Kloster Vogelsburg

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Ansicht des Klosters, Zustand 2016

Das Kloster Vogelsburg ist ein Kloster in der Nähe der unterfränkischen Stadt Volkach in der Diözese Würzburg, inmitten der fränkischen Weinbergslandschaft. Das Kloster wurde im 13. Jahrhundert auf einem Areal errichtet, auf dem sich in den Jahrhunderten zuvor die Burg Vogelsburg befunden hatte. Heute liegt das Kloster auf der Flur des gleichnamigen Volkacher Ortsteils.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Eine Kopie des Epitaphs des Klostergründers Hermann II. zu Castell

Eine Klosteranlage auf dem Vogelsberg ist seit dem 13. Jahrhundert überliefert. Besiedelt war der Berg bereits in vor- und frühgeschichtlicher Zeit. Die Grafen zu Castell wandelten die erhaltenen Anlagen in ein Karmeliterkloster um. Im 16. Jahrhundert wurde es zerstört und die Mönche flohen nach Würzburg. Die endgültige Auflösung erfolgte 1803. Im Jahr 1957 zog wieder kirchliches Leben in die Gebäude der Vogelsburg ein.

Vorgeschichte (bis 13. Jahrhundert)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Hauptartikel: Burgstall Vogelsburg

Die Vorgeschichte des Klosters beginnt bereits in der Steinzeit. Erste Siedlungsspuren auf dem Vogelsberg weisen auf die Bandkeramiker der Jungsteinzeit hin. Der exponierte Platz der Anlage könnte außerdem für einen religiösen Kultmittelpunkt der Siedler an der Mainschleife sprechen. Diese Besiedlung riss auch in den folgenden Jahrtausenden nicht ab. Während der frühen Bronzezeit wurde die Anlage bereits befestigt, auch die Kelten bauten im 3. Jahrhundert vor Christus die Abschnittsbefestigungen weiter aus.

Die germanischen Franken wandelten den heidnischen Kultplatz in eine Großpfarrei für die gesamte Mainschleife um. Gleichzeitig begann der planmäßige Ausbau der Befestigungen zu einer königlich-fränkischen Burg. Hierbei griff man auf die bereits vorhandenen Wälle und Gräben der Vorzeit zurück. Nach und nach verschoben sich jedoch die Kräfte an der Mainschleife und die Burg verlor den Anschluss an die wichtigen Straßen der Zeit. Im Jahr 742 wurde sie einfache Königsburg des Volkfeldgaus, die Pfarreifunktion hatte sie an Maria im Weingarten verloren.

Im späten 9. Jahrhundert schenkten die fränkischen Könige die Burg dem Kloster Fulda. Diese Schenkung wurde im Jahr 906 erneut bestätigt und machte die Burganlage zum Klostergut. Mit dem Niedergang des Fuldaer Konvents im 11. und 12. Jahrhundert bemächtigten sich andere, weltliche Herren der zerfallenden Burg auf dem Vogelsberg. Die Grafen von Castell versuchten zu dieser Zeit Zugang zum Main zu erlangen und wurden die neuen Besitzer der Anlagen.[1]

Klostergründung (bis 15. Jahrhundert)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klostergeschichte auf dem Vogelsberg beginnt unter der Herrschaft des Grafen Hermann zu Castell. Er brachte nach der Überlieferung im Jahr 1282 Mönche von einer Jerusalemreise mit. Sie stammten aus dem Gebirge Karmel und waren deshalb dem Karmeliterorden zuzurechnen. Mit ihrer Ansiedlung auf dem Berg am Main stiftete Hermann eines der ersten ihrer Klöster in Deutschland. Ziel der Stiftung war, eine Grablege für seine Familie zu schaffen. Das Kloster wurde dem heiligen Georg unterstellt und fortan „Mons Dei“ (Gottesberg) genannt.[2]

Das Kloster erhielt nicht viel Besitz von seinem Gönner. Lediglich die Markung um die kleine Klosteranlage konnten die Mönche bebauen. Die ursprünglichen Befestigungen waren längst nicht mehr vorhanden, ihre im Boden erkennbaren Reste wurden allerdings zur Gemarkungsgrenzziehung verwendet. Zusätzlich bekamen die Karmeliter Zinseinnahmen aus etwa 16 Dörfern zugesprochen. Da auch diese nicht reichten, um dem Kloster materielle Unabhängigkeit zu bieten, erlaubten die Würzburger Fürstbischöfe in den Jahren 1318 und 1325, in der gesamten Diözese Almosen zu sammeln und die Beichte abzunehmen.[3]

