Knoblauchsland

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Karte des Knoblauchslands
Das Knoblauchsland auf einem Ausschnitt der Großen Wald- und Fraißkarte „Das Nürnberger Gebiet bis an die Grenzwasser“ von 1623
Bewässerungsanlagen im Knoblauchsland bei Buch (2013)

Das Knoblauchsland ist die Bezeichnung eines Gemüseanbaugebietes in der Mitte des Städte-Dreiecks Nürnberg-Fürth-Erlangen in Bayern.

Es ist eines der größten zusammenhängenden Anbaugebiete seiner Art und wird durch die Städte Nürnberg und Fürth im Süden, die Bundesautobahn 73 im Westen, Erlangen im Norden und den Sebalder Reichswald im Nordosten und Osten begrenzt. Im östlichen Knoblauchsland liegt der Flughafen Nürnberg.

Ortschaften im Knoblauchsland[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zu Nürnberg gehören Almoshof, Boxdorf, Buch, Groß- und Kleinreuth hinter der Veste, Groß- und Kleingründlach, Höfles, Kraftshof, Lohe, Neunhof, Reutles, Schmalau, Schnepfenreuth und Wetzendorf.

Zu Fürth gehören Bislohe, Sack, Braunsbach, Ronhof und Poppenreuth.

Zu Erlangen gehört Tennenlohe.

Geschichte[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Die Erschließung des Knoblauchslandes reicht bis ins 8. Jahrhundert und ging von den Königshöfen Aurach, Fürth und Nürnberg aus. Die ersten Siedlungen waren Großgründlach, Eltersdorf und Königsmühle, die vom Königshof Aurach angelegt wurden, sowie Wetzendorf, Schniegling, Braunsbach, Poppenreuth, Boxdorf, Mannhof und Steinach, die durch Rodungen des Königshofs Fürth entstanden. Nach der Gründung von Nürnberg im Jahr 1040 entstanden im 11. und 12. Jahrhundert die Siedlungen Thon, Großreuth und Kleinreuth, um die wirtschaftliche Situation der jungen Stadt zu verbessern. Die weitere Erschließung des Gebietes oblag den Herren von Gründlach und den Herren von Berg, die vom König als Reichsdienstmänner eingesetzt wurden. Die Herren von Gründlach erschlossen das Gebiet nördlich der Gründlach und gründeten Kleingründlach, Reutles und Tennenlohe. Durch die Rodungen der Herren von Berg entstanden die Ortschaften Almoshof, Bislohe, Buch, Doos, Herboldshof, Höfles, Kraftshof, Kronach, Lohe, Neunhof, Sack, Schnepfenreuth, Stadeln und Ziegelstein.

Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts erwarben sowohl die Reichsstadt Nürnberg als auch die Burggrafen und späteren Markgrafen von Brandenburg-Ansbach Besitztümer im Knoblauchsland. Diese Entwicklung endete 1427 mit dem Übergang der burggräflichen Rechte über das Knoblauchsland in den Besitz Nürnbergs. Jedoch entwickelten sich durch Ungereimtheiten in den Verträgen im Lauf der Jahre immer wieder Konflikte zwischen den beiden Parteien, die schließlich 1449 zum Ersten Markgrafenkrieg führten, in dessen Folge die Ortschaften Almoshof, Großreuth, Höfles, Kleinreuth, Lohe, Schnepfenreuth, Schniegling, Thon und Wetzendorf zerstört wurden. Auch der Zweite Markgrafenkrieg in den Jahren 1552 bis 1553 und der Dreißigjährige Krieg brachten Leid und Zerstörung über das gesamte Knoblauchsland.

Im Jahr 1796 wurde das Knoblauchsland unter preußische Verwaltung gestellt, ehe es 1806 bzw. 1810 an das neu gegründete Königreich Bayern überging. 1899 wurden mit Großreuth, Kleinreuth, Schniegling, Thon, und Wetzendorf die ersten Orte nach Nürnberg eingemeindet. Die ersten Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs bekam das Knoblauchsland mit der Bombardierung Neunhofs am 6. Mai 1941 zu spüren. Im weiteren Kriegsverlauf wurden 1941, 1943 und 1944 erneut Luftangriffe geflogen, ehe die US-Armee im April 1945 über das Knoblauchsland die Stadt Nürnberg einnahm. Das letzte große Ereignis in der Geschichte des Knoblauchslandes war die bayerische Gebietsreform von 1972, in der alle bisher eigenständigen Gemeinden den Städten Nürnberg, Fürth und Erlangen zugeschlagen wurden.

