Von da an ging es im Tal wirtschaftlich wieder aufwärts.
Mittelberg um 1965
  • 1894: Gründung des Spar- und Darlehenskassenverein Mittelberg
  • 1918/19: Nach dem Ersten Weltkrieg und der Auflösung des Vielvölkerreiches Österreich-Ungarn wurden auch die Bewohner des Tales zu Bürgern der neuen Republik Österreich (1918/19: Deutschösterreich).
  • 1930: Buslinie Oberstdorf–Mittelberg wurde in Betrieb genommen.
  • 1933: Eine Ausnahmeregelung, welche das Kleine Walsertal von der Tausend-Mark-Sperre des Deutschen Reiches befreite, führte zu wachsendem Fremdenverkehr.
  • 1938: Mit dem Anschluss Österreichs an das Deutsche Reich wurden auch die Vorarlberger und damit die Walsertalbewohner zu reichsdeutschen Bürgern. Das Kleinwalsertal wurde im Gegensatz zum restlichen Bundesland Vorarlberg, das Teil des Reichsgaus Tirol-Vorarlberg wurde, an den Gau Schwaben angeschlossen: Vom 15. Oktober 1938 bis zum 8./9. Mai bzw. 19. September 1945 gehörte die Gemeinde Mittelberg zum bayerischen Landkreis Sonthofen.[3]
  • 1940: Der Parsennschlepplift in Riezlern geht als erster Skilift des Tales in Betrieb.
  • Im mondänen Ifen-Hotel wurden prominente Häftlinge des NS-Regimes interniert.[4]
  • 1945: Am 1. Mai 1945 überschritten Soldaten der 2. marokkanischen Infanteriedivision die Landesgrenze und marschierten im Kleinwalsertal ein, das restliche Vorarlberg wurde durch die 4. marokkanische Infanteriedivision besetzt. Nach dem Zweiten Weltkrieg, der zur Kapitulation der Wehrmacht und der Wiedererrichtung der Republik Österreich führte, wurden auch die Vorarlberger und die Bürger des Kleinen Walsertals wieder zu österreichischen Staatsbürgern.
  • 1950: Fertigstellung des Heuberg-Sesselliftes in Hirschegg.
  • 1955: Die Kanzelwandbahn nimmt als erste Bergbahn ihren Betrieb auf.
  • 1966: Die Walmendingerhornbahn in Mittelberg nimmt den Betrieb auf.
  • 1972: Das Skigebiet Ifen-2000 wird fertiggestellt.

Wirtschaft[Bearbeiten]

Blick auf die Ortsmitte von Riezlern.

Das Tal ist heute Österreichs drittgrößtes Tourismusziel.[5] Der jahrhundertelang bedeutendste Wirtschaftszweig war die Landwirtschaft, die aktuell nur mehr eine marginale Bedeutung hat. Schon 1960 erreichte die Nächtigungszahl erstmals eine Million. Im Tourismusjahr 2001/02 gab es insgesamt 1.678.180 Übernachtungen bei einer Kapazität von 12.000 Betten.

Der Wander- und Ausflugstourismus – vor allem auch von Familien mit kleineren Kindern und Senioren – ist sehr ausgeprägt. Die Auswahl an einfachen Spazierwegen und mäßig schwierige Wanderpfade ist entsprechend breit und gut ausgeschildert. Mit dem eng getaktet fahrenden Walserbus, der den Kurtaxe zahlenden Touristen als Inhabern der Walsercard kostenlos zur Verfügung steht, ist die Mobilität im Tal ohne PKW gewährleistet.

Zur starken Ausprägung des Tourismus verhalf auch die gute Verkehrsanbindung nach Norden. So benötigt man für die Strecke Stuttgart-Kleinwalsertal nur etwa zweieinhalb Stunden.

Im Jahr 2003 gab es am Ort 243 Gewerbebetriebe mit 1.573 Beschäftigten und 144 Lehrlingen; lohnsteuerpflichtige Erwerbstätige waren 2.518 Personen.

Tourismus[Bearbeiten]

Hirschegg bei Nacht

Der Tourismus ist der wichtigste Wirtschaftsfaktor im Tal, wobei der Sommertourismus inzwischen etwa gleich ausgeprägt ist wie der im Winter.

So betrugen die Übernachtungszahlen im Winter 2008/09 802.538[6] gegenüber 770.800[7] in der Sommersaison 2008. Das Skifahren ist gewissermaßen das Standbein des Wintertourismus im Kleinwalsertal, daneben haben aber auch Skibergsteigen und einfache Winterwanderungen Bedeutung.

