Kloster Altomünster

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Altomünster, Kloster St. Alto und St. Birgitta
Klosterkirche St. Alto und St. Birgitta (Westseite)

Kloster Altomünster war das einzige Kloster des alten Zweiges des Erlöserordens (Birgittinnen) in Deutschland. Es befindet sich in Altomünster in Bayern in der Diözese München und Freising und ist heute vor allem bekannt durch seine Klosterkirche Sankt Alto und Sankt Birgitta des Baumeisters Johann Michael Fischer.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kloster geht auf eine Eremitenzelle des hl. Alto vor 760 zurück. Aus der Einsiedelei erwuchs zu einem nicht genau bekannten Zeitpunkt ein den hll. Peter und Paul geweihtes Benediktinerkloster, das um 970 von den Welfen erneuert wurde. 1056 übernahmen Benediktinerinnen aus dem schwäbischen Altdorf (Weingarten) den Konvent. 1496–1497 bezog der von der hl. Birgitta von Schweden (1303–1373) begründete Erlöserorden das Kloster, das zwischen 1488 und 1496 nochmals erweitert worden war und unterhielt darin bis 1803 ein Doppelkloster mit der nun den hll. Alto und Birgitta geweihten Klosterkirche. 1803 wurde das Kloster Altomünster im Zuge der Säkularisation aufgelassen, jedoch 1842 als Nonnenkloster des Birgittenordens wiedererrichtet.

Johann Michael Fischer begann 1763 mit dem Neubau der bis dahin romanischen Klosterkirche im Stil des späten Rokoko. Er nutzte die Hanglage der Kirche aus, um die baulichen Vorgaben des Erlöserordens geschickt umzusetzen. So entstand ein Zentralbau für die Pfarrgemeinde sowie ein langer, schmaler und hoher Chor mit vier verschiedenen Raumzonen für Nonnen, Mönche, Diözesanpriester und die Ordenspriester anderer Ordensgemeinschaften. Johann Baptist Straub schuf die Altäre und Skulpturen, Joseph Mages die Fresken. Das letzte Großprojekt Fischers (gestorben 1766 in München) wurde von Balthasar Trischberger fertiggestellt.

Noch während des Zweiten Weltkriegs lebten im Kloster 59 Nonnen, nach dem Krieg nahm die Zahl der Nonnen jedoch schnell sehr stark ab. Der kleine Konvent führte zuletzt ein Gästehaus der Erzdiözese München und Freising.

Seit 1997 befindet sich neben dem Kloster das Museum Altomünster mit einer Dauerausstellung zur Geschichte des Erlöserordens und des Klosters.

Im Dezember 2015 wurde bekannt, dass das Birgittinnenkloster, in dem zuletzt nur noch die frühere Priorin Sr. Apollonia Buchinger lebte,[1] aufgelöst werden solle.[2] Die Kongregation für die Institute geweihten Lebens beauftragte die Franziskanerin Gabriele Konrad aus dem Kloster Schönbrunn als apostolische Kommissarin mit der Schließung des Klosters.[3][4] Nach der Erstellung eines Inventurberichts[5] wurde am 17. Januar 2017 die Auflösung des Klosters vollzogen, Rechtsnachfolger des Birgittenordens wird die Erzdiözese.[6][7]

Architektur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Kirche liegt auf einer Anhöhe. Man betritt sie durch ein Tor unter dem Turm. Von einem Vorraum aus gehen links und rechts Seitenkapellen ab (links Ölbergszene, Kriegerdenkmal, mit Resten des Karners und Epitaphien; rechts Lourdesgrotte mit Brunnen der Altoquelle). Über Stufen gelangt man geradeaus in den achteckigen Hauptraum. Der Hauptraum ist mit Stuck aus dem Rokoko ausgestattet, dem Deckenfresko von Joseph Mages (mit Dreifaltigkeitsdarstellung in der Mitte), und den beiden Seitenaltären von Johann B. Straub (links der hl. Augustinus, rechts der hl. Alto). Die Orgel, über dem Eingang, wurde unter Verwendung der erhaltenen alten Register 1986 neu gebaut.

Zwischen dem Hauptraum und dem Chor ist der Beichtraum, in dem sich die Beichtstühle befinden. In diese konnten die Mönche von außen gelangen, ohne die Klausur zu verlassen. Im ersten Stock befindet sich ein Umgang und der nicht zugängliche Nonnenchor. Der Hauptaltar ist nochmals höher gelegen und darüber ein zweiter abermals erhöhter Hochaltar. Hinter dem Hochaltar befindet sich der frühere Mönchschor, der nicht allgemein zugänglich ist.

