Klosterkirche St. Marien (Osterholz)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Zur Navigation springen Zur Suche springen
Klosterkirche St. Marien in Osterholz
Kloster OHZ.jpg

Die Klosterkirche St. Marien in Osterholz-Scharmbeck, Stadtteil Osterholz (Landkreis Osterholz) wurde im 12. Jahrhundert als Basilika im romanischen Stil errichtet. Zusammen mit dem 1562 erbauten Gemeindehaus dient sie der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde St. Marien im hannoverschen Sprengel Stade als Kirche und Versammlungsort.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Kloster (im) Osterholz wurde 1182 durch den Bremer Erzbischof Siegfried I. von Anhalt gegründet. Sein Nachfolger Hartwig II. von Utlede übertrug 1185 dem Kloster auch das Patronat über die Kirchengemeinde in Scharmbeck. Den eigentlichen Aufbau organisierte bis 1184 Propst Eylhard, ein Mönch des Benediktinerklosters St. Paul vor Bremen.

Das Kloster wurde 1197 der Jungfrau Maria geweiht und mit der Börde Scharmbeck belehnt. Dieses Recht auf Belehnung stellte eine Art „Lizenzierung“ des Klosters durch Rom dar, was der Papst im Jahre 1507 mit der Anerkennung von Johann Widdenbrücke als Propst über das Kloster untermauerte. Das Kloster scheint anfänglich ein Doppelkloster für Männer und Frauen gewesen zu sein, wurde dann aber ab 1202 nur noch als Nonnenkloster bezeichnet.

Abgabepflichtig war die Börde Scharmbeck seit langem, aber mit den Herren des (späteren) Gutes Sandbeck gab es immer wieder Unstimmigkeiten. Deshalb wurde 1513 das Kloster noch einmal in einem offiziellen Akt mit den Sandbeckern belehnt. An einem Sonntag (Laetare) lud deshalb der Propst Johann Widdenbrügge ins Kloster ein. Als Zeugen erschienen der Bürgermeister von Bremen, Marten Heyenbroch, die Gutsherren Warner von der Hude und die Gutsherren Gebrüder Cordt. Damit unterstrich der Erzbischof von Bremen, wer in der Region die weltliche Macht ausübte; eine Verweigerung hätte den Beginn einer Fehde bedeutet und die Sandbecker hätten wohl ihr Lehen verloren, weshalb sich Just von Sandbeck vor seinem Gefolge dem Kloster verpflichtete. Allerdings konnten damit die Konflikte nicht endgültig beendet werden.

1515 plünderte der Bremer Erzbischof Christoph von Braunschweig-Lüneburg, der auch Bischof von Verden war, das Kloster. Da in Bremen Heinrich von Zütphen bereits 1522 die lutherische Lehre bekannt machte, breitete sich die Reformation auch im Osterholzer Kloster aus. 1537 befanden sich evangelische und katholische Nonnen im Kloster; 1550 wurde es dann endgültig lutherisch. Dies erfolgte vor dem Hintergrund des Schmalkaldischen Krieges, in dem 1547 Kaiser Karl V. eine Armee nach Norddeutschland schickte, um den status quo der katholischen Herrschaft wiederherzustellen. Das misslang allerdings größtenteils, denn die kaiserlichen Truppen wurden in der Schlacht bei Drakenburg im Norden von Nienburg durch den Grafen von Mansfeld geschlagen und Karl V. konnte diese Niederlage nicht mehr durch einen weiteren Feldzug im Norden ausgleichen.

Das Kloster erhielt umgehend seinen ersten lutherischen Propst und die benachbarte Kirche St. Wil(l)had(i) in Scharmbeck wurde mit einem lutherischen Geistlichen besetzt, da die Gefahr einer Einquartierung kaiserlicher Truppen von da an nicht mehr bestand. 1562 wurde das ebenfalls erhaltene Gemeindehaus errichtet.

Als im Dreißigjährigen Krieg die Dänen im Jahre 1626 Norddeutschland verließen und Stade räumten, drangen katholische Verbände in die Osterholzer Geest vor und die protestantischen Nonnen des Klosters flohen am 28. Mai 1630 vor den Pappenheimern, da diese 1629/30 einige Höfe in der Region verwüstet hatten. In der Folge wurde das Kloster zunächst katholisch belegt, 1633 mit der Ankunft den Schweden jedoch wieder protestantisch.

Am 16. Mai 1630 hatte das Kloster noch Bilanz gezogen: es war bis dahin fünfmal ausgeplündert worden, der goldene Becher für den Gottesdienst war verloren.

Im Westfälischen Frieden von 1648 wurde Christine von Schweden das Gebiet zwischen Bremen, Verden, Weser und Elbe zugesprochen. Da die Bistümer Bremen und Verden als Reichslehen abgetreten wurden, war die Aufhebung des Klosters 1650 eine Folge dieses Friedens.

Herkunft der ursprünglichen Bezeichnung als Osterholzer Kloster[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Name Osterholz kommt im Bremer Umland dreimal vor, außer für den Ort dieses Klosters auch für den Bremer Stadtteil Osterholz, ein ehemaliges Dorf, bei dem die Kleine Wümme als Holter Fleet beginnt, und für einen Weiler oberhalb des Geestrandes im östlichen Gemeindegebiet der Stadt Syke.

Im Wesentlichen gibt es zwei Theorien über die Herkunft des Begriffs Osterholz. Beide sind insofern identisch, da sie „-holz“ mit Wald bzw. Gehölz gleichsetzen.

Die erste These übersetzt die Vorsilbe „Oster-“ als Himmelsrichtung. So sieht es 1718 auch der Heimatforscher Georg von Roth. Da der Wald ursprünglich bis an das sumpfige Wiesengelände der Hamme heranreichte, die Moore damals rund 1/3 der Fläche einnahmen und die Osterholzer Geest von Anfang an eher weniger Waldbestände aufwies, erscheint die Bezeichnung östlicher Wald aus Sicht des 860 als königliches Lehen erwähnten Hofes Liastmona nachvollziehbar, den Wald als eine wichtige Rohstoffquelle so zu bezeichnen. Für das Kloster ist die Verwendung der Stämme aus dem Osterholzer Wald nachgewiesen, vermutlich steht das Kloster selbst auf ehemaligem Waldboden, der heutige Restwald wird als „Klosterholz“ bezeichnet.

Die zweite These sieht die Herkunft von „Oster-“ abgeleitet von der germanische Göttin Ostara, deren Existenz in der germanischen Mythologie allerdings sehr umstritten ist, und es gibt bis heute keinerlei archäologische oder sonstige Beweise bzw. Indizien über Opferstätten im Stadt- und Kreisgebiet für irgendeine der asischen Gottheiten. Insofern steht die Ostara-These auf schwachen Füßen.

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hans-Heinrich Jarck (Bearbeiter): Urkundenbuch des Klosters Osterholz. 1162–1651 (= Quellen und Untersuchungen zur Geschichte Niedersachsens im Mittelalter. 5 = Veröffentlichungen der Historischen Kommission für Niedersachsen und Bremen. 37). Lax, Hildesheim 1982, ISBN 3-7848-3014-5.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Koordinaten: 53° 13′ 27″ N, 8° 48′ 45″ O