Kloster Indersdorf

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Kupferstich von Michael Wening in Topographia Bavariae um 1700
Kloster Indersdorf
Altarraum der Klosterkirche
Außenansicht von Kirche und Kloster

Das Kloster Indersdorf ist ein ehemaliges Kloster der Augustiner-Chorherren und späteres Kloster der Salesianerinnen in Markt Indersdorf in Bayern in der Erzdiözese München und Freising.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Maria Himmelfahrt, St. Peter und Paul geweihte Kloster der Augustinerchorherren wurde 1120 durch Pfalzgraf Otto V. von Wittelsbach gegründet. Im 12. und 13. Jahrhundert war Indersdorf eine bevorzugte Grablege der Wittelsbacher. Das Kloster war lange der wirtschaftliche und geistige Mittelpunkt der Umgebung. Hier führten die Pröpste Erhard Brunner und sein Halbbruder, der „Decanus“ Johannes von Indersdorf[1] im 15. Jahrhundert Reformen durch, die auch von anderen Augustinerstiften Bayerns übernommen wurden.

In Indersdorf begrabene Wittelsbacher[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

18. bis 20. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1783 wurde das Kloster von Münchner Kanonikern mit Hilfe einer päpstlichen Bulle (vom 24. Mai 1783) handstreichartig übernommen. Die Salesianerinnen, die 1784 ihr Kloster in München (St. Anna) verlassen mussten, lebten von 1784 bis 1831 in den Gebäuden. 1831 übersiedelten sie nach Dietramszell.

1856 übernahmen Barmherzige Schwestern die Anlage unter dem Namen Marienanstalt und betrieben dort eine Kinderbewahranstalt, die 1854 zunächst in Haimhausen mit Förderung durch die Gräfin Viktorine von Butler-Haimhausen entstanden war.[2]

Zeit des Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Barmherzigen Schwestern wurden 1938 durch die Nationalsozialisten vertrieben, die im Klostergebäude ein Jugenderziehungsheim im Sinne der NS-Volkswohlfahrt bis Kriegsende betrieben.

Der Bayerische Wander- und Heimatdienst (LVW) übernahm die Einrichtung. Zweck des Vereins war die Erfassung von „Asozialen“ in einer „Asozialenkartei“ und deren Einweisung in Zwangsfürsorgeeinrichtungen. Das Jugenderziehungsheim Indersdorf wurde von Friedrich Goller geführt.[3]

Unter anderen war der schließlich ermordete Ernst Lossa hier einst Zögling.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In der Zeit von 1945 bis 1946 war im Kloster Indersdorf ein internationales Waisenhaus für „Displaced Persons“ mit Beteiligung der Barmherzigen Schwestern untergebracht.[4] Von 1946 bis 1948 wurden in Indersdorf meist jüdische Kinder und Jugendliche als Displaced Persons im Auftrag der Nachfolgeorganisation IRO von den Barmherzigen Schwestern betreut.[5][6]

In einer Fernseh-Dokumentation des ZDF von 2009 wurde der Lebensweg einer Gruppe jüdischer Kinder nachgezeichnet. Die Kinder waren Überlebende des Konzentrationslagers Flossenbürg. Sie wurden am 23. April 1945 von den Amerikanern befreit. In einem kleinen Ort in der bayerischen Oberpfalz wurden sie zunächst von Bewohnern aufgenommen und aufgepäppelt. Und dann kamen sie in das Kloster von Indersdorf. Dort war unter US-Aufsicht eine Sammelstelle eingerichtet worden, die auch jüdischen Kindern aus Konzentrationslagern medizinische und psychologische Versorgung bieten sollte. Das Vorhaben der UNRRA, die das Auffanglager leitete, war bis dahin einzigartig. Das Seelenleben der Kinder sollte wieder ins Gleichgewicht gebracht werden, spielerisch sollten sie ihre verlorene Jugend zurückgewinnen.

