Kloster Diesdorf

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Blick auf die ehemalige Stiftskirche von Südosten, links das „Alte Amtshaus“
Blick von Südosten, Detail

Das Kloster Diesdorf, ursprünglich Kloster Marienwerder, war ein Stift der Augustiner-Chorherren im Ort Diesdorf im Nordwesten Sachsen-Anhalts. Die Stiftskirche St. Maria und Crucis (Maria und dem Kreuz geweiht) ist heute die Pfarrkirche der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde Diesdorf im Kirchenkreis Salzwedel der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland. Sie wird der Backsteinromanik zugerechnet und liegt an der Straße der Romanik.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Stift wurde 1161 durch den Grafen Hermann von Lüchow auf einer Talsandinsel (Marienwerder) neben dem Ort Diesdorf gegründet. In diesem Jahr wurde auch die Kirche von Bischof Hermann von Verden geweiht. Der Konvent bestand möglicherweise aus Augustiner-Chorherren, es gibt allerdings keine schriftlichen Hinweise darauf. Anfangs gehörten acht slawische Dörfer zum Kloster. Spätestens am Ende des 13. Jahrhunderts lebten Augustiner-Chorfrauen hier. Am Ende des Mittelalters gehörten 46 Dörfer zum Stift.[1]

Spätestens 1541 wurde die Reformation eingeführt, 1551 wurde es in ein evangelisches Damenstift umgewandelt. Die Kirche wurde Pfarrkirche der evangelischen Gemeinde. Der Besitz wurde ein Domänenamt der Mark Brandenburg. 1810 wurde das Stift im damaligen Königreich Westphalen aufgelöst.

Konvent[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Insgesamt sind 339 Chorfrauen namentlich bekannt. Sie kamen aus den adligen und bürgerlichen Familien der westlichen Altmark und des Raumes Braunschweig und Lüneburg. Im 15. Jahrhundert lebten zwischen 50 und 70 Chorfrauen im Stift.

Nach 1551 lebten jeweils eine Domina, sieben adlige und sechs bürgerliche Damen hier.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Stiftkirche wurde ab 1182 bis 1230 von Jerichower Baumeistern im spätromanischen Stil aus Backstein errichtet, etwa zeitgleich mit der Klosterkirche Arendsee. Sie war die erste gewölbte Kirche der Altmark im voll ausgebildeten gebundenen System. 1332 wurde die Heilig-Grab-Kapelle im nördlichen Seitenschiff erstmals erwähnt.

Bis 1827 stand ein Dachreiter über dem Chor. Die Orgel wurde zwischen 1863 und 1872 mit einem neugotischen Orgelprospekt gebaut. Gleichzeitig wurde auch eine neuromanische Kanzel eingebaut; schließlich wurde 1872 der Westturm über dem Mittelteil des Westriegels im neuromanischen Stil errichtet. 1966 bis 1972 wurde die Kirche wegen Nässeschäden restauriert; 1990 wurde die Orgel restauriert und teilweise erneuert.

Von dem Kloster bestehen heute die sehr gut erhaltene Klosterkirche, einige mittelalterliche Wirtschaftsgebäude und große Teile der Klostermauer.

Architektur, Ausstattung und Nutzung der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptschiff mit Chor

Die Klosterkirche ist eine dreischiffige Basilika mit Querhaus, Chor, Apsiden und Westriegel. Sie verfügt über ein vollständiges Kreuzgratgewölbe und wurde im gebundenen System errichtet. Außen befinden sich Schmuckelemente wie Lisenen und verschiedene Friese wie Kreuzbogenfries, Rautenfries, Zickzackfries und Deutsches Band.[2] Das Innere der Kirche ist farblich durch den Kontrast von rotem Backstein und weiß getünchten Wänden geprägt.

Zu den wenigen erhaltenen Kunstschätzen aus dem Mittelalter gehört ein „Heiliges Grab“, ein Sarg, in dem eine geschnitzte Christusfigur liegt. Sie befindet sich in der Heilig-Grab-Kapelle in einem Schrein. Die Figur wurde an Ostersonntagen hervorgeholt und ausgestellt. In demselben Seitenschiff befindet sich das Grab des Grafen Hermann II. von Lüchow, der 1273 starb, mit einer Ritzzeichnung, die den Verstorbenen zeigt.

