Kloster Zinna (Jüterbog)

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Kloster Zinna
Stadt Jüterbog
Koordinaten: 52° 1′ 28″ N, 13° 6′ 17″ O
Höhe: 64 m
Eingemeindung: 31. Dezember 1997
Postleitzahl: 14913
Haus in der Berliner Straße 72, heute das Museum
Gutshaus Kaltenhausen

Der Ort Kloster Zinna ist ein Ortsteil von Jüterbog. Der Ort liegt drei Kilometer nördlich von Jüterbog. In dem Ort befindet sich das gleichnamige Kloster Zinna.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Frühzeit bis 17. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Ortsgebiet war bereits in der Bronzezeit besiedelt. Später siedelten hier Slawen, der Ortsname geht auf den slawischen Namen Cenna zurück. Im Jahre 1170 gründete der Erzbischof von Magdeburg Wichmann das Kloster, um die Gegend urbar zu machen und gleichzeitig zu christianisieren. Um 1350 lebten rund 60 Mönche und 100 Laienbrüder in Zinna. Das wirtschaftliche und kulturelle Leben blühte. So druckten die Mönche beispielsweise um 1493 den Zinnaer Marienpsalter; der als das älteste Buch Brandenburgs gilt. Mit der Reformation verließen die Mönche 1553 das Gebiet. Das Kloster gelangte in den Besitz des magdeburgischen, landesherrlichen Amtes. 1648 erhielt dessen letzter Verwalter Christian Wilhelm von Brandenburg den Ort als seinen Besitz auf Lebenszeit zugesprochen. Er führte einen kleinen Hof und verstarb 1665 in Zinna. 1680 fiel das Amt an die Kurmark. Die Nuthe stellte zu dieser Zeit die Grenze zum sächsischen Jüterbog dar.

18. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Siebenjährige Krieg ging auch an Zinna nicht spurlos vorüber, als Preußische Truppen auch von hier aus nach Sachsen einmarschieren. König Friedrich II. gründete 1764 eine Weberkolonie und ließ 220 Einheitshäuser für Handwerker errichten. Sie pflanzten rund 300 Maulbeerbäume, um daraus Seide zu gewinnen. Es entstand ein Straßengitter mit kreuzenden Straßen und einem zentralen Platz. Die vier Blöcke umschlossen einen Garten. Der Ort florierte, und es siedelten sich weitere Handwerker, Gastwirte und Weber ein. Die Weber organisierten sich 1769 durch die Gründung einer Innung und errichteten ein eigenes Meisterhaus. Im Jahre 1771 lebten 24 Weber im Ort. Die Fabrik wurde 1776 errichtet, es ist im 21. Jahrhundert das Haus in der Berliner Straße 72. Die Hauptbauphase des Ortes endete um 1780. Zu dieser Zeit lebten in Zinna 774 Einwohner in 149 Häusern. Eine weitere Unterstützung der Weber fand durch die 1779 gegründete Brüderschaft der Webergesellen statt.

19. Jahrhundert[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Im Jahre 1872 wurde die Siedlung mit dem Amtsbereich des Klosters vereinigt. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts schien die wirtschaftliche Zukunft des Ortes gesichert. Zinna zählte nun rund 1045 Einwohner. Allerdings siedelten sich im benachbarten Luckenwalde Wolltuchfabriken an, die im Zuge der Industrialisierung preisgünstiger produzierten konnten. Dies führte in Zinna zu einer hohen Arbeitslosigkeit – mehr als zwei Drittel der Weber verloren ihre Arbeit. Dennoch pflegten die Weber ihre Traditionen, wie beispielsweise das jährliche Weberfastnachten, bei dem die Meister und Gesellen ihre erfolgreich abgeschlossene Abschlussprüfung feierten. 1847 verbot der Jüterboger Landrat dieses ausschweifende Fest, woraufhin der Lehrer Eduard Wegener ein Schulfest einführte. Diese Veranstaltung hat bis in das 21. Jahrhundert als Heimatfest Bestand. Als Dank für die Ortsgründung errichteten die Bewohner im Jahr 1864 ein Denkmal für ihren König auf dem zentralen Platz. Es wurde 1949 zerstört.