Im Sommer reisen die Gäste meist zum Wandern und Bergwandern an. An der Grenze zum benachbarten Gemeindegebiet von Oberstdorf gibt es zudem zwei sehr beliebte Klettersteige (Mindelheimer Klettersteig und Zwei Länder Klettersteig), die wegen des kürzeren Zustieges meist vom Kleinwalsertal aus besucht werden und somit für den dortigen Tourismus von Bedeutung sind.

Die Sportklettermöglichkeiten am Hohen Ifen und am Bärenköpfle zählen zu den besten der Alpen. Dennoch wird das damit verbundene Potential für einen sanften Tourismus im Gegensatz zum nahe gelegenen Tirol[8] nicht genutzt, da das Sportklettern aus jagdlichen Gründen stark eingeschränkt oder ganz verboten ist.[9] Diese Einschränkungen wurden besonders angesichts der umfangreichen Erschließungen der näheren Umgebung von Bergsteigerverbänden als unangebracht und fachlich nicht fundiert kritisiert. So schrieb die Zeitschrift Alpin, dass „[…] sich ein solches Sperrgebiet gut ins Gesamtkonzept des Kleinwalsertales einfügt: Harter und lauter Tourismus mit großem wirtschaftlichen Nutzen dort und eine Ruhezone hier, wo eben nichts zu holen ist“.[10] Von Seiten der Jagdaufsicht wird hingegen die Notwendigkeit einer Ruhezone für das Wild in dem ganzjährig stark touristisch genutzten Tal betont.

Wintersport[Bearbeiten]

Blick auf die Ortsmitte von Hirschegg

Der große Stellenwert des Tourismus schlägt sich auch in der Wintersportinfrastruktur nieder. Das Tal bietet Urlaubern die Möglichkeit, 30 Schlepplifte, 6 Sessellifte und 2 Kabinenbahnen zu benutzen. Die erste Bergbahn des Tales, die Kanzelwandbahn, wurde 1955 in Riezlern fertiggestellt. Die 1989 erneuerte Bahn (6ZUB) befördert Wintersportler auf 1957 m ü. A. Das Skigebiet „Kanzelwand/Fellhorn“ umfasst 13, zum Teil hochmoderne Anlagen:

  • drei 6er Sesselbahnen (6KSB)
  • zwei Gondelbahnen (PB)
  • eine 6er Kabinenbahn (6ZUB)
  • vier Schlepplifte
  • eine 4er Sesselbahn (4SB)
  • eine Doppelsesselbahn (2SB)
  • eine 8er Kabinenbahn (8EUB)

Das gesamte Skigebiet bietet über 25 präparierte Pistenkilometer. Zudem werden ein Funpark und ein Boarderpark angeboten.

Die im Jahre 1966 erbaute Walmendingerhornbahn in Mittelberg endet auf 1951 m ü. A. Sie befördert Wintersportler in das aus zwei Sesselliften (ein Zweisitzer und ein Viersitzer) bestehende Skigebiet. Das circa zehn Kilometer große Skigebiet richtet sich dabei eher an geübte Wintersportler.

Das Skigebiet Hoher Ifen umfasst zwei Sessellifte und einen Schlepplift ab der Mittelstation. Es liegt im Schwarzwassertal in der Nähe des Gottesackers und bietet 20 Pistenkilometer.

Weiters gibt es etliche kleine Liftbetriebe im Tal, die durch den Walser-Skigleitweg zum größten Teil miteinander verbunden sind. Somit stehen im Kleinwalsertal insgesamt über 56 präparierte Pistenkilometer zur Verfügung, zusammen mit den Pisten auf der deutschen Seite 76 km. Hinzu kommen 42 km Langlauf-Loipen zwischen 1050 und 1260 m ü. A. zur Verfügung sowie mehr als 50 km geräumte oder gespurte Winterwanderwege.

Blick auf Hirschegg, im Hintergrund Kanzelwand und Schüsser

Zollausschlussgebiet[Bearbeiten]

Seit 1891[11][2] ist das Kleinwalsertal Zollausschlussgebiet und somit deutsches Wirtschaftsgebiet (der Vertrag wurde nach dem 1. Weltkrieg wie auch 1945[12] zwischen den Republiken Österreich und Deutschland wiederhergestellt). Das ermöglichte der Walser Bevölkerung, zollfrei mit den benachbarten bayerischen Regionen zu handeln. Das erleichterte den Warenaustausch sehr, da damit zollfreier Handel nicht mehr nur zu Fuß über Berge und Pässe möglich war. Nach dem Beitritt Österreichs zur Europäischen Union 1995 verlor der Sonderstatus des Kleinwalsertals seine Bedeutung, da nun Österreich und Deutschland dem gleichen Wirtschaftsraum angehören.

