Kloster Vinnenberg

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Kloster Vinnenberg
Kloster Vinnenberg um 2011
Kloster Vinnenberg um 2011
Lage DeutschlandDeutschland Deutschland
Nordrhein-Westfalen
Liegt im Bistum Bistum Münster
Koordinaten: 52° 2′ N, 7° 58′ OKoordinaten: 52° 1′ 39,7″ N, 7° 58′ 2″ O
Gründungsjahr 1256 durch Zisterzienser
Jahr der Auflösung/
Aufhebung
1810
Jahr der Wiederbesiedlung 1891
Jahr der Wiederauflösung 2005

Das Kloster Vinnenberg ist ein ehemaliges Zisterzienserinnen- und Benediktinerinnenkloster, das heute als Seminar- und Exerzitienhaus für geistige Erfahrungen in Trägerschaft des Bistums Münster geführt wird. Es befindet sich im östlichen Münsterland nördlich von Warendorf im Ortsteil Milte, in unmittelbarer Nähe zur Bever. Kloster Vinnenberg ist einer der ältesten Wallfahrtsorte im Bistum Münster und ein Ort der Marienverehrung. Bekannt ist das Kloster vor allem wegen des Vinnenberger Gnadenbildes. Das Kloster befindet sich inmitten des Naturschutzgebietes Vinnenberger Busch und des Landschaftsschutzgebiet Am Vinnenberger Busch - Großer Dyk.

Das Exerzitienhaus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Exerzitienhaus besteht aus zwei Gebäuden: dem Klostergebäude und dem alten Rektorat.

  • Das Klostergebäude hat insgesamt 28 Zimmer: 25 Einzel- und 3 Doppelzimmer mit Nasszelle, davon 2 als kleine Suiten und zwei als Referentenzimmer, 1 Vortragssaal (70 Personen), 4 Seminarräume (10 - 20 Personen), 1 Gesellschaftsraum mit Teeküche, 1 Refektorium (Speisesaal für 55 Personen), 1 kleinen Refektorium, dazu 30000 m² Klostergarten.
  • Das Alte Rektorat biete 9 Einzelzimmer (Nasszelle/Bad/WC auf dem Flur für je 2-3 Zimmer); 1 Essküche für 12 Personen, 1 Bibliothek, 2 Meditationsräume (14 -26 Personen), 1 Schweigegarten am Wasser, 1 Bad/WC/Küche/Wohnzimmer.

Konzept[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Konzept zur "Erweckung zum neuen Leben" ruht auf vier Säulen:

  • 1. Säule:Kontinuität des kontemplativen Lebens (Raum und Zeit für Sinnsuche und Gottessehnsucht)
    • Tage der Stille und Exerzitien
    • Kompetente Begleitung für Einzelne und Gruppe
    • Einübung in Gebet und Meditation und Kontemplation
    • Anbetung - jahrhundertealte und neue Gebetsformen
  • 2. Säule: Persönlichkeitsentwicklung (Reifender Glaube - sich wandelndes Leben)
    • Spirituelle Selbst- und Körpererfahrung
    • Pastoralpsychologische Schulung
    • Rituale und religiöse Symbolsprache
    • Training im seelsorgerischen Gespräch, Kommunikation und Beratung
    • Auseinandersetzung mit Literatur, Kunst und Tanz
  • 3. Säule: Erneuerung christlicher Wertorientierung (Herausforderung sehen - ethisch handeln)
    • Wirtschaftsethik: Führungskultur für Menschen in Verantwortung
    • Medizinethik: Umgang mit Grenzerfahrungen des Lebens
    • Neue Quellen im Berufsalltag finden
    • Achtsamkeit üben
    • Nachhaltigkeit erreichen
  • 4. Säule: Kontinuität religiöser Kultur (Das Erbe schätzen und weiterschreiben)
    • Pflege der Wallfahrt und des Pilgerns
    • Erweiterung und Vertiefung des liturgischen Angebote
    • Geistliche Konzerte, Literatur und Kunst [1]

Für Einzelpersonen gibt es auch noch die Möglichkeit der "Oasentage", bei denen man die Ruhe der klösterlichen Umgebung mit Wanderungen im Naturschutzgebiet Vinnenberger Busch auf sich wirken lassen kann. Insgesamt arbeiten 15 Angestellte für das Wohl der Gäste.

Bilder[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Name[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

„Vinnen: Heide am Sumpfe oder Torfmoor. Das i in dem Namen erklärt sich wohl durch das westfrisische finne als Nebenbildung zu ahd. fenna, nd. Ve(e)n, ags. es in Venne.“

Gründung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Erste urkundliche Erwähnungen finden sich aus dem Jahr 1256. Der Münsteraner Bischof Graf Otto II. von der Lippe (1247–1259) übertrug dem Konvent die Milter Pfarrkirche mitsamt dem Recht, den Ortspfarrer einsetzen zu können.

„Kloster Marienberg in Vinnenberg wird erstmals in einer Urkunde von 1256 erwähnt: Am 5. Mai dieses Jahres übertrug Bischof Otto II. von Münster (1247–59) dem conventus montis sancte Marie quod antea Vinnenberg vocabatur, den er als novella congregatio bezeichnete, das Patronat der Pfarrkirche in Milte.[3] Einen Überblick über die Geschichte des Klosters bietet LEIDINGER, Westfälisches Klosterbuch, Die in der Urkunde bereits als Standort genannte curia Vinnenberg erwarben die Nonnen etwa sechs Wochen später von dem bischöflichen Ministerialen Bernhard von Vinnenberg, einem Bruder des Gründers von Kloster Rengering, das nur etwa 3 km entfernt liegt. Es ist davon auszugehen, dass zunächst nur die Gründung eines Klosters in dieser Gegend vorgesehen war, und dass nur wegen der schweren Auseinandersetzungen um die Ausstattungsgüter in Rengering und den daraus resultierenden schlechten Entwicklungsaussichten dieses Klosters, die Ansiedlung eines zweiten Konvents nach nur etwa 10 Jahren in Betracht gezogen wurde.“

Gabriele Maria Hock[4]

