Klingenberg (Sachsen)

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Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Gemeinde Klingenberg
Klingenberg (Sachsen)
Deutschlandkarte, Position der Gemeinde Klingenberg hervorgehoben
Koordinaten: 50° 54′ N, 13° 33′ O
Basisdaten
Bundesland: Sachsen
Landkreis: Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
Verwaltungs­gemeinschaft: Klingenberg
Höhe: 500 m ü. NHN
Fläche: 86,74 km2
Einwohner: 6843 (31. Dez. 2015)[1]
Bevölkerungsdichte: 79 Einwohner je km2
Postleitzahl: 01774
Vorwahlen: 035055, 035202, 035058, 037326
Kfz-Kennzeichen: PIR, DW, FTL, SEB
Gemeindeschlüssel: 14 6 28 205
Gemeindegliederung: 11 Ortsteile
Adresse der
Gemeindeverwaltung:
Schulweg 1
01774 Klingenberg
Webpräsenz: gemeinde-klingenberg.de
Bürgermeister: Torsten Schreckenbach (Bürger für Klingenberg)
Lage der Gemeinde Klingenberg im Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge
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Über dieses Bild

Klingenberg ist eine Gemeinde im sächsischen Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge. Sie entstand am 31. Dezember 2012 aus dem Zusammenschluss der Gemeinden Höckendorf und Pretzschendorf mit ihren Ortsteilen.

Geographie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Lage[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde befindet sich etwa 20 Kilometer südwestlich der Landeshauptstadt Dresden und 10 Kilometer westlich der Großen Kreisstadt Dippoldiswalde zwischen dem Tharandter Wald und dem Osterzgebirge. Im Zentrum des Gemeindegebietes liegt die Talsperre Klingenberg, die von der Wilden Weißeritz gespeist wird.

Gemeindegliederung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde Klingenberg besteht aus den folgenden elf Ortsteilen:

Verwaltungssitz der Gemeinde ist Höckendorf, in Pretzschendorf befindet sich ein Bürgerbüro. Im Süden der Flur Friedersdorf befindet sich die Wüstung Dittersdorf. Sie hatte Anteil an den Orten Hartmannsdorf und Kleinbobritzsch.[2]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte der Dörfer[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Rittergut Klingenberg, Herrenhaus

Die älteste Erwähnung eines Ortes in der Region datiert ins Jahr 1235, als ein Hoico de Hoikendorph als Besitzer des Herrensitzes des heutigen Ortes Höckendorf erwähnt wird.[3] Die Überlieferungen nennen die nächsten Orte erst etwa 100 Jahre später erstmals, so 1336 Röthenbach als Rotinbach[4], 1337 Preczindorf[5] und 1348/49 Colmnitz als Colbenitz[6]. Mit Ausnahme des erst 1540 gegründeten Paulshain[7] finden alle heutigen Klingenberger Ortsteile ihre Ersterwähnung im 14. Jahrhundert. Im Jahr 1350 wurden Ropotendorf (Ruppendorf)[8], Conradisdorf (Obercunnersdorf)[9] und Clingendorf (Klingenberg)[10] erstmals genannt. Im Jahre 1360 erfolgte die Ersterwähnung des Ortes Friederichsdorf, der heute Friedersdorf genannt wird.[11] Die Dörfer Berenwalde (Beerwalde) und Borloz (Borlas) fanden 1378 die urkundliche Erstnennung.[12][13]

Zusammenschluss[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste Überlegungen zum Gemeindezusammenschluss gab es, als Hartmannsdorf-Reichenau, Mitgliedsgemeinde in der Verwaltungsgemeinschaft Pretzschendorf, im Jahr 2010 die Absicht bekundete, in die Stadt Frauenstein zu wechseln und damit aus der Verwaltungsgemeinschaft auszuscheiden. Für Pretzschendorf musste daraufhin ein Partner gefunden werden, weil die Gemeinde allein nicht stark genug aufgestellt ist. Es kam zu Gesprächen mit der Nachbargemeinde Höckendorf, die positiv verliefen. Der Eingemeindungsvertrag wurde am 12. Juni 2012 vom Höckendorfer Gemeinderat beschlossen.[14] Am 20. Juni stimmte auch der Pretzschendorfer Gemeinderat für den Zusammenschluss.[15] Der Landkreis gab die Zustimmung Ende August.[16]