In der Mitte des 15. Jahrhunderts begann ein Streit mit der Kartause Astheim, der die Einnahmen des Klosters zusätzlich belastete. Beide Seiten bestanden auf ihren Markungsgrenzen, eine Schlichtung wurde erst im Jahr 1469 durch den Würzburger Bischof Rudolf II. von Scherenberg erzielt. Bis zum Jahr 1497 konnte immerhin der Bau einer neuen Kirche abgeschlossen werden, 1499 feierte Graf Jörg zu Castell bereits einen Totengottesdienst für seine Ahnen auf dem Berg. Gleichzeitig versuchten die Mönche, eine Marienwallfahrt aufzubauen, scheiterten jedoch an der nahen Konkurrenz in Dettelbach und Volkach.

Zerstörungen (bis 18. Jahrhundert)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Vogelsburg auf einem Markungsplan von 1710

Das 16. Jahrhundert brachte mit der Reformation und den Wirren des Bauernkriegs das Ende des selbständigen Klosters Vogelsburg. Am 1. Mai 1525 plünderten Escherndorfer Bauernhaufen das Kloster, vernichteten die Urkunden und Papiere und setzten die Gebäude in Brand. Die Mönche und ihr Prior wurden nach Würzburg vertrieben und bekamen im dortigen Karmeliterkloster St. Barbara Unterschlupf gewährt. Die Zerstörungen machten ein monastisches Leben auf dem Berg unmöglich.

Bereits wenige Jahre nach den Zerstörungen, im Jahr 1545, schlossen sich die Mönche endgültig dem Schwesterkloster in Würzburg an. Fortan blieben die Anlagen auf dem Vogelsberg leer und wurden nur durch zwei Patres aus Würzburg für den Gottesdienst versehen.[4] Trotz dieser Neuordnung blieb das Kloster bestehen. Auch die neue Konfession der Grafen zu Castell, die in der Mitte des 16. Jahrhunderts zum evangelischen Bekenntnis übertraten, stand der katholischen Tradition des Klosters nicht im Weg.

Der Wiederaufbau der zerstörten Gebäude begann im 16. Jahrhundert. 1562 und 1564 erhielt das Kloster aus Würzburg Geld für Ausbesserungen. Der einsetzende Dreißigjährige Krieg des 17. Jahrhunderts brachte dann erneut Zerstörungen. Die leerstehenden Gebäude waren allerdings für die durchziehenden Schweden uninteressant und entkamen so der vollständigen Vernichtung. Nach dem Krieg wurde das Kloster wiederum von einem Würzburger Vogt verwaltet.

Zu Beginn des 18. Jahrhunderts nahm man eine Generalsanierung der Klostergebäude in Angriff.[5] Hierbei wurde die Klosterkirche wieder errichtet. Im Jahr 1703 überführten die Grafen zu Castell die Gebeine ihrer Vorfahren in das neue Kirchlein und führten so die traditionelle Familiengrablege fort.

Nachnutzung (bis heute)[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im 19. Jahrhundert fiel das Kloster wie viele andere der Säkularisation zum Opfer. Die Gebäude wurden 1803 für 3000 Gulden an Dr. Baumhämmel aus Schweinfurt veräußert. Dieser konnte die Summe jedoch nicht aufbringen, weswegen die Anlagen erneut zum Verkauf ausgeschrieben werden mussten. Der Escherndorfer Pfarrer hatte indessen die wertvollsten Ausstattungsgegenstände der Kirche in die Filiale nach Köhler gebracht, wo sie sich auch heute noch befinden.[6]

Neue Besitzer wurde 1805 die Familie Blendel aus Escherndorf. Im Jahr 1805 verschwanden die Gebeine und Epitaphe der Casteller Grafen. In der St.-Peter-und-Paul-Kirche in Rüdenhausen tauchten sie 1809 wieder auf. In der Folgezeit erhielt die Vogelsburg wechselnde Besitzer, bis in den neunziger Jahren des 19. Jahrhunderts die Unrechtmäßigkeit des Verkaufs durch den Würzburger Bischof festgestellt wurde. Nach gerichtlichen Auseinandersetzungen sprach man den jetzigen Eigentümern dennoch ihren Besitz zu.