Etymologie[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Zwiebelzuchten haben diesem Landstrich zu seinem Namen verholfen. Hinweise darauf bietet das Wachstafelzinsbuch des Burggrafentums Nürnberg von 1425. Um 1600 weist der Nürnberger Stadtschreiber Johannes Müllner auf die Zwiebel als Namensursprung hin:

„Und diese bisher aufgezählten Flecken und Dörfer (des Knoblauchslandes) liegen alle zwischen den Wald und der Rednitz gegen der linken Hand, welcher Traktus insgeheim das Knoblachsland genennet wird, aus Ursach, dass viel Zwieffel und Rubsamen gebauet und von hinnen in fremde Land verführt … und damit große Hantierung getrieben wird.“

Johannes Müllner

Stadt und dörfliches Umland hatten also gegenseitigen Nutzen voneinander. Den einen diente das Umland als Nahrungsgrundlage, den Produzenten brachte es in Krisenzeiten Sicherheit im Zeichen der Burg.

Gemüseanbau[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Der Nürnberger Stadtteil Neunhof zwischen den Gemüsefeldern im Knoblauchsland, 2008
Blick über Gemüsefelder nach Großgründlach, 2004

Der Gemüseanbau im Knoblauchsland wird sowohl in Treibhäusern als auch im Freiland betrieben. Zur Bewässerung wird hauptsächlich Wasser aus dem Sebalder Reichswald herangezogen. Seit dem Jahr 2000 wurden auch Bewässerungsleitungen von der Regnitz ins Knoblauchsland angelegt. Dies wird durch die Anhebung der Niedrigwasserführung der Regnitz durch die Donau-Main-Überleitung ermöglicht.

Zu den angebauten Pflanzen zählen Blumen, Kartoffeln, Kohl, Kohlrabi, Lauch, Radieschen, Rettich, Spargel, Spinat, Tabak, Weizen und Wirsing sowie Zwiebeln, Zucchini, Auberginen, Tomaten und viele Salatsorten.[1]

Gefährdung des Gebietes durch Zersiedelung und Verstädterung[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Aufgrund der Lage zwischen den Städten Nürnberg, Fürth und Erlangen war das Gebiet in der Vergangenheit des Öfteren davon bedroht, durch Ausweisung neuer, groß angelegter Wohn- und Gewerbegebiete seinen ländlich-dörflichen Charakter zu verlieren und mit den Städten baulich zu verschmelzen.

Bei größeren Gewerbeansiedlungen griffen beide Städte seit den 1970er Jahren auf Flächen im Knoblauchsland zurück. Besonders in den 1990er Jahren war der Fortbestand des Gemüseanbaugebiets extrem gefährdet. Seinerzeit löste ein Projekt namens „Gewerbepark im Knoblauchsland“ große Proteste bei Landwirten und Bevölkerung aus, durch die es letztlich verhindert werden konnte. Die seit 2003 existierenden Pläne zur Ansiedlung eines Großmöbelhauses und eines Teppichhauses sowie zur Errichtung einer neuen Ausfahrt an der A 73 (Fürth-Steinach) wurden bis Dezember 2013 umgesetzt; die geplante S-Bahn von Nürnberg über Fürth und Erlangen nach Forchheim, durch die das nördliche Mittelfranken und das westliche Oberfranken besser für den Verkehr erschlossen werden sollen, befindet sich trotz erheblichen Widerstands in der Bevölkerung im Bau. Hingegen konnte in Erlangen das zum Knoblauchsland gehörige geplante Gewerbegebiet G6 nach einem von der jetzigen ödp-Stadträtin Barbara Grille initiierten Referendum der Erlanger Bevölkerung verhindert werden.

Kulturlandschaft[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Knoblauchsland stellt eine bedeutsame Kulturlandschaft in Bayern dar.[2] Die offene und flache Landschaft mit den kleinteiligen Gemüseanbauflächen prägt das Landschaftsbild bereits über Jahrhunderte. Realteilung und maßvolle Flurbereinigungsverfahren haben den Erhalt der charakteristischen Flurstruktur mit sehr schmalen und langen Flurstücken bewirkt.