Die Neubildung der Gemeinde trat am 31. Dezember 2012 in Kraft. Das Höckendorfer Wappen wurde übernommen. Die Gemeinderäte beider Fusionsgemeinden wurden zunächst zu einem Gemeinderat vereinigt, der bis zur nächsten Kommunalwahl im Jahr 2014 bestehen bleibt. Die Bürgermeister der Gemeinden wurden durch einen Amtsverweser ersetzt, der bis zur Neuwahl des Bürgermeisters am 24. März 2013 die Amtsgeschäfte kommissarisch führte.[17] Die Verwaltungsgemeinschaft mit Hartmannsdorf-Reichenau wurde von der neuen Gemeinde übernommen.

Im Zuge der Fusion mussten auch doppelte Straßennamen geändert werden, für die neue Gemeinde gilt zusätzlich die einheitliche Postleitzahl 01774.[18][19]

Der Gemeindename stammt vom früheren Pretzschendorfer Ortsteil Klingenberg, weil dieser durch die Talsperre überregional bekannt ist und zudem durch das Gewerbegebiet und den Bahnhof Klingenberg-Colmnitz einen wichtigen Wirtschaftsstandort in der Gemeinde darstellt.[17]

Eingemeindungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nachfolgende Tabelle zeigt die Chronologie der Eingemeindungen in die Ursprungsgemeinden von Klingenberg.

Datum Ort Bemerkungen
1. März 1994 Beerwalde Eingemeindung nach Höckendorf
1. Januar 1994 Borlas Eingemeindung nach Höckendorf
1. Januar 1999 Colmnitz Zusammenschluss mit Pretzschendorf und Klingenberg zu Pretzschendorf
um 1900 Folge Eingemeindung nach Colmnitz
1. August 1973 Friedersdorf Eingemeindung nach Pretzschendorf
31. Dezember 2012 Höckendorf Neubildung von Klingenberg mit Pretzschendorf
1. Januar 1999 Klingenberg Zusammenschluss mit Pretzschendorf und Colmnitz zu Pretzschendorf
1. Januar 1991 Obercunnersdorf Eingemeindung nach Höckendorf
1. Juli 1950 Paulshain Eingemeindung nach Ruppendorf
31. Dezember 2012 Pretzschendorf Neubildung von Klingenberg mit Höckendorf
1. August 1973 Röthenbach Eingemeindung nach Pretzschendorf
1. März 1994 Ruppendorf Eingemeindung nach Höckendorf

Entwicklung der Einwohnerzahl[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Fusionstag hatte die neue Gemeinde 6906 Einwohner. Im Folgenden entwickelte sich die Einwohnerzahl wie folgt (Stichtag 31. Dezember):[20]

Jahr Einwohner
2012 6906
2013 6919
2014 6879

Politik[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderat[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gemeinderatswahl 2014[21]
Wahlbeteiligung: 59,2 %
 %
60
50
40
30
20
10
0
54,7 %
14,1 %
1,8 %
29,5 %

Der Gemeinderat Klingenbergs bestand in der Wahlperiode von 2009 bis 2014 aus 34 Mitgliedern, davon 16 aus dem ehemaligen Höckendorfer und 18 aus dem ehemaligen Pretzschendorfer Gemeinderat. Die CDU hatte 21 Sitze, die Wählervereinigungen Höckendorf und Klingenberg zusammen neun Sitze und die Linke vier Sitze.[22] Nach der letzten Kommunalwahl 2014 hat der Gemeinderat 18 Sitze.

