Kloster Pontigny

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Wechseln zu: Navigation, Suche
Zisterzienserabtei Pontigny
Südostansicht der Klosterkirche
Südostansicht der Klosterkirche
Lage FrankreichFrankreich Frankreich
Region Burgund
Koordinaten: 47° 55′ N, 3° 43′ OKoordinaten: 47° 54′ 34″ N, 3° 42′ 52″ O
Ordnungsnummer
nach Janauschek
3
Gründungsjahr 1114
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1791
Mutterkloster Kloster Cîteaux

Tochterklöster

19 Klöster, Liste siehe Artikel

Grundriss der Klosterkirche von Pontigny

Die ehemalige Zisterzienserabtei von Pontigny liegt in dem kleinen Ort Pontigny, etwa 21 km nordöstlich von Auxerre, 15 km nördlich von Chablis, im Departement Yonne in der Region Burgund in Frankreich.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Sie ist eine der vier Primarabteien, die von Cîteaux aus gegründet wurden. Das turmlose gotische Mönchskloster, die „zweite Tochter von Cîteaux“, steht auf ehemals unwegsamem Sumpfgebiet und wurde 1114 mit 12 Mönchen unter Abt Hugo von Mâcon aufgebaut. Pontigny wurde Mutterkloster für 43 Tochterabteien in Europa, darunter im Mittelalter in Frankreich der unmittelbaren Tochtergründungen Kloster Bourras, Kloster Cadouin, Kloster Fontainejean, Kloster Jouy, Kloster Saint-Sulpice, Kloster Quincy, Kloster Chaalis, Kloster Les Roches, Kloster Cercamp, Kloster Trizay, Kloster L’Estrée, Kloster L’Étoile, Kloster Notre-Dame-de-Ré, Kloster Dalon, Kloster Le Pin und Kloster Valence sowie im damaligen Ungarn (heute Rumänien) des Klosters Igriș.

Das Kloster liegt zwischen Fontenay und Sens einsam in der Landschaft Pontigny, direkt an der Landstraße. Heute steht nur noch die Kirche. Sie wurde von 1140 bis 1170 erbaut und ist mit 108 Metern Länge und 25 Metern Breite die größte erhaltene Zisterzienserabteikirche. Der Chor der Kirche wurde von 1185 bis 1212 erweitert und mit gotischen Strebepfeilern versehen. Erhalten ist ein Narthex (eine Vorhalle).

Pontigny repräsentiert den strengen Stil der Zisterzienser: die Kirche ist innen vollkommen weiß gestrichen, weiß wie die Gewänder der Zisterzienser, und enthält außer einer hölzernen Chorschranke und dem Chorgestühl fast nichts an Schmuck. Der zweigeschossige Wandaufriss ist einfach. Als Stützen des Langhauses fungieren nicht Pfeiler, sondern Rechteckvorlagen mit Halbsäulen bzw. Diensten, die in halber Höhe auf Konsolen aufgefangen werden, eine typische Erfindung der Zisterzienser, deren Sinn nicht ganz klar ist. Mit dieser Maßnahme - gemäß burgundischer Tradition - soll der Wandcharakter des Pfeilers und zugleich die Reduktion der Gliederungsformen betont werden.

Das Mittelschiff überdeckt ein Kreuzrippengewölbe, die Seitenschiffe haben Kreuzgratgewölbe.[1]

Kloster Pontigny
Kloster Pontigny, Chorumgang

Die spätere Chorerweiterung, die innen deutlich gotisch aussieht, stört trotz dem Strebesystem nicht den äußeren Gesamteindruck der Kirche.

Im Lauf der Geschichte war die Kirche des Öfteren Zufluchtsort, unter anderem vom 30. November 1164 bis November 1166 für Thomas Becket, den Erzbischof von Canterbury. Er war wegen seines Konfliktes mit Heinrich II. aus England geflohen und verließ das Kloster, nachdem Heinrich II. massiv Druck auf die Zisterzienser ausgeübt hatte.