2009 wurde filmisch dokumentiert, wie diese Kinder von Indersdorf, die über die halbe Welt verstreut waren, erstmals wieder an dem Ort ihrer Befreiung zusammenkamen und die Menschen trafen, die ihnen damals geholfen hatten. Die Kinder von damals waren inzwischen ältere Herren und zum Teil erfolgreiche Geschäftsleute.[7] In einem weiteren Film von 2018 erzählen Kinder von damals von den letzten Kriegstagen, ihrer Zeit in dem Kloster, und ihrer Rückkehr in die Heimat bzw. Übersiedelung in andere Länder.[8]

Etwa 1000 Kinder haben zwischen 1945 und 1948 bei der UNRRA in Markt Indersdorf Hilfe gefunden.[9]

20. und 21. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Beginn der 1950er-Jahre bestand auch eine Haushaltungsschule und eine Landfrauenschule.[10] Nach der Auflösung des Heims 1949 betrieben die Schwestern die Realschule Vinzenz von Paul der Erzdiözese München und Freising. 1987[11] übertrug die Kongregation der Barmherzigen Schwestern aus personellen Gründen den gesamten Klosterkomplex der Erzdiözese von München und Freising, die die Schule weiterführt. Die Leitung des ebenfalls 1949 gegründeten Kindergartens wurde 2003 an das Franziskuswerk Schönbrunn übergeben. Im Jahre 2016 wurde die diözesane Fachoberschule Vinzenz von Paul der Erzdiözese München und Freising in Markt Indersdorf gegründet. Sie wurde 2019 staatlich anerkannt.[12][13]

Reihe der Pröpste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Rupert, 1131
  • Ortwin, um 1135
  • Dietrich
  • Richard, 1143, 1166
  • Heinrich I. Kolb
  • Berchtold, 1197, † 1206
  • Friedrich I., um 1221
  • Heinrich II.
  • Wernher, † 1247
  • Conrad I., 1247–1264
  • Ulrich I., 1264–1273
  • Heinrich III., 1274–1294
  • Friedrich II., 1298
  • Conrad II., † 1355
  • Ulrich II. Imhof, 1355–1371
  • Ulrich III. Ursinger, 1371–1389
  • Peter Fries, 1389–1412
  • Erhard Prunner (Rothuet), 1412–1442, erhielt die Pontifikalien, gebrauchte sie aber nicht
  • Johann I. Prunner, 1442–1470
  • Ulrich IV. Schirm, 1470–1479
  • Ulrich V. Protkorb, 1479–1493
  • Augustin Dachauer, 1493–1505
  • Sebastian, 1505–1516
  • Servaz Waltenhofer, 1516–1537
  • Ambros Katzboeck, 1537–1543
  • Leonhard Mochinger, 1544–1545
  • Paul Kretz, 1545–1572
  • Albert Eisenreich, 1572–1575 Administrator, 1575–1585 Propst
  • Johann II. Aigele, 1586–1604
  • Caspar Schlaich, 1604–1618
  • Wolfgang Carl, 1618–1631; erhielt 1628 erneut die Pontifikalien
  • Benedict Mayr, 1631–1640
  • Martin Riegg, 1640–1662
  • Jakob Kipferle, 1662–1672
  • Georg I. Mall, 1673–1693
  • Dominicus Vent, 1693–1704
  • Georg II. Riezinger, 1704–1721
  • Aquilin I. Noderer, 1721–1728
  • Innocenz Weiss, 1728–1748
  • Gelasius Morhart, 1748–1768
  • Aquilin II. Scheimberger, 1768–1778
  • Gregor Rupprecht, 1778–1779
  • Johann III. Sutor, 1779–1784, † 1806

Quelle[14]

Bekannte Chorherren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

7-Klöster-Weg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kloster ist auch eine Station des 7-Klöster-Wegs, einem Radweg, der sieben bestehende oder ehemalige Klöstern im Dachauer- und Wittelsbacher Land miteinander verbindet. Die Klöster sollen durch diesen 100 km langen Radweg wieder ins Bewusstsein gerufen und erfahrbar werden. Die sieben Klöster sind: Kloster Schönbrunn in Röhrmoos, Kloster Weichs, Kloster Indersdorf, Kloster Petersberg, Kloster Altomünster, Kloster Maria Birnbaum in Sielenbach und Kloster Taxa bei Odelzhausen.[15]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Friedrich Hector Graf Hundt: Die Urkunden des Klosters Indersdorf. München 1863, zwei Bände (online).
  • Anna Andlauer: Zurück ins Leben. Das internationale Kinderzentrum Kloster Indersdorf 1945–46. ANTOGO Verlag Nürnberg 2011, ISBN 978-3-938286-40-1.[16]
  • Peter Stoll: Johann Georg Dieffenbrunner und die Wundertäter von Indersdorf: Eine Zeichnung in Budapest für die Totenrotel-Chronik des Propstes Gelasius Morhart. Augsburg, Universität, 2012 (online).
  • Markus Sattler: Zur Gründung des Augustiner-Chorherrenstifts Indersdorf. In: Amperland, 1990, S. 470–477. (PDF; 5,7 MB)
  • Hildegard Zellinger-Kratzl, Kongregation der Barmherzigen Schwestern vom heiligen Vinzenz von Paul, Mutterhaus München (Hrsg.): 175 Jahre Barmherzige Schwestern in Bayern, 1832–2007, Festschrift, Don Bosco Druck, München 2007, 320 S., online auf barmherzige.net (PDF; 4,4 MB)
  • Georg Penzl: Klosterchronik, Indersdorf 1745, Kodex Clm 28570 (Bayerische Staatsbibliothek)[17]