Die Gründung des Klosters Vinnenberg trifft in die Zeit der religiösen Aufbruchbewegung im 13. Jahrhundert. Sehr wahrscheinlich gründeten um 1252 zwei Nonnen aus dem Zisterzienserinnenkloster St. Aegidii in Münster nahe dem Hof Winnenburg/Winnenberg (= Vinnenberg) ein kleines Kloster, mit Namen Mons Mariae (= Marienberg). Erste urkundliche Erwähnungen finden sich aus dem Jahr 1256. Der Münsteraner Bischof Graf Otto II. von der Lippe (1247–1259) übertrug dem Konvent die Milter Pfarrkirche mitsamt dem Recht, den Ortspfarrer einsetzen zu können. Das Kloster erlangte für den Neubau und zu seinem Schutz außerordentlich zahlreiche päpstliche und bischöfliche Empfehlungen, weil die Stiftung namentlich jene nordischen Gegenden zum Frommen gereichen sollte, wie es in der päpstlichen Urkunde von 1256 heißt. In einer Urkunde des gleichen Jahres findet sich der Bezug zum Gutshof Vinnenberg des Ritters Bernhard. Der Bischof übertrug die Rechte des Hofes, den Bernhard von Vinnenberg als sein Lehen besaß, auf das Kloster. Ritter Bernhard hatte in diesem Zuge den Hof allerdings nicht per Schenkung an das Kloster gegeben, sondern ihn an dieses verkauft. Schnell bürgerte sich der Name des Gutes als Name für das Kloster ein. Wurde es in den Urkunden oft noch „Marienberg“ genannt, hieß es in der Bevölkerung nunmehr Kloster Vinnenberg. 1267 erhielt das Kloster einen Hof im Kirchspiel Telgte. 1297 erwarb es Grundbesitz und Häuser in Warendorf. Durch Schenkungen und Ankäufe erwarb das Kloster weiteren Besitz.

Rengering und Vinnenberg die Doppelgründung an der Bever[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Gründer des Klosters Rengering habe nach weniger als zehn Jahren das Kloster Vinnenberg in etwa vier Kilometer Entfernung, ebenfalls an der Bever gelegen, gegründet. Dies liegt an den ungünstigen Bedingungen, die das Kloster Rengering den ersten zehn Jahren seiner Gründung vorgefunden hatte: Während die zwei Brüder des Stifters, Bernhard und Johann von Vinnenberg, mit der Stiftung einverstanden waren, suchten zwei andere Verwandte, Hermann und Albero, die junge Stiftung 1252 durch Raub und Brand heim, söhnten sich aber 1253 gegen die Entschädigung von 5 Mark Silbers mit dem Kloster aus.[5] Es wird davon ausgegangen, dass diese frühe Auseinandersetzung die Gründung des Klosters Vinnenberg initiiert oder zumindest befördert hat. Es könnte nicht unwahrscheinlich sein, dass mit der Gründung des Klosters Vinnenberg 1256 das Kloster Rengering aufgegeben werden sollte. Doch 1257 fordert Papst Alexander IV. das Generalkapitel der Zisterzienser auf, das Kloster Rengering auch formal in den Orden aufzunehmen, "nachdem es schon zehn Jahre und mehr die Ordensregeln beobachtet habe"

„Die in der Urkunde bereits als Standort genannte curia Vinnenberg erwarben die Nonnen etwa sechs Wochen später von dem bischöflichen Ministerialen Bernhard von Vinnenberg, einem Bruder des Gründers von Kloster Rengering, das nur etwa 3 km entfernt liegt. Es ist davon auszugehen, dass zunächst nur die Gründung eines Klosters in dieser Gegend vorgesehen war, und dass nur wegen der schweren Auseinandersetzungen um die Ausstattungsgüter in Rengering und den daraus resultierenden schlechten Entwicklungsaussichten dieses Klosters (gem. ist Kloster Vinnenberg, Anm. d. Verfassers), die Ansiedlung eines zweiten Konvents nach nur etwa 10 Jahren in Betracht gezogen wurde.“

Gabriele Maria Hock[6]

Das Kloster Vinnenberg und das Kloster Rengering sind ca. 4,7 km über den Beverstrang miteinander verbunden. Von dieser Zeit ab, bis zur Aufhebung beider Klöster im Jahr 1810 haben diese beiden Zisterzienserklöster in unmittelbarer Nähe zueinander existiert. Dies hat dazu geführt, dass das Kloster Rengering sich mehr nach Westen, dem Beverstrom abwärts nach Ostbevern orientierend, entwickelt hat, während das Kloster Vinnenberg den Blick nach Osten gewandt hatte, der Bever aufwärts nach Füchtorf und Milte. Die Entwicklung vom Kloster Rengering ist nicht ohne das Kloster Vinnenberg zu erklären und umgekehrt.

Gründungslegende[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

In mittelalterlich frommer Denkweise berichtet eine alte Legende von der Entstehung des Klosters Vinnenberg. Die beiden wegen des Erbes zerstrittenen Brüder Ritter Bernhard von Rengering und Johannes von Vinnenberg sollen in mondheller Nacht gesehen haben, wie zwei Gestalten ihren Hof abschreiten. Sie identifizierten die Frau und den jungen Mann als Maria und den Apostel Johannes. Die beiden „Vermesser“ ließen sich nach einer Weile auf einem umherliegenden Holzstamm nieder. Als die beiden Ritterbrüder in den Hof liefen, waren die Gestalten aber verschwunden. Lediglich ein roter Seidenfaden fand sich auf dem Holzstamm. Die Brüder deuteten die Vision entsprechend und stifteten ihre Erbteile zu Ehren der Mutter Jesu, Johannes des Täufers und des Apostels Johannes den Schwestern des kleinen Klosters Marienberg „zur erweiterung und Stiftung vorerwänten Jungfrawen Cloisters“. Aus dem Holzstamm ließen sie der Überlieferung nach vier Heiligenfiguren schnitzen: drei Bildnisse der Mutter Gottes und eines der hl. Anna. Das kleinste dieser Bildnisse wurde das bekannte Vinnenberger Gnadenbild: die "Mutter Gottes vom Himmelreich", welches seitdem in Vinnenberg verehrt wurde und Vinnenberg zur Pilgerstätte werden ließ.

