Kloster Maria Stern (Essig)

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Zufahrt zum vormaligen Klosterhof, 2013
Barockstrukturen des ehemaligen Klosterhauptgebäudes und Windfahne mit dem Symbol des Sternes, das später in das Ortswappen übernommen wurde

Das Kloster Maria Stern (auch: Kloster Marienstern oder Kloster Essig) wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts in der Ortschaft Essig (Gemeinde Swisttal) im Rhein-Sieg-Kreis (heute mit der Adresse Sternstraße 7) gegründet und bestand bis zu seiner Auflösung im Rahmen der Säkularisation im Jahr 1802. Es sind nur wenige Reste der alten Anlage erhalten, auf dem früheren Klostergrundstück wird heute eine Baumschule betrieben.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im März 1452 bestätigte der zuständige apostolische Legat die Errichtung eines Konventes im Kloster Essig.[1] Die Klostergründung war um 1439 erfolgt. Ihr ging die Einrichtung eines Hospitals, einer Kapelle und eines Armenfriedhofes voraus.[2] Diese Gebäude waren ab 1432 auf einem von dem Ehepaar Johann von Schleiden und Anna von Blankenheim gestifteten Grundstück errichtet worden; im September 1432 hatte der Pfarrer der St. Peter-Kirche im benachbarten Odendorf, Heinrich Woebel von Euskirchen, die entsprechende Zustimmung erteilt.[1] Die genannte Kapelle (Patrozinien: B.M.V. Maria und Heiliger Jakob) hatte deren Erbauer, Nicolaus Sasse, im Oktober 1446 dem Erlöserorden zu Händen der Äbtissin des Klosters Sonnenberg in der Diözese Utrecht, Milla Ameloncks, überschrieben.[1] Essig lag am alten Jakobus-Pilgerweg vom Bonner Jakobushospital[3] wie auch an der ebenfalls von Pilgern genutzten mittelalterlichen „Krönungsstraße“ von Frankfurt nach Aachen (von Rheinbach kommend, nach Euskirchen führend), und das hier errichtete Kloster sollte sich bedürftiger, durchreisender Gläubiger annehmen. Im Ort gab es einen Kreuzweg in Form der Sieben Fußfälle.[4]

Das Kloster wurde zunächst von den Birgitten betrieben. Aber bereits 1454 übernahmen Kölner Augustiner-Chorfrauen den Betrieb.[5][6] Der Kölner Erzbischof Adolf von Schaumburg unterstellte den Konvent 1551 dem Abt von Steinfeld.[7] Ab 1663 oder 1666 führten dann weibliche Angehörige des nach der Augustinusregel lebenden Prämonstratenser-Ordens den im Bereich des Erzbistums Köln gelegenen Klosterbetrieb. Im Jahr 1716 lebten 16 nichtadelige Nonnen im Kloster. [7]

1802 kam es zur Säkularisation in den linksrheinischen Gebieten; das Kloster wurde versteigert, das Inventar wurde 1803 aufgelöst und 1804 erfolgte die Niederlegung der Klosterkapelle.[8][9] 1803 erhielt vermutlich die St. Georg-Kirche in Swisttal-Miel die Essiger Klosterorgel.[8][10] Nach anderen Angaben wurde die Orgel zunächst an die evangelisch-reformierte Gemeinde in Odenkirchen (heute Ortsteil von Mönchengladbach) verkauft und von dort später an die katholische Pfarrkirche St. Martin in Hilberath verschenkt.[11] Im Jahr 1905 wurde der größte Teil der Klostergebäude abgerissen.[7] Auf dem hier geführten landwirtschaftlichen Betrieb entstand 1980 (durch Erbgang)[4] die Baumschule Johannes Brauweiler, die sich auf Ziergehölze spezialisiert hat.