Im Jahr 1895 kaufte Georg Josef Walter die Anlagen für 34.200 Mark. Er wandelte die Burg in ein Ausflugslokal mit Gaststätte um. Seit die Pläne für den Bau der Mainschleifenbahn konkret wurden, setzte er sich für die Schaffung eines Haltepunkts Vogelsburg ein, der 1909 auch eingerichtet wurde. 1922 wurde diese Haltestelle wieder aufgehoben, aber dennoch wurde die Vogelsburg mehr und mehr touristisches Ausflugsziel des Umlands.

Walters Tochter Philippine übernahm die Leitung der Gaststätte während des Zweiten Weltkriegs und schaffte es, die Klostergebäude zu erneuern. Gleichzeitig plante sie die Neueinrichtung eines Klosters auf dem Berg. Anfang der 1950er Jahre traf eine Delegation der Paulus-Schwestern aus Speyer in Volkach ein. Ihre Pläne zur Errichtung eines Kinderheims scheiterten jedoch an der Nutzung der Anlage für die Ausflügler.

Erst 1957 wurde ein Erbpachtvertrag mit der Gemeinschaft der Augustinusschwestern aufgesetzt, die nun das Kloster leiten sollten. Am 24. November desselben Jahres weihte Bischof Josef Stangl die Kirche des Klosters neu. Gleichzeitig begann die Errichtung neuer Klostergebäude, die als Tagungsstätte dienen sollten. Nach dem Tod Philippine Walters wurden die Schwestern Eigentümer des Geländes. 2010 übernahm die Stiftung Juliusspital Würzburg die Anlage.[7] Von November 2013 bis Mitte Juli 2015 wurde die Vogelsburg umgebaut. Das Bayerische Landesamt für Denkmalpflege führt die erhaltenen Gebäude auf dem Vogelsberg unter der Denkmalnummer D-6-75-174-313.[8] Untertägige Reste der Vorgängerbebauung werden als Bodendenkmal eingeordnet.

Baugeschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Ausgrabungen auf der Vogelsburg im Jahr 2014

Die erste Überlieferung von Gebäuden auf der Vogelsburg war die Schenkungsurkunde des Jahres 906. Hierhin wird eine Burg mit Kapelle erwähnt, über die genaue Lage und Größe der Gebäude schweigen die Quellen allerdings. Bei der Kapelle könnte es sich um einen schlichten Rechteckraum gehandelt haben, der als Saalbau einen eingezogenen Chor oder Chorturm aufwies. Eventuell ist jedoch lediglich ein schlichtes, kleines Holzgebäude gemeint.[9]

Im Jahr 1314 wurde die Umfassungsmauer des Klostergeländes erweitert. Über ein Jahrhundert später, in den Jahren vor 1497, begann man mit dem Neubau der Kirche. Grund für die Neuerrichtung war der Versuch eine Wallfahrt ans Kloster zu etablieren. Die Kirche entsprach der Spätgotik. Der bis heute vorhandene Chor entstammt dieser Bauphase. Die Zerstörungen des Jahres 1525 vernichteten dann die Klostergebäude weitgehend, und ließ die Kirche in ruinösem Zustand zurück.

Zunächst besserte man die Gebäude in den Jahren 1562 und 1564 notdürftig aus, verzichtete allerdings auf den vollständigen Wiederaufbau. Auch die Erneuerungen der Jahre 1645/1646 und 1700 galten nur den Nebengebäuden des Klosters, die für den Würzburger Vogt als Wohn- und Arbeitsstätte zu Verfügung gestellt werden mussten. Im Dreißigjährigen Krieg waren zuvor die Zerstörungen weitgehend ausgeblieben, sodass im 18. Jahrhundert ein neuer Kirchenbau ins Auge gefasst werden konnte.

Im Jahr 1702/1704 wurde die Kirche fertiggestellt. Man hatte die seitlichen Außenmauer versetzt und einen neuen Westabschluss errichtet. Er war wesentlich kleiner als der alte. Lediglich der Chor der alten Kirche und zwei Fensterachsen der Nordseite blieben erhalten, sodass eine unsymmetrische Verteilung der Fenster entstand. Außerdem wurde ein Dachreiter aufgesetzt. Einzig geweihter Bereich im Inneren war eine kleine Kapelle in der Südwestecke der alten Kirche.