Mittelalter[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1297 erhielt das Kloster seinen ersten Grundbesitz in Warendorf, welches sich dann ständig vergrößerte. Viele Schenkungen wurden gegeben und für die Wallfahrt nach Vinnenberg wurde von Bischöfen und Päpsten mit besonderen Ablässen gefördert. Die erste Äbtissin, von der die Chronik berichtet, war eine gewisse Angela. Sie habe ihr Kloster in „aller auferbawiligkeit und geistigen eyffer regiret“ und sei 1301 gestorben. Von dieser Zeit schließt sich lückenlos eine Reihe von 28 Äbtissinnen in der Chronik an.[7] Das Kloster Vinnenberg übte das Patronatsrecht in Milte aus. Es stellte das Kirchenpersonal und sorgte auch materiell für die Pfarrkirche. Zahlreiche Bauern der Ortschaft Milte waren dem Kloster hörig und verpflichtet. Bis in die Mitte des 15. Jahrhunderts war das Kloster eine Zisterzienserinnenabtei und dem Kloster Marienfeld in Marienfeld unterstellt.

Im 15. Jahrhundert war ein innerer und äußerer Niedergang durch die Einbindung des Klosters in die Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen der Zeit eingetreten. Die Nonnen waren zum Teil verweltlicht und einzelne besaßen Sondereigentum. Auf Initiative des Münsteraner Bischofs Johann und des Liesborner Abts Heinrich von Kleve[8] gelang es Äbtissin Ursula Swaneken 1465 im Rahmen der Erneuerung des klösterlichen Lebens, den Konvent in eine Benediktinerabtei umzuwandeln. Ab 1468 gehörte sie zur Bursfelder Kongregation und wurde nun dem Kloster Liesborn unterstellt.

Der Konvent besaß umfangreichen Güterbesitz in und um Milte und war Grundherr vieler Milter Bauern und Familien in der Umgebung. Der Güterbesitz des Klosters wurde vermutlich ab 1465 systematisch schriftlich notiert. Neben dem Wechselbuch, das von 1465 bis 1610 reicht, haben sich u. a. alte Einkünfteregister (von 1503) und ein altes Lagerbuch (von 1567) erhalten. Gleichzeitig war das Kloster selbst ein ansehnlicher Gutshof mit zahlreichen Wirtschaftsgebäuden: einer Mühle, einer Ölmühle, einer Brauerei, einem Wollhaus und großem Viehbestand. Angestellte Knechte und Mägde erledigten die schwere landwirtschaftliche Arbeit des Nonnenkonvents. Am Palmsonntag des Jahres 1550, vormittags um 10 Uhr brannte das Kloster ab. Nach mühsamem Aufbau verwüstete wieder ein Feuer 1568 die Klosteranlage. Doch jedes Mal wurde neu aufgebaut.

17. und 18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die wirtschaftliche Situation im Dreißigjährigen Krieg war verheerend, als das Kloster oft zur Beute der marodierenden Soldateska wurde. Den Benediktinerinnen von Liesborn ist es zu verdanken, das die Stürme der Reformation ohne größeren Schaden an den Kloster (Bildersturm) vorüber gegangen sind. Ansonsten erfolgte im 17. und 18. Jahrhundert eine Zeit des Aufbaus.[9]

  • 11. November 1621: 11 Soldaten ließen erst nach der Zahlung von 35 Rthlr, sowie einer Beigabe von einigen der besten Pferde von der Plünderung ab
  • 12. April 1622: 300 Soldaten rauben das Kloster aus. Ein Brand konnte durch die Zahlung von 400 Rthlr verhindert werden.
  • August 1622: 35 Thaler sowie Leinen wurde bei einem Überfall geraubt.
  • 1623: Das Kloster verlor durch Raubzüge weiter 100 Rthr
  • 1629: Das Gnadenbild musste nach Warendorf in Sicherheit gebracht werden.
  • 1633: Schwedische Truppen plündern das Kloster aus.
  • 1633–1638: Die Nonnen verlassen das Kloster und leben für fünf Jahre in Warendorf
  • 1636: Das kaiserliche Heer requiriert 61 Schweine und zertrümmert das Inventar
  • Oktober 1636: Schwedische Truppen zogen 11 Kühe, 3 junge Pferde und 65 Rthr ein.
  • 13. Oktober 1642: Ein Regiment aus Sachsen-Waimar mit 3000 Mann quartiert sich ins Kloster ein. Flucht der Nonnen nach Warendorf. Türen, Fenster, Schränke, Stühle, Bänke, Kisten und Kasten wurden in Brand gesteckt, Vorräte geplündert, Braupfannen aus Kupfer zerschlagen und verschleppt, eine Scheune niedergebrannt.
  • 1647 Schweden unter Hans Christoph von Königsmarck hatten in Warendorf Quartier genommen. Flucht der Nonnen nach Warendorf und Münster. 28 Enten, 100 Hühner, 38 Schweine, 10 Schafe werden ihre Beute. Die Restbestände des dezimierten Inventars geht verloren.

Äbtissin Anna Maria Plönies ließ trotzdem ab 1658 ein Armenhaus errichten und unterhalten. Das Kloster überstand in ähnlicher Weise den Siebenjährigen Krieg (1756–1763).

Säkularisation[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Rahmen der Säkularisation gelangte das Fürstbistum Münster 1803 in den Besitz Preußens. Ähnlich dem Kloster Rengering wurde durch "Allerhöchste Kabinettsorder" am 4. August der Fortbestand zugesichert. Nach dem Tod der Äbtissin Josepha Ostendorf wurde 1804 mit königlicher Genehmigung die Äbtissin Adolphine Haase gewählt. Sie blieb nur sechs Jahre im Amt.[10] Als allerdings im Zuge der napoleonischen Eroberungen das Gebiet um Vinnenberg 1808 dem unter französischer Verwaltung stehenden Großherzogtum Berg zugeschlagen wurde, begannen die neuen Machthaber mit der Auflösung des Konvents. Dabei geschah die Auflösung simultan zum Kloster Rengering was nur 5 km abwärts der Bever liegt. Auch waren hierfür die gleichen Amtsträger zuständig:

