Knoblauchsland

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Karte des Knoblauchslands
Knoblauchsland mit der Kraftshofer Wehrkirche

Das Knoblauchsland ist die Bezeichnung für eines der größten zusammenhängenden Gemüseanbaugebiete seiner Art in Deutschland, dessen Erschließung bis in das 8. Jahrhundert zurückreicht. Die historisch bedeutsame, altfränkische Kulturlandschaft liegt in der Mitte des Städte-Dreiecks Nürnberg-Fürth-Erlangen in Bayern. Das Gemüseanbaugebiet war durch intensive Wechselbeziehungen zu den angrenzenden städtischen Räumen geprägt. Auf der einen Seite stand die Versorgung der Stadtbevölkerung mit Gemüse und auf der anderen Seite schützte die Stadt Nürnberg die nahe gelegenen Anbauflächen und Bauern in Kriegs- und Notzeiten.

Geographie[edit | edit source]

Geographische Lage[edit | edit source]

Das Knoblauchsland umfasst die Mitte des mittelfränkischen Städtedreiecks Nürnberg-Fürth-Erlangen. Die genaue Abgrenzung ist nicht einfach zu bestimmen. Neben naturräumlichen Gegebenheiten, wie Geologie und Boden, spielen auch historische und wirtschaftsgeographische Aspekte bei der Einordnung eine Rolle.[1] Im Westen begrenzt die Bundesautobahn 73 das Gemüseanbaugebiet. Die Autobahn verläuft weitgehend entlang der Grenze zwischen Blasensandstein aus dem Keuper und pleistozänen Flusssanden der Regnitzterrassen.[2] Der Sebalder Reichswald stellt die östliche Grenze dar. Im Südosten schließen sich die Freiflächen des Flughafens Nürnberg an den Landschaftsraum an. Im Süden reicht das Knoblauchsland bis an die bebauten Siedlungsräume von Nürnberg und Fürth heran. Im Norden gehören die landwirtschaftlich genutzten Flächen von Tennenlohe zum Knoblauchsland.[1] Die Brucker Flur ist durch pleistozäne Flugsande und Podsolböden geprägt.[2][3] Daher zählt Bruck aufgrund seiner geologischen Verhältnisse nicht mehr zum Knoblauchsland.[1]

Ortschaften im Knoblauchsland[edit | edit source]

Bewässerungsanlagen im Knoblauchsland bei Buch (2013)

Zu Nürnberg gehören Almoshof, Boxdorf, Buch, Groß- und Kleinreuth hinter der Veste, Groß- und Kleingründlach, Höfles, Kraftshof, Lohe, Neunhof, Reutles, Schmalau, Schnepfenreuth und Wetzendorf.

Zu Fürth gehören Bislohe, Sack, Braunsbach, Ronhof und Poppenreuth.

Zu Erlangen gehört Tennenlohe.

Naturräumliche Zuordnung[edit | edit source]

Das Knoblauchsland ist naturräumlich dem Mittelfränkischen Becken (Mannsfeld und Syrbe 2008) zugeordnet, das Bestandteil der Haupteinheitengruppe Fränkisches Keuper-Lias-Land ist.[4]

Geologie und Böden[edit | edit source]

Die flachwellige bis ebene Keuperlandschaft zeichnet sich durch einfache geologische Verhältnisse aus. Im Westen bildet Blasensandstein aus der Hassberge-Formation den geologischen Untergrund. Er steht bis zur Regnitzterrasse an und zieht sich westlich des Flusses fort. Im Osten des Knoblauchslandes lagert über dem Blasensandstein der Coburger Sandstein aus der Hassberge-Formation.[2][5] Der Blasensandstein ist für den Gemüseanbau im Knoblauchsland von besonderer Bedeutung. Die geologische Schicht ist rund 30 bis 40 Meter mächtig und besteht aus Sandstein mit blasenartigen Hohlräumen, welche durch die Verwitterung von Tongallen entstanden sind. Das Gestein ist arm an löslichen Mineralbestandteilen und reich an Letteneinlagerungen. Diese Lettenschichten sind aufgrund ihres hohen Tongehalts wasserstauend. Durch die Verwitterung der Sande mit den Letten entstanden lockere Braunerdeböden, die für eine landwirtschaftliche Nutzung gut geeignet sind. Entlang der Fließgewässer haben sich quartäre Talfüllungen abgelagert und grundwasserbeeinflusste Böden, wie Gleye entwickelt. Nordwestlich von Buch ist der flachgründige Bodentyp Regosol vorherrschend. Nördlich von Großgründlach haben sich Pseudogleyböden ausgebildet.[3]

