Klettgau

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Dieser Artikel beschreibt die Region Klettgau; zu anderen Bedeutungen siehe Klettgau (Begriffsklärung)
Blick vom Aussichtsturm Siblinger Randen über den Klettgau Richtung Westen. Im Vordergrund liegt Siblingen, dahinter Gächlingen und Hallau.
Ein Ammonit aus dem oberen Callovium des Klettgaus

Klettgau ist der Name einer Landschaft und Region in Süddeutschland in Baden-Württemberg im Landkreis Waldshut und in der Schweiz in den Kantonen Aargau, Schaffhausen und Zürich.

Geographie[Bearbeiten]

Der Klettgau ist das Gebiet zwischen Hochrhein im Süden, Randen im Nordosten sowie dem Hotzenwald und Schwarzwald im Nordwesten.

Gebiet in der Schweiz[Bearbeiten]

Kanton Schaffhausen

Im schweizerischen Teil des Klettgaus lagen bis 1999 die Bezirke Oberklettgau und Unterklettgau des Kantons Schaffhausen. Die folgenden Dörfer werden zum Klettgau gezählt: Beringen, Gächlingen, Guntmadingen, Hallau, Löhningen, Neunkirch, Oberhallau, Siblingen, Trasadingen, Wilchingen. Im Jahre 2005 wurden die Gemeinde Osterfingen und Wilchingen zur neuen Gemeinde Wilchingen fusioniert, auf Jahresbeginn 2013 hat Guntmadingen mit Beringen fusioniert und ist nun Ortsteil der Gemeinde Beringen. Schleitheim und Beggingen waren einst Teil der Landgrafschaft Stühlingen.

Kanton Zürich

Kleine Rheininseln gibt es bei Rüdlingen und bei Rietheim, Rheinau wird auch noch als (Kloster)-Insel bezeichnet. Das ehemalige Schloss Schwarzwasserstelz befand sich auf einer kleinen Felsinsel im Rhein. Bis zum Verkauf 1651 war das Rafzerfeld den Grafen von Sulz zu eigen, seither zählte es zum Zürichgau, heute zum Kanton Zürich.

Kanton Aargau

Bad Zurzach, Reckingen und Wislikofen waren von 1415 bis 1798 Teil der Grafschaft Baden, heute Kanton Aargau.

Gebiet in Deutschland[Bearbeiten]

Die gesamte südöstliche Fläche des Landkreises Waldshut, von Tiengen im Westen über die Gemeinden Lauchringen, Küssaberg, Hohentengen, Klettgau, Dettighofen und Lottstetten bis nach Jestetten im Osten, ist geographischer und physischer Teil des Klettgaus. Eine kleine Rheininsel liegt bei Ettikon. Die von Hohenlupfen und später die Fürsten von Fürstenberg mit Sitz auf dem Schloss Hohenlupfen und in der Stadt Stühlingen bildeten später eine eigene Landgrafschaft, die Landgrafschaft Stühlingen. Diese wurde aufgrund der Lage im Wutachtal später auch als Wuotenamt bezeichnet. (Weitere Infos im Abschnitt Geschichte von →Horheim)

Klima[Bearbeiten]

Durch den Regenschatten von Schwarzwald und Randen gilt der Klettgau als trocken. Es fallen nur rund 900 Millimeter Regen pro Jahr.

Grenze[Bearbeiten]

Auch nach dem Beitritt der Schweiz zum Schengener Abkommen wird die Staatsgrenze zwischen der Schweiz und Deutschland überwacht. Kontrolliert wird dabei der Warenverkehr zwischen dem Schweizer Zollgebiet und dem Zollgebiet der EU. Dies geschieht durch das Schweizer Grenzwachtkorps und die Deutsche Bundespolizei.

Für den Klettgau relevant sind die Zollübergänge Waldshut-Tiengen – Koblenz, Rheinheim – Bad Zurzach, Erzingen – Trasadingen, Jestetten – Neuhausen, Lottstetten – Rafz und Stühlingen – Schleitheim. Zur Geschichte der Grenze siehe →Grenzbefestigungen der Schweiz.

