Kloster zur Ewigen Anbetung
Das Kloster zur Ewigen Anbetung ist ein 1868 gegründetes Frauenkloster in Innsbruck. Die 1869/1870 errichtete Anlage aus Kirche und Kloster im Stadtteil Saggen steht unter Denkmalschutz (Listeneintrag).
Geschichte
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die aus einer adeligen Familie stammende Sophie von Angelini (1838–1897) fühlte sich früh zu einem klösterlichen Leben hingezogen. 1858 trat sie in den Karmel Innsbruck ein, kehrte aber 1861 wieder zu ihrem erkrankten Vater zurück. Nach dem frühen Tod ihrer Eltern beschloss sie, mit dem Erbe ein Kloster zu gründen. Durch Fürstbischof Vinzenz Gasser und Maria von Mörl wurde sie auf den von Maria Maddalena dell’Incarnazione 1807 gegründeten Orden der Ewigen Anbetung aufmerksam und lebte für kurze Zeit in dessen Mutterhaus in Rom. In einer Privataudienz berichtete sie Papst Pius IX. von ihren Plänen, der ihnen wohlwollend gegenüberstand. 1868 entstand das erste Projekt für ein Kloster in der Museumstraße nach Entwürfen der Firma Josef Huter & Söhne. Der Bürgerausschuss (Gemeinderat) genehmigte das Bauansuchen Angelinis zunächst mit der Auflage, dass sich der Konvent nach außen hin nicht als Kloster präsentieren und nicht von einer Mauer umgeben sein dürfe, zog die Baugenehmigung nach Einspruch der Liberalen Partei jedoch wieder zurück.
Am 12. April 1869 trat Sophie von Angelini unter dem Ordensnamen Maria Pia Magdalena von der Göttlichen Liebe in den Orden der Ewigen Anbetung ein. Sie absolvierte ihr Noviziat im Mutterhaus in Rom und in Monza, wo sie am 14. September 1870 ihre Profess ablegte.
1870 erwarb Maria Pia Angelini einen Grund am Hirschanger im heutigen Villensaggen und ließ mit dem Bau des Klosters im Wesentlichen nach den ursprünglichen Plänen beginnen. Noch im selben Jahr bezog sie mit vier Mitschwestern aus Monza das fertiggestellte Kloster. Am 16. Juni 1871 eröffnete Dekan Johann Lais die noch unfertige Klosterkirche, nach ihrer Vollendung konsekrierte sie Fürstbischof Vinzenz Gasser am 13. Mai 1872 zu Ehren des heiligsten Herzens Jesu. Die Kirche war innen zunächst nur einfach geweißelt, nachdem der Vertrag mit Georg Mader zur Ausmalung wegen Unstimmigkeiten gekündigt worden war. Erst in den folgenden Jahren wurden Wände und Gewölbe mit Malereien und Mosaiken geschmückt.
Der Orden der Ewigen Anbetung war in Österreich staatlich nicht anerkannt und die Klostergründung stieß weiterhin auf Widerstände. 1872 wurde das Kloster mehrmals beschädigt und fast alle Fensterscheiben von Kloster und Kirche eingeworfen. Nach einer Audienz bei Kaiser Franz Joseph I. sicherte dieser Maria Pia Angelini den „immerwährenden Schutz“ des Klosters zu. 1873 wurde das Kloster schließlich vom Bischof von Brixen sowie der Statthalterei gegen den Willen der Stadt Innsbruck als Tertiarinnen-Kloster genehmigt. Auflagen waren unter anderem, dass die Klosterstatuten denen der anderen österreichischen Klöster entsprechen müssen und eine Schule für arme Kinder eingerichtet wird. Am 28. Mai 1898 erteilte Kaiser Franz Joseph I. schließlich die staatliche Anerkennung für den Orden der Ewigen Anbetung des Heiligsten Sakraments in Österreich.