Seit der Gemeinderatswahl am 25. Mai 2014 verteilen sich die 18 Sitze des Gemeinderates folgendermaßen auf die einzelnen Gruppierungen:

  • CDU: 11 Sitze
  • Bürger für Klingenberg (BfK): 5 Sitze
  • LINKE: 2 Sitze

Bürgermeister[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In seiner ersten Sitzung am 7. Januar 2013 beschloss der Klingenberger Gemeinderat, die Bürgermeisterwahl am 24. März 2013 durchzuführen. Daraufhin meldeten sich zwei Bewerber, der vormalige Höckendorfer Bürgermeister Thorsten Schreckenbach (Bürger für Klingenberg) und der Linken-Politiker Henry Backhaus. Bei der Wahl setzte sich Schreckenbach mit 89,46 % der gültigen Stimmen bei einer Wahlbeteiligung von 57 % durch.[23] Er ist damit der erste Bürgermeister der neuen Gemeinde und arbeitet hauptamtlich.

Wappen und Flagge[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Wappen der Gemeinde Klingenberg wurde von der Vorgängergemeinde Höckendorf übernommen. Blasonierung: „In Rot ein mit drei übereinander stehenden roten Lilien besetzter silberner Pfahl. –Oberwappen: Rot ausgeschlagener goldener Bügelhelm mit rot-silbernen Decken; Helmkleinod Busch von acht silbernen Hahnenfedern, von denen je vier nach rechts bzw. links ausgebogen sind; die zweite und siebente Hahnenfeder sowie gemeinsam die vierte und fünfte Hahnenfeder überdeckt von je einer roten Lilie.[24]

Die Gemeindeflagge Klingenbergs ist horizontal rot-silbern gestreift. Auf den Streifen ist das Gemeindewappen aufgelegt.

Verwaltungsgemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwischen der Gemeinde Hartmannsdorf-Reichenau und der Gemeinde Pretzschendorf wurde in dem Ende 1998 beschlossenen Gemeindegebietsreformgesetz Oberes Elbtal/Osterzgebirge die Bildung einer Verwaltungsgemeinschaft angeordnet. Zum 1. Januar 1999 wurde durch dieses Gesetz bereits die Auflösung des Verwaltungsverbands An der Talsperre Klingenberg und die Verschmelzung von Klingenberg, Colmnitz und Pretzschendorf zu Pretzschendorf angeordnet.[25] Die Verwaltungsgemeinschaft kam mit Wirkung zum 1. Januar 2000 als Verwaltungsgemeinschaft Pretzschendorf zustande. Pretzschendorf wurde damit erfüllende Gemeinde für Hartmannsdorf-Reichenau. Mit der Fusion von Pretzschendorf und Höckendorf zu Klingenberg übernahm die neue Gemeinde die Verwaltungsgemeinschaft und ist heute erfüllende Gemeinde für Hartmannsdorf-Reichenau. Der Klingenberger Bürgermeister Schreckenbach ist damit auch Vorsteher der Verwaltungsgemeinschaft.

In der Verwaltungsgemeinschaft, die nicht rechtsfähig ist, übernimmt Klingenberg einen Teil der Verwaltungsaufgaben für Hartmannsdorf-Reichenau, beispielsweise das Erstellen des Flächennutzungsplanes, und bekommt dafür von Hartmannsdorf-Reichenau eine Umlage gezahlt.

Wahlkreise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gemeinde gehört zum Bundestagswahlkreis Sächsische Schweiz – Osterzgebirge, der sich über den gesamten Landkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge erstreckt. Von 1990 bis 2002 gehörten die Vorgängergemeinden zum Bundestagswahlkreis Dresden-Land – Freital – Dippoldiswalde. Das Direktmandat wurde seit der Einrichtung der Wahlkreise 1990 durchgängig von der CDU gewonnen. Heute sitzt Klaus Brähmig für diesen Wahlkreis im Deutschen Bundestag.