20. Jahrhundert bis zur Neuzeit[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

1919 gründeten zwei jüdische Fabrikanten eine Plüschweberei, die 1937 im Zuge der Arisierung aufgelöst und 1948 in einen VEB umgewandelt wurde. Nach der Wende musste aber auch dieser Betrieb aufgeben.[1] 1929 verlor Zinna das Stadtrecht. 1956 öffnete das Heimatmuseum in der Abtei des Klosters. Seit 1992 gehörte Kloster Zinna zum Amt Jüterbog. 1994 errichtete die Gemeinde das Denkmal für Friedrich den II. neu auf.[2] Am 31. Dezember 1997 wurde der Ort ein Ortsteil von Jüterbog.[3]

Kultur und Sehenswürdigkeiten[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Siehe Liste der Naturdenkmale in Jüterbog

  • Neben dem Kloster stehen die Webersiedlung sowie einige Wohnhäuser unter Denkmalschutz.
  • Der Gutshof Kaltenhausen entstand als Vorwerk aus dem Kloster im Jahre 1480. Im Jahre 1800 lebten 125 Personen im Gutsbezirk. Im Jahre 1832 erwarb die Familie Bohnstedt das Gut. Die Familie Bohnstedt ließ das Gutshaus in den Jahren 1902 bis 1904 im neubarocken Stil nach einem Entwurf der Berliner Architekten Cremer & Wolffenstein erbauen. Das Gutshaus diente zeitweise als Grundschule.
  • Am Westende des ehemaligen Klosterbezirks befindet sich als Naturdenkmal eine Linde, die im 12. Jahrhundert gepflanzt worden sein soll, um dort die letzten heidnischen Slawen zu taufen. Der Baum ist ein Schauplatz in dem Werk Der deutsche Michael von Albert Emil Brachvogel auf. Darin will ein kleiner Junge, Michael von Felgentreu, seine wahre Identität herausfinden. Er wird von seinem Vater jedoch daran gehindert und im Kloster gefangen gehalten. Michael flieht durch ein Gefängnisfenster, rettet sich auf die Krone des Baumes und kann entkommen. In älteren Schriften findet sich daher auch die Bezeichnung Linde vom deutschen Michael. Der Baum wurde in der Silvesternacht 1996 durch ein Feuer schwer beschädigt.[4]
  • Ein Wallrundweg führt auf einer Länge von vier Kilometern um das Gelände herum.
  • Drei Kilometer nördlich des Ortsteils liegt das ehemalige Militärareal Forst Zinna. Es ist im 21. Jahrhundert Bestandteil des Naturparks Nuthe-Nieplitz.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Informationstafel Die Weber, an der Eiche am Denkmal, Inaugenscheinnahme im März 2015.
  2. Informationstafel Kurze Ortsgeschichte, am Kloster, Inaugenscheinnahme im März 2015.
  3. StBA: Änderungen bei den Gemeinden, siehe 1997
  4. Informationstafel Sagenumwobene Heidenlinde, an der Linde, Inaugenscheinnahme im März 2015.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Marie-Luise Buchinger, Marcus Cante: Landkreis Teltow Fläming. Teil 1: Stadt Jüterbog mit Kloster Zinna und Gemeinde Niedergörsdorf (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland. Denkmale in Brandenburg. Bd. 17, 1.) Werner'sche Verlagsgesellschaft, Worms 2000, ISBN 3-88462-154-8.
  • Gerhard Vinken et al. (Bearb.): Handbuch der deutschen Kunstdenkmäler. Brandenburg. Deutscher Kunstverlag, München/ Berlin 2000, ISBN 3-422-03054-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]