In der Anfangszeit erlebte das Kloster eine Blüte, viele Eintritte von jungen und zum Teil adeligen und wohlhabenden Frauen, aber auch zahlreiche Spenden aus der Bevölkerung machten es wirtschaftlich unabhängig. 1878/79 wurde in der Südostecke des Areals das Priesterhaus durch die Firma Johann Huter & Söhne errichtet,[1] 1899 erfolgten Anbauten an der Westseite des Klostertraktes. Während des Ersten Weltkriegs und in der Zwischenkriegszeit geriet das Kloster in wirtschaftliche Schwierigkeiten.
1940 ließ Gauleiter Franz Hofer das Kloster und den gesamten Besitz beschlagnahmen und den Konvent unter Beschuldigung der „Staatsfeindlichkeit“ vertreiben. Die Schwestern fanden Zuflucht im Kloster Thurnfeld in Hall und in verschiedenen anderen Klöstern. Das Kloster wurde vom NS-Regime als Kanzleigebäude und Wohngebäude adaptiert. Nach ihrer Rückkehr im Mai 1945 fanden die Schwestern die Kirche verwüstet vor, am 27. Mai wurde sie nach Reinigungsarbeiten wieder provisorisch geöffnet. 1946/47 wurde die Kirche renoviert und der Hochaltar erneuert. Am 1. Juli 1948 eröffnete sie Bischof Paulus Rusch.
Von 1981 bis 1983 wurde die Kirchenfassade renoviert und neue Fenster der Tiroler Glasmalerei und Mosaik Anstalt eingesetzt. 1994/95 folgte die Sanierung und Wiederherstellung des Wanddekors. Bei der Neugestaltung des Presbyteriums 2009 erhielt die Kirche einen Volksaltar.
2006/07 wurde die Klosteranlage grundlegend saniert und an die heutigen Bedürfnisse angepasst. Die Wirtschaftsgebäude im nördlichen Bereich der Anlage wurden neu errichtet und die Innenstruktur adaptiert und instand gesetzt. Nach dem Verkauf des westlichen Grundstücks des Klosters wurden dort drei Wohnbauten errichtet. Die ehemalige Einfriedungsmauer des Klosters blieb dabei sowohl an der Süd- als auch an der Nordseite erhalten, das große, an der Südseite in die Mauer eingebundene Gartentor wurde jedoch versetzt.[2]
Klosteranlage
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Das Kloster liegt inmitten eines großen, rechteckigen, von einer Mauer umgebenen Klostergartens. Die symmetrische, vierflügelige, dreigeschoßige Anlage umschließt einen quadratischen Innenhof. In den Südtrakt ist das Presbyterium der Kirche zentral eingebunden. Der dort anschließende Nonnenchor springt hofseitig vor, im Nordflügel tritt das Refektorium risalitartig hervor. Die Geschoßhöhen sind so ausgerichtet, dass ein Kaffgesims über den Fenstern des ersten Obergeschoßes in Fortsetzung des Kirchengesimses den ganzen Bau umschließt. Die Fassaden sind mit einfachen Mitteln wie Fensterrhythmus, verschiedenen Fensterformen, Nutungen, Putzlisenen und Faschen an den Fenstern gegliedert, die Fenster sind entweder geohrt oder mit ornamentierten Aufsätzen versehen.
Im Südtrakt trennen Mittelgänge die für Laien zugänglichen Räume im Erdgeschoß bzw. in der Klausur darüber Superiatszimmer und Kanzlei, von den Vor- und Nebenräumen der Kirche und des Nonnenchores. Das Refektorium ist mit einer Dreivierteltonne gewölbt. Nonnenchor und Krypta sind schlichte, seicht gewölbte Rechteckräume, der Nonnenchor wurde 1945 mit drei Fresken von Rafael Thaler ausgemalt.
