Kloster Prüll

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Albrecht IV Bayern Fenster BNM.jpg
Herzog Albrecht IV. und der hl. Johannes.
Wilhelm IV Bayern Fenster BNM.jpg
Herzog Wilhelm IV. und der hl. Bartholomäus.


Glasfenster aus dem Chor der Klosterkirche der Kartause Prüll, heute im Bayerischen Nationalmuseum, München

Das Kloster Prüll ist ein ehemaliges Kloster der Kartäuser und liegt heute im Ortsteil Karthaus-Prüll im Stadtgebiet der Stadt Regensburg in Bayern in der Diözese Regensburg. Bis zum Ende des Heiligen Römischen Reiches 1806 lag das Kloster aber noch auf bayerischem Grund, nur knapp 1 km von den Stadtmauern der Reichstadt Regensburg entfernt. Die Klostergebäude waren deshalb im Dreißigjährigen Krieg bei den Kämpfen um Regensburg ein beliebter Aufenthaltsort für die Kommandeure angreifender Heere, die von den Türmen des Klosters einen guten Blick auf die Stadt und das Schlachtfeld hatten.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das dem heiligen Vitus geweihte Kloster wurde 997 durch Bischof Gebhard I. von Regensburg und seinen Bruder Rapoto als Benediktinerkloster gegründet. Der Klostername leitete sich vom Wort Prüll ab, dies bedeutete sumpfiges Gelände. Das Kloster war ein sogenanntes Doppelkloster, die Mönche und Nonnen lebten am selben Ort, die Teilkonvente wurden allerdings streng getrennt. Nachdem das Kloster seit 1130 oft von Pilgern besucht wurde, errichteten die Ordensmitglieder ein Armenhaus und ein Xenodochium. Nachdem das Kloster immer weiter verfiel, beschloss der bayerische Herzog Albrecht IV von Bayern das Kloster an die Kartäuser abzugeben. Der Ordenswechsel wurde 1484 vollzogen. Die Ordensmitglieder trennten ihre Klausen mit bis zu drei Meter hohen Mauern ab, jeder Mönch pflegte seinen eigenen Garten, vermutlich auch zur Pflege von Heilkräutern. Der ab 1506 dort als Prior wirkende Heinrich Moiston verfasste ein auch Paracelsus bekanntes Arzneibuch mit dem Titel Liber medicinalis.[1] Alle Ordensmitglieder waren nur während des Gebets in der Klosterkirche zusammen.

Im November 1633 nach der Eroberung der Reichstadt Regensburg im Dreißigjährigen Krieg durch die Schweden unter Feldmarschall Bernhard von Sachsen-Weimar mussten die Mönche das Kloster verlassen und konnten erst nach der Zurückeroberung der Stadt Regensburg durch kaiserliche und bayerische Truppen im Juli 1634 wieder zurückkehren. Das Kloster war allerdings von den Schweden teilweise ausgeraubt worden. In der Klosterkirche wurde noch im gleichen Jahr der im kaiserlichen und bayerischen Dienst stehende General Johann von Aldringen, der bei Landshut ums Leben gekommen war, mit einem Epitaph als Denkmal bestattet. Im Jahr 1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgelöst.

1809 übernachtete Napoleon Bonaparte im Klostergebäude, da er sich verletzt hatte.[2] Im Jahr 1835 kaufte der bayerische Bezirk Oberpfalz das Kloster. Daraufhin wurde 1852 in den Gebäuden des Klosters die Königliche Kreisirrenanstalt eingerichtet.[3] Heute befindet sich dort das Bezirksklinikum Regensburg mit einem kleinen Museum zu dessen Geschichte.

Klosterkirche St. Vitus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Um 1100 entstand anstelle des ottonischen Vorgängerbaus eine romanische Hallenkirche, die erste ihrer Art in Bayern. Die Kirche bestand aus drei gleich großen Schiffen. Die beiden schlanken Türme sind achteckig und wurden später im Jahr 1451 errichtet. Nördlich der Kirche befindet sich ein Kreuzgang.[2]

Der Innenraum ist im Stil der Renaissance gestaltet. Die Wände im Altarraum und Chorgestühl sind mit Ölgemälden verziert. Auf der durch eine Treppe erreichbaren Empore entstand um 1200 ein romanisches Fresko. Es stellt die Verkündigungsszene dar, wobei in den Heiligenscheinen der Figuren ehemals Edelsteine angebracht waren. An der Seite der Kirche befindet sich eine umfangreiche Ausstellung, in der u. a. auf Glasfenstern die Geschichte des Ordens abgebildet ist. Außerdem werden archäologische Funde des Kunsthandwerks und Reste eines Kachelofens gezeigt.[3]

Profanierte ehem. Pfarrkirche St. Vitus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die nördlich der Klosterkirche gelegene Pfarrkirche St. Vitus wurde als Folge der Säkularisation im 19. Jh. profaniert und in ein Wohnhaus umgebaut, das sich als dreigeschossiger Walmdachbau darstellt. Diesem Haus, Ludwig-Thoma-Straße Nr. 16, ist seine Vorgeschichte nur an dem an der Ostseite noch erkennbaren Dreiseitenchor abzulesen. Im Untergeschoss befindet sich die Quellfassung des Vitusbaches.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • 1000 Jahre Kultur in Karthaus-Prüll. Geschichte und Forschung vor den Toren Regensburgs. Festschrift zum Jubiläum des ehemaligen Klosters. Pustet, Regensburg 1997, ISBN 3-7917-1546-1. (nicht eingesehen)

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Prüll – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Wolfgang Wegner: Moiston (Musel), Heinrich (auch genannt Heinrich von Prüll/Brühl). In: Werner E. Gerabek, Bernhard D. Haage, Gundolf Keil, Wolfgang Wegner (Hrsg.): Enzyklopädie Medizingeschichte. De Gruyter, Berlin/New York 2005, ISBN 3-11-015714-4, S. 1001.
  2. a b Geschichte des Klosters (Memento vom 25. August 2007 im Internet Archive) auf donaustrudl.de
  3. a b Beschreibung des Klosters und der Klosterkirche auf kultur-ostbayern

Koordinaten: 49° 0′ 3″ N, 12° 5′ 18″ O