  • 2. Dezember 1808 Amtsrentmeister Reinharz legte dem Archiv und Rechnungsbücher des Klosters unter Siegel.
  • 6. Dezember 1808 Auflistung des gesamten Inventars
  • Dezember 1808 Entlassung eines Teils der Klosterbediensteten
  • 16. Januar 1809 Weitere Entlassungen
  • Juli 1809 Verkauf des Roggens
  • Oktober 1809 Verpachtung der Äcker, Wiesen und Weiden an die Meistbietenden
  • 1809 Überführung des Silbers nach Düsseldorf
  • 30. Januar 1810 Formale Aufhebung des Klosters. Bei der Aufhebung lebten außer der Äbtissin Elisabeth von Hase (aus Dortmund) noch neun Chorschwestern und zwei Novizinnen, sowie sechs Laienschwestern und zwei Kandidatinnen auf dem Kloster.[11]
  • 17. Februar 1810 Festsetzung der Pensionen: Die Äbtissin erhält 900 Franks jährlich und eine einmalige Einrichtungspauschale von 100 Franks. Die Priorin 800 Franks und die restlichen Nonnen 650 Franks.
  • 24. Februar 1810 Amtsrentmeister Reinharz setzt den Konvent über die Aufhebung in Kenntnis.
  • 23. März 1813 Tod der letzten Äbtissin Adolphine Elisabeth von Haase. Auch nach Rückeroberung des Gebietes durch Preußen 1815 wurde das Kloster nicht rekonstituiert.
  • 8. Juli 1824 Kirche und Anlagen werden zum Verkauf angeboten, fand jedoch keinen Käufer.
  • 1827 schenkt der preußische König die noch stehende Klosterkirche dem Dorf Milte. Doch diese lehnt den völligen Abbruch ihrer alten Kirche ab, sondern erneuert das Langhaus. Die Entwicklung unterscheidet sich völlig von dem Nachbarkloster Rengering. Wahrscheinlich dürfte hierfür das Gnadenbild, welches zeitweise in Füchtorf aufbewahrt wurde, eine große Rolle gespielt haben.
  • 6. Oktober 1829 Einweihung des Erneuerten Langhauses.
  • 1831 kehrt das Gnadenbild von Füchtorf nach Vinnenberg zurück.
  • 1865 Durchgreifende Erneuerung der übrigen Klostergebäude. Aufbau einer Altenheims für Priester.
  • April 1898 Übergabe des Klosters an die Benediktinerinnen vom heiligsten Sakrament aus dem Kloster Hamicolt bei Dülmen und Aufbau der übrigen Klostergebäude.

Vinnenberger Kamin[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Kanton Ostbevern unter der Führung von Friedrich Clemens von Elverfeldt genannt Beverförde zu Werries wurden die Klostergebäude mit Ausnahme der Kirche teilweise abgerissen. Heute befindet sich noch ein Kamin aus dem Kloster Vinnenberg im Schloss Loburg.[12] Über dem, aus Baumberger Sandstein gefertigten Kaminsims mit reichverzierten Wappen ist in der Mitte das Chronodistichon zu sehen: InsIgnIa heroICa pla VIrtVtVM InDICIa (1724).[13]

Erneute Aufnahme des Ordenslebens[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Als nach dem Ende des Kulturkampfes sich die erhärteten Fronten zwischen dem preußischen Staat und der katholischen Kirche sich lösten, erreichte 1891 der Münsteraner Bischof Hermann Dingelstad, dass das Klostergelände und die großenteils verfallenen Gebäude an den bischöflichen Stuhl von Münster rückübertragen wurden. 1898 wurde das Kloster von Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament aus dem Kloster Hamicolt neu besiedelt. Prior war Hermann Josef Windhoff. Die Landwirtschaft wurde wieder aufgebaut. Eine Hostienbäckerei und Paramentenstickerei sicherten das wirtschaftliche Auskommen der Gemeinschaft.

Nationalsozialismus[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Bereits 1934 machte das Kloster Vinnenberg unangenehme Erfahrungen mit dem neuen Regime der Nationalsozialisten. Der damalige Rektor der Klosteranlage, Otto Böcker, wurde verhaftet, nachdem er sich bei einer Predigt zu politischen Fragen geäußert und in persönlichen Unterhaltungen abfällige Bemerkungen zu Regierungsvertretern gemacht hatte. Der vorsitzende Richter verhängte fünf Monate Festungshaft wegen Verstoßes gegen den Kanzelparagraphen. Gleichzeitig wurde Rektor Böcker zu zehn Monaten Gefängnis aufgrund verleumderischer Beleidigung verurteilt, wegen einer allgemeinen Amnestie allerdings früher aus seiner Haftstrafe entlassen.

Klostersturm 1941[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Anfang Juli 1941 wurde das Kloster von der Gestapo inspiziert. Man rechnete damit, das Kinder aus Großstädten aufgenommen werden sollten. Dazu waren die Schwestern auch bereit; keiner ahnte, dass aufgrund eines Geheimerlasses des NSDAP-Reichsleiters Martin Bormann vom 13. Januar 1941, die Ordensgemeinschaft in einem zweiten Klostersturm aus Westfalen vertrieben werden sollte. Am 15. Juli 1941 beschlagnahmte die Gestapo das Kloster. Den ca. 50 Schwestern wurde ihre Ausweisung aus dem Rheinland und Westfalen mitgeteilt. Die Priorin Mutter Hermanna wurde über Nacht im Kloster festgehalten und sollte in Verhören gegen den Bischof Clemens August Graf von Galen aussagen, was jene aber verweigerte. Den Schwestern wurde mitgeteilt, dass sie sich bereit zu machen hätten, da sie noch in der Nacht abtransportiert würden und nur das Notdürftigste an persönlichen Dingen mitnehmen dürften. In aller Eile wurde das Sanctissimum und das Gnadenbild aus der Kirche geholt und einem benachbarten Geistlichen in Obhut gegeben. Dann fuhren Omnibusse vor und man musste Einsteigen. Keine der 50 Schwestern wusste wohin. In der Nacht hielt der Transport vor dem Anbetungskloster in Osnabrück am Hasetor. Zwar konnte das Kloster die Nonnen kurzfristig aufnehmen, aber eine dauerhafte Unterbringung war nicht möglich. Da schaltete sich der Bischof Clemens August Graf von Galen ein. Er hatte sich bereits am 13. Juli in einer Predigt gegen die Beschlagnahme von Klöstern aus Münster und Umgebung gewehrt. Er suchte die Schwestern in Osnabrück auf, und erklärte ihnen, dass sie alle in seiner Diözese bleiben sollte. Nun hatte das Bistum Münster auch noch ein Gebiet außerhalb von Westfalen, das Bischöflich Münstersches Offizialat, zudem auch das Oldenburger Münsterland gehörte, der Heimat des Bischofs. Dort hatte der Bischof mit seinem Neffen Graf Bernhard Fühlung aufgenommen und um Quartier für die Schwestern gebeten. Nach der Zusage des Neffen, konnte der Kaplan von Dinklage Dr. Portmann, alle Vorkehrungen treffen. So konnten 25 der Schwestern die Burg Dinklage zum Kloster machen. Die Burgkapelle wurde für das Chorgebet genutzt. Erst 1945 konnten die Nonnen wieder nach Vinnenberg zurückkehren. Die Burg Dinklage wurde daraufhin von den vertriebenen Nonnen des Klosters Alexanderdorf genutzt.[14]

