Kloster Marienstein

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Dieser Artikel beschreibt das ehemalige Kloster Marienstein in Bayern. Ein gleichnamiges ehemaliges Kloster befindet sich unter Klosterkirche (Bad Klosterlausnitz) / Thüringen, und unter Marienstein (Nörten-Hardenberg) / Niedersachsen

Das Kloster Marienstein ist ein ehemaliges Kloster der Augustinerchorfrauen im Ortsteil Marienstein der Stadt Eichstätt in Bayern in der Diözese Eichstätt.

Geschichte[Bearbeiten]

Das Kloster wurde um 1460 nach der Windesheimer Reform durch den Eichstätter Fürstbischof Johann III. von Eych für sechs junge Frauen aus dem Bürgerstand, die gemeinsam ein geistliches Leben führen wollten, gegründet. Unter Walburga Eichhorn, einer Eichstätter Färberstochter, wohnten sie zunächst unter der Leitung der Dominikaner in der Stadt, bezogen dann westlich von Eichstätt den 1216 erstmals urkundlich erwähnten Weiler „staingrub“, woraus sich, unter Berücksichtigung der Schutzherrin ihres Gemeinschaftslebens, der Gottesmutter Maria, die Bezeichnung „Maria-stain“ (heute: Ortsteil Marienstein von Eichstätt) entwickelte. 1470 wurde mit dem Klosterbau begonnen, ein Jahr später erfolgte die Weihe. Der Konvent, nunmehr unter der Obhut des benachbarten Augustiner-Chorherrenstiftes Rebdorf stehend, übernahm die Regel des hl. Augustinus und die weiße Ordenstracht. Nach Verleihung von Statuten durch den Fürstbischof wurde Walburga Eichhorn 1471 die erste Priorin des Klosters.

Das Kloster konnte sich zunächst ruhig entwickeln und galt gegen Ende des 16. Jahrhunderts als wirtschaftlich gesund. Durchschnittlich lebten im Kloster 40 Frauen, etwa 20 davon als Chorfrauen, 12 als Arbeitsschwestern die übrigen als Novizinnen bzw. Schülerinnen. Es herrschte durchaus eine aszetische und literarische Blütezeit, als Bauernkrieg und Reformation Unruhe in das Kloster brachten. Mehrmals nahm das Kloster anderswo aus Glaubensgründen vertriebene Frauenkonvente auf. 1546 musste der Konvent selber für eine Zeit lang in der Bischofsstadt bei den Benediktinerinnen von St.Walburg Zuflucht nehmen.

Das Kloster Marienstein nach dem Wiederaufbau. Stich um 1680

Die schlimmste Prüfung brachte der Dreißigjährige Krieg; am 7. Februar 1634 plünderten und brandschatzten die schwedischen Truppen Kirche und Kloster. Priorin war zu diesem Zeitpunkt im dritten Jahr Klara Staiger (auch: Clara Staiger; Geburtsname: Katharina Staiger), die 1631 bis 1650 ein Tagebuch führte und mit ihm aus heutiger Sicht eine wichtige regional- und zeitgeschichtliche Quelle schuf. Die Nonnen hatten rechtzeitig auf die nahe Willibaldsburg flüchten können, von wo aus sie den Niedergang ihres Klosters mitansehen mussten. Danach fanden sie erneut Zuflucht in St. Walburg, bis auch die Stadt von den Schweden eingenommen und größtenteils zerstört wurde.

Mit dem Wiederaufbau wurde noch unter Klara Staiger begonnen, aber erst unter Klaras Nachfolgerin Agnes Sartor 1669 unter Fürstbischof Marquard II. Graf Schenk von Castell zum Abschluss gebracht. Bereits 1635 war das Prioratshaus wiedererrichtet. Dessen Mutter Katharina war eine große Wohltäterin des Klosters.

Im Zuge der Säkularisation wurde das Kloster 1806 säkularisiert und 1832 aufgelöst. 1833 wurde die Klosterkirche „Maria Heimsuchung“ geschlossen und ausgeräumt. Von der Einrichtung kam der Hochaltar in die Kirche von Großnottersdorf bei Titting, ein Seitenaltarbild nach St. Salvator in Bettbrunn, eine Marienfigur aus dem frühen 16. Jahrhundert nach Eberswang und eine Monstranz nach Möckenlohe bei Eichstätt. 1836 zogen die letzten Schwestern ab. 1838 erfolgte der Verkauf des aufgelassenen Klosters an Privatleute, die es größtenteils abbrachen.

1842 wurde die profanierte Klosterkirche als Filialkirche St. Anna der Eichstätter Pfarrei St. Walburg wieder für Gottesdienste der Gemeinde Marienstein geöffnet, 1843 renoviert und neu geweiht. Der Prioratsbau mit Stuck, Deckenfresko „Maria Hilf“ (um 1720) und Kassettendecken wurde 2002 renoviert. Die ehemalige Klosteranlage ist trotz der Abbrüche als geschlossene Baugruppe mit Torbau und Wirtschaftsgebäuden noch gut erkennbar.

Literatur[Bearbeiten]

  • Theodor Neuhofer: Marienstein - im Mittelalter gegründetes Augustinerinnenkloster, in: Historische Blätter für Stadt und Landkreis Eichstätt 1 (1952), Nr. 3
  • K[arl] Ried: Kloster Marienstein. In: Heimgarten 24 (1953), Nr. 42, 43
  • Ida Wallner: Clara Staiger. Ein Lebens- und Kulturbild aus dem 30jährigen Krieg. Bamberg: C.C. Buchners Verlag KG 1957
  • Der Eichstätter Raum in Geschichte und Gegenwart. Eichstätt: Stadt- und Kreissparkasse 1973, S. 223-225, 2. erweitere Auflage 1984, S. 241f.
  • Ortrun Fina (Bearb.): Das Mariasteiner Anniversar Totenbuch - Lebensbuch. Verzeichnis der Gedächtnistage im ehemaligen Augustinerinnenkloster Mariastein bei Eichstätt/Bay., Regensburg: Pustet 1987, ISBN 3-7917-1111-3
  • Ortrun Fina (Hrsg.): Klara Staigers Tagebuch. Aufzeichnungen während des Dreißigjährigen Krieges im Kloster Mariastein bei Eichstätt. Regensburg: Pustet 1981, ISBN 3-7917-0721-3
  • Alexander Rauch: Stadt Eichstätt. Denkmäler in Bayern, Band I.9/1, München und Zürich 1989, S. 188-191, ISBN 3-7954-1004-5
  • Schätze der Baukunst in alten Mauern. Über 300 Besucher wollten Prioratsgebäude sehen. In: Eichstätter Kurier vom 17. Juni 2005, S. 27
  • Wolf D.Pecher: Die Nonne und der General. Clara Staiger baute ihr im Schwedenkrieg zerstörtes Kloster wieder auf. In: Der Sonntag (Wochenendbeilage des Donaukurier Ingolstadt) Nr.11, 18./19. März 2006
  • Bernhard Sepp: Das Tagebuch der Clara Staiger - Sammelblatt des Historischen Vereins Eichstätt, Nr. 2 / 1887

Weblinks[Bearbeiten]

48.89303055555611.162988888889Koordinaten: 48° 53′ 34,9″ N, 11° 9′ 46,8″ O