Mit der Säkularisation wurde die Kirche im Jahr 1803 profaniert und in einen Lagerraum umgewandelt. Im Jahr 1908 ließ der damalige Besitzer eine Betondecke knapp unterhalb der Fenster errichten, sodass ein zweigeschossiger Innenraum entstand. Mit der Ansiedlung der Nonnen im Jahr 1957 wurde auch die Kirche wieder erneuert. Ausführender Architekt war der Oberbaudirektor Hubert Groß, der unter anderem eine Treppe zum neuen, oberen Kirchensaal errichten ließ.[10]

Im Jahr 1972 wurde an die Stelle einer alten Scheune das neue Schwesterngebäude errichtet. Zuvor, 1961, war bereits das „Haus Martha“ als neue Gaststätte entstanden. Nach weiteren Erneuerungen und einer Gebäudeerweiterung in den Jahren 1979/1980 begann man im Jahr 2014 mit einer umfassenden Sanierung des Gebäudebestands auf der Vogelsburg, die bis ins Jahr 2015 abgeschlossen wurde. 2015 begannen auch erstmals planmäßige Ausgrabungen auf dem Berg.[11]

Beschreibung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Klosterkirche von Westen, Zustand vor 2014

Die Klosteranlage auf dem Berg besteht heute aus mehreren Gebäuden der unterschiedlichsten Epochen. Im Nordosten des Geländes erhebt sich die Kirche Mariä Schutz. Südlich daran schließen sich die ältesten Klosterbauten des 17. Jahrhunderts an. Westlich der Kirche befindet sich die ehemalige Nonnenwohnanlage, während das Gasthaus die Westseite der Anlage ausfüllt.

Kirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die ehemalige Kirche des Klosters ist geostet. Sie ist einschiffig und weist als Saalkirche kein Querschiff auf. Ein Satteldach überragt das Langhaus, das im Osten in das Walmdach des Chores übergeht. Im 18. Jahrhundert wurde dem Gotteshaus auf der Ostseite ein Dachreiter aufgesetzt. Während der Chor und der Ostteil des Kirchengebäudes noch aus dem 15. Jahrhundert stammt und damit der Spätgotik zuzurechnen ist, wurden die anderen Elemente in späteren Jahrhunderten ergänzt. Die Kirche ist der heiligen Maria geweiht und wird auch Mariä Schutz genannt.[12]

Außen ist die Kirche im Osten durch die fünf Strebepfeiler am Chor gegliedert. Das dreiachsige Langhaus weist auf der Nordseite drei spitzbogige Fenster ohne Maßwerk auf, während im Süden nur zwei existieren, von denen eines wesentlich niedriger gearbeitet wurde. Die Westfassade wurde als einzige künstlerisch gestaltet. Man brachte mehrere Ochsenaugen, ein Josefstatue in einer Nische und eine Gebetsglocke mit Holzdach hier an.

Ein, nach Süden versetztes, Portal leitet ins Kircheninnere über. Es ist mit dem Wappen der Karmeliter und der Jahreszahl 1702 verziert und wird von einem gesprengten Giebel bekrönt. Schlichte Sandsteingewände umgeben es. Man betritt die Kirche im Erdgeschoss, wo eine Treppe zum 1908 errichteten Obergeschoss mit dem heutigen Gottesdienstraum überleitet. Eine schlichte, hölzerne Flachdecke begrenzt den Kirchenraum innen.[13]

Nebengebäude und Mauerreste[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Verbindungsgang, 2016

Das älteste Nebengebäude des Klostergeländes schließt sich im Süden direkt an die Kirche an und kann durch eine Tür im Kircheninneren betreten werden. Es ist L-förmig errichtet und bildet so mit der Kirche einen kleinen Vorhof. Ein rotgedecktes Walmdach bedeckt das zweigeschossige Gebäude, das mit Dachgauben besetzt ist. Die anderen Fenster sind rechteckig und wurden mit geohrten Rahmungen versehen. Auch die Tür auf der Westseite weist Ohrrahmungen auf.