Die Gebäude des Vinnenberger Klosters wurden als „nationalsozialistisches Volksheim“ von der NS-Kreisleitung Münster und Warendorf, sowie dem Luftgaukommando VI Westfalen genutzt. Die Klosterkirche wurde als Lagerhalle umfunktioniert. Das Gnadenbild, fortan unter Obhut des Bischofs von Münster, Clemens August Graf von Galen, ging am 10. Oktober 1943 bei einem Bombenangriff auf Münster verloren.

Nachkriegszeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im April 1945 marschierten die Amerikaner in Milte ein. Das fluchtartig vom Luftgaukommando verlassene Kloster nutzte die US-Armee wegen der ungünstigen Lage aber nur einige Tage als Lazarett. Russische und polnische Zwangsarbeiter quartierten sich zeitweise in den Räumen ein. Nach Einverständniserklärung der amerikanischen Truppen kehrten die Schwestern am 2. Mai 1945 in die von Nachbarn wieder hergerichteten Räume zurück.

Die Nachkriegsjahre waren vor allem durch den Wiederaufbau und die Erweiterung des Klosters geprägt. So wurde ein Erweiterungsbau dem Kloster angefügt und die Landwirtschaft wieder aufgebaut. Die Hauptarbeitsgebiete der Hostienbäckerei, seit 1975 mit einer automatischen Backmaschine bestückt, und der Paramentenstickerei sicherten dem Konvent seine wirtschaftliche Existenz.

Bei der Einrichtung einer deutschen Konföderation innerhalb des Ordenszweiges der Benediktinerinnen des heiligsten Sakraments spielte Vinnenberg eine entscheidende Rolle. So tagten die deutschen Priorinnen 1952 zu ersten Gesprächen für die Gründung einer Kongregation und der Erstellung einheitlicher Konstitutionen. 1957 wurde in Vinnenberg die deutsche Föderation gegründet und die Vinnenberger Priorin Mutter Hermanna zur ersten Präsidentin ernannt.

Nach dem Zweiten Vatikanischen Konzil in den 60er Jahren ergaben sich einschneidende Änderungen im Ordensleben der Schwestern. So wurde die Klausur auf den Chorraum der Kirche ausgeweitet und den Nonnen erlaubt, für die Anbetung vom Nonnenchor hinunter in den Kirchraum zu gehen. Die Gitter im Sprechzimmer wurden entfernt, Unterschiede zwischen Chor-, Laien- und Pfortenschwestern aufgehoben.

Auflösung der Klostergemeinschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hatte das Vinnenberger Kloster in den 1950er Jahren mit rund 60 Ordensschwestern seinen personellen Höchststand erreicht, so nahmen die Zahlen in den Folgejahren kontinuierlich ab. Bereits in den 1970er Jahren stellen sich Probleme in der Besetzung der Nachtgebetsdienste ein, die dann ganz eingestellt werden. Mitte der 1980er Jahre wurde eine Partnerschaft mit der Benediktinerinnenabtei Dinklage vereinbart, um den gegenseitigen Austausch zu fördern. In den 1990er Jahren wurde der Konvent verkleinert, das Paterhaus vom Kloster abgetrennt und der christlichen Gemeinschaft „Brot des Lebens“ zu Verfügung gestellt, die die Hostienbäckerei weiterführte. 2004 äußerten die Vinnenberger Schwestern bei einer Visitation den Wunsch umzuziehen, da die verbliebenen acht Ordensfrauen den Konvent nicht mehr selbst führen könnten. Die Priorin des Klosters Dinklage organisierte den Auszug der Schwestern, die am 19. Juni 2005 feierlich in der Klosterkirche verabschiedet wurden. Zwei Schwestern siedelten in ein Pflegeheim der Clemensschwestern nach Münster um. Die übrigen sechs Nonnen fanden Aufnahme im Paulusheim in Osnabrück, wo sie weiterhin als benediktinische Gemeinschaft in einem abgeschlossenen Trakt des Heimes leben.[15]

Exerzitien- und Bildungshaus für geistliche Erfahrungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Nach der Auflassung der Räumlichkeiten durch die Nonnen wurde der Gottesdienst von den Nachbargemeinden Füchtorf und Milte aufrechterhalten. Am 11. Dezember 2006 wurde der Verein zur Förderung des Klosters Vinnenberg e.V. unter maßgeblicher Beteiligung des Priesters und Psychologen Carl B. Möller gegründet, der eine neue Konzeption für die Nutzung des Gebäudes entwickelt. Am 4. Oktober 2009 fand der vorläufig letzte Gottesdienst statt, bis 2010 wurde das Gebäude grundlegend umgebaut. Die 60 Klosterzellen wurden zu 30 Gästeräumen, außerdem wurden Meditationsräume, eine Bibliothek und eine Wohnung geschaffen.[16] Im August 2010 wurde das neue Bildungshaus feierlich eröffnet. Carl B. Möller wurde Rector ecclesiae der Wallfahrtskirche. Dennoch ist das klösterliche Leben in Vinnenberg nicht vollständig zu Ende, denn zwei Mauritzer Franziskanerinnen leben und arbeiten in Kloster Vinnenberg in der Gästebetreuung.[17]

