Kloster Ursberg

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Banner of the Holy Roman Emperor with haloes (1400-1806).svg
Territorium im Heiligen Römischen Reich
Reichsstift Ursberg
Wappen
Wappen von Ursberg.png
Alternativnamen Reichsabtei
Herrscher/Regierung Reichsabt
Heutige Region/en DE-BY
Reichstag Im Reichsfürstenrat vertreten durch das Schwäbische Reichsprälatenkollegium
Reichskreis Schwäbischer Reichskreis
Hauptstädte/
Residenzen
Ursberg
Konfession/
Religionen
römisch-katholisch
Sprache/n Deutsch, Lateinisch
Aufgegangen in Kurfürstentum Bayern
Kloster Ursberg aus der Vogelperspektive

Das Kloster Ursberg ist eine ehemalige Reichsabtei der Prämonstratenser und heutiges Kloster der franziskanischen St. Josefskongregation in Ursberg (Landkreis Günzburg, Bayern) in der Diözese Augsburg.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klosterhof mit ehem. Klosterkirche St. Johannes Evangelist Welt-Icon
Euthanasiemahnmal Welt-Icon

Gründung und Blütezeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das St. Petrus und St. Johannes Evangelist geweihte Kloster wurde 1125 durch den Edlen Wernher von Schwabegg-Balzhausen gegründet. Es war die erste Niederlassung des Prämonstratenserordens in Süddeutschland. Das Kloster wurde im Jahr 1143 Reichsstift. Kloster Ursberg gründete bereits 1126 das noch bestehende Kloster Roggenburg.

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde das Kloster Ursberg durch ein Kruzifix berühmt, von dem es hieß, dass es wundertätig sei. Es würde totgeborene Kinder oder vor der Taufe verstorbene Säuglinge kurzzeitig wieder ins Leben zurückholen (das sei, so sagten die Mönche, daran zu erkennen, dass der Leichengeruch weiche, sich eine Wange etwas röte oder sogar die Nase blute), sodass es möglich sei, sie eilends zu taufen.[1] Aus dem weiten Umkreis, sogar aus dem Kurfürstentum Bayern, aus Böhmen und aus dem Erzherzogtum Österreich kamen verzweifelte Eltern und brachten ihre toten Kinder zur Taufe, um sie dadurch vor der Verdammnis zu bewahren. Das erste Kind wurde 1686 getauft, von 1686 bis 1720 wurden, nach Aufzeichnungen des Klosters, mehr als 12.000 Taufen vollzogen.[1] Ein Kritiker der Praxis wundersamer Taufen verstorbener Kinder war der aufgeklärte Augustiner-Chorherr Eusebius Amort, der dagegen eine Dissertatio de baptismo puerorum ad imagines miraculosas (lateinisch Abhandlung über die Kindertaufe vor wundertätigen Bildnissen) verfasste.[2] Die römische Kurie versuchte ab 1729, diese Taufpraxis zu unterbinden,[2] jedoch zunächst vergeblich. Die Prämonstratenser hielten auch in den folgenden Jahrzehnten noch daran fest,[2] wohl auch, weil die Gaben der dankbaren Eltern zu einer Einnahmequelle ihres Klosters geworden waren.

In der zweiten Hälfte 18. Jahrhundert kam es in der Grund- und Gerichtsherrschaft zu aufgeklärten Reformen, die allerdings erst 1777 zum Erlass einer eigenen Policey-Ordnung führten. Sie regelte die innere Ordnung des schwäbischen Reichsstifts, von der Sonn- und Feiertagsordnung über Vorschriften zum Wirtshausbesuch bis hin zum Verbot des Glücksspiels für die Stiftsuntertanen.