Das Gasthaus im Westen der Anlage entstand erst im Jahr 1961. Es wurde „Haus Martha“ genannt und, ebenso wie die Klostergebäude zweigeschossig erbaut. Ebenso weist es Dachgauben und einen L-förmigen Grundriss auf. Im Zuge der Umbauten entstand zu Beginn des 21. Jahrhunderts ein Verbindungsgang zwischen dem alten Klostergebäude und dem Gästebau. Durch einen Säulengang wird die Aussichtsterrasse im Süden der Anlage erreicht.

Das Schwesternhaus, auch das „Paradies“ genannt, zeichnet sich durch seinen weit nach vorne ragenden Balkon aus. Ebenso wie die anderen Gebäude besitzt es Dachgauben. Weiter im Norden entstand nachträglich ein kleiner Anbau.[14] Mauerreste umgeben die Anlage im Osten, wo ein rundbogiges Portal die Zahl 1497 beinhaltet, sowie im Süden. Hier kann das Gelände über einen Weinbergsweg durch ein rechteckiges Portal betreten werden. Die ursprünglich vollständige Ummauerung wurde im 20. Jahrhundert zugunsten von Zufahrten im Norden aufgegeben.

Bildstöcke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Auf der Anlage selbst befinden sich zwei Bildstöcke, aus dem 17. Jahrhundert. Zusätzlich verteilen sich auf der Gemarkung der Vogelsburg weitere Martern, Kreuzschlepper und Altäre. Der älteste Bildstock befindet sich auf dem Portal der Südseite, es handelt sich um einen dreiseitigen Bildstockaufsatz aus Sandstein. Drei Reliefs zeigen die Krönung Mariens, die Kreuzigung und die Teilung des Mantels durch den heiligen Martin. Der Bildstock entstand um das Jahr 1600 und wird vom Landesamt für Denkmalpflege unter der Nummer D-6-75-174-314 geführt.[15]

Der zweite Bildstock steht im Nordwesten des ehemaligen Klosters. Ein runder Säulenschaft mit einer verzierten Konsole leitet zum rechteckigen Bildstockaufsatz über. Zentral erkennt man die Pietà, sie ist von zwei Heiligenreliefs an den Schmalseiten des Denkmals umgeben. Eine Inschrift auf der Rückseite beschreibt die Errichtungsumstände der Marter und erwähnt das Errichtungsjahr 1677. Ein Kreuz bekrönt den Bildstock. Wiederum handelt es sich um ein Baudenkmal, ist es doch unter der Denkmalnummer D-6-75-174-315 eingeordnet.[16]

Weiter entfernt, im äußersten Westen der Vogelsburger Gemarkung erhebt sich ein Altar. Er entstand im Jahr 1743 und zeichnet sich durch ausladende Voluten aus und breite Gesimse aus. Dargestellt ist Maria mit dem Kind und der heilige Michael. Ein weiteres Denkmal befindet sich am Aufstieg zur Burg selbst. Es handelt sich um einen Kreuzschlepper auf einer Säule, der ebenfalls im 18. Jahrhundert errichtet wurde.

Ausstattung der Klosterkirche[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Innenraum der Klosterkirche, Zustand vor 2014
Der Innenraum der Klosterkirche, 2016

Die Ausstattung der Klosterkirche entstammt zumeist der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Grund dafür ist die Auflösung der Kirche und die anschließende Verteilung der Ausstattung. Erstes Element, das dem Niedergang des Klosters zum Opfer fiel war das Gnadenbild. Es wurde 1797 nach Würzburg in das Käppele verbracht. Es folgten die Altäre und die Epitaphe nach der Säkularisation. Sie sind heute in Köhler beziehungsweise Rüdenhausen zu bewundern. Mit der Kirchenweihe 1957 musste für modernen Ersatz gesorgt werden.[17]

Zur Grundausstattung der Kirche gehört der schlichte Volksaltar, der zentral im Chor steht. Hinter ihm wurde, als Ersatz für das fehlende Altarblatt, ein buntes Chormittelfenster angebracht. Es zeigt in hellen Farben die Heiligste Dreifaltigkeit, die durch Jesus, die Taube des Heiligen Geistes und die Hand Gottes repräsentiert wird. Unterhalb, wesentlich dunkler gehalten, ist die Welt des Menschen zu sehen: Der heilige Augustinus betet inmitten von Weinreben.

