Knackstedt & Näther

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Stereoskopie Nummer 871 als Ansichtskarte mit Blick über den Hamburger Nikolaifleet in Richtung der Katharinen-Kirche
Adressen der Fotografen in Hamburg und Cuxhaven auf einer Kabinettfotografie
Atelierfotografie eines Paares, um 1890
Rechnungsvordruck der „Licht- und Steindruckerei“ von 1909

Die Firma der Herren Knackstedt & Näther (KN) unterhielt im 19. und 20. Jahrhundert verschiedene fotografische Ateliers in Hamburg und Cuxhaven, eine Licht- und Steindruckerei sowie einen Verlag.[1]

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Am 30. September 1889[2] gründeten Wilhelm Georg Ludwig (Louis) Knackstedt (* 17. Februar 1865 in Peine, † 10. Juni 1916[3] in München) und Hermann Gustav Näther (* 1866 in ?[4]; † nach 1925 in Hamburg) die Firma Knackstedt & Näther, Kunstanstalt für Lichtdruck und Photographie.

Hermann Näther verließ das gemeinsame Unternehmen anscheinend schon 1892. Denn in diesem Jahr gründete Ludwig Knackstedt mit dem aus Hanerau-Hademarschen stammenden Fotografen Gotthilf Constabel ein gemeinsames Unternehmen mit Sitz in Hanerau-Hademarschen und Hamburg. Ab 1893 ist im Hamburger Adressbuch folgender Eintrag zu finden: „Constabel & Knackstedt, Kunstanstalt für Lichtdruck und Photographie, Inh. G. Constabel und L. Knackstedt“ mit der Anschrift Pelzerstr. 8, im Jahr darauf mit Anschrift Eppendorfer Landstraße 190, später Eppendorfer Landstraße 106. Im Hamburger Adressbuch Jg. 1901 ist die letzte Anzeige zu finden.[Anm. 1]

Die Fa. Knackstedt & Näther blieb zunächst weiter bestehen. In den Adressbüchern wird Ludwig Knackstedt als alleiniger Inhaber geführt. Das Angebot lautet im Hamburger Adressbuch Jg. 1905: „Licht- und Steindruckerei, chromografische Anstalt, photographisches Atelier für Portrait- und Industrieaufnahmen“. Angezeigt wird unter: Lichtdruckanstalten, Ansichtskarten, Photographische Ateliers, Kunstanstalten und Steindruckereien.

Laut Eintrag im Hamburger Adressbuch Jg. 1908 ist Ludwig Knackstedt Inhaber der Chrom. lithogr. Kunstanstalt „H.A.J. Schultz & Co Nachf.“ in Hamburg, Wagnerstr. 70 geworden. Ca. 1911 machte er seine Tochter Juliane, die in Paris[5] lebte, zur Mitinhaberin.

Im Laufe des Jahres 1911 ging die „Photographische Anstalt, Licht- und Steindruckerei Knackstedt & Näther G.m.b.H.“ in Konkurs[6]. Die Firma wurde am 4. Mai 1910 als Knackstedt & Co. in der Wagnerstraße 70 neu gegründet.

Das fotografische Atelier in der Deichstraße 17 in Cuxhaven wurde 1895[Anm. 2] von Hermann Meißner gegründet. 1896 wurde es von Knackstedt & Näther übernommen. Anschließend wurde Frau A. Jensen Inhaberin (Zeitpunkt der Übernahme ist nicht bekannt). Da der Name Knackstedt & Näther gut eingeführt war, führte der nächste Inhaber Adolf Hoffmann das Atelier ebenso unter diesem Namen weiter (Zeitpunkt der Übernahme ist nicht bekannt). 1919 übernahm dann Harry Glocke das Atelier und führte es unter eigenem Namen weiter.[Anm. 3]

Das Unternehmen war u.a für die Gesellschaft zur Förderung der Amateurphotographie Hamburg und ihre Mitglieder, Oskar Hofmeister, Anton Joachim Christian Bruhn, u. a. tätig.[7]

Auch Stereobilder für Stereoskope produzierte die Firma.

Ab 1908 fand vermutlich eine Zusammenarbeit von KN mit A. Bruhn statt.