Fließgewässer[edit | edit source]

Eine Reihe in Ost-West-Richtung verlaufende Fließgewässer, die in die Regnitz und Pegnitz einmünden, gliedern das Knoblauchsland. Im Süden, beginnend am Marienberg verläuft der Wetzendorfer Landgraben, welcher Wetzendorf, Kleinreuth hinter der Veste und Thon durchquert, bevor er in Schniegling in die Pegnitz einmündet. Südlich von Höfles und Poppenreuth durchfließt der begradigte Schnepfenreuther Landgraben die Kulturlandschaft. Der Bucher Landgraben teilt das Knoblauchsland in einen nördlichen und südlichen Bereich. Im Norden von Nürnberg prägen die Gründlachauen und ihre Nebengewässer den Landschaftsraum. Im Westen begrenzt die Regnitz das Knoblauchsland.[6] Der Eltersdorfer Bach befindet sich im Norden des Knoblauchslandes. Er durchfließt Tennenlohe und mündet in Eltersdorf in die Regnitz.

Klima[edit | edit source]

Das Knoblauchsland liegt in der kühl-gemäßigten Klimazone und weist ein humides Klima auf. Der Landschaftsraum befindet sich im Übergangsbereich zwischen dem feuchten atlantischen und dem trockenen Kontinentalklima. Nach der Klimaklassifikation von Köppen/Geiger zählt das Knoblauchsland zum warm gemäßigten Regenklima (Cfb-Klima). Dabei bleibt die mittlere Lufttemperatur des wärmsten Monats unter 22 °C und die des kältesten Monats über –3 °C.[7][8] Im Jahresdurchschnitt liegt die Temperatur bei 9,3 °C und die Niederschlagsmenge beträgt im durchschnittlichen Jahresmittel lediglich 637 mm. Die durchschnittliche jährliche Sonnenscheindauer ist mit 1702 Stunden pro Jahr im bundesdeutschen Durchschnitt relativ hoch.[8] Die Werte der Klimaelemente beziehen sich auf die Messstation Nürnberg Flugfeld am Flughafen.[9]

Schutzgebiete[edit | edit source]

Die Fließgewässer mit ihren rezenten Auen durchziehen das intensiv genutzte Gemüseanbaugebiet und sind naturschutzfachlich als Biotopverbundachsen von besonderer Bedeutung. Die Auenlandschaft der Gründlach ist auf dem Nürnberger Stadtgebiet als Landschaftsschutzgebiet Gründlachtal - Ost (LSG00536.13) mit einer Gesamtgröße von 352,5 Hektar ausgewiesen. Das 4,8 Hektar große Landschaftsschutzgebiet Poppenreuther Landgraben (LSG-00523.06) und das 10,9 Hektar große Landschaftsschutzgebiet Bucher Landgraben, Bisloher Entwässerungsgraben (LSG-00523.09) liegen auf dem Fürther Stadtgebiet. In Erlangen wurde der Hutgraben mit Winkelfeld und Wolfsmantel als 188,3 Hektar großes Landschaftsschutzgebiet (LSG-00536.13) unter Schutz gestellt.[10][11]

Fauna[edit | edit source]

Das Knoblauchsland bietet einer Vielzahl an bodenbrütenden Vogelarten (Bodenbrüter) geeignete Lebensraumbedingungen. Kiebitz, Feldlerche, Rebhuhn und Wiesenschafstelze sind häufige Bodenbrüter in dieser offenen und kleinteilig strukturierten Kulturlandschaft. Daneben sind einzelne Nachweise von gefährdeten und zum Teil vom Aussterben bedrohten Vogelarten wie Braunkehlchen, Steinschmätzer und Haubenlerche belegt.[12][13]