Historische Kulturlandschaftselemente sind:[3]

Fauna[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Das Knoblauchsland bietet einer Vielzahl an bodenbrütenden Vogelarten (Bodenbrüter) geeignete Lebensraumbedingungen. Kiebitz, Feldlerche, Rebhuhn und Wiesenschafstelze sind häufige Bodenbrüter in dieser offenen und kleinteilig strukturierten Kulturlandschaft. Daneben sind einzelne Nachweise von gefährdeten und zum Teil vom Aussterben bedrohten Vogelarten wie Braunkehlchen, Steinschmätzer und Haubenlerche belegt.[4][5]

  • Kiebitz (Vanellus vanellus): Brutvogelkartierungen im Knoblauchsland aus den beiden Jahren 2013 und 2015 haben insgesamt 148 Kiebitzbrutpaare dokumentiert. Diese bayernweit sehr große Kiebitzpopulation auf einem sogenannten Sekundärstandort zeigt die Lebensraumqualität der Kulturlandschaft mit ihrem weiträumigen Offenlandcharakter für diesen stark gefährdeten Wiesenbrüter.[4][5]
  • Feldlerche (Alauda arvensis): Der gefährdete Steppenvogel wurde mit 244 Brutpaaren im Knoblauchsland beobachtet (Bodenbrüterkartierungen 2013 und 2015).[4][5]
  • Rebhuhn (Perdix perdix): 37 Brutpaare dieser stark gefährdeten Art wurden im Knoblauchsland kartiert (Bodenbrüterkartierungen 2013 und 2015). Das jagdbare Rebhuhn besiedelt vor allem offenes, reich strukturiertes Ackerland. Die klein parzellierten Feldfluren mit unterschiedlichen Anbauprodukten bieten noch geeignete Lebensraumbedingungen. Allerdings sind wertgebende Habitatstrukturen wie Altgrasstreifen, Staudenfluren sowie Hecken und Feldraine in den letzten Jahrzehnten aufgrund der zunehmenden Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung beseitigt worden. Auch die Bewässerung, der Gewächshausbau und die Bejagung wirken sich negativ auf die Bestandsentwicklung des Rebhuhns aus.[4][5]
  • Wiesenschafstelze (Motacilla flava): Mit 77 Brutpaaren wurde die weit verbreitete Wiesenschafstelze im Knoblauchsland nachgewiesen (Bodenbrüterkartierungen 2013 und 2015). Die kleinparzellierten und strukturreichen Anbauflächen bieten gute Habitatbedingungen für diese Art.[4][5]
  • Haubenlerche (Galerida cristata): Das mittelfränkische Brutvorkommen der in Bayern vom Aussterben bedrohten Haubenlerche galt seit der Jahrhundertwende als erloschen. Im Bereich von Schnepfenreuth und im Umfeld des Boxwaldes wurde die Art im Jahre 2014 als wahrscheinlicher Brutvogel mehrfach kartiert.[5][6]

Literatur[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  • Erich Guttenberg, Hermann Rusam: Knoblauchsland. Verlag A. Hofmann, Nürnberg 1989, ISBN 3-87191-139-9.

Weblinks[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

Einzelnachweise[Bearbeiten | Quelltext bearbeiten]

  1. Entwurf einer kulturlandschaftlichen Gliederung Bayerns als Beitrag zur Biodiversität: 21 Ballungsraum Nürnberg – Fürth – Erlangen. Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), 2011; abgerufen am 30. August 2017.
  2. Kulturlandschaftliche Gliederung Bayerns. Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), 6. Februar 2015; abgerufen am 31. August 2017.
  3. Bedeutsame Kulturlandschaften in der Kulturlandschaftseinheit 21 Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen. Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), 2015; abgerufen am 31. August 2017.
  4. a b c d e Erfassung von bodenbrütenden Vogelarten im Knoblauchsland im Stadtgebiet von Nürnberg. Umweltamt der Stadt Nürnberg, 11. Februar 2014; abgerufen am 30. August 2017.
  5. a b c d e f Erfassung von bodenbrütenden Vogelarten im Knoblauchsland im Stadtgebiet von Nürnberg Ergebnisbericht 2015. Umweltamt der Stadt Nürnberg, 2015; abgerufen am 30. August 2017.
  6. Schriftliche Anfrage:Entwicklung der Bestände geschützter Vogelarten in Mittelfranken. Bayerischer Landtag, 22. April 2016; abgerufen am 31. August 2017.

Koordinaten: 49° 29′ 20″ N, 11° 2′ 11″ O