Firmensitz und Filialen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Fotografische Ateliers[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hamburg, Eppendorfer Landstraße 190[8]
von 1890 bis 1899
  • Hamburg, Pelzerstraße 8
von 1891 bis 1893
von 1893 bis 1900
von 1893 bis 1897
1899
  • Hamburg, Eppendorfer Landstr. 106
von 1901 bis 1906
  • Cuxhaven, Deichstraße 17. (Lage: 53° 51′ 59,3″ N, 8° 42′ 7,2″ O)
  • Das fotografische Atelier Arthur Pätzold[9] annonciert im Hamburger Adressbuch Jg. 1907 mit Anschrift Bachstr. 22 mit dem Zusatz: vormals Knackstedt & Näther
  • Das fotografische Atelier Martha Bontemps mit Anschrift Gr. Bleichen 30 versieht Rückseiten von Fotografien mit dem Zusatz: Die Platten von Knackstedt & Näther sowie von A. Pätzold Wwe. vormals Knackstedt & Näther sind in meinen Besitz übergegangen…
  • Das fotografische Atelier Rudolf Henkel mit Anschrift Hofweg 50 versieht Vorderseiten von Fotografien mit dem Zusatz: vorm. Knackstedt & Näther
  • Das fotografische Atelier Paul Kruse annonciert im Hamburger Adressbuch Jg. 1911 unter der Anschrift Eppendorfer Landstr. 106 mit dem Zusatz: früher Porträt-Atelier v. Knackstedt & Näther
  • Das fotografische Atelier Knackstedt & Näther mit der Anschrift Cuxhaven, Deichstraße 17 versieht Vorderseiten von Fotografien mit dem Zusatz: Inhaber: Frau A. Jensen

Lichtdruckanstalt[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hamburg, Eppendorfer Landstr. 190
von 1890 bis 1900
von 1901 bis 1910
  • Hamburg, Heuberg 9,[Anm. 5] Stadtcomptoir und Auslieferungslager
von 1907 bis 1910
  • Hamburg, Wagnerstraße 70 (firmiert Knackstedt & Co)
von 1911 bis?
  • Im Hamburger Adressbuch Jg. 1912: Knackstedt & Co (zusätzlich) Faltschachtelfabrik
  • Im Hamburger Adressbuch Jg. 1914: Knackstedt & Co (zusätzlich) Anfertigen von Briefverschlussmarken
  • Im Hamburger Adressbuch Jg. 1915: Knackstedt & Co (zusätzlich) Tiefdruck, Reklamemarken, Plakate

Werke[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Hamburger Bilder aus der Cholera-Zeit. Leporello mit 11 fotograf. Abbildungen, 15 × 9,5 cm, Knackstedt & Näther, Hamburg, 1892 (Petra Schmolinske: Die Cholera in Hamburg 1892. In: OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur. Band 138, Nr. III, 2017 (fof-ohlsdorf.de).)
  • Der Nord-Ostsee-Kanal in 15 Photographien nach den im Auftrage der Kaiserlichen Kanal-Commission in Kiel ausgeführten Aufnahmen. Leporello mit 15 fotograf. Aufnahmen, Constabel u. Knackstedt, Hamburg, o. J., (um 1895). Kl.-8°, HLwd. mit Deckeltitel u. Deckelillustration in Schwarz u. Gold.
  • Fabian Landau: Denksteine. Aus der Geschichte von Hamburg und Altona seit deren Gründung bis auf die Jetztzeit. 74 Textseiten und zahlr. Abb. auf 49 (5 gefaltet) Tafeln, 24 × 16 cm, Knackstedt & Näther, Hamburg, 1907
  • Erinnerung an die Eröffnung des Hauptbahnhofes Hamburg. 4. Dezember 1906. 18 Fototaf. in Lichtdruck, gedr. von Knackstedt & Näther, Hamburg, ca. 1907
  • Erinnerung an die von Bodelschwingh’schen Anstalten in Bethel. Leporello mit 10 Ansichten. Querformat 12 × 18 cm, Knackstedt & Co.Hamburg, (ohne Jahr, um 1912)