  • Kiebitz (Vanellus vanellus): Brutvogelkartierungen im Knoblauchsland aus den beiden Jahren 2013 und 2015 haben insgesamt 148 Kiebitzbrutpaare dokumentiert. Diese bayernweit sehr große Kiebitzpopulation auf einem sogenannten Sekundärstandort zeigt die Lebensraumqualität der Kulturlandschaft mit ihrem weiträumigen Offenlandcharakter für diesen stark gefährdeten Wiesenbrüter.[12][13]
  • Feldlerche (Alauda arvensis): Der gefährdete Steppenvogel wurde mit 244 Brutpaaren im Knoblauchsland beobachtet (Bodenbrüterkartierungen 2013 und 2015).[12][13]
  • Rebhuhn (Perdix perdix): 37 Brutpaare dieser stark gefährdeten Art wurden im Knoblauchsland kartiert (Bodenbrüterkartierungen 2013 und 2015). Das jagdbare Rebhuhn besiedelt vor allem offenes, reich strukturiertes Ackerland. Die klein parzellierten Feldfluren mit unterschiedlichen Anbauprodukten bieten noch geeignete Lebensraumbedingungen. Allerdings sind wertgebende Habitatstrukturen wie Altgrasstreifen, Staudenfluren sowie Hecken und Feldraine in den letzten Jahrzehnten aufgrund der zunehmenden Intensivierung der landwirtschaftlichen Nutzung beseitigt worden. Auch die Bewässerung, der Gewächshausbau und die Bejagung wirken sich negativ auf die Bestandsentwicklung des Rebhuhns aus.[12][13]
  • Wiesenschafstelze (Motacilla flava): Mit 77 Brutpaaren wurde die weit verbreitete Wiesenschafstelze im Knoblauchsland nachgewiesen (Bodenbrüterkartierungen 2013 und 2015). Die kleinparzellierten und strukturreichen Anbauflächen bieten gute Habitatbedingungen für diese Art.[12][13]
  • Haubenlerche (Galerida cristata): Das mittelfränkische Brutvorkommen der in Bayern vom Aussterben bedrohten Haubenlerche galt seit der Jahrhundertwende als erloschen. Im Bereich von Schnepfenreuth und im Umfeld des Boxwaldes wurde die Art im Jahre 2014 als wahrscheinlicher Brutvogel mehrfach kartiert.[13][14]

Geschichte[edit | edit source]

Das Knoblauchsland auf einem Ausschnitt der Großen Wald- und Fraißkarte „Das Nürnberger Gebiet bis an die Grenzwasser“ von 1623

Die Erschließung des Knoblauchslandes reicht bis ins 8. Jahrhundert und ging von den Königshöfen Aurach, Fürth und Nürnberg aus. Die ersten Siedlungen waren Großgründlach, Eltersdorf und Königsmühle, die vom Königshof Aurach angelegt wurden, sowie Wetzendorf, Schniegling, Braunsbach, Poppenreuth, Boxdorf, Mannhof und Steinach, die durch Rodungen des Königshofs Fürth entstanden. Nach der Gründung von Nürnberg im Jahr 1040 entstanden im 11. und 12. Jahrhundert die Siedlungen Thon, Großreuth und Kleinreuth, um die wirtschaftliche Situation der jungen Stadt zu verbessern. Die weitere Erschließung des Gebietes oblag den Herren von Gründlach und den Herren von Berg, die vom König als Reichsdienstmänner eingesetzt wurden. Die Herren von Gründlach erschlossen das Gebiet nördlich der Gründlach und gründeten Kleingründlach, Reutles und Tennenlohe. Durch die Rodungen der Herren von Berg entstanden die Ortschaften Almoshof, Bislohe, Buch, Doos, Herboldshof, Höfles, Kraftshof, Kronach, Lohe, Neunhof, Sack, Schnepfenreuth, Stadeln und Ziegelstein.

Ab der Mitte des 13. Jahrhunderts erwarben sowohl die Reichsstadt Nürnberg als auch die Burggrafen und späteren Markgrafen von Brandenburg-Ansbach Besitztümer im Knoblauchsland. Diese Entwicklung endete 1427 mit dem Übergang der burggräflichen Rechte über das Knoblauchsland in den Besitz Nürnbergs. Jedoch entwickelten sich durch Ungereimtheiten in den Verträgen im Lauf der Jahre immer wieder Konflikte zwischen den beiden Parteien, die schließlich 1449 zum Ersten Markgrafenkrieg führten, in dessen Folge die Ortschaften Almoshof, Großreuth, Höfles, Kleinreuth, Lohe, Schnepfenreuth, Schniegling, Thon und Wetzendorf zerstört wurden. Auch der Zweite Markgrafenkrieg in den Jahren 1552 bis 1553 und der Dreißigjährige Krieg brachten Leid und Zerstörung über das gesamte Knoblauchsland.

Im Jahr 1796 wurde das Knoblauchsland unter preußische Verwaltung gestellt, ehe es 1806 bzw. 1810 an das neu gegründete Königreich Bayern überging. 1899 wurden mit Großreuth, Kleinreuth, Schniegling, Thon, und Wetzendorf die ersten Orte nach Nürnberg eingemeindet. Die ersten Auswirkungen des Zweiten Weltkriegs bekam das Knoblauchsland mit der Bombardierung Neunhofs am 6. Mai 1941 zu spüren. Im weiteren Kriegsverlauf wurden 1941, 1943 und 1944 erneut Luftangriffe geflogen, ehe die US-Armee im April 1945 über das Knoblauchsland die Stadt Nürnberg einnahm. Das letzte große Ereignis in der Geschichte des Knoblauchslandes war die bayerische Gebietsreform von 1972, in der alle bisher eigenständigen Gemeinden den Städten Nürnberg, Fürth und Erlangen zugeschlagen wurden.

Etymologie[edit | edit source]

Zwiebelzuchten haben diesem Landstrich zu seinem Namen verholfen. Hinweise darauf bietet das Wachstafelzinsbuch des Burggrafentums Nürnberg von 1425. Um 1600 weist der Nürnberger Stadtschreiber Johannes Müllner auf die Zwiebel als Namensursprung hin:

„Und diese bisher aufgezählten Flecken und Dörfer (des Knoblauchslandes) liegen alle zwischen den Wald und der Rednitz gegen der linken Hand, welcher Traktus insgeheim das Knoblachsland genennet wird, aus Ursach, dass viel Zwieffel und Rubsamen gebauet und von hinnen in fremde Land verführt … und damit große Hantierung getrieben wird.“

Johannes Müllner

Stadt und dörfliches Umland hatten also gegenseitigen Nutzen voneinander. Den einen diente das Umland als Nahrungsgrundlage, den Produzenten brachte es in Krisenzeiten Sicherheit im Zeichen der Burg.

Gemüseanbau[edit | edit source]

Der Nürnberger Stadtteil Neunhof zwischen den Gemüsefeldern im Knoblauchsland, 2008

Im Knoblauchsland bewirtschaften rund 200 Betriebe eine landwirtschaftliche Nutzfläche mit einer Größe von circa 2300 Hektar.[15] Der Gemüseanbau im Knoblauchsland wird sowohl in Treibhäusern als auch im Freiland betrieben. Zur Bewässerung wird hauptsächlich Wasser aus dem Sebalder Reichswald herangezogen. Seit dem Jahr 2000 wurden auch Bewässerungsleitungen von der Regnitz ins Knoblauchsland angelegt. Dies wird durch die Anhebung der Niedrigwasserführung der Regnitz durch die Donau-Main-Überleitung ermöglicht.

Gemüsearten[edit | edit source]

Zu den angebauten Pflanzen zählen Blumen, Kartoffeln, Kohl, Kohlrabi, Lauch, Radieschen, Rettich, Spargel, Spinat, Tabak, Weizen und Wirsing sowie Zwiebeln, Zucchini, Auberginen, Tomaten und viele Salatsorten.[15][16]

Spargelanbau[edit | edit source]

Der Spargelanbau hat eine lange Tradition im Knoblauchsland. So wurde der Knoblauchländer Spargel in der Literatur bereits im 17. Jahrhundert „als besonders wohlschmeckend“ erwähnt.[17]

Tabakanbau[edit | edit source]