Der Klettgau von Rechberg nach Grießen (rechts), und in das Tal bei Bühl, im Hintergrund die Alpen

Geologie[Bearbeiten]

Bei Detzeln und Krenkingen am Randgebiet des Klettgau zum Schwarzwald ist das Grundgebirge, im Steinbruch bei Detzeln der Porphyr des Schwarzwalds erschlossen. Das Grundgebirge des Schwarzwalds entstand durch magmatische Aufwölbung, hauptsächlich im Karbon als Teil der Variszischen Orogenese. In Perm, Trias und Jura wurden Sedimentschichten aufgelagert, das sogenannte Deckgebirge. Durch die Aufwölbung im Eozän erfolgte die Gebirgsbildung von Vogesen und Schwarzwald. Der Rheingraben entstand erst danach durch Zerrung, die ein Absinken zur Folge hatte. Das Deckgebirge wurde durch die Hebung im Tertiär großteils abgetragen und die dadurch freiliegenden Gneise und Granite des Grundgebirges konnten zu einem großen Teil ebenfalls erodieren, etwa durch den Feldberggletscher. Durch die Krustenbewegungen entstand der Faltenjura. Das Molassemeer bildete den Molassetrog, der im voralpinen Bereich ebenfalls aufgeschoben wurde, so kamen die Zähne von Haifischen auf 560 m ü. NHN des Kätzlers bei Riedern am Sand. Seit der Hebung der Schwäbischen Alb im Burdigal entstanden auch die Alpen durch tektonische Aufschiebung. Diese waren im Miozän erst ein Mittelgebirge, sind also erdgeschichtlich eine sehr junge Bildung; die Hebung zu einem Gebirge dauert heute noch an.

Der Klettgau erstreckt sich westlich der Jura-Schichtstufen vom Randen und Klettgaujura bis zur Wutach und Steina. Die zutage tretenden Erdzeitformationen[1] sind hier vielfältig und kundige Sammler finden zahlreiche Fossilien. Der Klettgau ist geologisch das Bindeglied der Jurakette zwischen dem Schwäbischen Jura und dem Aargauer Jura als Teil des Schweizer Juras, der in den Französischen Jura übergeht.

Bis zum Ende der Riß-Eiszeit vor rund 200.000 Jahren floss der Ur-Rhein von Schaffhausen westlich durch den Klettgau (Klettgaumulde). Das frühere Flussbett wurde mit Alpenschotter aufgefüllt. Ein weiteres Relikt davon ist die „Klettgaurinne“, ein großes Grundwasservorkommen, ein Grundwasserleiter ähnlich dem des Oberrhein-Aquifer, aus dem unter anderem die Kommunen Klettgau, Wutöschingen, Lauchringen und Waldshut-Tiengen ihr Trinkwasser beziehen. Der Klettgau zählt nach dem Handbuch der naturräumlichen Gliederung Deutschlands zum Alb-Wutach-Gebiet welches dort vom Hochrheingebiet abgegrenzt wird. Das Hochhreintal ist von Schaffhausen bis Rheinheim auch Bestandteil des Klettgaus.

Siehe auch→ Naturpark Südschwarzwald

Mit dem Entstehen des Bodensees während der Würm-Kaltzeit durch den Rheingletscher als würmglazialer Zungenbeckensee oder Gletscherrandsee wurde der Rhein in weitem Bogen gegen Süden abgedrängt. Beim Übergang von den harten Malmkalken zur leicht abtragbaren risszeitlichen Schotterrinne entstand vor rund 14 000 bis 17 000 Jahren der Rheinfall.

Fossilien- und Saurierfunde[Bearbeiten]

Fossile Zahnfunde aus dem Oberen Miozän: Graupensande des Molassebeckens (Sandgrube Riedern)

Um 1700 erschien eine Druckschrift von Johann Muralt, in der er Versteinerungen vom Randen beschreibt: De quibusdam lapidibus figuratis Helvetiae; auf deutsch: Einige Steinfiguren in der Schweiz. Der Schweizer Geologe Peter Merian schreibt 1849 in den Verhandlungen der Basler Naturforschenden Gesellschaft, Band 8: Über eine marine Tertiärformation im Randen.

