Abtei Santo Domingo de Silos

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Kreuzgang (claustro) des Klosters Santo Domingo de Silos – vier ähnliche gedrehte Säulen befinden sich in der Südvorhalle (portico) der Kirche San Pedro in Caracena.

Die Abtei Santo Domingo de Silos ist ein Benediktinerkloster im gleichnamigen Ort und liegt im Süden der nordspanischen Provinz Burgos. Die Abtei ist besonders wegen ihres Kreuzgangs bekannt, der als Meisterwerk der romanischen Architektur Europas gilt. Sie gehört zur Kongregation von Solesmes.

Grundriss der Klosteranlage

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gegründet wurde das Kloster im Jahre 929 als Abtei San Sebastian de Silos. Nach mehreren Plünderungen durch die Mauren kam es in der Amtszeit von Domingo de Silos zu neuer Blüte, der von 1041 bis zu seinem Tod 1073 als Abt der Gemeinschaft vorstand. Im Jahr 1076 wurde das Priorat von San Frutos dem Kloster Silos unterstellt. Die Abtei wurde ein bedeutendes Zentrum der Geisteswissenschaften, und ihre Bibliothek sowie das Skriptorium erlangten europaweiten Ruhm. Bedeutende Werke sind u. a. die Beatus-Handschrift, die heute in der British Library in London aufbewahrt wird, mehrere mittelalterliche Landkarten des Mittelmeerraumes sowie das Missale de Silos, das älteste erhaltene christliche Buch (1151) aus Papier, welches bis heute zur Bibliothek des Klosters gehört. Seit etwa 1110 wird die Abtei Santo Domingo de Silos genannt.[1]

Der Kreuzgang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Kreuzgang (claustro) ist der kunsthistorisch bedeutsamste Teil der Klosteranlage. Seine Anfänge datieren etwa aus der Abtszeit des hl. Domingo – seine heutige Gestalt erhielt er im späten 11. und beginnenden 12. Jahrhundert. Die Kapitelle und die Relieftafeln der Eckpfeiler des Untergeschosses beeindrucken durch ihre Vielfältigkeit und Ausdrucksstärke. Beachtenswert sind in diesem Bereich der Kenotaph des Heiligengrabes, der von drei Löwen getragen wird, und die polychromen Darstellungen der Nuestra Señora de Marzo und der Santa Ana con Santa María y El Niño Jesús.

Die Glocken[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Glocken wurden nach den künstlerischen Vorgaben des Ordens gestaltet und am 16. April 1999 von der Glockengießerei Bachert im Werk Heilbronn gegossen.

Technische Daten
Nominal cis‘ e‘ fis‘ gis‘ h‘ cis‘‘
Gewicht kg 1889 1311 1137 766 482 331
unterer ø mm 1495 1286 1180 1045 891 777

Gregorianischer Gesang[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Internationale Bekanntheit erlangte das Kloster außerdem durch seine Pflege des Gregorianischen Chorals. Mehrere seit den 1960er-Jahren produzierte Aufnahmen wurden auf LP und CD veröffentlicht. Die CD Chant stand 1994 53 Wochen lang in der US-amerikanischen Hitparade Billboard Hot 100[2] – sehr zum Erstaunen von Musikexperten sowie der Mönche selbst, zumal es sich um Wiederveröffentlichungen älterer Aufnahmen von 1973 handelte. Das Album wurde dreimal mit Platin ausgezeichnet, was eine Auflage von mindestens drei Millionen Exemplaren bedeutet, und gilt als das bestverkaufte Gregorianik-Album der Schallplattengeschichte. Im Jahre 1995 ließ die Plattenfirma das Nachfolgealbum Chant II folgen. In Europa wurden Aufnahmen der Choralschola unter dem Titel Canto Gregoriano als Doppel-CD veröffentlicht.

Siehe auch[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Placidus Heider: Domingo de Silos. In: Walter Kasper (Hrsg.): Lexikon für Theologie und Kirche (LThK). 3. Auflage. Band 3. Herder, Freiburg im Breisgau 1995, Sp. 323.
  2. The Billboard 200

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Abtei Santo Domingo de Silos – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 41° 5′ 0″ N, 3° 51′ 0″ W