Rechts vom Altar, weiter in Richtung Langhaus gerückt, erkennt man eine Holzplastik, die auf einer Stele aus Muschelkalk steht. Es handelt sich um die Figur der Maria mit Kind. Sie wurde von Philipp Emmeram Höcht geschaffen. Ihre Arme umfassen das Jesuskind und symbolisieren so den Kirchennamen „Mariä Schutz“. Eine weitere Holzstatue befindet sich an der nördlichen Langhausseitenwand. Die Halbplastik zeigt den „Kosmischen Christus“.

Weiter nördlich, auf einem Sockel an der Wand lehnend, steht die Statue des Täufers Johannes. Sie geht auf eine Stiftung des Pfarrers Edmund Herold zurück. Seine Leidenschaft für die Bienen brachte ihm den Spitznamen „Bienenpfarrer“ ein. Dies wird auch durch die Konzeption der Statue unterstrichen, bei der Johannes eine Bienenwabe in der rechten Hand hält. Des Weiteren durchziehen die Stationen des sogenannten „Terracotta-Kreuzwegs“ die Wände des Langhauses.

Für die musikalische Untermalung des Gottesdiensts wurde eine kleine Orgel mit hölzernem Gehäuse im Westen der Kirche aufgestellt. Im Treppenaufgang rettete man außerdem einen Gedenkstein des Jahres 1814, der ursprünglich an einer Weinbergsmauer auf Escherndorfer Gemarkung angebracht war. Er zeigt den heiligen Laurentius und wurde mit einer Inschrift versehen, die Lorenz Schlier und seine Frau als Stifter benennen. Er wird vom Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege als Baudenkmal unter der Nummer D-6-75-174-224 geführt.[18]

Sagen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Mehrere Sagen beziehen sich bis heute auf die Vogelsburg. Zum einen wird die Besetzung des Klosters durch schwedische Truppen im Dreißigjährigen Krieg erzählt, bei der sie die Nonnen der Anlage in große Fässer mit Nägeln steckten und sie die Weinberge hinabstürzten. In Wirklichkeit lebten niemals Nonnen auf dem Berg, die Schweden besetzten auch nie die leerstehenden Gebäude während des Krieges.

Bei einer weiteren Erzählung wird das vielfach verwendete Lindwurm-Motiv aufgegriffen. Ein Ritter lebte mit seiner Frau und der Tochter Gertraud auf der Burg. Das Mädchen wurde ausgewählt, als Menschenopfer einem Drachen zum Fraß vorgeworfen zu werden. Ein Ritter rettete die Ritterstochter und erlegte den Drachen. Daraufhin heiratete er die Ritterstochter und wurde der Nachfolger des alten Herren der Vogelsburg.[19]

Prioren[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Siegel der Vogelsburg zeigt den Drachentöter Georg

Nach der Gründung im 13. Jahrhundert bis zum Niedergang im 16. Jahrhundert leiteten Prioren das Kloster auf dem Vogelsberg. Nach der Zerstörung 1525 wurde die Anlage von den Prioren des Barbaraklosters in Würzburg mitverwaltet. Der erste Prior ist allerdings erst im Jahr 1427 überliefert.

Name Amtszeit Anmerkungen
Conradus von Langheim 1427
Henricus Zierl 1428–1431
Johannes Auerbach 1432–1433
Henricus Zierl 1435–1438
Wortwinus 1439–1440
Kilianus von Sal 1441–1442
Andreas Hertlein 1443–1445
Friedrich von Schwabach 1447–1449 Erste Amtszeit
Johannes Röttelsee 1451
Petrus Stockheimer 1452–1454 Erste Amtszeit
Friedrich von Schwabach 1456 Zweite Amtszeit
Petrus Stockheimer 1458–1464 Zweite Amtszeit
Petrus Plum 1467
Johannes Tinctoris 1469–1475
Johannes Luppach 1478–1502
Johannes Zollinger 1505–1510
Petrus Schweicker 1513–1514
Johannes Thurendorfer 1519
Wilhelm Rabs 1522–1529 Ab 1525 in Würzburg im Exil[20]

Bestattete der gräflichen Familie Castell[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Epitaph des Hermann III. zu Castell, heute in der Kirche in Rüdenhausen

Die Klosterkirche wurde bereits bei der Gründung als künftige Grablege des Hauses Castell auserkoren. Graf Hermann I. zu Castell, der Klostergründer, war auch der erste, der nach seinem Tod um das Jahr 1289 hier bestattet wurde. Allerdings fanden in der Kirche Mariä Schutz lediglich drei verstorbene Grafen zu Castell ihre letzte Ruhe. Alle Gebeine wurden im Jahr 1703 in die Kirche St. Peter und Paul nach Rüdenhausen transferiert (siehe auch Bestattete in Kloster Birklingen, Bestattete in Castell und Bestattete in Rüdenhausen).