Die Schriftstellerin Elisabeth Walter beschreibt in ihrem 1930 erschienenen Kinderbuch, wie der kleine Schmiedledick Versteinerungen auf den Jurahöhen des Klettgaus findet. Heimatforscher waren und sind bis heute an der Geologie des Klettgaus interessiert. So etwa Ferdinand Hasenfratz, die Gebrüder Franz Joseph Würtenberger und Leopold Würtenberger, die Fachliteratur[2] schrieben und Albert Oppel erwähnen (S. 56), der 1863 bei Bechtersbohl Ammoniten fand und beschrieb, auch nennen sie den Fund eines gut erhaltenen Unterkiefers, eines Gyrodus umbilicus Agas. (S. 53; benannt von Louis Agassiz), eines Fisches des Malms sowie eines nicht genau bezeichneten Stücks eines Teleosauridae.

Der Arzt Intlekofer beschreibt auf seinen Botanischen Wanderungen die Geologie und erwähnt Fossilien aus Grimmelshofen, die beim Bahnbau gemacht wurden, und den vorgeblichen Fund eines Schädelfragments eines Nothosaurus, der sich im Naturhistorischen Museum in Basel befinden soll.[3] Zu nennen sind der Lehrer und Sammler Ferdinand Schalch, dessen Fossiliensammlung im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen ausgestellt ist, und der Sammler Franz Falkenstein.[4] Einige Skelettreste eines noch nicht näher bestimmten Tanystropheus fand man bei Bauarbeiten zwischen 1988 und 1990 im benachbarten Hotzenwald bei Waldhaus die Funde wurden von dem Paläontologen Rupert Wild geborgen und in das Naturkundemuseum Stuttgart verbracht.

Fossilien aus dem Klettgau finden sich außer in Privatsammlungen noch in der Fürstenbergischen Sammlung in Donaueschingen und im Rosgartenmuseum in Konstanz, im Paläontologischen Museum in Zürich, im Staatlichen Museum für Naturkunde Karlsruhe, in der Paläontologischen Sammlung der Universität Tübingen und im Naturmuseum Freiburg.

Schaukasten mit Fossilien im Paläontologischen Museum Zürich

Im Klettgau fand Bernhard Peyer einige Zähne von Morganucodon und Knochen des Gresslyosaurus (benannt nach dem Paläontologen Amanz Gressly), des Termatosaurus, von Megalosaurus und Plateosaurus. Ein vollständiges Exemplar aus dem oberen Trias, dem Rhaetium, entdeckte man im benachbarten Frickgau in der Tongrube bei Frick AG, wo 2006 zudem noch ein Raubsaurier der Art Coelophysidae gefunden wurde.[5]

Ernst Stitzenberger nennt Fossilien von Mastodon angustidens Mey. (heutige Bezeichnung: Gomphotherium) und Dinotherium giganteum vom Buchberg am Randen sowie Hippotherium gracile Kaup. (heute Equidae) aus Beggingen. [6]

In Beggingen entdeckte 1962 ein Schüler einen Wirbelknochen eines Ichthyosauriers aus dem Lias mit 12 cm Durchmesser. Die folgenden Grabungen ergaben ein Schwanzstück von ca. 1,20 m länge. Beim Bau der A98 fand man 1991 ein kleines Kieferstück mit drei Placoduszähnen.[7] Gefunden werden jedoch vor allem häufig vorkommende Fossilien, angefangen von Seelilien des Muschelkalks, Ammoniten, Muscheln, Schnecken und Brachiopoden des Jura, Belemniten aus dem Lias bis hin zu Haifischzähnen des Miozän.