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • HKG: Kunstphotographie, 1989, S. 249[7]
  • Kai Deecke, Fotografen und ihre Ateliers in Hamburg von 1855 bis 1915, Selbstverlag, Hamburg, 2012
  • The Postcard Album[10]
    • Ausgabe Nr. 10, S. 16 f
    • Ausgabe Nr. 27, von ca. November 2013, S. 25 f
    • Ausgabe Nr. 17, 4. PDF
    • Ausgabe Nr. 18, 2. PDF
    • Ausgabe Nr. 19, 5. PDF
    • Ausgabe Nr. 19, 6. PDF
    • Ausgabe Nr. 21, 4. PDF
  • Dieter Lorenz: Postkarten in 3D. Die Stereo-Aktivitäten von Knackstedt & Näther und anderen Verlagen, in: Fotografie und Raum. Beiträge zur Geschichte der Stereoskopie, Münster; New York, NY; München; Berlin: Waxmann, 2012, ISBN 978-3-8309-2738-9, S. 133–142 u.ö.; eingeschränkte Vorschau in der Google-Buchsuche

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Commons: Knackstedt & Näther – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Anmerkungen[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Ob die Firma Constabel & Knackstedt tatsächlich solange bestanden hat, ist nicht bekannt. Bereits für das Jahr 1894 sind Drucke der Fa. J. B. Obernetter nach Photographien von Claussen & Constabel (Hanerau) bekannt. Digitalisathttp://vorlage_digitalisat.test/1%3Dhttp%3A%2F%2Fwww.digiporta.net%2Findex.php%3Fid%3D462222550~GB%3D~IA%3D~MDZ%3D%0A~SZ%3D~doppelseitig%3D~LT%3D~PUR%3D.
  2. Bilder aus dem Stadtarchiv Cuxhaven: thomas_robbin: Harry Glocke fotografiert Cuxhaven. In: Ausstellung vom 3. Dez. 2010 bis 12. Jan 2011 im Rathaus Cuxhaven. paperblog.com, abgerufen am 10. Oktober 2017.
  3. Glocke, Harry. Abgerufen am 10. Oktober 2017.
  4. Das Hinterhaus wurde über Jahrzehnte als Atelier für Porträtfotografie genutzt: von 1871 bis 1887 von dem bekannten Atelier Benque & Kindermann; von 1889 bis 1892 von dem Atelier Johannes Schneider, 1893 bis 1900 von dem Atelier Knackstedt & Näther, von 1901 bis 1902 von dem Atelier Anna Pätzold und bis 1909 von dem Atelier Frau Martha Bontemps. (Neue Hamburger Zeitung 17. Februar 1902, S. 6.)
  5. Ab 1910 firmiert der Albert Büttner Postkartenverlag mit dieser Anschrift. Es sind Aufdrucke wie Büttner Verlag - vorm. Verlagsabt. Knackstedt & Näther auf einigen Postkarten zu finden. Möglicherweise ist das eine Erklärung. In demselben Haus war auch die angesehene Buchhandlung Boysen & Maasch untergebracht.

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Stralsund, Jakobikirche / Vorderansicht. Postkarte mit dem Vermerk "Verlag". In: Deutsche Digitale Bibliothek. Stiftung Preußischer Kulturbesitz, abgerufen am 18. März 2022.
  2. Eintragungen in das Handelsregister. In: Amtsblatt der Freien und Hansestadt Hamburg / Beiblatt, Öffentlicher Anzeiger. 1889,229/304=Okt./Dez., Nr. 231, 1889, S. 1573 (Staatsbibliothek Berlin).
  3. Joachim Frank, Iris Groschek u. a.: Der Michel brennt! Geschichte eines Hamburger Wahrzeichens, Edition Temmen, Bremen 2006, ISBN 3-86108-085-0, Seite 158
  4. Lindau, Lindenau oder Leipzig-Lindenau
  5. Hamburger Adressbuch Jg. 1911: Knackstedt & Co Inh.: W.G.L. Knackstedt, hier und Juliane A.J.M. Knackstedt, Paris
  6. Rubrik: Geschäftliches. In Photographische Chronik. Nr. 17 vom 22. Februar 1911, S. 103.
  7. a b Siehe: Museum für Kunst und Gewerbe Hamburg, „Sammlung Online“, Eingabe erforderlich
  8. Kai Deecke, Fotografen und ihre Ateliers in Hamburg von 1855 bis 1915
  9. Pätzold, Arthur. In: Hans Vollmer (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Begründet von Ulrich Thieme und Felix Becker. Band 26: Olivier–Pieris. E. A. Seemann, Leipzig 1932, S. 135.
  10. Knackstedt & Naether (en, html) In: Postcard Album. Helmfried Luers. Abgerufen am 3. November 2021.

Koordinaten: 53° 33′ 10,9″ N, 9° 59′ 21,5″ O