Im 17. und 18. Jahrhundert war Mittelfranken und insbesondere das Knoblauchsland das führende Tabakanbaugebiet in Deutschland. Bereits ab den 1630er Jahren ist der Tabakanbau in Nürnberg belegt.[18]

Kulturlandschaft[edit | edit source]

Landschaftsgeschichte[edit | edit source]

Das Modell der Thünenschen Ringe beschreibt die historischen Wechselbeziehungen zwischen Nürnberg und dem Knoblauchsland. Schnell verderbliche Nahrungsmittel wie Gemüse und Milch konnten im Mittelalter unter den damaligen Transportbedingungen des Fuß- und Wagenverkehrs keine langen Wege von den Produzenten zu den städtischen Konsumenten überstehen.[19] Daher war ein marktorientierter Anbau von verderblichen Waren wie Gemüse in nächster Nähe zu städtischen Verbrauchszentren erforderlich. Die Stadt Nürnberg fungierte nicht nur als Verbraucher der landwirtschaftlichen Produkte des Knoblauchslandes, sondern lieferte auch Dung, der als biologischer Dünger für die Anbauflächen genutzt wurde. Diese enge funktionale Verknüpfung wurde durch den Einsatz von mineralischen Dünger, modernen Kühltechniken und schnelleren Verkehrsmittel weitestgehend aufgehoben. Die stadtnahen Intensivkulturen stellen vordergründig Persistenzerscheinungen dar, die den hohen kulturhistorischen Wert der Gemüseanbauflächen für die angrenzenden Städte widerspiegeln.[20]

Landschaftsraum[edit | edit source]

Blick über Gemüsefelder nach Großgründlach, 2004

Das Knoblauchsland wurde von dem Bayerischen Landesamt für Umwelt als eine bedeutsame Kulturlandschaft eingeordnet und als unverwechselbar eingestuft.[21][22] Die offene und flache Landschaft mit den kleinteiligen Gemüseanbauflächen prägt das Landschaftsbild bereits über Jahrhunderte. Realteilung und maßvolle Flurbereinigungsverfahren haben den Erhalt der charakteristischen Flurstruktur mit sehr schmalen und langen Flurstücken bewirkt. Das Landschaftsbild des Knoblauchslandes vermittelt Heimatgefühl und trägt zur lokalen und regionalen Identität bei.[23]

Historische Kulturlandschaftselemente[edit | edit source]

Der Kulturladen Schloss Almoshof im Holzschuherschlösschen

Historische Kulturlandschaftselemente verleihen dem Landschaftsraum des Knoblauchslandes ein besonderes Gepräge. Die Identität der traditionellen Agrarlandschaft ist durch zahlreiche Kulturlandschaftselemente gekennzeichnet, bedeutend sind dabei:

Naherholung[edit | edit source]

Das vielfältige Nebeneinander von zahlreichen Gemüsearten und -sorten macht das Knoblauchsland zusammen mit den historischen Baudenkmälern zu einem Naherholungsraum.[19]

Landschaftsveränderung[edit | edit source]

Der Landschaftscharakter der historischen Kulturlandschaft hat sich seit Anfang der 1960er Jahre durch landwirtschaftliche Intensivierungsmaßnahmen und Flurbereinigungsmaßnahmen gewandelt.[25]

Die Verlagerung und Erweiterung des Nürnberger Flughafens führte neben großflächigen Gewerbeansiedlungen und Wohngebietsausweisungen sowie Infrastrukturvorhaben zu Eingriffen in die bedeutsame Kulturlandschaft.[26] Der Entzug von landwirtschaftlicher Nutzfläche im Zuge der großräumigen Bauflächeninanspruchnahme bedingte, dass der Freilandgemüseanbau durch große, beheizte Gewächshäuser sukzessive ersetzt wurde. Im Umfeld des Flughafens und nördlich von Kleinreuth hinter der Veste, Thon, Wetzendorf und Schniegling sowie östlich von Poppenreuth ist diese Entwicklung verstärkt zu beobachten.