Bis zum EU-Beitritt mussten Güter aus Österreich in Deutschland verzollt oder die Einfuhrumsatzsteuer bezahlt werden, während deutsche Güter abgabenfrei bezogen werden konnten. Die Steuern musste man bis zur Einführung des Euro an das österreichische Finanzamt in D-Mark bezahlen. Ferner galt bei der Post ein Sondertarif. Für Sendungen nach Österreich galten die Inlands-Porti der österreichischen Post, für Sendungen nach Deutschland die Inlands-Porti der bundesdeutschen Post. Alle Postämter führen zwei Stempel, einen mit österreichischer Postleitzahl und einen zweiten mit deutscher Postleitzahl. Eigentlich sollten die deutschen Postleitzahlen (D-87567 Riezlern, D-87568 Hirschegg, D-87569 Mittelberg) zum 31. Dezember 2006 abgeschafft werden, wurden jedoch nach Protesten beibehalten (die österreichischen sind A-6991, A-6992 respektive A-6993).[13][14] Die deutsche Telefonvorwahl 08329 hingegen wurde per 1. Juli 2003 stillgelegt, gültig ist nurmehr 0043/0-5517.[15]

Noch heute dürfen festgenommene deutsche Staatsangehörige von der Polizei nicht über Deutschland nach Vorarlberg zu Gericht gebracht, sondern müssen mit dem Polizeihubschrauber Libelle des Innenministeriums (BMI) ausgeflogen werden. Andere Nationalitäten können allerdings auf herkömmliche Weise mit dem Streifenwagen auf dem Landweg über Deutschland befördert werden.

Bei einer Lieferung ins Kleinwalsertal aus Deutschland oder aus der Europäischen Union ohne Österreich (gleichgültig ob deutsche oder österreichische Postleitzahlen verwendet werden) handelt es sich immer um eine innergemeinschaftliche Warenlieferung, somit ist sie von der Umsatzsteuer befreit, sofern ein Unternehmer an einen Unternehmer liefert. Als Bestätigung hierfür ist eine gültige UID-Nummer ausreichend.

Der gültige Satz für die volle Umsatzsteuer beträgt wie in Jungholz 19 % (restliches Österreich 20 %) und orientiert sich damit an dem in Deutschland gültigen Satz.

Verkehr und Infrastruktur[Bearbeiten]

Sicherheit[Bearbeiten]

„Notarzt Walsertal“ (BRK-ÖRK)

Seit Dezember 1995 hat das Kleinwalsertal eine eigene Rettungswache, die im Frühjahr 2011 vom Ortsteil Hirschegg nach Riezlern in eine neue Wache umzog. Die Walser Rettung besitzt einen Bereitschafts-RTW, um eine schnellstmögliche Versorgung zu gewährleisten. Der Rettungsdienst wird vom Bayerischen Roten Kreuz, Kreisverband Oberallgäu, betrieben. Grundlage für diese Zuständigkeit ist ein mit dem Österreichischen Roten Kreuz abgeschlossener Kooperationsvertrag.

Im Kleinwalsertal gibt es vier Allgemeinärzte, die auch als Notärzte fungieren. Kann kein Arzt alarmiert werden, da er z. B. schon bei einem anderen Einsatz ist, wird ein Notarzt aus dem benachbarten Oberstdorf angefordert. Jeder Ort hat eine eigene Freiwillige Feuerwehr, die alle dem Landesfeuerwehrverband Vorarlberg angehören. Die Gebietsstelle Kleinwalsertal des Österreichischen Bergrettungsdienstes gliedert sich in die zwei Ortsstellen Mittelberg-Hirschegg und Riezlern. Muss ein Hubschrauber angefordert werden, z. B. zur Bergung eines Schwerverletzten, wird grundsätzlich der Rettungshubschrauber Christophorus 8 aus Nenzing, der Gallus 1 der Firma Wucher aus Zürs oder der Polizeihubschrauber Libelle der österreichischen Flugpolizei von der Flugeinsatzstelle Hohenems alarmiert.

Weiters gibt es in Hirschegg mit der Polizeiinspektion Kleinwalsertal eine Dienststelle der österreichischen Bundespolizei, die der Landespolizeidirektion Vorarlberg unterstellt ist. Die Alarmierung aller Rettungsorganisationen und der Notärzte erfolgt über die Vorarlberger Rettungs- und Feuerwehrleitstelle in Feldkirch.