Bibliothek und Archiv[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zur Zeit der Säkularisation umfasste die Klosterbibliothek 3.400 Bände. Über 60 Handschriften und knapp 1.200 Inkunabeln daraus kamen in den Besitz der Kurfürstlichen Hofbibliothek, der heutigen Bayerischen Staatsbibliothek in München, die damals für weniger bedeutend gehaltenen Werke in den Besitz der heutigen Universitätsbibliothek der LMU München. 200 Bände der Klosterbibliothek wurden an verschiedene bayerische Lateinschulen verteilt.[8] Das Archiv des dann 1841 wieder errichteten Konvents besaß jedoch eine Anzahl liturgischer Handschriften, darunter ca. 30 Prozessionalien, aus dem 15. Jahrhundert. 2015 fanden sich hier zahlreiche illuminierte Handschriften aus anderen Birgittenklöstern, die längst aufgelöst sind und ihre Nachlässe nach Altomünster verfügten. Derzeit (2016) wird das Archiv gesichtet und Archiv- und Bibliotheksbestände getrennt.[9][10] Nach der Auflösung des Klosters im Januar 2017 sollen in Absprache mit der Bayerischen Staatsbibliothek bis 2018 alle Werke der Klosterbibliothek bis zum Erscheinungsjahr 1803 digitalisiert und online zugänglich gemacht werden.[6]

Altoquelle[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der heilige Alto erweckt die Altoquelle. Deckenfresko-Ausschnitt von Joseph Magges um 1770

Die „echte“ Altoquelle entspringt unter dem rechten Seitenaltar der Klosterkirche und speist auch im Winter u.a. den Brunnen in der Kirche, den Brunnen im Altohof und den Marktbrunnen am Marktplatz.

Bildergalerie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Wolf Bachbauer: Altomünster. Pfarr- und Klosterkirche St. Alto und St. Birgitta. 2006, Kunstverlag Josef Fink, 32 S., ISBN 3-89870-280-4.
  • Wilhelm Liebhart: Altbayerisches Klosterleben. Das Birgittenkloster Altomünster 1496–1841. St. Ottilien 1987.
  • Wilhelm Liebhart: Der heilige Alto und die Anfänge Altomünsters. In: Wilhelm Liebhart (Hrsg.): Altomünster: Kloster, Markt und Gemeinde. 1023 S., Altomünster 1999, S. 63–78, ISBN 3-00-005192-9.
  • Wilhelm Liebhart: Das Kloster des hl. Benedikt. In: Wilhelm Liebhart (Hrsg.): Altomünster: Kloster, Markt und Gemeinde. Altomünster 1999, S. 79–108.
  • Wilhelm Liebhart: Das Birgittenkloster. In: Wilhelm Liebhart (Hrsg.): Altomünster: Kloster, Markt und Gemeinde. Altomünster 1999, S. 109–144.
  • Georg Paula: Die Kloster- und Pfarrkirche Altomünster. In: Wilhelm Liebhart (Hrsg.): Altomünster: Kloster, Markt und Gemeinde. Altomünster 1999, S. 423–470.
  • Josef Buehl, Sebastian Dachauer und Heinrich Föringer: Regesten ungedruckter Urkunden zur bayerischen Orts-, Familien- und Landes-Geschichte. Band 17: Urkunden des Klosters Altomünster in Oberbayern aus der Zeit des Besitzes des Ordens des hl. Benedikt. München 1850 (online).
  • Thomas Führer: P. Matthäus Ludwig, letzter Prior des Klosters der Birgittiner in Altomünster. In: Amperland, 1969, S. 19-21.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Apollonia zur neuen Priorin gewählt. In: Münchner Merkur vom 22. November 2013
  2. Viktoria Großmann: Vatikan löst Birgittenkloster auf, Süddeutsche Zeitung, 3. Dezember 2015
  3. Dominik Göttler: Nach 519 Jahren: Kloster Altomünster wird aufgelöst, Münchner Merkur, 18. März 2016
  4. Wolfgang Eitler: Kloster soll bis Jahresende aufgelöst werden, Süddeutsche Zeitung, 12. Juli 2016
  5. Wolfgang Eitler: Ein Sanierungsfall, Süddeutsche Zeitung, 13. August 2016
  6. a b Nach Auflösung durch Vatikan: Kloster Altomünster bleibt in Kirchenhand, Münchner Merkur, 19. Januar 2017
  7. Bekanntmachung des Bayerischen Staatsministeriums für Bildung und Kultus, Wissenschaft und Kunst vom 2. Februar 2017 (KWMBl. Nr. 3/2017)
  8. Altomünster, Birgittenkloster im Marburger Repertorium zur Übersetzungsliteratur im deutschen Frühhumanismus (MRFH), abgerufen am 26. August 2016
  9. Rudolf Neumaier: Forschungskrimi: Der Bücherschatz in der Einkaufstüte, Süddeutsche Zeitung, 24. August 2016, S. 9, abgerufen am 26. August 2016; vgl. auch Wird die Kirche auch den Handschriftenschatz von Altomünster verscherbeln lassen?, Beitrag von Klaus Graf auf Archivalia vom 25. August 2016, abgerufen am 26. August 2016; https://www.academia.edu/30699012/Newly_Discovered_Birgittine_Manuscripts_at_Risk._The_Library_of_the_Monastery_at_Altom%C3%BCnster_Germany
  10. David Rising auf Associated Press, http://bigstory.ap.org/article/81cd01800c3f49bab3f959ffe4171863, 26. Dezember 2016

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Altomünster – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 48° 23′ 19″ N, 11° 15′ 23″ O