Der Theologe Stephen Langton hielt sich hier von ca. 1207 bis 1213 auf, bis der Widerstand des englischen Königs Johann Ohneland gegen seine Ernennung als Erzbischof von Canterbury nachließ und er nach England einreisen konnte, um sein Amt auszuüben.

1240 fand hier auch Edmund Rich von Abingdon Unterkunft.

In der Französischen Revolution wurde das Kloster aufgehoben und teilweise zerstört.

1909 ging es in den Besitz von Paul Desjardins über, der anschließend jährlich von 1910 bis 1914 und danach von 1922 bis 1939 französische und internationale Intellektuelle bei den "Dekaden von Pontigny" versammelte. Beispielsweise nahmen teil: Antoine de Saint-Exupéry, Jean-Paul Sartre, Simone de Beauvoir, T.S. Eliot, Thomas Mann, Heinrich Mann.

Siehe auch: Territorialprälatur der Mission de France in Pontigny

Weinanbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Neben den religiösen Aufgaben spielte auch der Weinanbau eine große Rolle. Die Mönche von Pontigny legten einen der ersten Weinberge der Region an, der die Grundlage für den berühmten Wein von Chablis bildete. Sie führten im Gebiet auch den Chardonnay ein, die bis heute bedeutendste weiße Rebsorte von Chablis, und verankerten den Weinbau als zentralen Bestandteil der Landwirtschaft.[2]

Im Kloster beigesetzte Persönlichkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Adela von Champagne, (* 1145; † 4. Juni 1206 Pontigny), Königin von Frankreich
  • Edmund Rich, (* um 1180 in Abingdon/England; † 16. November 1240 in Soissy, Frankreich), Erzbischof von Canterbury, Pontigny.
  • Paul Desjardins (* 22. November 1859 Paris; † 10. März 1940 Pontigny)

Jakobsweg[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kloster ist ein Anlaufpunkt auf einer der Routen des Jakobswegs nach Santiago de Compostela.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Les Amis de Pontigny: Découvrir Pontigny. Pontigny 1994.
    • deutsch: Pontigny entdecken. Pontigny 1994.
  • Terryl N. Kinder: Architecture of the Cistercian abbey of Pontigny, the 12th century church. UMI, Ann Arbor, Mich 1984 (zugl. Dissertation, University of Indiana, Bloomington 1984).
  • Monique Peyrafort-Huin: La bibliothèque médiévale de l'abbaye de Pontigny (XIIe - XIXe siècle). CNRS Éditions, Paris 2001, ISBN 2-271-05715-9.
  • Claude Wiéner: Pontigny. Zodiaque Editorial, St.-Léger-Vauban 1987, ISBN 2-7369-0035-9.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Klaus Bußmann: Burgund, Köln 1977, S. 189: Der Zisterzienserorden hat die neuen Möglichkeiten der Rippenwölbung über Spitzbogen sehr schnell begriffen, sie in die Strenge und Einfachheit seines Architektursystems integriert und einen Bautypus daraus entwickelt - wie er in Pontigny in der ältesten erhaltenen Form vor uns steht -, der sich rasch in ganz Europa ausbreitete dank der straffen Organisation des Ordens [...] und der leichten Handhabung des Systems, das auf die technisch komplizierten Aufrisslösungen und statischen Experimente der Wandauflösung der Île-de-France verzichtete zugunsten eines soliden, kraftvollen Aufbaues der Wand, der der burgundischen Tradition entsprach und den Bausitten fremder Länder entgegenkam: ein zweigeschossiger Aufriss aus Arkadenzone und Obergaden mit großen einfachen Lanzettfenstern, eine kräftige Durchbildung der einzelnen Joche mit eckigen Gurtbögen und Halbsäulenvorlagen, die häufig nicht bis zum Boden herabreichen, sondern auf Konsolen abgefangen werden.
  2. Jancis Robinson: Das Oxford-Weinlexikon. 2., vollständig überarbeitete Ausgabe. Hallwag, München 2003, ISBN 3-7742-0914-6, S. 134.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Pontigny – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien