Kloster Paradies (Schweiz)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Luftaufnahme des Kloster Paradies von 1922

Das Kloster Paradies liegt in Schlatt im Schweizer Kanton Thurgau. Ursprünglich als ein Frauenkloster von Klarissen gegründet, beherbergen die Gebäude heute ausser der Kirche die Eisenbibliothek und das Ausbildungszentrum der Georg Fischer AG.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klosterkirche St. Michael Paradies (Ansicht von Osten)

Der Orden der Klarissen wurde von Klara von Assisi gegründet und gehört zu den franziskanischen Orden. Dank einer Spende von Graf Hartmann IV. von Kyburg an das «Kloster in Schwarzach» (etwa um 1250) übersiedelten die Nonnen aus ihrem bisherigen claustrum Paradysi apud Constantiam im heutigen Konstanzer Stadtteil Paradies hierher. Bald kam auch hier der Name «Paradies» auf.

Ab 1324 gehörte das Kloster der Schirmvogtei Schaffhausen. Später übernahm das Städtchen Diessenhofen die Rechtsansprüche der Truchsessen auf die Klostervogtei. In den Wirren der Reformation musste der Klosterbetrieb eingestellt werden resp. wurde im neuen Glauben weitergeführt. Um 1574 gingen die Hoheitsrechte an die Eidgenössischen Orte über. 1578 wurde das Kloster neubegründet.

Anfangs 19. Jahrhundert verbot die Thurgauer Regierung die Aufnahme neuer Novizinnen. 1818 hielten sich nur noch vier Frauen und vier Torschwestern im Kloster auf. 1830 wollte das Dorf das Kloster zu einem Lehr- und Erziehungsheim umbauen, die Kantonsregierung willigte jedoch nicht ein. Als die Äbtissin starb, war das Schicksal des Klosters entschieden und das Thurgauer Parlament liess 1834 das Kloster nach weiteren Streitigkeiten versteigern. Im Zuge der Aufhebung der Klöster im Jahr 1836 wurde das Kloster geschlossen.

1918 kaufte die Georg Fischer AG das Klostergut. Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums von Georg Fischer wurde 1952 die gesamte Klosteranlage umfassend restauriert. Heute befindet sich dort die Eisenbibliothek, die einzige Fachbibliothek der Schweiz zum Thema Eisenverarbeitung, und ein Ausbildungszentrum. Die ehemalige Klosterkirche ist nun die Pfarrkirche der katholischen Gemeinde Schlatt-Paradies im Seelsorgeverband Diessenhofen-Basadingen-Paradies. Die übrigen Gebäude gehören der Georg Fischer AG in Schaffhausen.

Landwirtschaftlicher Gutsbetrieb[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gutsbetrieb

Früher waren die meisten Klöster Selbstversorger und somit auf einen oder mehrere landwirtschaftliche Gutsbetriebe angewiesen. Der Gutsbetrieb des Klosters Paradies umfasste vor der Säkularisation um 1803 rund 500 Hektar Wald, Äcker und Wiesen und auch verschiedene Gebäude wie eine Stallung, eine Mühle und eine Säge. Heute umfasst der Gutsbetrieb noch 65 Hektar Wiesen und Äcker, jedoch keinen Wald mehr. Die Hälfte davon wird landwirtschaftlich genutzt. Die Wiesen ernähren 50–60 Simmentaler Fleckvieh und geben ihnen Auslauf. Es werden auch Pferde, Schweine und Hühner gehalten. Der Verwalter dieser Ackerfläche wohnte mit seiner Familie im Südwestflügel des Klosters. Nach seinem Weggang blieb die Wohnung lange Zeit leer. 2010 wurde diese komplett renoviert, nun dient der eine Teil als Büro, der andere Teil als Wohnung.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Innenraum

Die Kirche wurde 1587 nach franziskanischen Bauvorschriften erbaut, die eine möglichst einfache Bauweise fordern. Deshalb durfte sie keinen Turm, sondern nur einen Dachreiter aufweisen. Durch eine Spitzbogentüre betritt man das lang gestreckte Kirchenschiff. In der dem hl. Erzengel Michael geweihten Kirche konnten auch Laien an den Gottesdiensten teilnehmen. Die Klausurvorschriften erforderten daher, dass für die Nonnen eine Empore gebaut wurde, die sie direkt aus dem Kreuzgang betreten konnten.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Wilhelm Harder: Das Clarissinnen-Kloster Paradies, bis zum Schluß der Schirmherrschaft der Stadt Schaffhausen. Schaffhausen 1870 (E-Kopie).
  • H. W. Salathé (Fotos), Werner Raths: Der Thurgau. Ein Augenblick in Zeit und Raum. Verlag Niggli, Sulgen TG 1993, ISBN 3-7212-0278-3 (Bildband).
  • Karl Schib, Hans Rippmann (Illustrator): Geschichte des Klosters Paradies. Georg Fischer AG, Schaffhausen 1951.
  • Alfons Raimann: Die Kunstdenkmäler des Kantons Thurgau, Band V: Der Bezirk Diessenhofen. (Kunstdenkmäler der Schweiz Band 85). Hrsg. von der Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 1992, ISBN 3-909158-73-0, S. 318–404.
  • Betty Sonnberger, Peter Niederhäuser, Raphael Sennhauser: Die Kloster- und Pfarrkirche St. Michael, Paradies. (Schweizerische Kunstführer, Nr. 746, Serie 75). Hrsg. Gesellschaft für Schweizerische Kunstgeschichte GSK. Bern 2001, ISBN 978-3-85782-746-4.
  • Denkmalpflege Thurgau (Hrsg.): Ein Blick ins Paradies. Bau- und Restaurierungsgeschichte der Klosterkirche St. Michael in Paradies. Huber, Frauenfeld 2003, ISBN 3-7193-1339-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Klostergut Paradies – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 47° 41′ 2,9″ N, 8° 40′ 34,9″ O; CH1903: 692935 / 282235