Klinikum Bremen-Mitte

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Klinikum Bremen-Mitte
Trägerschaft Gesundheit Nord gGmbH
Ort Bremen
Bundesland Bremen
Staat Deutschland
Koordinaten 53° 4′ 30″ N, 8° 50′ 15″ OKoordinaten: 53° 4′ 30″ N, 8° 50′ 15″ O
Direktion Markus Funk, Daniela Wendorff
Betten 854 (2014) [1]
Mitarbeiter 1579 (2014) [2]
Jahresetat 188,87 Mio. € (Umsatz) (2011)
Gründung 1851
Website klinikum-bremen-mitte.de
Vorlage:Infobox_Krankenhaus/Logo_fehlt
Vorlage:Infobox_Krankenhaus/Ärzte_fehlt

Das Klinikum Bremen-Mitte ist ein Krankenhaus in Bremen. Es gehört wie drei weitere Kliniken (Bremen-Nord, Bremen-Ost und Links der Weser) dem Bremer Klinikverbund Gesundheit Nord gGmbH an.

Allgemeines[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In Deutschland gilt das Klinikum Bremen-Mitte als eines der größten Allgemeinkrankenhäuser und liegt im Stadtteil östliche Vorstadt, Ortsteil Hulsberg. Es standen insgesamt 966 Planbetten zur Verfügung. Die Klinik ist akademisches Lehrkrankenhaus der Georg-August-Universität Göttingen.

Das Klinikum Bremen-Mitte ist erreichbar mit den Straßenbahnen 2, 3 und 10 und den Buslinien 22 und 25 der Bremer Straßenbahn AG sowie den VBN-Regiobuslinien 730 und 740. Die nächstgelegenen Haltestellen sind St.-Jürgen-Straße, Am Hulsberg, Friedrich-Karl-Straße und Klinikum Bremen-Mitte.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Altes Klinikgebäude Ecke Bismarckstraße/St.-Jürgen-Straße
Altes Klinikgebäude an der St.-Jürgen-Straße, Nähe Friesenstraße
Heutiger Eingangsbereich St.-Jürgen-Straße, Ecke Feldstraße

Auf Beschluss der Bremischen Bürgerschaft erfolgte der Bau eines neuen Krankenhauses, weil das 1823 errichtete Krankenhaus an der Grossenstraße größeren Epidemien (1827 Wechselfieber, 1834 Cholera) nicht mehr gewachsen war.

Die Planung für das erste Gebäude erfolgte durch Baudirektor Alexander Schröder, der im März 1849 mit dem Arzt Daniel Eduard Meyer Krankenhäuser in Deutschland, Frankreich, Österreich und der Schweiz besichtigt hatte. Die Grundsteinlegung erfolgte am 24. Juli 1849, und am 7. August 1851 zogen die ersten Patienten ein. Der Name St. Jürgen-Krankenhaus wurde von dem mittelalterlichen St. Jürgen-Gasthof abgeleitet. Die Straße vor dem Krankenhaus hieß zunächst Krankenstraße, wurde aber 1865 in St. Jürgen-Straße umbenannt.[3] Das Hauptgebäude wurde anfangs „Großes Krankenhaus“, dann „Alte Innere Klinik“ später auch die alte HNO genannt und steht unter Denkmalschutz.[4] Sie beherbergt heute eine Cafeteria und ein integriertes Bildungszentrum.

1855 wurde Carl Anton Eduard Lorent (1809–1885) ärztlicher Direktor und 1864 Leiter der Krankenanstalt. Es folgte von 1868 bis 1896 als Klinikdirektor Jean Paul Friedrich Scholz.[5]

Mit dem Anstieg der Bevölkerungszahl in Bremen wuchs in den Folgejahren die städtische Krankenanstalt weiter. 1870 kamen eine Lazarettbaracke, eine Pathologie mit Kapelle und ein Luftkurhaus für Tbc-Kranke hinzu. Im Laufe der Zeit entstanden weitere Gebäude, zum Beispiel für Ausschlagkrankheiten und für die Geburtshilfe (bis zu 270 Betten), ein Absonderungshaus (Pockenhaus) mit 29 Betten sowie ein Wohnhaus für die Direktoren, ein Waschhaus und Stallungen.