Geschichte[Bearbeiten]

Vor- und Frühgeschichte[Bearbeiten]

Der Langenstein oder „Chindlistein“ beim Langensteinstadion

Bereits in der Steinzeit zogen durch den Klettgau die Jäger des Jungpaläolithikum, zahlreiche Steinwerkzeuge wurden gefunden (Funde in den Museen im Schloss Schönau in Bad Säckingen). Im angrenzenden Reiat besteht die berühmte Fundstelle Kesslerloch, und im benachbarten Hegau der Petersfels. Des Weiteren gibt es den Chindlistein von Tiengen, den Menhir von Degernau und den Dolmen von Degernau. Funde aus der Frühen Bronzezeit machte man unter anderem bei Kadelburg. Einmalig in der Grabarchitektur der Hügelgräber-Bronzezeit ist ein Befund aus Tiengen. Unter einem Grabhügel befand sich ein großer rechteckiger Steinbau in Trockenmauertechnik von 6,50 m Breite und mehr als 30 m Länge, dessen Mauern noch bis zu einer Höhe von 80 cm erhalten waren.[8] Darin die Bestattung eines Mannes mit Dolch und Bronzenadel. Nachbestattungen, darunter eines weiteren Mannes der mittleren Bronzezeit mit einem gut erhaltenen Bronzeschwert waren ebenfalls enthalten. Die Spuren der Siedlungen der Kelten fand man an vielen Orten. Heimatforscher wie Carl Frowin Mayer oder Emil Gersbach waren an der Erforschung interessiert. Wissenschaftliche Ausgrabungen wurden bereits 1926 und 1927 von Georg Kraft bei Altenburg durchgeführt. Bei Jestetten ist die Schanze und Oppidum auf Schwaben seit langer Zeit bekannt.

Zur Zeit des Römischen Reiches war das Gebiet nach den Alpenfeldzügen und den Eroberungen unter Cäsar und Germanicus bis zur Varusschlacht als Germania superior (Obergermanien) Römische Provinz. Danach zogen sich die Römer schrittweise zurück, zuerst noch durch den Limes geschützt, später über den Rhein (Römerlager Dangstetten), der wie heute eine natürliche Grenze bildet. Römische Siedlungsfunde finden sich unter anderem bei Schleitheim, Siblingen, Osterfingen, Beringen und Geißlingen. Durch den Klettgau verlief die Römerstraße vom Hochrhein zur Oberen Donau. Unterhalb der Küssaburg fand man die Fundamente eines Gallo–römischen Umgangstempels. Auch der Weinbau geht auf die Römer zurück.

Römische Ortschaften in der Donau- und Alpenregion

Den Römern folgte der alamannische Stamm der Lentienser, die den Klettgau sowie den Hegau und den Linzgau zwischen dem 3. und 4. Jahrhundert besiedelten.

Mittelalter[Bearbeiten]

Später wurde das Gebiet des Klettgaus von den Franken beherrscht. In den Jahren 481 bis 511 wurde Schwaben durch Chlodwig I. und dessen Sohn Chlothar I. beherrscht. Chlodwig hatte in der Schlacht bei Zülpich die Alemannen geschlagen, und es gehörte damit zum Fränkischen Reich (Austrien). Nach dem Zerfall des Frankenreichs wurde unter Karl dem Großen das Reich neu aufgeteilt. Um 781 wurde der Klettgau in zwei Gaue geteilt, von denen der westliche Teil den Namen Albgau erhielt.[9] Der Name ist erstmals urkundlich für das Jahr 792 belegt. Der Klettgau ist großteils katholisch, als Patronin gilt die Notburga von Bühl. Durch die Reformation bildete sich im Raum Schaffhausen und allgemein auf Schweizer Gebiet eine evangelische Mehrheit. Vertreten sind heute durch Zuwanderung alle Weltreligionen.

Hauptartikel: Landgrafschaft Klettgau im MittelalterHauptartikel: Herrschaft Schwarzenberg 1687–1806

Wirtschaft[Bearbeiten]

Industrie[Bearbeiten]

In Beringen und Schaffhausen sind bedeutende Industriebetriebe angesiedelt, so etwa die Georg Fischer AG. Wichtig für den Klettgau ist weiter die Aluminiumindustrie mit den Aluminumwerken Wutöschingen. Weitere größere Betriebe sind die Firma Sto bei Stühlingen-Weizen, die Bucher Hydraulics bei Grießen, Villiger Söhne Holding in Tiengen, die Firma GUTEX bei Gurtweil, die Lauffenmühle in Unterlauchringen und die Firma Günthart in Hohentengen. Auch in fast allen kleineren Orten haben sich Industriegebiete angesiedelt, die sich beständig vergrößern. Vielfältig sind die Handwerksbetriebe. Die Schweiz bietet mit den nahen Zentren Zürich, Winterthur und Basel vielen Grenzgängern Arbeit.