Auf Landesebene gehört Klingenberg seit der Landtagswahl 2014 zum Wahlkreis Sächsische Schweiz-Osterzgebirge 2, der weitgehend das Gebiet des Altkreises Dippoldiswalde umfasst. Seit der Landtagswahl in Sachsen 1990 sitzt die Vizepräsidentin des Landtages, Andrea Dombois (CDU), für den Wahlkreis im Sächsischen Landtag. Bei der Landtagswahl 1990 gehörte die Region zum Wahlkreis Dippoldiswalde – Freital II, bei den Landtagswahlen 1994 und 1999 zum Wahlkreis Weißeritzkreis und danach 2004 und 2009 zum Wahlkreis Weißeritzkreis 2.

Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Johann Samuel Adami (* 21. Oktober 1638; † 13. März 1713), Theologe, Schriftsteller und Sprachforscher; starb in Pretzschendorf
  • Johann Samuel Göbel (* 23. August 1762; † 17. Oktober 1798), kursächsischer Finanzsekretär und Historiker; geboren in Ruppendorf
  • Ernst Kleber (* 29. Januar 1825; † 9. September 1884), Amtslandrichter und konservativer Politiker, MdL; lebte in Obercunnersdorf
  • Richard Guhr (* 30. September 1873; † 27. Oktober 1956), Maler und Bildhauer; starb in Höckendorf
  • Karl Gräfe (* 12. Januar 1878; † unbekannt), Pädagoge, Dichter und Komponist; in Borlas geboren
  • Horst Böhme (* 24. August 1909; † 10. April 1945), SS-Mitglied; geboren in Colmnitz
  • Helmut Bauer (* 31. März 1914; † 16. Januar 2008), Mediziner; geboren in Klingenberg
  • Gottfried Pohlan (* 12. Februar 1927; † 30. November 1989), Endurosportler; in Höckendorf geboren
  • Bruno Konrad (* 13. Dezember 1930; † 25. März 2007), Maler und Grafiker; starb in Höckendorf
  • Thomas Rosenlöcher (* 29. Juli 1947), Schriftsteller und Lyriker; lebt und schreibt in Beerwalde
  • Wolfgang Ullmann (* 18. August 1929; † 30. Juli 2004), Theologe und Politiker, MdB; 1954 bis 1963 Pfarrer in Colmnitz

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klingenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Aktuelle Einwohnerzahlen nach Gemeinden 2015 (Einwohnerzahlen auf Grundlage des Zensus 2011) (Hilfe dazu).
  2. Wüstung Dittersdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  3. Höckendorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  4. Röthenbach im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  5. Pretzschendorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  6. Colmnitz im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  7. Paulshain im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  8. Ruppendorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  9. Obercunnersdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  10. Klingenberg im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  11. Friedersdorf im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  12. Beerwalde im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  13. Borlas im Digitalen Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen
  14. Franz Herz: Gemeindefusion ist so gut wie perfekt. In: Sächsische Zeitung, 14. Juni 2012
  15. Franz Herz: Raubritter oder Flachsblüten. In: Sächsische Zeitung, 22. Juni 2012
  16. Regine Schlesinger: Landratsamt genehmigt das neue Klingenberg. In: Sächsische Zeitung, 30. August 2012
  17. a b Sonderamtsblatt der Gemeinde Pretzschendorf (PDF-Datei; 585 KB)
  18. Änderung von Straßennamen
  19. Neue Postleitzahl bestätigt. In: Sächsische Zeitung, 23. Oktober 2012
  20. Klingenberg im Regionalregister Sachsen
  21. Ergebnisse der Gemeinderatswahl 2014
  22. Gemeinderat
  23. Ergebnis der Bürgermeisterwahl 24. März 2013 – Gemeinde Klingenberg (PDF; 142 kB)
  24. Hauptsatzung vom 9. September 2015 (PDF; 686 kB)
  25. Gesetz zur Gemeindegebietsreform in der Planungsregion Oberes Elbtal/Osterzgebirge (Gemeindegebietsreformgesetz Oberes Elbtal/Osterzgebirge) (PDF; 40 kB)