1889/1890 wurde ein dreistöckiges, verklinkertes Hauptgebäude für die Chirurgie gebaut. Dieses Gebäude wurde in den Jahren 1907/1908 erweitert. Es wurde unter Denkmalschutz gestellt und beherbergt heute eine Augenklinik und die Urologie.[4]

Die Irrenanstalt mit 62 Betten wurde 1904 aufs Land nach Ellen (heutiges Klinikum Bremen-Ost) verlegt. In den vorhandenen Gebäuden wurden eine Frauen- und eine Augenklinik eingerichtet. 1927–1929 entstand das Medizinische Krankenhaus, später die „Neue Innere Klinik“ genannt. Auch dieses Gebäude steht unter Denkmalschutz.[4]

1920 erfolgte die Berufung von Otto Heß zum Direktor der Krankenanstalt Bremen, der bis 1938 diese Funktion wahrnahm. Der Kinderarzt Rudolf Hess erhielt 1928 die Position eines leitenden Arztes der Kinderabteilung an der Krankenanstalt. 1934 wurde Hess aus rassischen Gründen entlassen.

Von 1945 bis 1955 war Rudolf Hess erneut Leiter der Kinderklinik, die 1966 ihm zu Ehren den Namen Hess-Kinderklinik bekam.

In den 1980er Jahren geriet das Klinikum als Schwarzgeldklinik in die Schlagzeilen der Presse.[6] Verwaltungsdirektor Aribert Galla und einige Helfer hatten bei zahlreichen Geschäften in die eigene Tasche gewirtschaftet. Dieses Verhalten war angesichts einer Größenordnung von 1500 Betten und 200 Millionen Mark Jahresumsatz jahrelang nicht aufgefallen. Zudem waren Bestechungsgelder von Firmen gezahlt und überteuerte Anschaffungen getätigt worden. Der Schaden, der strafrechtliche Folgen hatte, belief sich bei einzelnen Personen auf mehrere hunderttausend Mark.

Rund 20 Jahre später kamen erneut Skandale an die Öffentlichkeit: Im Zusammenhang mit der Bildung einer Klinik-Holding „Gesundheit Nord“ war ein Schaden von mehreren Millionen Euro entstanden [7]. Zwei Geschäftsführer der Kliniken wurden rechtskräftig verurteilt.

Eine neue Kinderklinik entstand an der Friedrich-Karl Straße in den Jahren 2000 bis 2003. Im Jahre 2007 gab die Stadtgemeinde Bremen von dem etwa 19 ha großen Klinikgelände zunächst den südlichen Teil von 6 ha für andere Nutzungen frei.[8]

Im Herbst 2011 wurde bekannt, dass in der Neonatologischen Abteilung der Klinik Bakterien der Gattung Klebsiella mit einer gegen Antibiotika multiresistenten Eigenschaft (ESBL) die Gesundheit von Frühgeborenen gefährdeten. Drei Säuglinge waren an einer ungeklärten Ursache gestorben, zehn weitere waren erkrankt.[9] Ein Krisenteam des Robert-Koch-Instituts untersuchte daraufhin die Station, und das Klinikum verhängte einen Aufnahmestopp für die betroffene Neugeborenen-Intensivstation. Die Staatsanwaltschaft Bremen nahm die Ermittlungen auf. Nach kompletter Sanierung und Umbau der Station wurde diese am 29. Februar 2012 erneut geschlossen. Der Geschäftsführer des Klinikums sowie der Hygienebeauftragte wurden von ihren Aufgaben entbunden. Bereits wenige Wochen nach Neueröffnung waren mehrere Säuglinge auf der Neugeborenen-Intensivstation mit den gleichen multiresistenten Erregern infiziert gewesen und zwei weitere Säuglinge an Infektionen verstorben.[10]

Heutige Situation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf dem Gelände des Klinikums befindet sich ein Institut für Chinesische Medizin, wo Patienten seit 1999 von einem deutsch-chinesisches Ärzteteam nach den Grundsätzen der traditionellen chinesischen Medizin (TCM) behandelt werden.[11]

2010 wurde ein Zertifizierungsverfahren gemäß der Kooperation für Transparenz und Qualität im Gesundheitswesen (KTQ) abgeschlossen. Im April desselben Jahren begann auf dem Gelände des Klinikums ein teilweiser Neubau zunächst mit der Krankenhausapotheke.[12]

Ein umfangreiches Neubauvorhaben soll zahlreiche übergangsweise errichtete Gebäude ersetzen und die Wege zwischen den verschiedenen Abteilungen verkürzen. Die Fertigstellung der neuen Klinikgebäude sollte im Jahre 2015 abgeschlossen sein. Die Kosten wurden auf insgesamt rund 230 Millionen Euro geschätzt. Die Finanzierung erfolgt teilweise durch Grundstücksverkäufe, [13][14] Dabei wird sich die Größe des ursprünglichen Krankenhausgeländes zwischen Am Schwarzen Meer, St.-Jürgen-Straße, Bismarckstraße und Friedrich-Karl-Straße von 19,4 ha auf etwa 5,5 ha verringern.[8]

Abteilungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Augenklinik
  • Allgemeine, Viscerale und Onkologische Chirurgie
  • Abdominalzentrum
  • Gefäßchirurgie
  • Anästhesiologie und spezielle Schmerztherapie
  • Intensivmedizin und Notfallmedizin
  • Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie, plastische Operationen und Spezielle Schmerztherapie
  • Neurochirurgie
  • Schlaganfallstation (Stroke Unit)
  • Hals-Nasen-Ohrenklinik, plastische Operationen
  • Plastische, Rekonstruktive und Ästhetische Chirurgie
  • Unfall-, Wiederherstellungs- und orthopädische Chirurgie
  • Zentral-OP
  • Interdisziplinäres Notfall-Kompetenz-Zentrum
  • Frauenklinik
  • Brustzentrum
  • Hautklinik
  • Medizinische Klinik I
  • Medizinische Klinik II
  • Medizinische Klinik III
  • Professor-Hess-Kinderklinik
  • Klinik für Kinderchirurgie und Kinderurologie
  • Neonatologie und Pädiatrische Intensivmedizin
  • ECMO
  • Sozialpädiatrisches Institut (Kinderzentrum)
  • Radiologische Diagnostik und Nuklearmedizin
  • Kompetenzzentrum Knochenerkrankungen
  • Strahlentherapie
  • Neuroradiologie
  • Urologische Klinik Transplantationszentrum

Institute[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Allgemeine Hygiene, Krankenhaus- und Umwelthygiene
  • Bremer Zentrum für Laboratoriumsmedizin GmbH
  • Klinische Pharmakologie
  • Zentrum für Pathologie
  • Rechts- und Verkehrsmedizin
  • Zentralapotheke
  • Klinische Neuropathologie

Leistungsdaten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Betten: 854 (2014)
  • Stationäre Patienten: 39.152 (2014) [15]
  • Vollbeschäftigte: 1579 (2014)
  • Auslastung: 80,6 % (2011)
  • Durchschnittliche Verweildauer: 5,4 Tage (2011)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Gerald Sammet: Georgs Spital. Eine Geschichte des Zentralkrankenhauses Sankt-Jürgen-Straße. Temmen, Bremen 2001, ISBN 3-86108-668-9.
  • Gerd Dammann: Vom Hospital zum Gesundheitszentrum. 1851 – 2001. Eine Chronik über mehr als 150 Jahre. Zentralkrankenhaus Sankt-Jürgen-Straße, Bremen 2001.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klinikum Bremen-Mitte – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Weser-Kurier vom 12. Februar 2014, S. 9
  2. Weser-Kurier vom 12. Februar 2014, S. 9
  3. Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon. Edition Temmen, 2003, ISBN 3-86108-693-X, Band A–K, S. 498–499
  4. a b c Denkmaldatenbank des LfD
  5. Herbert Schwarzwälder: Das Große Bremen-Lexikon; Edition Temmen, Bremen 2003, ISBN 3-86108-693-X
  6. Die Schwarzgeldklinik. In: Der Spiegel. Nr. 39, 1988 (online).
  7. Klinikchef Tissen gesteht alles
  8. a b http://www.bauleitplan.bremen.de/begr/begr_02450.pdf?submit=Begr%C3%BCndung
  9. http://www.radiobremen.de/nachrichten/gesellschaft/gesellschaftklinikumsaeugling100.html
  10. http://www.ndr.de/regional/niedersachsen/oldenburg/fruehchen143.html (Memento vom 2. März 2012 im Internet Archive)
  11. Webseite des Instituts für Chinesische Medizin
  12. http://www.senatspressestelle.bremen.de/detail.php?id=31050 Pressemitteilung des Bremer Senats vom 27. April 2010
  13. http://www.klinikneubau-bremen-mitte.de/internet/neubau/de Neubau Klinikum Bremen-Mitte
  14. http://www.klinikneubau-bremen-mitte.de/internet/presse/de/Mai_2010/Das_neue_Klinikum_wird_sichtbar.jsp?siteName=neubau 4. Mai 2010: Das neue Klinikum wird sichtbar
  15. Weser-Kurier vom 12. Februar 2014, S. 9