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kloster Indersdorf – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
Maria Beringer: Literatur- und Quellensammlung zur Geschichte der Augustinerchorherren in Indersdorf (Memento vom 29. Januar 2005 im Internet Archive)

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Bernhard Dietrich Haage: Ein bislang unveröffentlichter Brief des Johannes von Indersdorf. Schulischer Alltag im Mittelalter. In: Fachprosaforschung – Grenzüberschreitungen. Band 10, 2014, S. 81–88.
  2. Zellinger-Kratzl, S. 124–125
  3. Rückkehr an den Ort der Kindheit. In: sueddeutsche.de. 31. Januar 2012, abgerufen am 28. März 2018.
  4. Kloster Indersberg als DP-Camp for Children auf der Website des United States Holocaust Memorial Museum (Archivversion (Memento vom 24. April 2013 im Internet Archive))
  5. Die UNRRA im Kloster Indersdorf (Memento vom 29. Januar 2005 im Internet Archive), Darstellung im Onlineauftritt der Realschule Vinzenz von Paul (Abschnitt: Schulgeschichte, siehe: Die Nachkriegszeit – UNRRA)
  6. Zellinger-Kratzl, S. 222
  7. ZDF: Aus der Hölle ins Leben. Die Kinder von Indersdorf, Trailertext Wiederholung ard (10. Dezember 2010), 3sat (26. Januar 2011)
  8. Die Kinder von Markt Indersdorf, Trailertext Wiederholung arte (21.1.2020)
  9. Benjamin Emonts, Markt Indersdorf: Die geretteten Kinder von Indersdorf. In: sueddeutsche.de. 10. Dezember 2015, abgerufen am 13. Oktober 2018.
  10. Zellinger-Kratzl, S. 222–225 sowie Zeitleiste, S. 299 (Übergabe Realschule dort 1989)
  11. Schulgeschichte (Memento vom 29. Januar 2005 im Internet Archive) auf der Website der Realschule Vinzenz von Paul nennt ebenfalls das Jahr 1987.
  12. Erzbischöfliches Ordinariat München: Neben der FOS in Markt Indersdorf gibt es drei weitere diözesane Fachoberschulen im Erzbistum: Die FOS der Stiftung St. Matthias in Wolfratshausen-Waldram, die FOS in Freilassing und die FOS in Garmisch-Partenkirchen. Abgerufen am 15. Januar 2020.
  13. Süddeutsche Zeitung: Markt Indersdorf: FOS wird staatlich anerkannt. Abgerufen am 15. Januar 2020.
  14. Michael Hartig: Die oberbayerischen Stifte, Band I: Die Benediktiner-, Cisterzienser- und Augustiner-Chorherrenstifte. Verlag vorm. G. J. Manz, München 1935, DNB 560552157, S. 208.
  15. Der „7 Klöster Weg“ im Dachauer und Wittelsbacher Land (Memento vom 23. Mai 2015 im Internet Archive) – (Verwaltungsgemeinschaft Odelzhausen, abgerufen am 23. Mai 2015)
  16. Verena Buser: Rezension auf hsozkult.de vom 21. Februar 2012
  17. Maria Beringer: Kodex Clm 28570, eine unbekannte Indersdorfer Klosterchronik (Memento vom 29. Januar 2005 im Internet Archive) auf der Website der Realschule Vinzenz von Paul

Koordinaten: 48° 21′ 25,6″ N, 11° 23′ 0,8″ O