Das Knoblauchsland war in der Vergangenheit des Öfteren davon bedroht, durch Ausweisung großflächiger Wohn- und Gewerbegebiete seinen ländlich-dörflichen Charakter zu verlieren und mit den Städten baulich zu verschmelzen. In den 1990er Jahren war der Fortbestand des Gemüseanbaugebiets besonders gefährdet. Seinerzeit löste ein Projekt namens „Gewerbepark im Knoblauchsland“ große Proteste bei Landwirten und Bevölkerung aus, durch die es letztlich verhindert werden konnte. Die Ansiedlung eines Großmöbelhauses und eines Teppichhauses sowie zur Errichtung einer neuen Ausfahrt an der A73 (Fürth-Steinach) wurden 2016 umgesetzt und der dortige langjährige Tabakanbau verschwand fast vollständig.

Kunst[edit | edit source]

Der Maler Rudolf Schiestl beschäftigte sich in Form von Graphiken und Radierungen mit Motiven der altfränkischen Landschaft. Er war ein großer Verehrer des Knoblauchslandes. Der Professor an der Kunstgewerbeschule Nürnberg drückte seine Vorliebe für das Gemüseanbaugebiet in diesem Zitat aus: „Die Nürnberger müssten sich glücklich schätzen, Flandern und die Provence so nahe vor ihren Toren zu haben.“[27]

Sonstiges[edit | edit source]

Im Schloss Almoshof wurde ein Kulturladen als Stadtteilzentrum eingerichtet. Der Kulturladen dient als Begegnungsstätte mit Kulturprogramm und diversen Gruppen- und Kursangeboten.

Literatur[edit | edit source]

  • Erich Guttenberg, Hermann Rusam: Knoblauchsland. Verlag A. Hofmann, Nürnberg 1989, ISBN 3-87191-139-9.

Weblinks[edit | edit source]

Einzelnachweise[edit | edit source]