Bodenschätze[Bearbeiten]

An Bodenschätzen waren hier Bohnerz, Gips und Kalkstein einst von Bedeutung. Heute ist die Kiesgewinnung für die Region noch wichtig. Schotter für die Bauwirtschaft und den Gleisbau wird aus dem Porphyr bei Krenkingen gewonnen. Steinsalzlager wurden durch Verpressen von Wasser erschlossen (Kadelburg). In Bad Zurzach findet man Thermalwasser. An der Ripphalde bei Tiengen bestand 1761 eine „Schwebelquelle.“ Sie wurde später neu gefasst und Tugoquelle benannt, nach dem legendären Gründer von Tiengen. Sie hatte ein Schüttung von 6 l/s und lieferte 9 Grad Celsius warmes schwefelhaltiges Tafelwasser. 2001 wurde in Tiengen unweit des Schwimmbades eine Erkundungsbohrung auf Thermalwasser erfolgreich auf 600 m abgeteuft, man fand Wasser mit 24 Grad Celsius in 200 m Tiefe und in 500 Meter mit 24 Grad. [10]

Alte Tafelwasserflasche mit Bügelverschluss der ehemaligen Mineralwasserfabrik Tiengen

In der benachbarten ehemaligen Landgrafschaft Stühlingen, bei Fützen und vor allem in Schleitheim wurde einst der Stubensandstein aus dem Keuper bzw. Muschelkalk für verschiedene Anwendungen gebrochen (für Grabsteine, Gewände, Gesimse, Treppenstufen oder Ofengrundplatten). In Tiengen und Schleitheim wurde auch in großem Umfang Gips im Bergbau gewonnen. In Fützen besteht heute ein großer Kalksteinbruch zur Schottergewinnung, der bei Sammlern von Quarzkristallen bekannt ist (das Betreten ist wegen Steinschlaggefahr untersagt). In Eggingen und Wunderklingen bei Hallau und bei Eberfingen fand man neben Gips auch Alabaster, aus dem 23 Altäre im Salemer Münster von den Bildhauern Johann Georg Dirr und Johann Georg Wieland aus jetzt erschöpften Brüchen im Wutachtal geschaffen wurden.[11] Viele weitere Kunstwerke wie der Hauptaltar der Pfarrkirche in Stühlingen wurden aus diesem grazilen Material gefertigt.

Kalktuff für viele Bauwerke brach man bei Dillendorf. Quarzsande sind erschlossen in Riedern am Sand. Lehm- oder Tongruben waren bei vielen Orten angelegt, die letzte bestand zuletzt für die Ziegelei bei Erzingen.[12] Die Nagra führt zur Erforschung des Untergrundes im Südrandengebiet Erkundungsbohrungen durch, an drei grenznahen und drei weiteren Standorten in der Schweiz am Hochrhein wird untersucht, wo in den Schichten der Opalinuston-Formationen ein Endlager für radioaktive Abfälle eingerichtet werden kann. Opalinustone treten unter anderem am Randen bei Neunkirch an die Oberfläche und werden in kleinem Umfang gewonnen.

Salemer Münster: Blick ins Mittelschiff, mit den Altären aus Alabaster des Klettgaus

Landwirtschaft[Bearbeiten]

Magerwiese oberhalb von Siblingen mit Blick auf den Randen

Der Klettgau ist landwirtschaftlich geprägt und eine der Kornkammern der Schweiz. Die Weinbauregion hat Zentren in Klettgau, Erzingen, Rechberg sowie Lottstetten-Nack (D), Hohentengen (D), Wilchingen (CH), Hallau (CH), Trasadingen (CH) und Osterfingen (CH). Das Rebbaugebiet im eidgenössischen Klettgau ist das größte in der Ostschweiz und tritt als „Schaffhauser Blauburgunderland“ auf.