Name Lebensdaten Anmerkungen
Hermann I. Graf und Herr zu Castell † um 1289 Klosterstifter
Friedrich IV. Graf und Herr zu Castell † 6. Mai 1325 Sohn des Hermann II. Graf und Herr zu Castell
Hermann III. Graf und Herr zu Castell † 2. Februar 1363 Sohn des Friedrich II. Graf und Herr zu Castell[21]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans Bauer: Landkreis Kitzingen. Ein Kunst- und Kulturführer. Marktbreit 1993.
  • Hermenegild Maria Biedermann: Vogelsburg, Escherndorf, Köhler. Regensburg 1982.
  • Georg Dehio: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Bayern I: Franken. München und Berlin 1999.
  • Herbert Meyer: Die Vogelsburg – Mitte einer gesegneten Landschaft. In: Ute Feuerbach (Hrsg.): Unsere Mainschleife. 1993-2007. Volkach 2008.
  • Herbert Meyer: Vom Gottesberg zur Perle Frankens. Die Vogelsburg im 19. und 20. Jahrhundert. In Ute Feuerbach (Hrsg.): Unsere Mainschleife. 1993-2007. Volkach 2008.
  • Christian Peschek: Die Vogelsburg in der Volkacher Mainschleife. Würzburg 1971.
  • Friedrich Stein: Geschichte der Grafen und Herren zu Castell von ihrem ersten Auftreten bis zum Beginne der neuen Zeit. 1058–1528. Schweinfurt 1892.
  • Karl Treutwein: Von Abtswind bis Zeilitzheim. Geschichtliches, Sehenswertes, Überlieferungen. Volkach 1987.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

 Commons: Kloster Vogelsburg – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Vgl.: Meyer, Herbert: Die Vogelsburg- Mitte einer gesegneten Landschaft.
  2. Pescheck, Christian: Die Vogelsburg in der Volkacher Mainschleife. S.39.
  3. Biedermann, Hermenegild Maria: Vogelsburg, Escherndorf, Köhler. S.2.
  4. Kulturpfad Castell: Vogelsburg, abgerufen am 17. Februar 2014.
  5. Bauer, Hans: Landkreis Kitzingen. S.18.
  6. Meyer, Herbert: Vom Gottesberg zur Perle Frankens. S.369.
  7. Stiftung Juliusspital Würzburg: Vogelsburg, abgerufen am 26. März 2013.
  8. Geodaten: Denkmalnummer D-6-75-174-313, abgerufen am 18. Februar 2014.
  9. Pescheck, Christian: Die Vogelsburg in der Volkacher Mainschleife. S.48.
  10. Biedermann, Hermenegild Maria: Vogelsburg, Escherndorf, Köhler. S.3.
  11. Main Post vom 6. Februar 2014: Blick in die Anfänge der Vogelsburg, abgerufen am 20. Februar 2014.
  12. Gemeinschaft der Augustiner: Kirche Mariä Schutz, abgerufen am 20. Februar 2014.
  13. Dehio, Georg: Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. S.1073.
  14. Meyer, Herbert: Vom Gottesberg zur Perle Frankens. S.373.
  15. Geodaten: Denkmalnummer D-6-75-174-314, abgerufen am 21. Februar 2014.
  16. Geodaten: Denkmalnummer D-6-75-174-315, abgerufen am 21. Februar 2014.
  17. Treutwein, Karl: Von Abtswind bis Zeilitzheim. S.252.
  18. Geodaten: Baudenkmäler Volkach, PDF-Datei, S.7, abgerufen am 22. Februar 2014.
  19. Treutwein, Karl: Von Abtswind bis Zeilitzheim. S.253.
  20. Pescheck, Christian: Die Vogelsburg in der Volkacher Mainschleife. S.45.
  21. Stein, Friedrich: Geschichte der Grafen und Herren zu Castell. S.89.

Koordinaten: 49° 52′ 2″ N, 10° 11′ 0″ O