Nachdem es im Tal kurze Zeit keine Tankstelle gab, hat die Gemeinde Mittelberg eine Tankstelle gekauft, die Bürger sowie Touristen mit Treibstoff versorgen soll. Neben dieser neuen Tankstelle hat die Energieversorgung Kleinwalsertal (EVK) in Riezlern neben dem Stern-Areal eine Strom-Tankstelle für Elektroautos eröffnet.

Literatur[Bearbeiten]

  • Wilhelm Fritz: Kleinwalsertal einst und jetzt. Heimatkundliche Betrachtungen. Riezlern, 1981
  • Anton Amann, Detlef Willand: Das Buoch soll Krafft und Macht haben. Alpbücher im Kleinwalsertal 1541–1914 Walserdruck, Riezlern 2013.[16]

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Kleinwalsertal – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. Abriss der Oberstdorfer Geschichte. In: Oberstdorf-online.info. 31. Dezember 2012, abgerufen am 11. Februar 2014.
  2. a b Vertrag zwischen dem Deutschen Reich und Oesterreich-Ungarn, betreffend den Anschluß der österreichischen Gemeinde Mittelberg an das Zollsystem des Deutschen Reichs vom 2. Dezember 1890Vorlage:§§/Wartung/alt-URL. RGBl 1891, Nr. 11 (41,42) (Originaltext deutsch/ungarisch auf Wikisource).
  3.  Wilhelm Volkert (Hrsg.): Handbuch der bayerischen Ämter, Gemeinden und Gerichte 1799–1980. C.H.Beck’sche Verlagsbuchhandlung, München 1983, ISBN 3-406-09669-7, S. 571.
  4. Volker Koop: In Hitlers Hand. Sonder- und Ehrenhäftlinge der SS. Böhlau Verlag, Wien, 2010. ISBN 978-3-412-20580-5. Darunter waren der bekannte Diplomat André François-Poncet, Italiens Ex-Premier und Antifaschist Francesco Saverio Nitti, die Prinzessinnen von Savoyen-Aosta.
  5. http://www.kleinwalsertal.com/tal-walser/orte-umgebung.html
  6. Tourismus Winter 2008/2009. Amt der Vorarlberger Landesregierung, Landesstelle für Statistik, Juni 2010, abgerufen am 11. Februar 2014 (PDF; 435 KB).
  7. >Tourismus Sommer 2008. Amt der Vorarlberger Landesregierung, Landesstelle für Statistik, August 2009, abgerufen am 11. Februar 2014 (PDF; 458 KB).
  8. Tirolmarketing „projekt climbers paradise“
  9. Amtsblatt für das Land Vorarlberg, Jahrgang 52, Nr. 24 vom 14. Juni 1997
  10. W. Mayr: Das verlorene Paradies. in: Alpin 06/1998
  11. insb. Christoph Krebs: Der Anschluß der österreichischen Gemeinde Mittelberg an den Deutschen Zollverband. Staatswiss. Diss., Innsbruck 1969
  12. insb. etwa Renate Tuma: Das Problem der territorialen Integrität Österreichs 1945–1947: unter besonderer Berücksichtigung der Grenzziehung gegenüber Deutschland, der Tschechoslowakei und Ungarn. Dissertation, Universität Wien. erschienen als Universität Wien: Dissertationen der Universität Wien, Band 6, Verlag facultas.wuv/maudrich, 1995, ISBN 978-385114204-4, Kapitel Westallgäu und die Frage möglicher separatistischer Bestrebungen, S. 155 ff (Google eBook, vollständige Ansicht).
  13. Kampf um Postleitzahlen. Ein Tal will deutsch bleiben. In: n-tv.de. 18. April 2006, abgerufen am 11. Februar 2014.
  14. Post bestätigt Beibehaltung der PLZ. In: Kleinwalsertal.com - News. 8. Juli 2006, archiviert vom Original am 3. Januar 2013, abgerufen am 11. Februar 2014.
  15. Mitteilung über die Abschaltung der deutschen Vorwahlen zum 1. Juli 2003, bundesnetzagentur.de (nicht mehr verfügbar);
    Österreichische Gemeinde kämpft um deutsche Vorwahlnummer. Telekom will Vorwahlnummer 08329 zum 1. Juli abschalten. Von dpa / Marie-Anne Winter, teltarif.de › Meldungen › Festnetz › Vorwahl › "Streit", 29. Juni 2003.
  16. Vorstellung auf vorarlberger-walservereinigung.at