Von dem früheren Kloster sind nur noch wenige Bauteile vorhanden.[12] Teile der Umfassungsmauer blieben erhalten sowie ein im barocken Stil geschwungener Giebel des Haupthauses etwa vom Ende des 17. Jahrhunderts. Die Windfahne auf dem dazugehörenden Dach zeigt den siebenstrahligen Marienstern. Ebenfalls sind Teile des Nebengebäudes vorhanden. Seit 1992 sind die vorhandenen Bauteile in die Essiger Denkmalschutzliste eingetragen.[13] Die Straßennamen Sternstraße und Klosterstraße erinnern an das frühere Kloster.[4]

Trivia[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zum Klosterleben in Essig werden in der Gegend verschiedene Geschichten kolportiert, deren Wahrheitsgehalt nicht nachprüfbar ist. So soll sich im ausgehenden 18. Jahrhundert beim Anmarsch der französischen Truppen eine der Nonnen lebend einmauern haben lassen. Als die Soldaten die frischgemörtelte Mauer auf der Suche nach dem Klosterschatz aufbrachen, soll ihnen die verwirrte Nonne schreiend entgegen gesprungen sein. Der Überlieferung nach wurde sie daraufhin getötet.[9]

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise und Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b c Findbuch: Behörden und Bestände vor 1816, Marienstern auf dem Essig, Urkunden AA 0404: 121.49.00 Marienstern auf dem Essig, beim Landesarchiv NRW Abteilung Rheinland
  2. Helmut Fischer, Volkserzählungen zwischen Rhein und Eifel: Erzähler und Schreiber, Sammler und Herausgeber vom 12. bis zum 21. Jahrhundert, Band 28 der Veröffentlichungen des Geschichts- und Altertumsvereins für Siegburg und den Rhein-Sieg-Kreis, ISBN 978-3-93853-5-295, Rheinlandia-Verlag, 2007, S. 191
  3. Rüdiger Schneider, Ein alter Jakobus-Pilgerweg: Vom Bonner Jakobushospital zum Kloster Marienstern nach Essig, 2010
  4. a b c Marie Antoinette di Donato, Unterwegs in Essig "Wir sind eine lustige Dorfgemeinschaft", 6. November 2013, Bonner General-Anzeiger
  5. Christoph Schaden, Die Antwerpener Schnitzaltäre im ehemaligen Dekanat Zülpich, Band 14 von: Geschichte im Kreis Euskirchen, ISBN 978-3-89498-0-856, SH-Verlag, 2000, S. 19
  6. Nach anderen Angaben stand das Kloster lange Zeit unbewohnt, bis es erst im Jahr 1482 von den Augustinerinnen übernommen wurde, gem. Marienstern in Swisttal-Essig (Rhein-Sieg-Kreis), Reiseführer des Prämonstratenser-Ordens zu den heutigen und ehemaligen Klöstern im deutschen Sprachgebiet, Prämonstratenser-Abtei Hamborn (Hrsg.)
  7. a b c Marienstern in Swisttal-Essig (Rhein-Sieg-Kreis), Reiseführer des Prämonstratenser-Ordens zu den heutigen und ehemaligen Klöstern im deutschen Sprachgebiet, Prämonstratenser-Abtei Hamborn (Hrsg.)
  8. a b Peter Jurgilewitsch und Wolfgang Pütz-Liebenow, Die Geschichte der Orgel in Bonn und im Rhein-Sieg-Kreis, Bouvier, 1990, ISBN 978-3-41680-6-060, S. 506
  9. a b Helmut Fischer, Sagen aus dem Land an Rhein und Sieg, Kapitel 115: Die eingemauerte Nonne im Kloster Mariastern, Sutton Verlag, Erfurt 2012, ISBN 978-3-86680-974-1, S. 101
  10. Orgeltabelle, Website der katholischen Kirchenmusik im Rhein-Sieg-Kreis
  11. Franz-Josef Vogt, Beiträge zur Geschichte des Orgelbaus in der Nordeifel
  12. Walter Janssen, Studien zur Wüstungsfrage im fränkischen Altsiedelland zwischen Rhein, Mosel und Eifelnordrand, Band 35 der Beihefte, Bonner Jahrbücher des Rheinischen Landesmuseums in Bonn und des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege im Landschaftsverband Rheinland und des Vereins von Altertumsfreunden im Rheinlande, ISBN 978-3-79270-2-079, Rheinland-Verlag, 1975
  13. Anhang II – Baudenkmäler, Denkmalliste der Baudenkmäler der Gemeinde Swisttal, in: Gemeinde Swisttal, Begründung zum Flächennutzungsplan, Entwurf, April 2015, S. 150

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Maria Stern (Essig) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien
  • Website der Baumschule Brauweiler (heutiger Nutzer der Anlage)

Koordinaten: 50° 39′ 26,6″ N, 6° 53′ 9″ O