Zur Ausstattung gehört ein silbernvergoldeter Kelch aus dem 18. Jahrhundert mit spätromanischem Fuß, auf dem Medaillons mit Reliefs der vier Evangelisten angebracht sind. Ein weiterer Kelch aus dem 16. Jahrhundert stammt aus dem Kloster Althaldensleben. Ein hölzernes Armreliquiar, eine spätgotische Kaselstickerei von etwa 1500, die später als Antependium verwendet wurde, sowie drei spätgotische Knaggen gehören ebenfalls zu den Kunstschätzen der Kirche. Die Triumphkreuzgruppe stammt vom Ende des 15. Jahrhunderts. Unter der ehemaligen Nonnenempore befindet sich ebenerdig ein Raum, der mit vier gemauerten Pfeilern und einem Kreuzgratgewölbe einer Krypta ähnelt.[3] Die schlichte Kanzel ist neuromanisch. Das neugotische Taufbecken stammt aus dem Jahr 1920 und besteht aus Zink.[4]

Die Kirche wird als Pfarrkirche der evangelisch-lutherischen Gemeinde Diesdorf genutzt.

Klostergelände[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Alte Darre

Westlich der Kirche befindet sich das „Alte Amtshaus“, ein Fachwerkhaus aus der Mitte des 18. Jahrhunderts. Nördlich davon steht ein noch älteres Amtshaus aus dem 14. und 16. Jahrhundert, dessen frühere Funktion im Kloster unklar ist, sowie die „Alte Darre“, die im 14. Jahrhundert errichtet wurde und ehemals als Brau- und Backhaus diente und heute eine heimatgeschichtliche Ausstellung beherbergt. Diese Häuser sind ebenfalls aus Backsteinen gebaut. Die ostwärts führende alte Landstraße nach Dähre verließ das Klostergelände durch einen Zwinger und eine Toranlage; vom Zwinger sind Reste erhalten. Das Gelände ist von einer weitgehend erhaltenen, einst 1,2 Kilometer langen Klostermauer aus Feld- und Backstein umgeben. Außerhalb der Klostermauern stehen zahlreiche Eichen, die mehrere Jahrhunderte alt sind. Das Gelände liegt etwas nördlich des Diesdorfer Ortszentrums.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Eberhard Borrmann, Joachim Stephan, Tilo Schöfbeck: Diesdorf Augustiner-Chorfrauen. In: Heinz-Dieter Heimann, Klaus Neitmann, Winfried Schich u. a. (Hrsg.): Brandenburgisches Klosterbuch. Handbuch der Klöster, Stifte und Kommenden bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts (= Brandenburgische historische Studien, Band 14). Band 1. Be.bra-Wissenschaft-Verlag, Berlin 2007, ISBN 978-3-937233-26-0. S. 412–424.
  • Hartmut Bock, Gotthold Hofmüller, Michael Scholz: Kirchliches Leben in Diesdorf: 850 Jahre Klosterkirche Diesdorf. Verlag: Ziethen Dr. Verlag, 2011. ISBN 978-3862890-30-9
  • Peter Seyfried: Die Klosterkirche zu Diesdorf (Große Baudenkmäler, Heft 463). 3. Auflage. Deutscher Kunstverlag, München/Berlin 1998, ohne ISBN.
  • Peter Fischer: Klöster, Kirchen und andere Denkmale. In: Die nordwestliche Altmark – Eine Kulturlandschaft. Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg, Gifhorn 1991, ohne ISBN.
  • Peter Fischer: Denkmale des Kreises Salzwedel. Freilichtmuseum Diesdorf, Diesdorf 1990, ohne ISBN.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Diesdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Altmark Zeitung vom 27. Juli 2011
  2. Peter Fischer: Klöster, Kirchen und andere Denkmale. In: Die nordwestliche Altmark – Eine Kulturlandschaft. Sparkasse Gifhorn-Wolfsburg, Gifhorn 1991, ohne ISBN, S. 119
  3. Peter Fischer: Denkmale des Kreises Salzwedel. Freilichtmuseum Diesdorf, Diesdorf 1990, ohne ISBN, S. 66, 80–82
  4. Informationen auf der Website der Verbandsgemeinde, abgerufen am 30. April 2018

Koordinaten: 52° 45′ 9,3″ N, 10° 52′ 36,2″ O