Klosterkirche
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Äußeres
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Der zweijochige Kirchenbau mit angedeuteten Querarmen als Reduktion einer Kreuzkuppelkirche ist mit dem Chor in den Südtrakt des Klosters eingebunden. Vorbild war vermutlich die Allerheiligen-Hofkirche in München von Leo von Klenze. Die Fassaden in neuromanischen Formen sind mit abwechselnder, farblich differenzierter Verwendung von Stein und Putz gestaltet. Die Eingangsfassade mit Vorhalle und Giebelreiter ist aus unverputztem Stein. Das 35 m² große Giebelmosaik mit der Verehrung des Altarsakraments wurde von Felix Schatz entworfen und 1895 von Luigi Solerti ausgeführt. Im Zentrum stehen Kelch und Hostie mit Gottvater und dem Heiligen Geist, verehrt von Engeln. Im Giebelfeld befinden sich zwei kniende Engel mit den Leidenswerkzeugen, links der Fensterrose Melchisedek, rechts davon Malachias.[3]
Innenraum
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Der dunkle Innenraum ist auf das Allerheiligste am Altar ausgerichtet. Mit dem leicht eingezogenen Chor mit Halbkreisapsis und seichten Kuppeln über Schiff und Querhaus entfaltet er eine zentralbauartige Wirkung. Kuppeln, Gurtbögen und Apsis sind mit ornamentalen, byzantinisierenden Mosaiken versehen. Die Wandmalereien wurden 1873 von Gebhard Flatz geschaffen, die Deckenmalereien wurden von Michael Stolz entworfen und 1879/80 von Johann Hintner ausgeführt. Das Apsismosaik gestaltete Michael Stolz 1879 nach dem Vorbild von San Clemente in Rom.
Zur ursprünglichen nazarenischen Ausstattung gehörten Altäre nach einem Entwurf von Michael Stolz, ein Hochaltarblatt von Melchior Paul von Deschwanden, Schnitzfiguren von Alois Winkler und Tafelbilder an den Langhauswänden von Josef Kastner aus Wien. Während der NS-Zeit wurde ein Großteil der Ausstattung zerstört. Der Hochaltar wurde 1948 durch einen Altar von Josef Staud ersetzt. Die Kreuzwegstationen schuf Johann Baptist Oberkofler 1953. Die Statuen der hll. Michael und Josef von Josef Staud wurden 1956 aufgestellt. Trotz der Veränderungen hat sich der nazarenische Gesamtcharakter des Raumes erhalten.
Glocken
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Die im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzenen Glocken wurden 1947 durch neue Glocken der Firma Grassmayr ersetzt: eine große Glocke Maria Annuntiata, eine kleine Glocke Hl. Michael sowie zwei kleine Chorglocken Hl. Josef und Anna.
Literatur
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- Hans Hochenegg: Die Kirchen Tirols. Die Gotteshäuser Nord- und Osttirols in Wort und Bild. Kommissions-Verlag der Marianischen Vereinsbuchhandlung, Innsbruck 1935, S. 9–10.
- Franz Caramelle, Richard Frischauf: Die Stifte und Klöster Tirols. Tyrolia / Athesia, Innsbruck / Bozen 1985, ISBN 3-7022-1549-2, S. 263–265.
- Christoph Hölz, Klaus Tragbar, Veronika Weiss (Hrsg.): Architekturführer Innsbruck. Haymon, Innsbruck 2017, ISBN 978-3-7099-7204-5, S. 101.
- Schmid-Pittl, Wiesauer: Kloster zur Ewigen Anbetung, Ewige Anbetung. In: Tiroler Kunstkataster. Abgerufen am 28. Dezember 2025.
- Schmid-Pittl, Wiesauer: Klosterkirche zur Ewigen Anbetung, Kirche Ewige Anbetung. In: Tiroler Kunstkataster. Abgerufen am 28. Dezember 2025.
Weblinks
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]Einzelnachweise
[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]- ↑ Felmayer, Wiesauer: Pfarrhof, ehemaliges Priesterhaus des Klosters zur Ewigen Anbetung. In: Tiroler Kunstkataster. Abgerufen am 28. Dezember 2025.
- ↑ Amt der Tiroler Landesregierung, Kulturabteilung (Hrsg.): Kulturberichte aus Tirol 2007. 60. Denkmalbericht. Innsbruck 2007, S. 84 und 95 PDF, 10,7 MB ( vom 7. April 2022 im Internet Archive)
- ↑ Mathias Flunk: Die Façade der Kirche zur ewigen Anbetung. In: Innsbrucker Nachrichten, 7. August 1895, S. 17–18 (online bei ANNO).
Koordinaten: 47° 16′ 23,4″ N, 11° 23′ 56,7″ O