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Kloster Vinnenberg wurde auf einer Insel in der Bever errichtet. Alle Gebäude scheinen 1296 vollendet gewesen zu sein, denn in einem damals von verschiedenen Bischöfen gewährten Ablass werden keine Baumaßnahmen erwähnt. Die Gründungskirche des Klosters aus dem 13. Jahrhundert ist nicht mehr erhalten. Diese erste Kirche wurde am Palmsonntag 1550 in einem verheerenden Feuer zusammen mit den Klostergebäuden völlig zerstört. Bereits 18 Jahre später brannte die Kirche kurz nach den Osterfeiertagen wieder aus, wobei dieses Mal die Umfassungsmauer erhalten blieben. Bei der Kirche handelte es sich um einen einschiffigen, fünfjochigen Saalbau mit gebrochenem Chor.

Der Westgiebel der Klosterkirche wurde unter der Äbtissin Anna Maria von Brakel Anfang des 18. Jahrhunderts barock gestaltet. Zwei mächtige spätgotische Altartafeln aus Sandstein an der Westfassade, die noch auf Bildern aus der Zeit vor der Neueinrichtung des Klosters 1898 zu sehen sind, wurden in späterer Zeit nach Münster gebracht. Ein mehrere Szenen umfassender Johannesaltar (Maria und Elisabeth, Taufe Jesu und Enthauptung Johannes) gelangte ins Diözesanmuseum und wurde nach dem Wiederaufbau des Domes nach dem Zweiten Weltkrieg im Ostquerschiff des Domes aufgestellt. Eine zweite Sandsteintafel, mittlerweile im Westfälischen Landesmuseum konserviert, zeigt eine Darstellung der Gregorsmesse.

Von den Konventsgebäuden ist aus der Zeit vor der ersten Aufhebung (1810) nur noch das Paterhaus von 1722 als westliche Verlängerung des ehemaligen Südflügels erhalten. Die Gebäude der ursprünglichen Vinnenberger Klosteranlage stießen im Süden an die Kirche und bildeten einen quadratischen Innenhof. Nur das Priester- oder Paterhaus stieß an der Südwestecke des Klostervierecks vor. Dieser Bau aus dem Jahre 1722 ist heute der einzige Teil des alten Klosters, der erhalten geblieben ist. Die Gebäude sind in der Zeit der Säkularisation abgerissen worden oder verfallen. An der Stelle des frühen Ostflügels wurde 1865 ein neues Gebäude, ein Heim für alte Priester errichtet. Damit sollte das Kloster einer anderen Bestimmung überführt werden. Alle übrigen Gebäude wurden erst nach der Rückkehr der Schwestern und der Wiederrichtung des Klosters im Jahr 1898 oder später errichtet.[18] Sie wurden bei der Neubesiedlung 1898 neu erbaut, ebenso der neobarocke Kirchturm neben der Westfassade. Zwischen den beiden Weltkriegen wurde der Klostergarten neu gestaltet. Eine Betonmauer schützte die erweiterten Garten- und Weidenanlagen. Im Klausurgarten wurden religiöse Figuren aufgestellt. Nach dem Zweiten Weltkrieg errichteten die Schwestern einen Erweiterungsbau, der 1955 eingeweiht werden konnte. Die Bevermühle wird heute als Gastwirtschaft genutzt. Von 2009 bis 2010 erfolgte der Umbau zum Bildungszentrum, das auch die Wallfahrtskirche teilweise einschloss.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Heutige Ausstattung der Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die schlichte Saalkirche mit gotischen Maßwerkfenstern verjüngt sich zum Chor hin. Geprägt wird der Raumeindruck vor allem durch die große Nonnenempore, die über die Hälfte des Langhauses einnimmt und von einer flachgewölbten dreischiffigen Halle getragen wird.

Ausgestattet ist die Klosterkirche mit Skulpturenschmuck von der Spätgotik bis in die Neuzeit. In den 1960er Jahren wurde der Chorraum modern gestaltet. Der Oelder Künstler Heinrich Lückenkötter fertigte den Blockaltar, auf dem ein Flachrelief das Opferlamm umkränzt von den vier Evangelistensymbolen (Mensch, Löwe, Stier, und Adler) zeigt. Dahinter erhebt sich die ebenfalls von Lückenkötter errichtete Sakaramentsstele, die in den 70er Jahren vom Münsteraner Bildhauer Carlo Dürselen Bronzewerk als Schmuck erhielt. Johannes Niemeier aus der Nähe von Gütersloh fertigte für den Chorraum Mitte der 60er Jahre eine Bronzestele, die in einem Strahlenkranz das Gnadenbild präsentiert, und auf der anderen Chorseite den Bronzeambo.

Orgel[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Orgel wurde 1965 von dem Orgelbauer Stockmann erbaut. Das Instrument hat 15 Register auf zwei Manualen und Pedal. Die Spieltrakturen sind mechanisch, die Registertrakturen und Koppeln sind elektrisch.[19]

I Hauptwerk C–g3
1. Prinzipal 8′
2. Spillflöte 8′
3. Oktave 4′
4. Nachthorn 2′
5. Mixtur IV-VI 113
6. Holzdulzian 8′
II Schwellwerk C–g3
7. Gedackt 8′
8. Spitzflöte 4′
9. Oktave 2′
10. Sesquialter II 223
11. Quintzimbel III 12
Tremulant
Pedal C–f1
12. Subbass 16′
13. Offenbass 8′
14. Nachthorn 4′
15. Rauschpfeife III 2′
Koppeln: II/I, I/P, II/P

Gnadenbild und Wallfahrt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Vinnenberger Gnadenbild

Der Legende nach soll das Gnadenbild aus dem Baumstamm geschnitzt sein, auf dem die Gottesmutter und der hl. Johannes nach der Vermessung des Hofes gesessen hatten. Bernhard von Vinnenberg ließ vier Plastiken anfertigen: drei Bildnisse der Mutter Gottes und eines der hl. Anna. Das kleinste der damals geschaffenen Marienbilder wurde das Vinnenberger Gnadenbild: die "Mutter Gottes vom Himmelreich".