  1. a b c Irmgard Müssenberger: Das Knoblauchsland. Nürnbergs Gemüseanbaugebiet. In: Vorstand der Fränkischen Geographischen Gesellschaft (Hrsg.): Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft. Heft 7. Selbstverlag der Fränkischen Geographischen Gesellschaft, Erlangen 1959, S. 97.
  2. a b c Digitale Geologische Karte von Bayern 1:25.000 (dGK25). In: BayernAtlas. Bayerisches Landesamt für Umwelt, Bayerische Vermessungsverwaltung, EuroGeographics, abgerufen am 2. Februar 2020.
  3. a b Übersichtsbodenkarte von Bayern 1:25.000. In: BayernAtlas. Bayerisches Landesamt für Umwelt, Bayerische Vermessungsverwaltung, EuroGeographics, abgerufen am 2. Februar 2020.
  4. Karte der Naturraum-Haupteinheiten und Naturraum-Einheiten in Bayern. (PDF) Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 2. Februar 2020.
  5. Irmgard Müssenberger: Das Knoblauchsland. Nürnbergs Gemüseanbaugebiet. In: Vorstand der Fränkischen Geographischen Gesellschaft (Hrsg.): Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft. Heft 7. Selbstverlag der Fränkischen Geographischen Gesellschaft, Erlangen 1959, S. 92.
  6. Gewässerstrukturkartierung der Fließgewässer Bayerns 2017 (Vor-Ort-Verfahren). In: BayernAtlas. Bayerisches Landesamt für Umwelt, Bayerische Vermessungsverwaltung, EuroGeographics, abgerufen am 2. Februar 2020.
  7. Klima Nürnberg. Climate-Data.org, abgerufen am 2. Februar 2020.
  8. a b Nürnberg (Flugh.). Deutscher Wetterdienst, abgerufen am 2. Februar 2020.
  9. Messstation Nürnberg Flugfeld. Stadt Nürnberg, abgerufen am 2. Februar 2020.
  10. Ulrike Hanning: Grüne Liste der Landschaftsschutzgebiete in Bayern. Bayerisches Landesamt für Umwelt, 31. Dezember 2018, abgerufen am 6. Februar 2020.
  11. Landschaftsschutzgebiete. In: BayernAtlas. Bayerisches Landesamt für Umwelt, Bayerische Vermessungsverwaltung, EuroGeographics, abgerufen am 6. Februar 2020.
  12. a b c d e Erfassung von bodenbrütenden Vogelarten im Knoblauchsland im Stadtgebiet von Nürnberg. (Nicht mehr online verfügbar.) Umweltamt der Stadt Nürnberg, 11. Februar 2014, archiviert vom Original am 30. August 2017; abgerufen am 30. August 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nuernberg.de
  13. a b c d e f Erfassung von bodenbrütenden Vogelarten im Knoblauchsland im Stadtgebiet von Nürnberg Ergebnisbericht 2015. (Nicht mehr online verfügbar.) Umweltamt der Stadt Nürnberg, 2015, archiviert vom Original am 30. August 2017; abgerufen am 30. August 2017.  Info: Der Archivlink wurde automatisch eingesetzt und noch nicht geprüft. Bitte prüfe Original- und Archivlink gemäß Anleitung und entferne dann diesen Hinweis.@1@2Vorlage:Webachiv/IABot/www.nuernberg.de
  14. Schriftliche Anfrage:Entwicklung der Bestände geschützter Vogelarten in Mittelfranken. Bayerischer Landtag, 22. April 2016, abgerufen am 31. August 2017.
  15. a b Knoblauchsländer Gemüse. Bayerisches Staatsministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten; alp Bayern, Agentur für Lebensmittel, abgerufen am 23. Februar 2020.
  16. Entwurf einer kulturlandschaftlichen Gliederung Bayerns als Beitrag zur Biodiversität: 21 Ballungsraum Nürnberg – Fürth – Erlangen. Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), 2011, abgerufen am 30. August 2017.
  17. Herbert Goldhofer und Angela Dunst: Feldgemüseanbau in Bayern: Ökonomik wichtiger Kulturen. Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL), Mai 2005, abgerufen am 2. Februar 2020.
  18. Michael Nadler: Der besteuerte Genuss: Tabak und Finanzpolitik in Bayern 1669–1802 (Miscellanea Bavarica Monacensia). utzverlag GmbH, 2008, ISBN 978-3-8316-0764-8, S. 204.
  19. a b Knoblauchsland - Arbeitsintensiver Gartenbau. Deutschland - Landwirtschaftliche Betriebe. In Diercke Weltatlas. Westermann Schulbuch, 2015, ISBN 978-3-14-100800-5, S. 58.
  20. Hartmut Heller: Eine Zukunft für das Knoblauchsland. In: Mitteilungen der Fränkischen Geographischen Gesellschaft. Bd. 25/26, 1978/1979, S. 115–145. Fränkische Geographische Gesellschaft, 1979, abgerufen am 23. Februar 2020.
  21. Kulturlandschaftliche Gliederung Bayerns. Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), 6. Februar 2015, abgerufen am 31. August 2017.
  22. a b Bedeutsame Kulturlandschaften in der Kulturlandschaftseinheit 21 Ballungsraum Nürnberg-Fürth-Erlangen. Bayerische Landesamt für Umwelt (LfU), 2015, abgerufen am 31. August 2017.
  23. Kulturlandschaft. Bayerisches Landesamt für Umwelt, abgerufen am 14. Februar 2020.
  24. Hermann Rusam: Knoblauchsland: Romantik einer altfränkischen Gemüsebauernlandschaft inmitten des Städtedreiecks Nürnberg, Fürth, Erlangen. Verlag A. Hofmann, Nürnberg 1989, ISBN 3-87191-139-9, S. 100–102.
  25. Hermann Rusam: Knoblauchsland: Romantik einer altfränkischen Gemüsebauernlandschaft inmitten des Städtedreiecks Nürnberg, Fürth, Erlangen. Verlag A. Hofmann, Nürnberg 1989, ISBN 3-87191-139-9, S. 7.
  26. Knoblauchsland: Rahmenbedingungen und Planungsgrundlagen. Stadt Nürnberg, März 2017, abgerufen am 7. Februar 2020.
  27. Hermann Rusam: Knoblauchsland: Romantik einer altfränkischen Gemüsebauernlandschaft inmitten des Städtedreiecks Nürnberg, Fürth, Erlangen. Verlag A. Hofmann, Nürnberg 1989, ISBN 3-87191-139-9, S. 8.

Koordinaten: 49° 29′ 20″ N, 11° 2′ 11″ O