Wald- und Forstwirtschaft[Bearbeiten]

Der Wald ist nach wie vor bedeutend für den Raum Klettgau. Von den einstigen Sägewerken ist jedoch nur noch ein größeres in Betrieb. Der Klettgau ist einer der wenigen Landschaftsräume in Mitteleuropa, in dem sich nennenswerte Bestände der Flaumeiche befinden.[13]

Jagd- und Fischfang[Bearbeiten]

Die Jagdreviere werden zumeist verpachtet. Es gibt Schwarz- und Rotwild. An Wildtieren wird hier als Besonderheit in kleinem Maße auch Damwild bejagt. Als Rheinfisch war der Salm einst ein alltägliches Nahrungsmittel, vor allem im Kleinen Laufen bei Laufenburg wurde er einst gefangen. Man bemüht sich diesen Lachsfisch wieder heimisch zu machen. Heute fängt man vor allem Forellen, beliebt war und ist die Fliegenfischerei in der Wutach und als typische Rheinfische gelten Nase und Aal.

Natur- und Landschaftsschutzgebiete[Bearbeiten]

Im Klettgau gibt es einige wenige kleine Naturschutzgebiete, die seltene Pflanzen, Tiere oder Habitate schützen sollen, etwa den Pulsatilla-Standort Dangstetten oder die Naturschutzgebiete Nacker Mühle und Kadelburger Lauffen-Wutachmündung. Die bestehenden Naturparke wie der Naturpark Südschwarzwald und der neue Regionale Naturpark Schaffhausen bieten nicht den gleichen Schutz wie die Naturschutzgebiete oder die Landschaftsschutzgebiete, auch sind sie nicht flächendeckend für den gesamten Klettgau.

Erholung und Tourismus[Bearbeiten]

Touristische Hauptziele sind die Küssaburg oder der Hochrhein an seiner ganzen Strecke, es gibt einige Campingplätze. In Bad Zurzach gibt es ein Thermalbad.

Museen und Sehenswertes[Bearbeiten]

Hohentengen-Roetteln
Januarius Zick, Johannes tauft Christus im Jordan Barockkirche Schwerzen

Infrastruktur[Bearbeiten]

Tiengen: Autobahnbrücke der A98 über die Wutach beim Bürgerwaldtunnel, Tiengen-Ost

Verkehr[Bearbeiten]

Die E 54 führt als deutsche B 34 und als schweizerische Hauptstrasse 13 in Ost-West-Richtung von Schaffhausen nach Waldshut durch den Klettgau. Von Schaffhausen führt außerdem die Hauptstrasse 14 in Richtung Nordwesten durch den Klettgau.

Flug über den Südschwarzwald: unten der Klettgau und Zürichsee, im Hintergrund die Alpen
Flußkraftwerk bei Rekingen

Die A 98 ist etappenweise dreispurig bis zur B314 bei Oberlauchringen fertiggestellt. Von hier wird sie zunächst als Ortsumfahrung weitergebaut werden, eine Anbindung an die A 81 ist geplant. Vorerst wird sie bei Geißlingen enden.

Die Deutsche Bahn betreibt die Bahnlinie BaselSchaffhausenSingenFriedrichshafenUlm. Sämtliche Dörfer im schweizerischen Klettgau sind per Bahn oder Bus gut mit der Kantonshauptstadt Schaffhausen verbunden. Die Kreisstadt Waldshut-Tiengen liegt zentral im Mittelpunkt der Hochrheinbahn. Als Nachbar zum Kanton Zürich mit der Stadt Zürich und dem Flughafen Zürich ist der Klettgau an den Flugverkehr angebunden. Der Luftverkehr über dem Klettgau wurde durch ein Nachtflugverbot eingeschränkt, um vor Fluglärm zu schützen. Seit 2012 gibt es ein neues Abkommen zwischen der Schweiz und Deutschland zum Fluglärmstreit. Die Ausrichtung der Unterlandebahn bedingt einen Einflug über den Klettgau, Knotenpunkt ist nach Radar Traffic[14] zumeist der Raum Waldshut-Tiengen und die Gemeinde Wutöschingen-Schwerzen. Die Schweizer Umwohner des Flugplatzes werden jedoch noch mehr belastet durch die Startbahn. Moderne Flugzeuge wie der A380 sind inzwischen bedeutend leiser als ältere Modelle oder Propellermaschinen.

Der Rhein ist als Schifffahrtsstraße innerhalb des Klettgaus nicht von Bedeutung, aber sehr beliebt bei Freizeitkapitänen und Touristen und an den Staustufen der Wasserkraftwerke in Hohentengen mit einer Schleuse sowie Hebe- oder Zugvorrichtungen bei dem Kraftwerk Rheinau für kleinere Boote versehen. Personenfähren gibt es bei Waldshut, Kadelburg und Ellikon am Rhein. Ein Fußgängerübergang besteht auch bei dem Kraftwerk Reckingen.

Von großer Bedeutung sind die Rheinbrücken, etwa die Rheinbrücke Schaffhausen–Feuerthalen, und auch die Eisenbahnbrücken, zum Beispiel die Rheinbrücke Waldshut–Koblenz.

Behörden und Einrichtungen[Bearbeiten]

Das DRK hat eine zentrale Einsatzstelle für das Gebiet unteres Wutachtal im Industriegebiet Lauchringen. In Tiengen befindet sich eine Polizeidirektion. Für den Klettgau zuständig ist das Krankenhaus Waldshut, das Loreto-Krankenhaus in Stühlingen und das Kantonsspital Schaffhausen. Bedeutend für den Klettgau sind darüber hinaus das Universitätsspital Zürich und die Universitätsklinik Freiburg.

Bei Bergöschingen steht der weithin sichtbare und bei Sonntagsausflügen gern besuchte Sender Wannenberg.

Der Klettgau ist Teil der Raumordnungs- und Planungsregion Hochrhein-Bodensee.

Schulen[Bearbeiten]

Sprachen[Bearbeiten]

Die Klettgauer Mundarten bilden kein einheitliches Idiom, haben jedoch eine gemeinsame Grundstruktur. Sie zählen zu den alemannischen Dialekten.

Literatur[Bearbeiten]

  • Waldemar Lutz und Hansjörg Noe (Hrsg.): Kennzeichen WT Heimatkunde für den Landkreis Waldshut, Reinhard Caspers (Mithrsg.), 1989, ISBN 3-12-258330-5
  • Stadt Tiengen (Hochrhein): Der Klettgau, Franz Schmid (Hrsg.), 1971; (bis heute maßgebliche Monographie, mit Beiträgen von: Ruth Blum, Eugen Fürstos, Richard Gäng, Josef Hirt-Elmer, Josef Isele, Helmut Maurer, Ludwig Mayer, Emil Müller-Ettikon, Heinrich Münz, Helmut Naumann, Alois Nohl, Alfons Peter, Ernst Rüedi, Franz Schmid, Karl Schwarzenberg, Ignatz Stein, Heinz Voellner, Karl Friedrich-Wernet, Hans Jakob Wörner)
  • Gerd Biegel: Erlebte Geschichte Streifzüge durch die Ur- und Frühgeschichte um Ober- u. Hochrhein, 1985, ISBN 3-7930-0491-0
  • Johann Evangelist Schöttle: Zur Geschichte des Klettgaues, in: Diöcesanarchiv von Schwaben, 9. Jg. 1892 (in zahlreichen Fortsetzungen; Digitalisate der Uni Heidelberg)
  • Michael Borgolte: Die Grafen Alemanniens in merowingischer und karolingischer Zeit. Eine Prosopographie, Thorbecke, Sigmaringen 1986 (Archäologie und Geschichte. Freiburger Forschungen zum ersten Jahrtausend in Südwestdeutschland 2) ISBN 3-7995-7351-8
  • Michael Borgolte: Geschichte der Grafschaften Alemanniens in fränkischer Zeit, Thorbecke, Sigmaringen 1984 (Vorträge und Forschungen, Sonderband 31)
  • Ilse Fingerlin: Die Grafen von Sulz und ihr Begräbnis in Tiengen am Hochrhein, In: Forschungen und Berichte der Archäologie in Baden-Württemberg, Band 15, Landesdenkmalamt Baden-Württemberg (Hrsg.), 1992. ISBN 3-8062-1063-2
  • Hermann Riedel, Halt! Schweizer Grenze! Das Ende des 2. Weltkrieges im Südschwarzwald und am Hochrhein in dokumentarischen Berichten deutscher, französischer und Schweizer Beteiligter und Betroffener, Verlag des Südkurier, 1984, ISBN 3-87799-023-1
  • C. A. Bächtold (Hrsg.), Johann Jakob Rüeger, Chronik von Stadt und Landschaft Schaffhausen, 2 Bde., 1884–1892
  • Karl Schib, Geschichte der Stadt und Landschaft Schaffhausen, Meili, Schaffhausen, 1972
  • Albert Bächtold, D Sprooch isch de Spiegel vom ene Volk. Us siine Büecher, Schaffhausen 1988
  • Alexander Würtenberger, Alte Geschichten vom Oberrhein, 1881 u. 1929
  • Ulf Diederichs u. Christa Hinze (Hrsg.), Alemannische Sagen, 1984 u. 1998, ISBN 3-86047-924-5