Vinnenberg wurde damit durch die Jahrhunderte zu einem bekannten Wallfahrtsort im Münsterland. Ziel der Glaubensreisen war Gnadenbild, ein ca. 17 cm hohes Holzbild. Mehrere Bischöfe förderten schon früh Wallfahrten zum Kloster: 1257 verliehen die Bischöfe von Münster, Osnabrück und Paderborn besondere Ablässe für die Pilger, die das Kloster an der Bever besuchten. In den 1290er Jahren wurden die Ablassgewährungen teilweise bestätigt.

Als im 16. Jahrhundert zwei verheerende Feuer die Klosterkirche niederbrannten, soll das Gnadenbild auf wundersame Weise außerhalb der Kirche auf dem als „Paradies“ bezeichneten Bleichplatz des Klosters gefunden worden sein. Aus der Zeit während und nach dem Dreißigjährigen Krieg finden sich Überlieferungen über spontane Heilungen und wunderbare Begebenheiten, die bereits ab den 1680er Jahren verschriftlicht und in mehreren Auflagen als Wunderberichte veröffentlicht wurden.

Auf Bitten des Konvents wurde 1654 durch den wallfahrtsfördernden Bischof Bernhard von Galen eine große Prozession mit dem Allerheiligsten und dem Gnadenbild gewährt. Diese an Mariae Geburt (8. September) abgehaltene Prozession zog von der Kirche in einer Kapelle im Klostergarten und von da aus zu weiteren Segensaltären auf Bauernhöfen in der Nachbarschaft.

Nach der ersten Auflösung zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde das Gnadenbild nach Füchtorf gegeben, aber zwanzig Jahre später auf Drängen der Milter Bevölkerung wieder in die Vinnenberger Kirche gebracht. Durch die Milter Pfarrgemeinde mitbetreut, konnte die Vinnenberger Wallfahrt weiter bestehen. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts müsste der Kopf des Gnadenbildes ausgetauscht worden sein:

„Das Gnadenbild, Eichenholz, Höhe ohne Sockel 17 cm. Maria, in straff aufgerichteter Haltung, hält auf ihrem Schoße das liegende Jesuskind, das zu ihr emporschaut. Sie trägt ein langes Untergewand und faltenreichen Mantel. Der Kopf der Gottesmutter ist neu und entspricht nicht dem Charakter des Bildwerkes. Der echte Kopf befindet sich noch in der Höhlung des Bildes hinter der neuen Rückwand verwahrt. Er ist in der Gesichtspartie noch gut erhalten, nur der Hinterkopf ist verloren. Das Original zeigt die feierliche Haltung der Himmelskönigin, wie sie dem Charakter der Spätromantik entspricht. Neu sind ferner an dem Bild die Rückwand des Thrones, der Sockel und die Bemalung. Zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts.“

Karl Hölker [20]

Die neu angekommenen Benediktinerinnen vom Heiligsten Sakrament belebten die Wallfahrt ab 1898. Kurz nach der Vertreibung der Schwestern im Dritten Reich 1941 nahm Clemens August Graf von Galen das Gnadenbild der Mutter Gottes vom Himmelreich in seine Obhut, wo er es im Bischöflichen Palais auf seinem Schreibtisch aufbewahrte. Beim plötzlichen Luftangriff am 10. Oktober 1943 um 12 Uhr mittags verblieb es dort. Nach dem Angriff, bei dem auch das Palais getroffen wurden, suchte man in den Trümmern vergebens das Gnadenbild; man glaubt, es sei verbrannt. Um den Kriegsverlust zu ersetzen, beauftragte der Bischof 1946 die Werkstatt Franz Guntermann mit der Anfertigung einer Nachbildung. Dessen Assistent, der Füchtorfer Bildhauer Josef Picker, schuf nach alten Vorlagen ein neues Gnadenbild. Der Charakter des Bildes wurde wieder verändert: Aus der "Magd des Herrn" wurde eine Himmelskönigin mit Krone und Juwelen. 1952 wurde das neue Gnadenbild nach einer Petition des Bischofs Michael Keller anlässlich des 700-jährigen Bestehens des Wallfahrtsortes offiziell vom Vatikan anerkannt.

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging die Wallfahrt nach Vinnenberg mehr und mehr zurück. Im Jahr 2005 gaben die Benediktinerinnen das Kloster auf.