Säkularisation und weitere Nutzung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1803 wurde das Kloster im Zuge der Säkularisation aufgelöst. Die Kirche wurde Pfarrkirche. Im Kloster wurden der Pfarrhof und das Landgericht Ursberg untergebracht. 1884 erwarb der Priester Dominikus Ringeisen die Gebäude und rief dort eine Schwesternkongregation zur Pflege von körperlich und geistig Behinderten ins Leben, das heutige Dominikus-Ringeisen-Werk. Träger dieser Einrichtung war die Sankt-Josefskongregation Ursberg, eine franziskanische Ordensgemeinschaft mit rund 180 Schwestern.

Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Gedenkstein
Jeder Mensch ist kostbar,
jeder Mensch hat ein Recht auf Leben.
Unser Auftrag: Schütze das Leben.

Während des Nationalsozialismus wurden ab 1936 über 200 Patienten zwangssterilisiert. Ab Herbst 1940 bis zum August 1941 brachte man fast 200 Personen zur Vergasung in die NS-Tötungsanstalt Hartheim bei Linz. Weitere annähernd 200 Patienten starben bis 1945 an Hunger und Vernachlässigung.[3] Ein Mahnmal des 1947 geborenen Bildhauers Alfred Görig im Klosterhof erinnert seit 2004 an dieses Kapitel sowie an die Toten beider Weltkriege. Eine Gedenktafel im Schloss Hartheim in Oberösterreich nimmt das zentrale Motiv des Mahnmals im Ursberger Klosterhof auf und erinnert an die Ermordeten während des 3. Reichs in Einrichtungen der St. Josephskongregation.[4]

Gegenwart[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1996 wurde das Werk in eine kirchliche Stiftung des öffentlichen Rechts umgewandelt. Die Stiftung begleitet Menschen mit Behinderungen an zahlreichen Orten in Bayern.

Grundherrschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Herrschaft Ursberg umfasste zu Beginn des 19. Jahrhunderts 3300 Untertanen. Trotz seines reichsunmittelbaren Standes zählte Ursberg zu einem der ärmsten Prälatenklöster Schwabens. Nach der Säkularisation fiel die Herrschaft an des Kurfürstentum Bayern, an dessen Stelle man 1804 das Landgericht Ursberg errichtete. Die Herrschaft setzte sich einstmals aus folgenden Ortschaften zusammen:

Pröpste und Äbte des Klosters[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Klosterkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Alfred Lohmüller: Reichsstift Ursberg. Von den Anfängen 1125 bis zum Jahre 1802. Konrad, Weissenhorn 1987, ISBN 3-87437-249-9.
  • Wolfgang Wüst (Hrsg.): Die „gute“ Policey im Reichskreis. Zur frühmodernen Normensetzung in den Kernregionen des Alten Reiches. Band 1: Der Schwäbische Reichskreis, unter besonderer Berücksichtigung Bayerisch-Schwabens. Akademie-Verlag, Berlin 2001, ISBN 3-05-003415-7, S. 359–382. (Ursberger Policeyordnung)
  • Jacques Gélis: Lebenszeichen – Todeszeichen. Die Wundertaufe totgeborener Kinder im Deutschland der Aufklärung. In: Jürgen Schlumbohm et al. (Hrsg.): Rituale der Geburt. Eine Kulturgeschichte. C. H. Beck, München 1998, ISBN 3-406-42080-X, S. 269–288.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Kloster Ursberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. a b Johann Friedrich: Beiträge zur Kirchengeschichte des 18. Jahrhunderts. Aus dem handschriftlichen Nachlass des regul. Chorherrn Eusebius Amort. Verlag der königlichen Akademie, München 1876, S. 8.
  2. a b c Johann Friedrich: Beiträge zur Kirchengeschichte des 18. Jahrhunderts. Aus dem handschriftlichen Nachlass des regul. Chorherrn Eusebius Amort. Verlag der königlichen Akademie, München 1876, S. 9.
  3. [1]Haus der Bayerischen Geschichte: Kloster Ursberg
  4. Mahntafel im Schloß Hartheim
  5. Haus der Bayerischen Geschichte - Klöster in Bayern. Abgerufen am 2. Januar 2019.

Koordinaten: 48° 15′ 58″ N, 10° 26′ 47,1″ O