Geologie[Bearbeiten]

Jahrbücher[Bearbeiten]

  • Landkreis Waldshut (Hrsg.): Heimat am Hochrhein (seit 1983, Vorgänger 1963 bis 1970, Doppelbände; 1975 und 1977 Monographien)
  • Geschichtsverein Hochrhein e.V. (Hrsg.): Land zwischen Hochrhein und Südschwarzwald. Beiträge zur Geschichte des Landkreises Waldshut
  • Naturforschende Gesellschaft Schaffhausen (Hrsg.): Mitteilungen der Naturforschenden Gesellschaft Schaffhausen
  • Historischer Verein des Kantons Schaffhausen (Hrsg.): Beiträge zur Geschichte

Weblinks[Bearbeiten]

 Commons: Klettgau – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
 Wikivoyage: Klettgau – Reiseführer

Einzelnachweise[Bearbeiten]

  1. http://www.stratigraphie.de/std2002/download/STD2002_large.pdf
  2. Der weisse Jura im Klettgau und angrenzenden Randengebirg erschienen in: Verhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins Karlsruhe, Band 2, 1866
  3. http://www.freidok.uni-freiburg.de/schriftenreihen_ebene2.php?sr_id=30&la=de Blatt 115 der Mitteilungen des Badischen Botanischen Vereins, 1894, S. 134
  4. Franz Falkenstein, Saurier beim Waldhaus - Über die ältesten Fossilien im Landkreis, in: Heimat am Hochrhein Band XVI., 1991, S. 70 ff.ISBN 3-87799-097-5
  5. Sauriermuseum Frick
  6. Ernst Stitzenberger, Übersicht über die Versteinerungen Badens, 1851, S. 105
  7. Franz Falkenstein: Die Placodushöhle bei Lauchringen In: Heimat am Hochrhein, Band XVII, 1992, S. 92 ff. ISBN 3-87799-103-3
  8. Gerd Biegel, Erlebte Geschichte Streifzüge durch die Ur- und Frühgeschichte um Ober- u. Hochrhein, 1985, S. 50
  9. Chronik Menzenschwand
  10. Michael Hunziker: Auf Thermalwasservorkommen gestossen, Artikel in der Aargauer Zeitung vom 17. Mai 2001
  11. Otto Stiehl in: Reallexikon zur deutschen Kunstgeschichte, Otto Schmitt (Hrsg.), S. 294
  12. Rudolf Metz: Geologische Landeskunde des Hotzenwaldes, 1980
  13. Zur Trockengrenze der Buche: Die Flaumeichenwälder der schwäbischen Alb und des Klettgau
  14. Flugverkehr im Raum ZürichRadar Traffic