Das Gnadenbild[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Programm des Klosters Vinnenberg 2018.
  2. Hermann Jelinghaus: Dorfnamen um Osnabrück, Verlag J.G. Kiesling, Osnabrück 1922, S. 10
  3. WUB 3 n. 594. Die Urkunden des Klosters befinden sich heute im Staatsarchiv Münster; die vor 1325 ausgestellten sind im WUB 3 und 8 gedruckt. Hinweise auf spätere Urkunden sind dem Findbuch für den Bestand im Staatsarchiv entnommen. Vgl. zu diesem Kloster: BAHLMANN, Kloster Vinnenberg und sein Gnadenbild, 1912; DERS., Wunderberichte aus Vinnenberg 1626- 1686, 1912; CRAMER, Kloster Vinnenberg im 19. Jahrhundert, 1929/30; DARPE, Verzeichnis der Güter, Einkünfte und Einnahmen, 1900; FRÖND, Klösterliches Leben in Vinnenberg vom 16. Jahrhundert bis zur Säkularisation, 1964; HÖWENER, Beiträge zur Geschichte des Klosters Vinnenberg, 1931/32; HÜCKELHEIM, Zur Geschichte des Klosters Vinnenberg, 1909; DERS., Urkunden des Klosters Vinnenberg, 1910; DERS., Aus der Chronik des Klosters Vinnenberg, 1910; DERS., Äbtissinnen des Klosters Vinnenberg (nach der älteren Chronik des Jahres 1723), 1910/11; JÜNGST, Unsere Liebe Frau von Vinnenberg, (1948); KEMPER, Aus der Geschichte des Klosters Vinnenberg, 1988; KRIMPHOFF, Beschreibung der Verleihung der Pfarre Milte durch die Äbtissin zu Vinnenberg, 1904; DERS., Eingegangene Gaben für das im Jahr 1550 abgebrannte Kloster Vinnenberg, 1904; DERS., Die Leiden des Klosters Vinnenberg zur Zeit des dreißigjährigen Krieges, 1905; DERS., Einnahmen und Ausgaben des Klosters Vinnenberg im Jahr 1805, 1906; DERS., Ordnung betreffend Annahme der Nonnen im Kloster Vinnenberg, ihr Noviziat und ihre Professleistung (17. Jahrhundert), 1907; DERS., Verschiedene Vorschriften für die Äbtissin und die Nonnen im Kloster Vinnenberg (aus der Chronik des P. Wolfgang van Nuys), 1907-1909; DERS., Visitationen in Vinnenberg, 1909; KUNTZE, Die Not im Kloster Vinnenberg unter französischer Herrschaft, 1932/33; LEIDINGER, Entstehung und Entwicklung der Frauenklöster Rengering und Vinnenberg, 1988; LINNEBORN, Klöster, S. 293f; SCHÜTTE, Das Wechselbuch des Klosters Vinnenberg, 1992; Das WECHSELBUCH des Klosters Vinnenberg 1465 bis 1610, 1994; WERLAND, Kloster Vinnenberg bei Milte, seine Geschichte und Schätze, 1974; WIBBELT, Die Vinnenberger Höfe im Landkreis Münster, 1941; WITTE, WALLMEIER, Aus der Geschichte des Klosters Vinnenberg, 1956; ZUHORN, Die Vinnenberger Häuser zu Warendorf, 1912; DERS., Kirchengeschichte der Stadt Warendorf, 1920.
  4. Die westfälischen Zisterzienserinnenklöster im 13. Jahrhundert Gründungsumstände und frühe Entwicklung Inaugural – Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster (Westf.) vorgelegt von Gabriele Maria Hock aus Düsseldorf 1994 PDF der Doktorarbeit S. 116
  5. Karl Hölker: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, im Auftrag des Provinzialverbandes herausgegeben von Wilhelm Rave Provinzialkonservator 42. Band: Kreis Warendorf, Aschendorfsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1936 S. 317.
  6. Die westfälischen Zisterzienserinnenklöster im 13. Jahrhundert Gründungsumstände und frühe Entwicklung Inaugural – Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades der Philosophischen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster (Westf.) vorgelegt von Gabriele Maria Hock aus Düsseldorf 1994 PDF der Doktorarbeit S. 116
  7. Kirche+Leben, Offizialatsbezirk Oldenburger, Woche vom 31. Juli bis 6. August 1966, 21. Jahrgang/Nr. 31/ S. 13
  8. Helmut Müller: Die Bistümer der Kirchenprovinz Köln. Das Bistum Münster 5. Das Kanonissenstift und Benediktinerkloster Liesborn. Germania Sacra Neue Folge 23, 1987, S. 244
  9. Kirche+Leben, Offizialatsbezirk Oldenburger, Woche vom 31. Juli bis 6. August 1966, 21. Jahrgang/Nr. 31/ S. 13
  10. Kirche+Leben, Offizialatsbezirk Oldenburger, Woche vom 31. Juli bis 6. August 1966, 21. Jahrgang/Nr. 31/ S. 13
  11. Karl Hölker: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, im Auftrag des Provinzialverbandes herausgegeben von Wilhelm Rave Provinzialkonservator 42. Band: Kreis Warendorf, Aschendorfsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1936 S. 374.
  12. Karl Hölker: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen Im Auftrag des Provinzialverbandes herausgegeben von Wilhelm Rave Provinzialkonservator, 42. Band: Kreis Warendorf, Aschendorfsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1936, S. 381
  13. Karl Hölker: Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen, im Auftrag des Provinzialverbandes herausgegeben von Wilhelm Rave Provinzialkonservator 42. Band: Kreis Warendorf, Aschendorfsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1936 S. 394
  14. Kirche+Leben, Offizialatsbezirk Oldenburger, Woche vom 31. Juli bis 6. August 1966, 21. Jahrgang/Nr. 31/ S. 13
  15. Kirchen und Leben
  16. Westfälische Nachrichten am Fr., 18. September 2009.
  17. fuehlbar-ein-wenig-entfernt-aus-der-welt
  18. Kirche+Leben, Offizialatsbezirk Oldenburger, Woche vom 31. Juli bis 6. August 1966, 21. Jahrgang/Nr. 31/ S. 13
  19. Nähere Informationen zur Orgel auf einer Informationstafel im Inneren der Kirche
  20. Bau- und Kunstdenkmäler von Westfalen Im Auftrag des Provinzialverbandes herausgegeben von Wilhelm Rave Provinzialkonservator 42. Band: Kreis Warendorf, bearbeitet von Karl Hölker, Aschendorfsche Verlagsbuchhandlung, Münster 1936, S. 380–382.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • J. Hobbeling: Beschreibung des Stiftes Münster. gedruckt bei der Wittib Raeßfeldt zu Münster 1689, S. 24: "Kurz aber gründliche Bericht von Ursprung und Miaculen des wunderthätigen Gnadenbildes der Mutter Gottes ... in Vinnenberg."
  • P. Bahlman: Wunderbericht aus Vinnenberg 1629 − 1636. Warendorfer Blätter 11, 1912, S. 33 f.
  • Paul Leidinger: Vinnenberg − Zisterzienserinnen, dann Benediktinerinnen. In: Karl Hengst (Hrsg.): Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung. Teil 2: Münster − Zwillbrock. Aschendorff Verlag, Münster 1994, ISBN 3-402-06888-5, S. 389−396.
  • Siegfried Schmieder: Ostbevern, Beiträge zur Geschichte und Kultur einer Gemeinde im Münsterland. Warendorf 1988.
  • Arbeitsgemeinschaft der Westfälischen Gesellschaft für Genealogie und Familienforschung: Das Wechselbuch des Klosters Vinnenberg. 1465 bis 1610. Quellen und Forschungen zur Geschichte des Kreises Warendorf/QFW Bd. 27, Warendorf 1994, ISBN 3-920836-12-X.
  • Carl B. Möller, Markus Nolte und Anselm Skogstad: Warte Räume. Münster 2006, ISBN 3937961380.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Vinnenberg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien